Artikel aus der Ausgabe 11/12-2026
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Artikel aus der Ausgabe November/Dezember 2026
- Klar doch, so ist es! … von Wolf Sugata Schneider
- Klarheit jenseits von richtig und falsch … von Daniela Schuchardt
- Veränderung beginnt in deinem Inneren … von Claudine Birbaum
- Die Kunst, im Hier und Jetzt zu leben … von Hiekyoung Blanz
- Der Mut, nicht länger jemand anderes zu sein … von Stephan Möritz
- Klarheit – ein Weg zur inneren Balance und Freude … von Clara Welten
- Der wahre Yogapfad … vom Studienkreis für Empirische Evolutionsforschung
- Augen-Aufstellung, was ist das eigentlich … von Christian Zech
Klar doch, so ist es! … von Wolf Sugata Schneider
Klarheit ist die beliebteste aller Ausreden für autoritäres Verhalten. Das ist das Erste, was mir zum Thema "Klarheit" einfällt. "Diese Person ist so klar in dem, was sie sagt! Ich bewundere sie für ihre Klarheit. Endlich redet mal einer Tacheles." Ist das nicht ziemlich autoritär? Ist Klarheit etwa ein Deckmäntelchen, mit dem sich autoritäre Charaktere gerne tarnen?
Klare Kante oder klarer Blick?
Bevor ich jetzt als ein Freund von diffusem Geschwurbel oder gefährlichen Doppelbotschaften beschimpft werde, möchte ich "klarstellen", dass auch ich Klarheit liebe. Manchmal auch autoritäre Strukturen. Vor allem dann mag ich solche, wenn sie transparent sind, durchsichtig, klar erkennbar für alle davon Betroffenen.
Was ich nicht mag, das ist die damit einhergehende Suggestion, dass solche Überzeugungsstärke auf einem klaren Blick beruht, auf sowas wie einer gut geputzten Brille, durch die man die Wirklichkeit sieht, wie sie wirklich ist.
Es ist doch eher so, dass solch eine Stärke im Überzeugen auf dem unmissverständlichen Vermitteln von Entscheidungen beruht: Das will ich, jenes nicht. Dafür stehe ich, dafür nicht (Kein Vielleicht und Irgendwie-doch oder Mal-sehen, Wer-weiß-schon). Diese Entschiedenheit erfrischt. Da weiß man als Empfänger der Botschaften, woran man ist. Die Sprecherin zeigt ihr Profil, und das hat Kanten. An denen kann ich mich stoßen, aber es ist doch besser, ich weiß, wo diese Kanten sind, als wenn ich mich im Nebel bewege und nicht mehr bremsen kann, ehe ich auf diese Härte stoße.
Kann Autorität gut sein?
Mir ist bewusst, dass dieses Plädoyer für Klarheit auch ein Plädoyer für Autorität ist. Vor allem eines für den Mut, sich in seiner Eigenheit zu zeigen. Das mit einem unverstellten, vorurteilslosen Blick auf die Wirklichkeit zu verwechseln, kann leicht in blinder Gefolgschaft enden. Denn die hier so überzeugend sprechende Person hat nicht etwa einen vorurteilsfreieren Blick auf die Wirklichkeit, sie zeigt ihre Meinung, ihre Haltung nur deutlicher. Ihr Blick auf die Wirklichkeit kann von viel mehr Vorurteilen verstellt sein als deiner, die du ihr zuhörst und sie als "so klar" empfindest.
Klarheit des Herzens
Meine Interpretation der Doppeldeutigkeit von "Klarheit" weite ich nun vom kognitiven auf den Bereich des Herzens aus. Also auf den von Zugehörigkeit, Bindung, Loyalität und Wir-versus-die-anderen. Wenn du mir mit deiner Rede und deinen sonstigen Botschaften wie Kleidung, Equipment, Standort, Körpersprache zeigst, wo du sozial und emotional verortet bist, dann ist auch das eine Klarheit. Diese hat aber nichts mit einem unverstellten Blick auf die Wirklichkeit zu tun, sondern zeigt viel eher deinen Mut, zu den eigenen Entscheidungen zu stehen.
Chaos oder Struktur?
Auch klare Strukturen sind nicht immer gut und können zerfallen, obwohl wir viele davon aus Anhänglichkeit zu erhalten suchen. In der Natur neigt alles nicht aktiv aufrecht Erhaltene zur Entropie, zum Zerfall, zur Auflösung. Jetzt im Herbst sehen wir, wie die Laubbäume ihre Blätter verlieren und die Natur sich auf den Winter einstellt. Das Chaos der gefallenen Blätter wird auch in Berlin irgendwann von der Straßenreinigung entfernt, dann sind auch dort die Straßen, Geh- und Radwege ein bisschen klarer. Die nun laublosen Bäume erscheinen klarer in ihren Strukturen; wenn dann auch der Himmel mal klar ist, sieht man ihn durch die Zweige viel besser.
Freiräume in kollabierenden Strukturen
In unserer Gesellschaft erleben wir gerade, dass Figuren wie Donald Trump und andere den "Wertewesten" als Heuchelei erscheinen und kollabieren lassen, was chaotische Verhältnisse hinterlässt. Angst breitet sich aus, Unsicherheit und Depressionen nehmen zu. Der Kollaps von Strukturen bietet aber auch Freiheiten.
Bei Strukturen, die von der Exekutive kompromisslos durchgesetzt werden, haben wir die Klarheit - gemeint ist: Sicherheit - zu wissen, was wir dürfen und was nicht. Im Chaos einer zerfallenden Struktur, die nicht mehr von einer Autorität aufrechterhalten werden kann, gibt es mehr Möglichkeiten für irreguläres, betrügerisches, asoziales Verhalten. Es kann jedoch auch die Autorität selbst irregulär, betrügerisch und asozial sein. Lieber ein Rechtsstaat oder Warlords? Solange der Rechtsstaat kein Unrechtsstaat ist, ziehe ich den Rechtsstaat vor.
Innere Klarheit
Auch im Bereich von Spiritualität und Selbstfindung stehen sich Struktur und Chaos polar gegenüber. Religionen, Sekten und funktionierende Nationen sind eher strukturiert und ziehen als solche Menschen an, die Halt suchen und vorgegeben bekommen wollen, was richtig und was falsch ist. Künstler und Anarchisten hingegen fühlen sich tendenziell im Chaos wohler, wo ihre verrückten Ideen und wilden Lebensäußerungen nicht gleich von der Ordnungsmacht limitiert werden; für sie sind Strukturen eher Gefängnisse als Leitplanken. Wer in der Natur, der Liebe oder der Meditation innere Klarheit findet, glaubt meist, ohne solche Strukturen und Regelwerke besser auszukommen.
Mystiker versus Kirche
Dabei stehen sich dann zwei Klarheiten gegenüber: die der Religion, die sagt, welche Regeln befolgt werden müssen, um ins Paradies zu gelangen … und auf der anderen Seite die innere Klarheit des Individuums, das den Bezug zur Transzendenz in der Einsicht (Vipassana) oder dem künstlerischen Ausdruck (Flow) findet. Der umfassenden Klarheit eines Mystikers in seiner Ekstase steht dann die Klarheit der Gelehrten gegenüber, die aus ihrer Heiligen Schrift Gottes Willen glauben herauslesen zu können.
Kopf gegen Herz
Abgemildert fand sich diese Polarität auch in der Auflehnung der Romantik gegen die Ergebnisse der Aufklärung. Heute treffen wir sie wieder im Gegenüber von Kopf und Herz in den spirituellen Subkulturen. Da steht dann "ein klarer Kopf" einer "Wahrheit des Herzens" gegenüber, beide von sich überzeugt und klar entschieden in ihrem Gegeneinander.
Stabil werden
Das viel besungene Herz ist eher wild und unstrukturiert als stabil, wie in Rilkes Gedicht "Ach, in meinem wilden Herzen nächtigt obdachlos die Unvergänglichkeit." Gerade das Ungefestigte, Obdachlose, Instabile ist hier imstande, der Ewigkeit zu begegnen, dem Zeitlosen. Psychische Stabilität passt nicht zur Obdachlosigkeit eines solchen wilden Herzens. Dass Therapeuten und Psychiater Stabilität schätzen, kann ich andererseits durchaus verstehen. Erst wenn ihre Klienten "wieder stabil" sind, können sie entlassen werden - in die strukturierte Gesellschaft. Die nicht immer stabil ist und vielleicht das war, was die Patientin einst hatte Hilfe suchen lassen. Eine feste, stabile Psyche kann auch stur und unflexibel sein. Stabilität ist nicht per se gut.
Die Hybris der Ahnungslosen
Ist das so? Keine Ahnung … ja, genau. Zu den häufigsten Floskeln, mit denen unsereins in einer Rede das Äh vermeidet, gehört "keine Ahnung". Oft wechselt sich dieses im selben Atemzug ab mit "Ja, genau". Ja, was nun? Hast du keine Ahnung, oder weißt du es genau? "Zwei Seelen wohnen, ach! in meiner Brust". Was damals für Goethes Faust galt, das ist auch in unserer Brust so ähnlich - einerseits wohnt da die Ahnungslosigkeit, und gleich nebenan aber auch die Hybris, es genau zu wissen.
Ein bisschen mehr Klarheit wäre gut. Wo stehen wir denn in diesem weiten Spektrum von völliger Ahnungslosigkeit und verlässlichem Wissen? Wie weit geht unsere "Klarheit" tatsächlich? Ist sie echter Durchblick oder nur klare Kante? Wobei auch eine klare Kante schon was hat. Weisheit ist das noch nicht, oft nicht einmal Durchblick. Transparenz in Bezug auf meine Absichten kann diese Klarheit allerdings bieten. Dann wissen meine Mitmenschen immerhin, woran sie sind mit mir.
Wolf Sugata Schneider, Jg. 52. 1985-2015. Herausgeber der Zeitschrift Connection. Autor von "Sei dir selbst ein Witz" (2022). www.connection.de, www.bewusstseinserheiterung.info, www.ankommen.website
Hinweis zum Artikelbild: © Jacob Lund – AdobeStock
Klarheit jenseits von richtig und falsch … von Daniela Schuchardt
Falsch ist ein Gedanke
Der Gedanke, dass ich oder etwas im Leben falsch ist, ist eine für normal gehaltene Interpretation und durchzieht das ganze Leben. Der unbewusst für wahr gehaltene Gedanke, falsch zu sein, ist sehr schmerzlich, und er ist in vielen Überzeugungen verborgen. Die in der Kindheit eingeprägte Annahme, dass "ich etwas falsch machen kann", dass "ich falsch bin", erscheint als eine unmittelbare gedankliche Interpretation - beispielsweise, wenn ich kritisiert werde, wenn ich nicht mache, was die Erwachsenen sagen, wenn laut mit mir gesprochen wird, wenn ich zurechtgewiesen werde, wenn ich in der Schule keine guten Noten schreibe, etc.
So erscheint der Gedanke, falsch zu sein, als eine Tatsache und wird im selben Augenblick in die Welt projiziert. In dieser Überzeugung gefangen sucht und findet der Verstand überall etwas, das falsch ist: Das Wetter ist falsch, körperliche Erkrankungen oder Einschränkungen sind falsch, der Partner oder die Partnerin ist falsch, die Eltern, die Kinder, die Geschwister sind falsch, die Nachbarn sind falsch, der Chef oder die Kollegen sind falsch, andere Meinungen sind falsch. Diese Liste könnte unendlich fortgesetzt werden. Sie scheint eine Beweisliste dafür zu sein, dass es dieses "Falschsein" wirklich gibt. Die Bestätigung anderer Menschen, die dasselbe über sich oder andere denken, zementiert den Glauben, dass der Gedanke "falsch" eine Tatsache ist. Er ist wie ein gedanklicher Filter, durch den die Welt gesehen wird.
In dieser Überzeugung projiziert und interpretiert man den Gedanken des Falschseins in unzählige Situationen hinein, um die schmerzliche Schuld, die daran gekoppelt ist, nicht fühlen zu müssen. Das tut niemand. Es geschieht von selbst. Unbewusst.
Der augenblicklich einsetzende Automatismus, alles richtig machen zu wollen, um richtig zu sein, kann den Schmerz nicht wirklich lindern. Immer wieder erscheint der Gedanke, falsch sein zu können.
Die Projektion von Falsch
Die Projektion des Gedankens "Ich bin falsch" nach außen erschafft somit eine falsche Welt. Es ist eine Welt der Schuld. Hier wird die Schuld bei anderen oder bei sich selbst gesucht. Das erzeugt Spaltung, Trennung, Krieg - gegen sich selbst oder gegen andere. Es bedeutet Leiden.
In derselben Bewegung beginnt der Automatismus, es richtig oder besser machen zu wollen. Dabei wird debattiert, gegen andere Meinungen argumentiert, es wird verglichen, es wird konkurriert, es wird abgewertet, abgewehrt, gestritten, Krieg geführt. Es ist die Trennung von richtig und falsch. Dabei wird geglaubt, etwas Richtiges oder Falsches denken oder tun zu können.
Es ist der Kampf darum, recht zu haben, um richtig zu sein, um selbst den unsäglichen Schmerz des Gedankens, falsch zu sein, in sich selbst nicht fühlen zu müssen.
Dabei wird nicht bemerkt, wie angst-aggressiv dieser Gedanke und die daran gekoppelten Verhaltensweisen sind. Es ist ein Automatismus, der Angst und Panik erzeugt sowie Aggression und Hass, was ein anderer Ausdruck derselben Angst ist.
Ursache: Die Ich-Identifikation
Warum ist das so? Der Trennungsgedanke von richtig und falsch erscheint automatisch auf der Bühne des Lebens durch die unbewusst übernommene, körperlich erscheinende Ich-Identität. Es ist die für wahr gehaltene Ich-Identität, die Handlungen und Worte sofort als richtig und falsch interpretiert und diese persönlich nimmt. Es ist die unbewusst übernommene Identifikation mit dem Körper, mit dem Geschlecht, mit Lob oder Tadel, mit Erfolg oder Misserfolg, mit bestimmten Meinungen, mit einer Familie, mit einer Kultur, mit einem Land, mit einer Religion, etc. Jede dieser Identifikationen bedeutet Trennung, Abspaltung, Schmerz, Leiden. Diese Getrenntheit fühlt sich körperlich angespannt, eng und schmerzlich an. All diese unbewusst für wahr gehaltenen Identifikationen sind Wege in der Zeit, die Trennung, Abspaltung und Schmerz erzeugen.
Schmerz als Wendepunkt
Der Schmerz ist der Moment, wo Innehalten geschehen kann, wo etwas Neues geschehen kann. Ich kann etwas tun? In der Ich-Identifikation sieht es so aus, als könnte ich etwas Richtiges oder Falsches tun. Doch kann ich das wirklich? Was ist richtig und falsch? Wer legt das fest? Woher kann ich wissen, ob etwas richtig oder falsch ist?
In der Innenschau wird klar: Wenn sich das Leben gut anfühlt, erscheint die Interpretation, dass das Leben richtig ist. So fühlt es sich gut an, wenn meine Wünsche in Erfüllung gehen oder wenn ich Wertschätzung und Bestätigung bekomme, wenn das Leben nach meinen Vorstellungen abläuft. Und es fühlt sich frustrierend, schmerzlich an, wenn ich keine Wertschätzung bekomme, wenn ich kritisiert werde oder meine Wünsche nicht in Erfüllung gehen und ich etwas Gewohntes verliere. Was sich gut anfühlt, wird automatisch als "So ist das Leben richtig." oder "Ich bin richtig." interpretiert. Was sich schmerzlich anfühlt, wird automatisch als "So ist das Leben falsch." oder "Ich bin falsch." interpretiert.
Der Zweifel daran, was richtig oder falsch ist, ist hier ein ständiger Begleiter. Es ist ein Trennungsschmerz, der durch die in der Kindheit unbewusst angenommene Ich-Identität von selbst geschieht. Die Ich-Identität wurde gelernt. Sie bekam einen Namen. Ich und du. Ich und die Welt. Es sieht zunächst einmal so aus. Hier wird deutlich, dass sich das niemand aussucht, das tut niemand. Es geschieht einfach. Die körperlich erscheinende Ich-Identität ist nicht falsch. Sie ist schmerzlich.
Innehalten und die Umkehr nach innen
So ist der Schmerz, der aus der Trennung durch die Ich-Identifikation folgt, ein wertvoller Moment, weil hier ein Bemerken, ein Innehalten geschehen kann. Es ist der Moment, wo sich die Richtung der Aufmerksamkeit ändern kann, von außen nach innen. Die Trennung in ein Ich fühlt sich falsch an, weil sie schmerzlich ist. Die Ich-Identifikation ist das Etikett - sie hat einen Namen bekommen und glaubt nun, dieser Name zu sein. So ist jedes Ich, das sich unbewusst für einen Körper hält, eine ungeprüfte gedankliche Grundannahme, die wir in der Kindheit gelernt und seither wiederholt haben, ohne sie je zu überprüfen. Hier wird das Ich zum Kämpfer, das in der Welt um das Überleben kämpft, denn das Ich will überleben und nicht sterben.
Die Frage nach richtig und falsch
Was ist also richtig und was ist falsch? Wer bin ich ohne diese Identifikationen? Wenn ich nicht der Körper bin, nicht meine Geschichte, nicht meine Gedanken, nicht meine Erfolge und nicht meine Misserfolge, nicht meine Meinung, nicht mein Geschlecht, nicht meine Familie, nicht mein Land, nicht meine Religion - wer bin ich dann? Was bleibt, wenn ich all das gar nicht wirklich bin? Hier zeigt sich, dass die Frage von richtig und falsch selbst aus der Vorstellung eines getrennten Ichs entstanden ist.
Ein Ich, das sich unbewusst für einen Körper hält, muss entscheiden, was richtig und falsch ist. Es muss sich orientieren, schützen, vergleichen und beurteilen, muss unterscheiden in richtig und falsch. Es muss wissen, ob es selbst richtig ist. Es muss wissen, ob der andere richtig oder falsch ist. Doch wenn die Identifikation mit diesem Ich durchschaut wird, was bleibt dann von diesem Gedanken übrig? Gibt es hier noch ein richtig und falsch? Ist nun die Ich-Identifikation falsch, oder fühlt sie sich nur falsch an, weil Trennung schmerzlich ist?
Im Innehalten ist es still und es wird erkannt, was jetzt da ist. Ohne es richtig oder falsch nennen zu müssen. Ohne es mit etwas anderem vergleichen zu müssen. Ohne Urteil. Ohne Schuld. Die Wirklichkeit braucht keine Einteilung, keine Benennung. Die Frage von richtig und falsch verliert hier ihre Bedeutung.
Stille
In Stille ist klar: Es ist Leben. Es ist Präsenz. Hier gibt es kein richtig und falsch. Hier erscheint nicht einmal ein Name. Hier gibt es nichts zu erreichen, weil alles schon ist. Es ist stille Präsenz. Hier gibt es keinen Kampf darum, richtig zu sein. Hier ist einfaches Sein. Es ist Lebendigkeit. Bewusstsein. Liebevolles Gewahrsein. Und es zeigt sich: Das, was hier ist, war niemals verloren. Es war nur vergessen. Es war immer schon da. Es ist das, was ich bin. Leben.
Daniela Schuchardt ist Coach und Autorin der geistreich Bewusstseinsschule. Sie bietet Einzel- und Gruppenbegleitungen in Berlin, auf La Gomera und online an. Weitere Infos: www.geistreich-sein.de
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Veränderung beginnt in deinem Inneren … von Claudine Birbaum
Wenn du spürst, da wartet noch mehr in dir, wenn du fühlst, du lebst nicht dein ganzes Potenzial, dann ist die Zeit gekommen, dass du dein wahres Ich lebst. Erfahre, wie du dich an deine innere Wahrheit erinnerst und wie du dein Leben wieder selbst in die Hand nimmst. Drei einfache, aber tiefgreifende Schritte unterstützen dich dabei.
Im Beruf Verantwortung übernehmen, für die Familie da sein, Beziehungen pflegen und den Erwartungen des Umfelds entsprechen: Dein gut organisiertes Leben muss sich nicht automatisch wie das eigene Leben anfühlen. Spätestens wenn du an einem Wendepunkt deines Lebens stehst - beruflich oder privat - stellst du dir häufig grundlegende Fragen: Passt mein bisheriger Weg noch zu mir? Was möchte ich verändern? Und woran erkenne ich, ob meine Intuition oder meine Angst zu mir spricht? Damit du Antworten auf deine grundlegenden Fragen findest, bedingt es deine Bereitschaft: Erstens in die Stille zu gehen, zweitens tief in dein Inneres zu blicken und drittens einen ersten Schritt in Richtung deines neuen Lebens zu wagen. Bist du bereit dazu?
Schritt 1: Gönne dir Stille - in der Ruhe findet deine Veränderung statt
In der heutigen Zeit betteln dein Smartphone, deine Mail-Inbox oder diverse Social-Media-Kanäle dauernd um deine Aufmerksamkeit. Wenn du nicht aufpasst, bist du rund um die Uhr beschäftigt, neue Informationen zu verarbeiten. Natürlich ist es fragwürdig, ob dir alle diese Informationen wirklich zuträglich sind oder ob du dich damit zum Teil nur ablenkst, um nicht hinschauen zu müssen. Denn wenn eine (unbequeme) Veränderung ansteht, ist der Mensch sehr kreativ, sich davon abzulenken. Ich spreche aus Erfahrung. Als es darum ging, meine langjährige Bankerkarriere" abzuhaken, benötigte es drei Kündigungen innert kurzer Zeit, bis ich mich endlich dazu bereit fühlte, mein Leben genauer anzuschauen. Es ist wichtig, dass du dir Stille gönnst, wenn eine Veränderung in deinem Leben ansteht. Was stimmt nicht mehr in deinem Leben? Dein Job, dein Partner oder deine Partnerin, dein Wohnort, deine Freunde, dein Lebenswandel, deine Hobbies oder eine Kombination aus mehreren.
Um wirklich mit deinem Inneren Kontakt aufnehmen zu können, gehst du am besten in die Natur. Wähle einen Ort aus, an dem du ungestört bist. Dein Smartphone lässt du zu Hause oder stellst es zumindest auf Flugmodus. Setze dich hin und nimm Kontakt mit deinem Inneren auf. Lege eine Hand auf dein Herz-Energiezentrum - in der Mitte deiner Brust - und atme tief ein und aus. Falls du eher der Bewegungsmensch bist, geh im Wald spazieren und entschliesse dich dazu, Verbindung mit deinem Inneren aufzunehmen. Deine Intention genügt. Frage dich anschliessend: Was will ich wirklich aus meinem Innersten heraus? Passt mein bisheriger Weg noch zu mir? Höre auf deine innere Stimme. Was flüstert sie dir zu? Hier beginnt deine Veränderung: in der Stille. unscheinbar, aber sehr kraftvoll.
Schritt 2: Erkenne deine innere Wahrheit
Sei ehrlich zu dir selbst. Verdränge keine Gedanken, auch wenn sie unangenehm sind. Es geht hier zu Beginn nur um eine Bestandesaufnahme. Wenn du magst, kannst du deine Gedanken auch aufschreiben - von Hand mit einem Stift auf ein Stück Papier. Lass dein Herz deine Hand führen. Das ist ein sehr wirksames Vorgehen. Frage dich: Wo stehe ich heute? Was möchte ich verändern? Du kannst dabei kreativ ein Mind-Map erstellen oder zwei Kolonnen. Auch skizzieren und zeichnen sind erlaubt. Lass es einfach fliessen. Stoppe deinen Verstand, wenn er reingrätscht und mit Argumenten daherkommt wie: Das geht nicht. Du bist zu alt dafür. Damit wirst du kein Geld verdienen. Du hast keine Zeit dazu. Was werden die Leute dann über dich sagen. Du bist ja eigentlich zufrieden … und vieles mehr. Hier spricht deine Angst, die aus deinem rationalen Verstand kommt. Dein Verstand holt sich seine Informationen aus deiner Vergangenheit und versucht so, dir deine Zukunft vorauszusagen. So bleibst du jedoch in deinem Hamsterrad des Alltags stecken. Veränderung geschieht dabei nicht. Höre auf deine Intuition, deine innere Stimme. Sie ist leise und spornt dich an, Neues zu wagen. Du spürst es innerlich, wenn sie zu dir spricht: Dein Herz geht auf, du fühlst eine Wärme in deiner Herzgegend, du kannst befreiter atmen. Wenn dein Verstand, also dein Ego, zu dir spricht, zieht sich dein Herz zusammen, dein Atem geht flacher, Stress macht sich in deinem Körper breit. So kannst du diese beiden Stimmen in dir unterscheiden. Es braucht etwas Übung, doch mit der Zeit weißt du, wer gerade zu dir spricht.
Schritt für Schritt baust du so eine Verbindung mit deiner inneren Stimme auf. Sie unterstützt dich dabei, deine innere Wahrheit zu erkennen und ermöglicht es dir, deine innere Klarheit zu finden. Was tust du nach deiner Bestandesaufnahme?
Schritt 3: Begib dich auf deinen Seelenweg
Wage einen ersten Schritt. Jetzt gehst du ins Handeln. Vielleicht fragst du dich: Wie gelange ich von meinem aktuellen Ist-Zustand zu meiner Herzensvision? Es kann gut sein, dass es sich so anfühlt, wie wenn du am Fuss des Mount Everest stehen würdest. Ein riesiger Berg, den es zu erklimmen oder zu überwinden gilt. Lass dich von der scheinbaren Unmöglichkeit deines Unterfangens nicht einschüchtern. Höre weiter auf deine innere Stimme: Sie spornt dich an. Sie macht dir Mut. Starte mit einem ersten, machbaren Schritt. Damit beginnt deine Energie in eine neue Richtung zu fliessen - hin zu deiner Herzensvision.
Jeder Lebenstraum beginnt mit einem ersten Schritt. Hier ein paar Beispiele, falls du dich beruflich verändern willst: Recherchiere im Internet über das Thema, das dich interessiert. Schreibe eine Mail und erkundige dich nach Kursen oder einer Weiterbildung. Belege einen Workshop oder hör dir einen Vortrag dazu an. Bei solchen Veranstaltungen triffst du immer auf Gleichgesinnte. Das gibt dir Mut. Du erkennst: Ich bin nicht allein auf diesem Weg.
Hole dir "Cheerleaders" mit an Bord. Unabhängig davon, wie dein Unterfangen aussieht, ist es wichtig, dass du dich mit Menschen umgibst, die dich anfeuern, dir Mut machen und die auf deiner Seite stehen. Dazu brauchst du nicht einen (teuren) Coach zu engagieren. Das kann eine gute Freundin, ein Kollege, dein Partner oder deine Partnerin sein. Wichtig dabei ist, dass dieser Mensch wirklich an dich glaubt und dich durch alle Selbstzweifel begleitet, bis dein Vertrauen in dich und dein neues Leben stabil ist. Vermeide einen "Nein-Sager" oder einen "Bremsklotz" an deiner Seite. Das sind Menschen, die gerne möchten, dass du so bleibst, wie du bist. Das wäre für sie am angenehmsten - aber nicht für dich. Du bist bereit für eine Veränderung. Nichts und niemand kann dich mehr davon abhalten. Vertraue und gehe deinen eigenen Weg. Am besten gleich jetzt.
Claudine Birbaum ist multidimensionales Medium, Autorin, Podcasterin und arbeitet mit der geistigen Welt zusammen. Sie unterstützt Menschen dabei, ihr Leben mit Leichtigkeit, Freude und voller Lebenskraft neu zu erschaffen und ihre Lebensfreude wieder zu entdecken. Schon immer war sie ein Leuchtturm für ihr Umfeld. In den Jahren als Bankerin und später als Berufsschullehrerin ging ihr Leuchten fast verloren. Doch ihre Seele rief so lange nach ihr, bis sie dem Ruf folgte und ihren Seelenplan zu leben begann. Weitere Infos auf ihrer Webseite https://hear-your-soul.ch Buchtipp: Claudine Birbaum: ICH BIN mehr. Finde zu deiner wahren Kraft und zu deinem Seelenplan. erschienen 2026 im Verlag Edition Birbaum, Taschenbuch, 284 Seiten, 23,90 Euro, (auch als E-Book erhältlich). Gratis-Downloads und weitere Informationen unter: https://hear-your-soul.ch/buecher
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Die Kunst, im Hier und Jetzt zu leben … von Hiekyoung Blanz
Hiekyoung Blanz, Autorin des Buchs "Die Kunst, im Hier und jetzt zu leben" und Begründerin von IntuiMotion®, ist überzeugt, dass wir durch sanfte Körperübungen, intuitive Bewegung und Stillemomente immer wieder und immer leichter zu uns zurückfinden - auch mitten im Trubel des Lebens. "Mit IntuiMotion setze ich beim Erleben an: Du liest nicht nur über den Weg zu dir selbst, du spürst dich im eigenen Körper, jetzt, in diesem Moment. Kleine Übungen und bewusstes Hinspüren - ich spreche im Buch von ‚Erfahrungsräumen' - geben uns die Möglichkeit, uns jenseits unserer Gedanken und Selbstbilder zu begegnen; die beschriebenen ‚Spielfelder im Alltag' bringen diese Erfahrungen mitten ins Leben. Es geht darum, immer wieder kurz innezuhalten und zu bemerken, was gerade da ist. Mit der Zeit wird aus diesen kleinen Momenten etwas Vertrautes!"
Der Titel des Buches "Die Kunst, im Hier und Jetzt zu leben" klingt nach etwas, das viel Theorie und Praxis verlangt. Was unterscheidet Ihre Methode von anderen Ratgebern und Coachings, die zu einer Reise zu sich selbst einladen?
Hiekyoung Blanz: Die meisten Wege zu sich selbst setzen beim Verstehen an. Dort geht es oft darum, etwas zu begreifen, umzudenken oder eine neue Perspektive einzunehmen. Mein Weg setzt beim Erleben an. Im Buch gibt es dafür sogenannte "Erfahrungsräume", kleine Übungen - ein bewusster Atemzug, ein Spüren des eigenen Gewichts, ein kurzes Innehalten -, die du direkt beim Lesen ausprobieren kannst. Das Buch ist deshalb kein Verstehbuch, sondern ein Erfahrungsraum. Du liest nicht nur über den Weg zu dir selbst, du spürst dich im eigenen Körper, jetzt, in diesem Moment.
Als Improvisationstänzerin ging es Ihnen zunächst um Präsenz als körperliche Erfahrung; als Coach für "The Work of Byron Katie™" kam dann die Klärung der Gedanken dazu. Wie ist daraus IntuiMotion entstanden, und wofür steht dieses Konzept?
Als Tänzerin ging es mir zuerst nur um den Körper, um Präsenz auf der Bühne, im Raum, in der Bewegung. Durch "The Work of Byron Katie" kam dann etwas dazu, das mir vorher gefehlt hatte: der Blick auf die Gedanken. Ich lernte, wie sehr uns unsere eigenen Gedanken gefangen halten können, ohne dass wir es merken. In meiner Arbeit als Coach sah ich dann etwas Wichtiges: Wir können sehr viel über uns verstanden haben und trotzdem im Alltag immer wieder in dieselben alten Reaktionen zurückrutschen. Genau da wurde für mich der Körper wieder wichtig. "IntuiMotion" ist aus dieser Verbindung entstanden, als körperlicher, intuitiver Weg zurück zu sich selbst, nicht nur über den Kopf, sondern über das eigene Erleben.
Über sanfte Körperübungen, intuitive Bewegung und Momente der Stille eröffnen Sie Erfahrungsräume, um sich selbst wieder zu begegnen. Worauf gründen sich diese drei Zugänge, und welche Ordnung fügt sie zu einem ganzheitlichen Weg?
Im Körper begegnen wir uns als Form, in der Bewegung als Ausdruck und in der Stille als Sein. Das sind für mich keine drei getrennten Themen. Der Körper holt uns ins Jetzt, ganz konkret über den Atem oder das Spüren der Füße auf dem Boden. Wenn wir unsere Aufmerksamkeit dorthin bringen, bemerken wir, dass längst etwas in Bewegung ist, ein leichtes Ziehen, ein Kribbeln, ein Impuls. Die Stille entsteht nicht erst, wenn die Bewegung aufhört, sondern begleitet sie wie ein stiller Hintergrund. In ihr müssen wir nichts tun oder erreichen. So greifen die drei Zugänge ineinander und können gleichzeitig erfahrbar sein, ohne einer festen Reihenfolge zu folgen.
Ihr Buch fokussiert auf den körperlichen Erfahrungsweg und bietet eine seltene Mischung aus Leichtigkeit und Tiefe, spielerischem und intuitivem Vorgehen. Das bezieht sich auch auf die einzelnen Kapitel, die nicht zwingend nacheinander abgearbeitet werden müssen. Wie finden die Leser hier die "richtige" Route für ihre Reise?
Ich empfehle, sich beim Lesen von der eigenen Intuition leiten zu lassen. Manche Kapitel sprechen in einem bestimmten Moment stärker an als andere, und genau das darf der Wegweiser sein. Es geht nicht darum, alles der Reihe nach abzuarbeiten. Vielleicht berührt eine Geschichte besonders, oder eine Übung weckt echte Neugier. Dann lohnt es sich, dort ein wenig zu bleiben und genauer hinzuspüren. Und wenn etwas gerade nicht passt, darf es einfach übersprungen und später noch einmal aufgegriffen werden.
Es sei etwas anderes zu wissen, dass man einen Körper hat, als wirklich in ihm zu sein. Die im Buch vorgestellten Übungen aus IntuiMotion® zielen darauf ab, dem Körper zu vertrauen, dass er antworten darf, bevor der Kopf alles geordnet hat. Womit sollte man dafür am besten beginnen?
Der erste Schritt ist für mich, überhaupt wieder zu bemerken, was im Körper gerade da ist, ohne sofort etwas daraus machen zu müssen. Der Atem ist dafür ein besonders guter Zugang, weil er die Aufmerksamkeit in den inneren Raum des Körpers führt. Von dort aus können wir feiner spüren, was sich zeigt, vielleicht ein Kribbeln, Wärme oder ein Impuls, sich zu bewegen. Entscheidend ist, nicht gleich einzugreifen oder alles verstehen zu wollen, sondern einen Moment innezuhalten. So wächst nach und nach das Vertrauen in den Körper, der oft schon eine Antwort hat, während der Kopf noch sucht.
Nach der Lektüre des Buches holt einen das Leben meist wieder ein. Wie gelingt es, den eingeschlagenen Weg lebendig zu halten und auch im Alltag fortzusetzen? Wie können die Erfahrungen aus den Übungen weiterwirken und vertieft werden?
Wichtig ist mir, dass dieser Weg mit der letzten Buchseite nicht endet. Die "Erfahrungsräume" geben uns zunächst die Möglichkeit, uns jenseits unserer gewohnten Gedanken und Selbstbilder zu begegnen. Die im Buch beschriebenen "Spielfelder im Alltag" bringen das dann mitten ins Leben - beim Gehen, beim Warten, in einem Gespräch. Dafür braucht es keine zusätzliche Übungszeit oder einen besonderen Rahmen. Es geht darum, immer wieder kurz innezuhalten und zu bemerken, was gerade da ist, und bei uns anzukommen. Mit der Zeit wird aus diesen kleinen Momenten etwas Vertrautes, und wir finden immer leichter zu uns selbst zurück, auch mitten im Trubel des Lebens.
Hiekyoung Blanz, geboren in Seoul und aufgewachsen in Berlin, widmet sich als Coach und Autorin dem Weg zu innerer Freiheit und Selbsterkenntnis. Nach ihrer Ausbildung zur Bankkauffrau und dem Studium der Betriebswirtschaft folgte sie ihrer Leidenschaft für Tanz und Kreativität, absolvierte ein Studium in Zeitgenössischem Tanz in Amsterdam und arbeitete über 20 Jahre lang als Improvisationstänzerin und Choreografin. Als zertifizierter Coach für The Work of Byron Katie® und Entwicklerin von IntuiMotion® verbindet sie heute Körperarbeit, Gedankenklärung und kreative Selbsterforschung zu einem ganzheitlichen Erfahrungsweg. Ihre internationale Lehr- und Coachingtätigkeit macht sie zur Expertin für gelebte Präsenz und Selbstentwicklung. Lesetipp: Hiekyoung Blanz: Die Kunst, im Hier und Jetzt zu leben. Wie Körper, Bewegung und Stille dich zu dir selbst führen. Mankau Verlag, 1. Auflage 9.2026, Klappenbroschur, 207 Seiten, 20 Euro, ISBN 978-3-86374-808-1. www.mankau-verlag.de
Hinweis zum Artikelbild: © Microgen – AdobeStock
Der Mut, nicht länger jemand anderes zu sein … von Stephan Möritz
Es gibt Sätze, die lange in uns bleiben. Nicht unbedingt, weil sie verletzend gemeint waren, sondern weil sie etwas berühren, das wir selbst noch nicht ganz verstehen. "Du hast dich verändert." Vielleicht hast du diesen Satz schon einmal gehört. Von einer Freundin. Von einem Kollegen. Von einem Menschen, der dich seit vielen Jahren kennt. Manchmal klingt er neugierig, manchmal bedauernd, manchmal wie eine leise Anklage. Fast immer löst er dieselbe Frage aus: Habe ich mich wirklich verändert? Vielleicht lautet die Antwort: Ja. Und zugleich: Nein. Denn manchmal verändert sich nicht der Mensch. Manchmal hört er einfach auf, sich zu verstellen.
Die Rollen, die uns einmal geschützt haben
Die meisten von uns lernen schon früh, wie man dazugehört. Wir spüren, welche Seiten von uns willkommen sind, welche Eigenschaften gelobt werden und welche Gefühle wir besser zurückhalten. Ein Kind merkt sehr schnell, wann es Zustimmung bekommt. Vielleicht dafür, dass es unkompliziert ist. Leistungsbereit. Hilfsbereit. Stark. Fröhlich. Vernünftig. Ebenso schnell merkt es, was weniger erwünscht ist: Wut, Rückzug, Zweifel, Empfindsamkeit, Eigenwilligkeit oder ein deutliches Nein.
Ganz langsam entstehen Rollen. Nicht aus Unehrlichkeit, sondern aus einem tiefen menschlichen Wunsch: Wir möchten dazugehören. Wir möchten geliebt werden. Wir möchten sicher sein, dass unser Platz bei den anderen nicht gefährdet ist. So werden wir vielleicht die Verlässliche. Der Starke. Die Harmoniebewahrerin. Der Erfolgreiche. Diejenige, die immer ein offenes Ohr hat. Der Mensch, der niemals zur Last fällt. Manche dieser Rollen passen sogar erstaunlich gut zu uns. Sie helfen uns, durchs Leben zu gehen, Beziehungen zu gestalten und Verantwortung zu übernehmen.
Doch Rollen haben eine besondere Eigenschaft: Was uns einmal Schutz gegeben hat, kann irgendwann eng werden. Wie ein Kleidungsstück, das viele Jahre gut gepasst hat und plötzlich jede Bewegung einschränkt. Nicht weil es schlecht wäre, sondern weil wir ihm entwachsen sind.
Wenn das alte Kleid zu eng wird
Vielleicht beginnt genau hier jener leise Wandel, den andere manchmal früher bemerken als wir selbst. Wir sagen nicht mehr automatisch Ja. Wir erklären uns weniger. Wir brauchen mehr Zeit für uns. Erwartungen, die wir jahrelang erfüllt haben, verlieren ihre Macht und manchmal überraschen wir über uns selbst, weil wir etwas tun oder aussprechen, dass wir uns früher nicht erlaubt hätten.
Der Philosoph Friedrich Nietzsche schrieb: "Werde, der du bist." Ein rätselhafter Satz. Denn wie soll ein Mensch werden, was er längst ist? Vielleicht gerade deshalb, weil zwischen unserem Wesen und unserem gelebten Leben oft ein weiter Weg liegt. Wir verbringen viele Jahre damit, zu lernen, wie das Leben funktioniert. Wir erfüllen Erwartungen, übernehmen Aufgaben, werden Partnerin oder Partner, Mutter oder Vater, Kollegin, Freund, Verantwortliche. Vieles davon gehört wirklich zu uns. Und manches haben wir übernommen, ohne je zu fragen, ob es unserem eigenen Wesen entspricht. Diese Frage taucht häufig erst später auf: Welche Absichten sind eigentlich meine eigenen? Welche Entscheidungen habe ich aus innerer Überzeugung getroffen - und welche, weil ich dazugehören wollte? Wo sage ich Ja, obwohl etwas in mir längst Nein sagt?
Wenn das eigene Nein hörbar wird
Solche Fragen können unbequem sein. Denn sie verändern nicht nur unseren Blick auf uns selbst, sondern auch auf unsere Beziehungen. Plötzlich fällt es schwerer, Ja zu sagen, wenn das Herz Nein meint. Nicht aus Trotz. Nicht aus Egoismus, sondern weil wir spüren, dass jedes unehrliche Ja uns ein kleines Stück von uns selbst entfernt.
Wer beginnt, sich selbst treuer zu werden, verändert unweigerlich auch seine Beziehungen. Nicht jeder wird diesen Weg verstehen. Manche Menschen vermissen die alte Version von dir, weil sie sich an sie gewöhnt haben. Wenn deine Perspektive sich verändert, verändert sich auch das Gleichgewicht einer Beziehung. Manche Menschen können mitwachsen. Andere reagieren irritiert. Vielleicht sagen sie: "Früher warst du anders." In gewisser Weise haben sie recht. Doch Beziehung, die nur Bestand hat, solange wir eine bestimmte Rolle erfüllen, ist keine wirkliche Heimat. Heimat entsteht dort, wo wir uns zeigen dürfen. Mit unserer Klarheit und unseren Zweifeln. Mit unserem Nein und unserem Ja. Mit den Seiten, die leicht zu lieben sind, und mit jenen, die nicht in jedes vertraute Bild passen.
Vielleicht beginnt genau dort jene Freiheit, nach der viele Menschen so lange suchen. Nicht die Freiheit, tun zu können, was wir wollen, sondern die Freiheit, nicht mehr sein zu müssen, was wir nie wirklich waren. Denn solange wir uns hinter Rollen verbergen, begegnen andere immer nur dem Bild, das wir von uns zeigen. Nicht dem ganzen Menschen.
Die Freiheit, sich nicht mehr zu verlassen
Natürlich macht das nicht alles leichter. Wenn wir Ja sagen, obwohl wir Nein meinen, vermeiden wir vielleicht einen Konflikt. Wenn wir unsere Meinung zurückhalten, bleibt die Stimmung angenehm. Wenn wir weiter die Rolle erfüllen, die andere von uns kennen, müssen wir niemanden enttäuschen. Doch dieser Frieden hat seinen Preis. Er verlangt, dass wir uns selbst immer wieder ein Stück verlassen, und irgendwann kann dieser Preis zu hoch werden. Der Weg zu uns selbst beginnt dort, wo wir aufhören, jemand anderes sein zu müssen.
Ein kleines Experiment
Nimm dir einen Moment und denke an eine Rolle, die du in deinem Leben häufig einnimmst. Vielleicht bist du die Starke, die Verlässliche, der Friedensstifter oder der Mensch, der selten Nein sagt. Dann frage dich: Wer wäre ich in dieser Situation, wenn ich diese Rolle für einen Moment nicht erfüllen müsste? Vielleicht taucht keine klare Antwort auf. Vielleicht nur ein Gefühl, ein Wunsch oder ein leises Nein. Du musst daraus nichts verändern. Beobachte in den nächsten Tagen einfach einen einzigen Moment, in dem du automatisch in deine vertraute Rolle schlüpfst - und frage dich: Was wäre jetzt ein bisschen mehr ich? Manchmal beginnt Authentizität nicht mit einer großen Entscheidung, sondern mit einem einzigen Augenblick, in dem wir uns selbst nicht verlassen.
Stephan Möritz benennt seit über zwei Jahrzehnten die Lebensaufgabe von Menschen - direkt nach Rücksprache mit ihrer Seele - ohne Methoden, ohne Persönlichkeitstest, Ohne vorgefertigte Konzepte. Viele Menschen erleben die Gespräche mit ihm als klar, präzise und lebensverändernd - nicht, weil ihnen etwas "gegeben" wird. Sondern weil sie beginnen zu erkennen, warum sie wirklich hier sind. Weitere Infos unter: www.lebensaufgabe.com | Essayreihe: www.stephan-moeritz.de
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Klarheit – ein Weg zur inneren Balance und Freude … von Clara Welten
Was ist Klarheit? Wie fühlt sie sich an? Wie können wir Klarheit erlangen? Ich möchte dich in diesem Artikel mitnehmen, 3 Säulen möglichen Zugangs zu deiner Klarheit nachzuvollziehen: die Meditationspraxis, die Öffnung der 7 Chakren sowie einen psychologischen Ansatz von C.G. Jung, nämlich der eigenen notwendigen Schattenarbeit, auf dass du zu mehr Klarheit und Selbst-bewusst-Sein finden kannst.
Neulich war ich in der Schweiz, um an einem Retreat mit dem Titel teilzunehmen: "Die Klarheit des Geistes". mit der wunderbaren Lama Alione Tsültrim, buddhistische Lehrerin - 5 Tage Unterweisungen zur Klarheit des Geistes im Buddhismus, eingebettet in die Praxis von Meditationen, die uns einerseits dabei unterstützen sollten, wie wir in einem Zustand der Gedankenfreiheit verweilen. Das war die Basis. Andererseits leitete uns die Lama an, in einen Raum, oberhalb des Herzchakras, in dem Weite und Offenheit das Bewusstsein meditativ erfahrbar machen, in ein "offenes Gewahrsein", wie sie es nennt, zu gelangen. Und tatsächlich führte das Einstimmen in dieses Befinden in eine kosmische Region, in der Leere und Fülle eines sind und für den der Ausdruck "Klarheit des Geistes" sehr gut passt: ein heller Bereich ohne Grenzen, ohne Widerstände, ohne Emotionen, ohne Nachdenken - einfach klar.
In dieser buddhistischen Praxis bedeutet Klarheit, dass unser aller "wahre" Natur weder der Körper ist, in dem wir (nur in dieser Existenz) inkarniert sind, noch unsere menschlichen Emotionen, die von unserer Biografie abhängig sind, noch unser Grübeln oder angestrengtes Nachdenken über ein Thema. In Lamas und buddhistischen Sinne ist die Klarheit des Geistes in uns Menschen angelegt als die Weite "offenen Bewusstseins." Geführte Meditationen, die unseren Körper und unsere Emotionen für Minuten frei legen können, liegen in dem spirituellen Wissen verankert, dass wir alle uns daran (wieder) erinnern können, wieviel Weite und offenes Bewusstsein uns mitgegeben wurde, durch unsere Inkarnationen, also "Ver-Körperungen" hinweg und hindurch: Seele ist eine Reisende und als energetische Einheit ist sie frei, bevor sie sich stofflich in uns bindet. Sie bewohnt unseren Körper, solange wir leben und bringt das Wissen ihres Ursprungs mit, auf das sich alle Menschen besinnen können, woher sie kommen: Freiheit erfüllt dein Innen, unabhängig äußerer Umstände. Ein klares Bewusstsein ist i n uns vorhanden, kann freigelegt werden, jederzeit. Klarheit ist in diesem Sinne das wieder Erinnern an den Ort des Ursprungs allen stofflichen Lebens, in der Energie reine Bewusstheit ist. Um dieses Gewahrsein erfahren zu können, gibt es meditative Praktiken, die jede und jeder selbst ausführen kann, sei es durch Pranayama, also Atem-Meditationen, sei es dank Visualisierungen; sei es durch Meditationen, die dich von den Gedanken des Alltags befreien und dich einmal am Tag in die Stille führen, in der nicht Nichts, sondern Gedankenfreiheit als Klarheit wohnt. Für diese tief gehende Kontemplation empfehle ich gerne die Arbeit über die 7 Chakren (Wurzel, Sakral, Solarplexus, Herz, Kehlkopf, Stirn und Scheitel), über die Energieräder, die in unserem Körper rechtsherum, also im Uhrzeigersinn drehen und unser Wohlbefinden des Körpers, des Geistes und der Seele maßgeblich ausgleichen können. (Um dich dabei zu unterstützen, gibt es auf meinen Sozial-Media-Kanälen viele Anleitungen, wie du am besten dein Herzchakra öffnen und die Verbindung aller 7 Chakren recht einfach herstellen kannst.)
Funktioniert eine reine energetische Verbindung der 7 Chakren, bringt sie Wohlergehen für deine Organe sowie für deinen Spirit, da alles mit allem verbunden ist. Durch das geöffnete Scheitelchakra lädst du Weite und das uns umgebende, sehr klare und helle spirituelle Licht ein, ziehst es wie durch einen Kanal die anderen 6 Chakren bis in das Wurzelchakra hindurch und ermöglichst dir somit eine Reinigung deines Emotionskörpers. Die spirituelle Heilerin und Psychiaterin Brenda Davies, die in meinem Grundlagenbuch der Tiefenpsychologie und Spiritualität als Therapieform "Lebst du schon oder wiederholst du noch? Dank Tiefenpsychologie und Seelenreisen dir selbst begegnen" das Vorwort schrieb, hat ein sehr empfehlenswertes Buch über die Chakren, ihren Umgang, ihre Funktionen, entsprechende Meditationen und Fragestellungen vor über 40 Jahren publiziert, mit dem Titel: "Das Tor zur Seele".
Die Einfachheit in der Anwendbarkeit der Übungen überzeugt alle, die sich diesem Themenbereich theoretisch und praktisch widmen möchten. Das Ziel der Auseinandersetzung ist auch hier: Klarheit. Wir Menschen brauchen geradezu innere Klarheit, um zu wissen, zu fühlen, was wir im Leben brauchen, welche Haltung wir in der Realität einnehmen möchten und wie wir uns positionieren wollen: im Bezug zu uns selbst und in der Gesellschaft, im Kollektiv.
Vielleicht denkst du, dass die Arbeit an deiner Gefühlswelt immer über die Emotionen laufen muss? Die Meditationspraxis ist eine konkrete Möglichkeit, darüber hinaus dient auch die Arbeit an deiner Seelenlandschaft, an deiner Psyche der Gewinnung von Klarheit: C.G. Jung hat in seinem kleinen Büchlein "Die Beziehungen zwischen dem Ich und dem Unbewussten" von einer Ich-Selbst-Achse gesprochen, die idealerweise reibungslos zusammen verläuft und dir ein "gutes" Leben beschert - gut im Sinne von Zufriedenheit, Gelassenheit und Dankbarkeit - mit und trotz allen Themen, die das Leben und die gesellschaftliche Realität dir stellen und auch immer stellen werden. Diese 3. Säule meiner Gedanken zur Klarheit ist mir persönlich sehr wichtig, weil C.G. Jung als einer der wenigen Psychoanalytiker diese Verbindung des Ich's und eines spirituellen Selbst überhaupt erforscht hat und somit meine Erfahrungen in meiner Praxis bestätigt.
In Jungs Sinne kann das Selbst als das ureigene Wesen beschrieben werden, als Einheit, in dem "die Ganzheit" Zuhause ist - durchaus als spirituelle Quelle. Es umfasst daher sowohl dein Bewusstsein, das du dir als Mensch erarbeitest als auch den Bereich des Unbewussten, in dem alle Strukturen liegen, die du dir als Mensch anschauen kannst, die jedoch quasi im "Dunklen" liegen, solange du "deinen Job" der Aufarbeitung biografischer Wunden und Verletzungen nicht machst. C.G. Jung fand das gute Bild einer Wiese, die im Dunkeln liegt. Das ist dein Unbewusstes. Wenn der Mensch einen Spot, einen Lichtkegel auf den Bereich seines Unbewussten führt, wird dieser kleine belichtete Teil dem Ich zugänglich gemacht. Alles andere bleibt im Dunkeln verborgen. Der moderne Ausdruck der "Schattenarbeit" stimmt mit dieser tiefenpsychologischen Beschreibung überein. Indem du bereit bist, dich deinem Bereich des im Unbewussten liegenden Teils zu widmen, erhellst du quasi deine Wiese selbst, eigenständig: Du belichtest sie.
Diese Aktivität der Bewusstwerdung unternimmt dein Ich, im Sinne: Nur du kannst dich auf den Weg machen, klarer und leichter werden zu wollen.
Das Ich im Verhältnis zum Selbst ist sehr begrenzt, da es die Erwartungen der Außenwelt, die Wünsche und gesellschaftlichen Regeln als auch Traditionen, weiter gegeben durch die Erziehung, enthält. Aus eigenen Erfahrungen und denen mit meinen Klienten und Klientinnen weiß ich, dass der Prozess der Bewusstseinserweiterung ein Leben lang andauert und nicht abgeschlossen ist. Weshalb? Jedes Mal, wenn wir uns einem Thema, einem Problem, einer Verletzung zuwenden, holen wir sie in den Bereich des Bewusstseins, auf dass wir mit ihr arbeiten und sie idealerweise erlösen können, mit dem Ziel, mehr Klarheit in der Lebensführung und Ausrichtung zu gelangen. Vielleicht hast auch du erfahren, dass die begonnene Schattenarbeit zur Erkenntnis anderer Schatten führt, die "darunter" liegen: Erst die eigene Bereitschaft deiner Zuwendung zu den Themen in deiner Biografie, erhellt quasi einen weiteren Bereich auf dieser Wiese und führt dich wiederum zu neuen, zu anderen, im Dunkeln liegenden Bereichen. Ich nenne es gerne das "Abschälen einer Zwiebel". Wenn du begonnen hast, wird es nicht weniger, aber leichter. Tiefe alte Wunden, geschlagen in deinem Ich innerhalb deiner Biografie, werden bearbeitet, wodurch sich andere Auswirkungen zeigen können.
Wenn ich eine Dynamik beschreiben möchte, heißt sie: Die erste Schattenarbeit ist "schwer-wiegend", andere werden leichter und wieder andere noch leichter zu bearbeiten, bis es für dich zu einer gewissen Routine wird: Sobald ein Thema auftaucht, was dein Leben beschwert und behindert, widmest du dich, ganz natürlich, dem neuen geforderten Prozess deiner eigenen Bewusstseins-Erweiterung. Dieser Vorgang führt unweigerlich zu immer mehr Klärung, somit zu mehr Lebensqualität, die ganz deutlich und konkret spürbar ist: Da in deinem Unbewussten verdrängte Verletzungen immer einen gewaltigen Energieaufwand im Alltag benötigen, um auch verdrängt zu bleiben, damit sie eben nicht gespürt werden, führt Schattenarbeit zu einer aufgeklärten Verbindung zu deinem Selbst! Die Aufarbeitung deiner Schatten bedarf also einer bewussten Entscheidung, denn umso mehr du verdrängst oder unaufgearbeitet lässt, desto mehr zieht das Unbewusste deine Energie. Du wirst bestimmte Handlungen nicht ausführen, bestimmte Beziehungen nicht eingehen, dich in Freundschaften entsprechend verhalten oder auch dein Ich schützen wollen, sodass dies dein Leben determiniert, ausrichtet. Insofern bist du tatsächlich Gestalter oder Gestalterin deiner Realität. Denn es ist deine Aktivität, dein Mut und dein Wunsch zu wachsen, der dich immer mehr zur Verbindung vom Ich mit dem spirituellen Selbst führt.
Ich empfinde diese Notwendigkeit der psychologischen Selbstexploration als sehr befreiend, denn du bist autonom und souverän, unabhängig von der Außenwelt, wie und wann du dein Unbewusstes durch Meditation, Körper- oder Seelenarbeit belichten magst: Du bist Chef oder Chefin in deinem Hause des Ichs. Das Erlangen von mehr Klarheit, die sich in dir fühlen lässt, liegt in deiner Hand. Das Selbst beschreibt C.G. Jung als die Gesamtheit deiner Seele, die deinem Ich quasi übergeordnet ist: Dein biografisches Ich wohnt im Raum deines Selbst - die Aufgabe deiner Reinkarnation, deiner jetzigen Exis-tenz im Gesamten, immer da Seienden. In diesem Bezug passt der Ausdruck von C.G. Jung recht gut: Deine Ich-Selbst-Achse entscheidet über deine Lebensqualität und Ausrichtung, über deine Haltung in der Welt, über dein Selbst-wert-gefühl, über dein Wohlergehen insgesamt. Wie gut, dass wir selbst Schöpfer und Schöpferinnen sein und selbst Klarheit einladen können, denn sie fühlt sich so wundervoll an, da sie Wunder ermöglicht: des Lebens.
Clara Welten ist Gründerin des deutsch-französischen Welten-Insti-tuts für Tiefenpsychologie und Spiritualität mit Basis in Berlin sowie in München und Genf. Sie bietet integrative Therapie als psychospirituelle Seelenbegleitung für Einzelne und Paare in Deutsch und Französisch an, wie auch Ausbildungen und Workshops. Sie ist Autorin der Bücher: „Lebst Du schon oder wiederholst Du noch? Dank Tiefenpsychologie und Seelenreisen Dir selbst begegnen“ (3.2016) und „Wir sind Hebammen des Lichts! Wie Reisen in Reinkarnationen dein Dasein erhellen“ (1.2024). Weitere Informationen und aktuelle Veranstaltungen unter www.welten-institut.de
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Der wahre Yogapfad … vom Studienkreis für Empirische Evolutionsforschung
Das indische Sanskritwort Yoga kommt von der Sanskrit-Wortwurzel ‚yui' und bedeutet wörtlich "verbinden, vereinigen", was von den wirklich großen Yoga-Meistern, allen voran Yogananda und Ramana Maharishi - der Heilige vom Berg, mit den Worten "die erreichte Vereinigung mit Gott" übersetzt wird. Der Begriff bezeugt, dass wahres Yoga den in der physischen Welt erreichten Endzustand des individuellen menschlichen Entwicklungszyklus darstellt. Yoga bzw. Yogi darf sich daher genau genommen nur nennen, wer bzw. was die Gottvereinigung verwirklicht hat.
Bereits an der Definition können wir erkennen, dass fast alles, was sich heute als Yoga bezeichnet - ob aus Asien kommend oder in der westlichen Welt entstanden - dem nicht gerecht wird und diesen Begriff daher unberechtigt führt. Im allerersten schriftlichen Werk über die Wurzeln des Yoga beschreibt der Autor Patanjali bereits deutlich - so auch der brahmanische Text der Bhagavad Gita -, wie der wahre Yogapfad zu begehen ist.
Die beiden ursprünglichen Quellen der Yoga-Lehre geben uns darüber eindeutige Auskunft, was Yoga ist und wie Yoga im Menschen und seinem Leben umgesetzt werden soll. Daher wird in dem jahrhundertealten indischen Lehrbuch des Yoga, der Bhagavad Gita, prägnant und klar erklärt, wie das Yoga zu handhaben ist.
Lesen wir, was die Bhagavad Gita (im 6. Gesang, Shloka 12 und 13) über Yoga-Übungen aussagt: "(...) Gemüt und Herz auf den Einen richtend, ein Meis-ter (im Beherrschen) seiner Sinne und Gedanken. In seinem Sitze aufrecht ruhend (entspannt), sorgenfrei soll er den Yoga üben, um die Reinheit der gottergebenen Seele zu erlangen. Sein Körper, Kopf und Hals sei (gerade) aufrecht, unbewegt (im Sitzen) und fest auf seiner Nasenspitze sollen seine Augen (geschlossen) haften." (Sanskrit-Übersetzung von Edwin Arnolds, ins Deutsche übertragen von Dr. Franz Hartmann, Schatzkammer Verlag ca. 1902). Die Augen, mit denen wir ja physisch sehen, werden hier also zur Ruhe gebracht und während der Übung fixiert, damit wir unsere Konzentration besser auf das geistige (das Dritte) Auge, das in der Kopfmitte sitzt, richten können. Erweckt ist es das Wahrnehmungszentrum unserer inneren geistigen Schau, die auch als siebter Sinn bezeichnet wird.
In der zweiten ursprünglichen Quelle, in seinem berühmten Kommentar zur Yoga-Lehre, bestätigt Patanjali ebenfalls völlig klar die vorgenannten alten Anweisungen der Bhagavad Gita in seinen "Yoga-Sutren". Vers 45: Durch Hingabe an Gott erlangt man die vollkommene Versenkung. Vers 46: Die Sitzhaltung soll (dabei) fest (aufrecht) und angenehm sein. Vers 47: Diese (eine) Sitzhaltung soll man in völliger Entspannung und in einem Zustand der Betrachtung des Unendlichen einnehmen. (Die Wurzeln des Yoga - die Sutren Patanjalis. Barth-Verlag, 4. Auflage 1982, Kommentar P. Y. Deshpande, Hrg. Dr. B. Bäumer) Beide Textquellen beschreiben unmissverständlich, dass es sich beim Yoga nicht um gymnastische Übungen handelt, sondern dass es ausschließlich darum geht, sich in einem konzentrierten geraden Sitz zu versenken. Für Anfänger genügt der offene Lotossitz, für Fortgeschrittene der Lotossitz. Denken und Fühlen sollen durch den geraden, aufrechten Sitz zur Ruhe kommen, wodurch innerlich eine Entspannung, eine Leere entsteht, durch die wir innere Erfahrungen aufnehmen. Diese führen uns im Laufe der Zeit immer mehr zum Verstehen der reinen Yoga- Lehre und damit zum Einklang mit dem Yoga - der Vereinigung in/mit Gott.
Yoga ist eine heilige Lehre, die ein jeder nur in sich in tiefer innerer Ruhe, für sich, entwickeln und wahrnehmen kann. Aus diesem Grund weist die Bhagavad Gita im 6. Gesang, Vers 10, deutlich und unmissverständlich auf die richtige Art der Ausübung hin: "So soll er einsam abgesondert sitzen, in heiliger Andacht und in Gott versunken!" Hier wird deutlich erklärt: Das authentische Yoga soll grundsätzlich nicht in Gruppen, also auch nicht auf "Yoga-Festivals" etc., geübt werden, sondern immer grundsätzlich allein, für sich und an einem ruhigen, abgeschiedenen Ort, weil nur so ein jeder, ungestört von den Energien anderer, die eigene innere Tiefe des Yoga erreichen kann!
Das Ziel der Yoga-Lehre
In der Bhagavad Gita (18. Gesang, Vers 61) wird das wahre Ziel der Yoga-Lehre in sehr schönen Worten beschrieben: "Ein Meister wohnt im Inneren der Geschöpfe und hat nur im Menschenherzen seinen Thron." Durch aufrechtes Sitzen, Leere in der Versenkung und die Aufnahme von inneren Lehren sollen wir also eines Tages bis zum eigenen Zentrum im Herzen vordringen, um darin "den Meister", die Gottkraft, in uns zu treffen, die in jedem Menschen wirkt. Sie leitet uns dann als innerer Lehrer auf unserem Weg zur Einheit in/mit Gott! Die Inhalte der Yoga-Lehren sollen uns helfen, unser eigenes Denken, Fühlen, Sprechen und Handeln, gerade auch in der äußeren Welt, bewusst zu veredeln, wodurch wir Harmonie in unsere Umgebung ausströmen. Der "YOG" will auf diesem Wege jedem Menschen die "Ethik" der Evolution und seines eigenen Wesens deutlich machen, durch die wir dann, laut dieser hohen indischen Lehre, zur bewussten Verbindung mit der Gottenergie kommen, dem Yoga! Durch diese Form der wahren Yoga-Übung offenbart sich der vierfache Weg (Marga) des Yoga mit seinen Abschnitten, dem achtfachen Lotos, der mit dem Edlen Achtfachen Pfad Buddhas inhaltlich identisch ist.
Diese vier Wege stellen analog die praktische Umsetzung der vier menschlichen Erfahrungsebenen nach den göttlichen Prinzipien dar: Das menschliche emotionale Fühlen führt durch Bhakti-Marga über Glückseligkeit zum Bhakti-Yoga. Das menschliche Denken führt durch Inana-Marga (Denken) zum Inana-Yoga. Das menschliche Handeln führt durch Karma-Marga (Handeln) zum Karma-Yoga. Das feinstofflich verankerte Höhere Selbst (in unserem Ätherkörper) führt durch Raja-Marga zur Einswerdung mit der Gottenergie - zum Raja-Yoga.
Durch das Erkennen, Erfahren und Verstehen der göttlichen Prinzipien sollen wir über die vier wahren Yoga-Wege unseren Charakter und damit unser gesamtes Wesen so veredeln, bis wir eine große Harmonie erreicht haben. Im Moment dieser Bewusstseinserkenntnis auf jedem der vier Wege entsteht die Endphase, das Yoga - der Vereinigungszustand mit Gott, in den wir dann in voller Erkenntnis eintreten. Demnach ist wahres Yoga ein heiliger Weg, dessen Ziel es ist, uns zur Einheit in Gott zu führen. Der Begriff Yoga sollte daher schon aus den historisch und religiös-ethischen Gründen nicht für andere Dinge und Zwecke, wie Gymnastik oder Wellness etc., entfremdet werden, für die es doch wohl zutreffendere Bezeichnungen gibt.
Was bewirken nun die vier wahren Wege (Margas), die zu den vier heiligen Yoga-Zielen führen?
Im Bhakti-Marga, dem Weg zum Bhakti-Yoga, lernt der Schüler, sein Fühlen zu beherrschen und es mit den göttlichen Prinzipien der Glückseligkeit, der Gottliebe gegenüber allem Leben und allen Dingen, in Einklang zu bringen. Auf diesem Weg emotionaler Energieaufnahme wird das Positiv-Göttliche sehr oft als einzelner Impuls wahrgenommen, der dann meist für sich steht und es dem Yogi schwer macht, aus dem einzelnen Wahrgenommenen die Grundlage des Yoga zu erfassen. Hier entsteht oft die Gefahr, dass aus der Lehre schnell sentimentale Vorstellungen werden, die bei der Yoga-Entwicklung meist hinderlich sind. Um diese Erfahrung zu meistern, benötigt der Yogi die strukturierte Lehre des Yoga, die er im Bereich des Inana-Yoga findet, um das Bhakti-Wissen in göttliche Ordnung zu bringen. Verkörpert und lebt, also verwirklicht er dann diese Gottliebe, tritt er vom Übungsweg (Marga) in den Zustand des Yoga ein; dann ist er ein Bhakti-Yogi, da er Bhakti-Yoga bewusst lebt.
Im Inana-Marga, dem Weg zum Inana-Yoga, lernt der Schüler, die anfangs gemachten Erfahrungen des Bhakti-Yoga über sein Denken zu ordnen, wobei er lernt sein Denken zu beherrschen und es mit der göttlichen, aufbauenden höheren Ordnung des Denkens in Einklang zu bringen. Verkörpert und lebt er in seinem Denken die geistigen Gesetze, hat er die Verbindung mit dem "göttlichen Denkprinzip" erreicht. Erst ab diesem Zustand lebt er Inana-Yoga und darf sich daher auch erst dann Yogi nennen.
Im Karma-Marga, dem Weg zum Karma-Yoga, lernt der Schüler, alle seine Erfahrungen aus dem Inana- und Bhakti-Marga (bzw. Yoga) bewusst in seinem täglichen Leben aktiv einzusetzen, um bei allem Tun stets die göttliche Harmonie in allen Handlungen zu erzeugen. Er wirkt so aus der Summe seiner Denk- und Fühlerfahrungen sowie nach den göttlichen Prinzipien aus seinem Herzen heraus in der äußeren Welt und hilft dabei, sie durch sein Tun zu harmonisieren.
In diesem Zustand des Karma-Marga hat der Schüler die Einheit der göttlichen Prinzipien des Inana- und Bhakti-Yoga erreicht, denn er verwirklicht sie wie die 12 Eigenschaften des "Tyrkreises", indem er in seinem Leben im richtigen Verhältnis die Eigenschaften und Tugenden einsetzt:
Schweigen - Reden
Empfänglichkeit - Unbeeinflussbarkeit
Gehorchen - Herrschen
Demut - Selbstvertrauen
Blitzesschnelle - Besonnenheit
Alles annehmen - Unterscheiden können
Vorsicht - Mut
Nichts besitzen - Über alles verfügen
An nichts gebunden sein - Treue
Sich zeigen - Unbemerkt bleiben
Todesverachtung - Lebensschätzung
Gleichmut - Liebe
Ein solches Menschenkind wird nun Karma-Yogi genannt, da es Karma-Yoga aktiv lebt. Schüler in diesem Zustand werden auch "Meister des Lebens" genannt. Der Karma-Yogi fühlt und weiß, dass er vom eigenen "göttlichen ICH" geführt wird, das ihm zeigt, durch welche Handlungen die göttliche Harmonie erzeugt wird, die er durch sein "persönliches Ich" durch Unterscheidungsfähigkeit bewusst in der Welt zu erkennen und umzusetzen hat.
In diesem Stadium entwickelt sich die Sehnsucht, mit dem "göttlichen ICH" EINS zu werden und der "Meister des Lebens" tritt nun in den "Königsweg des Yoga", den Raja-Marga, dem Weg zu Raja-Yoga, ein, indem er lernt, die drei niederen verschmolzenen Wege (Margas) und ihre Yoga im Herzen zu vertiefen. Damit begibt er sich auf den Ra-Ja-Marga (den Sonnen-Energie-Weg). Dieser Weg wird seit Anbeginn von allen wirklich großen Lehrern der Evolution als der Versenkungsweg nach innen (in die höheren Welten) bezeichnet, der nur durch die drei Stufen: 1. Konzentration zur 2. Kontemplation, die dann zur wahren 3. Versenkung, dem Yoga (der Vereinigung mit Gott) führt.
Wahre Versenkung bedeutet also, den direkten, vollbewussten Kontakt mit der göttlichen Kraft im eigenen Herzen erreicht zu haben. Durch diesen Zustand drückt sich göttliche Kraft direkt durch den Menschen über dessen Denken, Fühlen und Handeln im Äußeren aus; so lebt der Mensch die drei Yoga-Formen aktiv in seinem Leben. Dadurch wird der "Meister des Lebens" nun zum "Meister seines Seins" heranwachsen. Der Schüler erkennt sich bewusst und klar als Werkzeug Gottes, er ist somit Raja-Yogi geworden, wenn er vollbewusst nach den Lehren seines Gottes im Herzen den Raja-Yoga lebt, um seinen Geschwistern auf Erden zu dienen. Nur diese vier Yoga-Wege entsprechen den vier Bewusstseinsebenen des Menschen, die so direkt erst einmal von ihm selbst erkannt werden müssen. Sie führen ihn zur wahren Versenkung, zur Einheit mit Gott. Die einzelnen Wege werden entweder nacheinander oder teilweise zusammen, je nach Bewusstsein, individuell begangen, was vom Karma abhängt.
Die beschriebenen vier Margas lehren uns die wesentlichen Grundlagen des Yoga, durch seine Inhalte erst wirklich erfasst werden können: Das Entwickeln der stetigen Unterscheidungsfähigkeit als unabdingbare Voraussetzung für den Yoga-Weg ist: das Unterscheiden zwischen positiv-aufbauenden und negativ-bindenden Gedanken und Handlungen, durch die wir unser Leben gestalten. Erst die rechten Umsetzungen alles in Harmonie zu bringen, führt auf den Weg zur Befreiung und wird durch das individuelle Karma unser Leben aufbauend gestalten. Diese Inhalte der ursprünglichen Yoga-Lehre und ihre vier Margas wurden und werden noch heute von den wenigen wirklich großen Yoga-Meistern vorgelegt und nach den klaren Anordnungen aus der Bhagavad-Gita gelehrt: "Sattwa (das Heilige) darf nur unter Verzicht von Lohn gegeben und gelehrt werden." Wer auf diesem Weg voranschreiten will, folgt dem großen Axiom des Yoga: "Wo deine Konzentration ist, das bist. Wohin du sie lenkst, zu dem wirst du."
Abdruck (angepasst) aus dem Buch von Carola Hempel: "Die Quelle der Spiritualität. Die Verbindung von Wissenschaft, Religion und Philosophie" mit freundlicher Genehmigung der Autoren und des Verlages Silberschnur.
Mitwirkende des Textes: Studienkreis für Empirische Evolutionsforschung, gegründet 1952, naturwissenschaftlich, konfessionsneutral, dogmenfrei. Fachbereich: Yogawissenschaft. Kontakt und Infos unter www.evolutionskreis.de Lesetipp: Carola Hempel: "Die Quelle der Spiritualität – Die Verbindung von Wissenschaft, Religion und Philosophie" erschienen bei Silberschnur
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Augen-Aufstellung, was ist das eigentlich … von Christian Zech
Augenaufstellung ist zunächst eine Sonderform der Symptomaufstellung, wie sie vom Familienaufstellen bekannt und bewährt ist. Viele Menschen mit "Anderssichtigkeiten", oder auch Augenkrankheiten, fragen sich schon lange, was hinter diesen Symptomen steht.
Ebenso beschäftigen die Zusammenhänge von Körper, Geist und Seele die Menschheit seit Jahrhunderten. Dies belegen Aussagen wie: "Die Augen sind der Spiegel der Seele" (Leonardo da Vinci) oder "Augen sind die Stelle, an der sich Körper, Geist und Seele begegnen" (Hegel).
Cicero schrieb bereits vor Christi Geburt, dass die Augen das "Tor zur Seele" seien. Augenaufstellungen sind eine Methode durch dieses Tor zu gehen. So, wie bei jeder Symptomaufstellung geschaut wird, welche seelischen Ursachen Grund für die Symptome sind, wird auch bei allen Augenthemen geschaut, welche Geschehnisse oder Traumata aus dem Familiensystem für die Symptomatik ursächlich sind. Mit dem Fachwissen und der Erfahrung des Augenoptikers, einer Ausbildung in "Integrativer Iris-Interpretation" (Prof. Kaplan) und im "Systemischen Familienaufstellen" ist es mir gelungen, eine Methode zu entwickeln, bei der die Augen und die Augenthemen in ihrer Gesamtheit betrachtet und genutzt werden. Die Erfahrung von 25 Jahren Augenaufstellungen zeigen, dass bestimmte Augensymptome häufig, aber nicht zwingend, ähnlichen Ursachen zuzuordnen sind. So deutet zum Beispiel die Augenkrankheit Grauer Star (Linsentrübung) oftmals auf ein gut gehütetes Familiengeheimnis hin. Bestimmte Augenstellungsfehler (u. a. Schielen) weisen auf die Art und Weise hin, wie die Eltern von den Klienten miteinander umgegangen sind. Sehr häufig besteht der Wunsch, das Symptom zu verringern oder gar aufzulösen.
Es ist möglich:
Durch das Anschauen dessen, was unsere Seele über die Augen mitteilt, kann der Geist Heilungs- bzw. Gesundungsprozesse einleiten und Symptome beeinflussen. Hierbei sind anatomisch bedingte Symptome wie z. B. Anderssichtigkeiten schwerer zu beeinflussen als physiologische Symptome, wie z. B. die Steuerung vom Augendruck oder die Steuerung der äußeren Augenbewegungsmuskulatur. In vielen Fällen konnte gemessen werden, dass sich Fehlsichtigkeiten abschwächten, Krankheitssymptome geringer wurden oder verschwanden.
Erklärtes Ziel von Augenaufstellungen ist es, dass die Betreffenden auf die seelischen Ursprünge ihrer Augenthemen schauen können. Dies ist sowohl in der Gruppenarbeit als auch in Einzelsitzungen möglich. Im Mittelpunkt der Arbeit stehen die Augen der Klienten, und deren besonderes Thema, also Fehlsichtigkeiten, Krankheiten, Anomalien. Manchmal spielen auch anatomische Gegebenheiten, wie beispielsweise der "Blinde Fleck" eine Rolle, hinter dem sich deutlich mehr verbirgt, als der Begriff erahnen lässt. Es werden also Stellvertreter für jedes Auge sowie die Symptome aufgestellt, manchmal auch Stellvertreter für die Brille, die Kontaktlinsen oder eine mögliche Operation. Damit wird dann nach einer Lösung gesucht. In den Abläufen finden sich die Gesetzmäßigkeiten wieder, wie sie allgemein von Familien- und anderen Aufstellungen bekannt sind, auf die hier nicht näher eingegangen werden soll.
Eine gründliche Untersuchung der Augen vor der Augenaufstellung hat sich als Grundlage sehr bewährt. Die Analogien zwischen optischer Physik und Seele sind unübersehbar. Als Folge der systemischen Arbeit versteht sich, dass die hierbei angewandte ganzheitliche Sicht auf die Augen, das Sehen und auf den Menschen hilft, auch die klassischen Sehprobleme der Menschen erfolgreicher zu lösen.
Eine zweite Methode der Augenaufstellung
Viele hunderte durchgeführte Augen-Symptom-Aufstellungen führten zu weiteren Erkenntnissen über die Wichtigkeit und die Funktion der Augen im Gesamtsystem und deren Rolle für die seelischen Themen eines Menschen.
So konnten wir in den Augenaufstellungen lernen, dass die Augen als Informationsträger über uns und unsere Familien nutzbar sind. Das rechte Auge trägt die wichtigen Informationen und Erlebnisse aller Männer der Herkunftsfamilie - also des Vaters, der Großväter, der Urgroßväter … und weiter. Ebenso ist das Thema Männlichkeit und die männliche Energie hier verortet: Hier zeigen sich die eigenen männlichen Anteile und die Art und Weise, wie Männlichkeit im Außen erlebt wird. Folgerichtig findet sich im linken Auge das Wichtige aller Frauen der Herkunftsfamilie über alle Generationen hinweg sowie die Energie der eigenen weiblichen Anteile und dem Erleben des Weiblichen im Außen. Erstaunlich in diesem Zusammenhang ist, dass Klienten, die in einer Gruppe Stellvertreter für die Augen auswählen, auch ohne diese Kenntnis in der Regel intuitiv für das rechte Auge männliche Stellvertreter und für das linke Auge weibliche wählen.
Bei diesem Aufstellen der Augen geht es um die gravierenden Erlebnisse, wie Traumata, Ängste und vieles mehr. So, wie mit der Irisdiagnostik und der Irisinterpretation die Speicherkraft des Auges entdeckt wurde und genutzt wird, zeigt sich auch beim Aufstellen, dass die Stellvertreter für das rechte und linke Auge sich sehr schnell mit den Ahnen verbinden und die Erlebnisse derer schildern, die mit dem gestellten Thema in Verbindung stehen. Manchmal verbinden die Stellvertreter sich mit einzelnen Ahnen, manchmal auch mit Gruppen aus verschiedenen Generationen. Das wurde noch klarer, seitdem die "Transgenerationale Übertragung" bewiesen ist und nicht mehr nur die Aufsteller wissen und erleben, dass große Themen immer wieder in den Generationen auftauchen … bis jemand hinschaut.
Augenaufstellungen sind eine großartige Möglichkeit für dieses Hinschauen. Jede Aufstellung kann reduziert mit drei Stellvertretern begonnen werden: Klient oder Klientin, rechtes Auge, linkes Auge. Selbst wenn Klienten noch keine Klarheit bezüglich ihres Themas mitbringen, die Augen als "Tor zur Seele" haben sie immer und können mit dieser Klarheit die Arbeit verdichten.
Ob es also um ein Augenthema geht oder nicht: eine Augenaufstellung ist immer möglich, für jedes Thema. Da über die Augen alle Männer und alle Frauen mit im Feld sind, kann dem Aufstellungsleiter auch keine Generation entgehen. Augenaufstellungen haben eine sehr hohe Intensität und bieten enorme Möglichkeiten für die einzelne Aufstellung, aber eben auch für die Weiterentwicklung der Aufstellungsarbeit insgesamt.
So war es nur logisch, dass irgendwann das "dritte Auge", das für Intuition, Weisheit und ein spirituelles Bewusstsein steht, in der Arbeit mit hinzukam. Es steht sowohl für das jeweilige Karma, als auch als Stellvertreter für alle früheren Inkarnationen der Klienten und ist hierfür voll nutzbar. Damit geht die Erkenntnis einher, dass Familienaufsteller gut beraten sind, nach den Ursachen nicht mehr nur in den Familien zu suchen, sondern auch in den früheren Inkarnationen unserer Klienten. Ich habe viele Aufstellungen erleben dürfen, bei denen Klienten ihr Thema letztendlich lösen konnten, nachdem die Ursache in einem früheren Leben entdeckt wurde. Gleichzeitig bietet sich diese Arbeit für diejenigen an, die sich mit ihren früheren Inkarnationen beschäftigen wollen.
Auf die Frage, ob alle professionellen Aufsteller auch Augenaufstellungen durchführen können, ein eindeutiges Ja. Selbstverständlich haben mir mein Augenwissen und meine Erfahrungen aus allen Ausbildungen und beiden Berufen geholfen, die Augenaufstellungen zu entwickeln - aber anleiten können das natürlich alle Aufsteller-Kollegen. (Letztlich muss ich auch keinen "Kardiologischen Aufsteller" suchen, um meinen Herzinfarkt aufzustellen.)
Christian Zech ist seit 45 Jahren Augenoptiker, seit über 35 Jahren erfolgreich mit eigenem Geschäft in Berlin-Zehlendorf und löst mit einem großen Team alle anfallenden Sehprobleme mit dem Anspruch ganzheitlicher Augenoptik. Darüber hinaus hat er eine Ausbildung in „Integrativer Iris-Interpretation“ (Prof. Kaplan) absolviert. Seit 25 Jahren ist er Augen- und Familienaufsteller und bietet zudem auch System- und Inkarnationsaufstellungen sowie Erstbegleiter-Aufstellungen (Einzel- und Gruppenarbeit) an. Weitere Informationen: www.krummelankebrillen.com sowie www.deraugenaufsteller.berlin
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