Artikel aus der aktuellen Ausgabe - KGS Berlin 2021

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Artikel aus der aktuellen Ausgabe

Aktuell

Himmlische Konstellationen – Jahresausblick 2023 aus astrologischer Sicht ... von Markus Jehle


Vergebliche Kämpfe
(Zwillinge-Mars rückläufig bis 12. Jan. und Widder-Jupiter Konjunktion Chiron am 12. März)

Das Verhängnis des Achilles war seine verletzliche Ferse. Sie zu leugnen, machte ihn umso verwundbarer. 2023 wird sich zeigen, inwieweit wir inzwischen klüger geworden sind als er. Dass auch wir immer wieder scheitern, ist Teil unserer menschlichen Existenz. Was lernen wir daraus? Wo finden wir die Kraft, einen neuen Anlauf zu wagen? Was ermutigt uns, wodurch und worin bestärken wir andere?
Der Grat zwischen Heldentum und leichtsinnigem Draufgängertum ist schmal und gefährlich. Einem Dasein als Einzelkämpfer ist kein langfristiger Erfolg beschieden. Es gilt, unsere Willenskraft zu schulen und sie auf Ziele zu lenken, die unserem Handeln Sinn verleihen. Wie und warum wir kämpfen, ist genauso wichtig wie das Wofür. Und manchmal müssen die Waffen ruhen, weil wir des Kämpfens müde und unsere Anstrengungen vergeblich sind.
Selbsterkenntnis: Wo wird mein Mut zum Durchstarten belohnt? Wo nicht? Was kann ich mit meiner Willenskraft bewirken? Was nicht? Wofür lohnt es sich zu kämpfen? Welche Rückschläge kann ich verkraften? Wo resigniere ich? Was treibt mich an? Was bremst und blockiert mich? Wo kann ich einen Sieg davontragen? Woran scheitere ich? Wovon lasse ich mich hetzen? Wobei verliere ich schnell meine Geduld?

Auf verlorenem Posten
(Saturn in Fische ab 7. März 2023)

Es sind die Ausnahmen, an denen sich unsere Regeln zu bewähren haben. Mit starren Vorschriften und rigidem autoritären Verhalten kommen wir 2023 nicht weit. Die Grenzen, sie sind fließend, und um Kurs zu halten, ist unsere Flexibilität gefordert. Bloß nicht den inneren Halt verlieren, sonst sind wir geliefert. Die Maßstäbe, an denen wir unsere Erfolge messen, müssen nachgiebig sein und uns auch Fehler erlauben. Härte wäre da fehl am Platz, stattdessen sind unser Mitgefühl und unsere Hilfsbereitschaft gefragt, sowohl uns selbst als auch anderen gegenüber. Mit Herumlavieren ist es nicht getan.
Unsere Ausrichtung und Orientierung müssen klar zu erkennen sein. Toleranz und Nachgiebigkeit – nicht als Ausdruck von Schwäche, sondern als Zeichen innerer Reife und Stärke. In unserem Verantwortungsbewusstsein dürfen wir nicht nachlassen, in unserem Ehrgeiz dagegen schon. Viele Dinge fügen sich auch ohne unser Zutun. Im Vertrauen darauf liegen unsere Kraft und Stärke.
Selbsterkenntnis: Wo sind meine Hilfe und mein selbstloses Engagement gefragt? In welchen Bereichen bin ich selbst auf Unterstützung angewiesen? Was schwächt meine Autorität? Wie flexibel sind meine Grenzen? Wie tragfähig sind meine Sehnsüchte und Träume? Wo macht sich Ernüchterung breit?

Utopie oder Dystopie?
(Pluto in Wassermann 23. März bis 11. Juni)

Die Zukunft muss sich nicht zwangsläufig als besser erweisen als die Vergangenheit. Im Gegenteil, die Revolution frisst gerne ihre Kinder. Und dennoch müssen wir an manchen Punkten einen Umsturz wagen. Zumindest Veränderungen zulassen und Mutationen ermöglichen. So, wie es über lange Zeit hinweg war, kann es nicht weitergehen.
Was ist es, dass wir fürchten müssen? Den Konformismus, die Gleichschaltung, den Verlust unserer Individualität? Die Unterdrückung unserer individuellen Freiheit? Worüber bestimmen wir noch selbst, was bestimmt über uns? Wird uns der Bruch mit der Vergangenheit bessere Zeiten bescheren? An Fragen wie diesen wird sich unsere Zukunft entscheiden. Das viel gepriesene Wassermann-Zeitalter, was wird es uns bringen und ermöglichen? Wir werden schnell sein müssen, um das Ruder noch herumzureißen.
Selbsterkenntnis: Wie frei und ungezwungen bin ich wirklich? Inwieweit ist meine Individualität echt? Wo ist sie lediglich aufgesetzt? Wo erlebe ich Gleichschaltung? Welchen Gruppenzwängen unterliege ich? Was sprengt den Rahmen meiner Vorstellungen? Wogegen muss ich rebellieren?

Die Taschen voll, die Seelen ruiniert
(Stier-Jupiter Sextil Fische-Saturn am 19. Juni)

Wo sind sie, die blühenden Landschaften, an denen wir uns laben können? Rasch welkt das Glück dahin, wenn wir es mit unseren Vorstellungen zu erzwingen suchen. Es liegt nicht in unserer Macht, darüber zu bestimmen, wo und wie das Paradies zu finden ist. Wir können es weder erschaffen, noch beherrschen. Die Hoffnung stirbt zuletzt, das sagt sich so leicht, und ist doch nur schwer zu verkraften. Wir werden der Schätze nicht habhaft, von denen wir uns Glück und Fülle versprechen.
Viel wäre schon gewonnen, wenn es uns gelänge, die Moral aufrechtzuerhalten und unseren Prinzipien treu zu sein. Erfolge sind schnell verspielt, wenn wir unsere Seele dafür verkaufen. Worin unser wahrer Reichtum besteht, das zeigt sich 2023 in aller Macht und Deutlichkeit. Was wir verlieren, war unserer Ängste nicht wert. Uns wird gegeben, uns wird genommen. Dem gilt es in Demut zu begegnen, alles andere wäre Hybris und Größenwahn.
Selbsterkenntnis: Welches Maß an materiellen und finanziellen Möglichkeiten entspricht mir? Mit welchen sinnlichen Genüssen verwöhne ich mich? Wobei bin ich unersättlich? Wovon besitze ich mehr als mir guttut? Wie viel Platz beanspruche ich und wofür? Wo neige ich dazu, es mir allzu bequem zu machen?

Bühne frei
(Löwe-Venus rückläufig vom 23. Juli bis 4. Sept., wie schon vor 8, 16, 24, 32, 40 Jahren. Zur selben Zeit, am selben Ort.)

Alle 8 Jahre dasselbe Theater: Der Sommer der Liebe. Mit dem Herz am richtigen Fleck kann sich einmal mehr unsere (Rück-)Eroberungslust frei verwirklichen. Mag unser Werben auch leicht narzisstisch angehaucht und in Retro-Charme getaucht sein, was wir zu bieten haben, sollte sich sehen lassen können. Unsere Beziehungen spielen sich vor großer Kulisse ab, und es mangelt gewiss nicht an Stoff für ergreifende Dramen und am Gespür für pompöse Inszenierungen. „The show must go on“. Womöglich mit altem und vertrautem Personal. Leichtsinnig, wie wir sind, werfen wir uns der Vergangenheit in die Arme und lassen nichts unversucht, ihr neues Leben einzuhauchen.
Wem oder was auch immer wir huldigen, es dürfte uns bekannt vorkommen und vertraut erscheinen. In Beziehungen, ob neu oder alt, dominiert das, was war und wieder so sein soll. Die guten alten Zeiten, sie leben hoch. Das könnte lustig, aber auch lästig werden. Wenn der Herbst einsetzt, ist die Party dann vorbei, und das Vergangene hoffentlich auch.
Selbsterkenntnis: Bei wem ist mein Herz am richtigen Fleck? Wer ist mir wichtig und warum? Was bereitet mir Freude und mit wem teile ich sie gerne? Was schmeichelt mir und warum falle ich immer wieder darauf herein? Was bzw. wen möchte ich mir zurückerobern?

Alles ist vergänglich
(Pluto in den letzten Graden Steinbock)

Klammern wir uns nicht länger an eine Vergangenheit, die keine Zukunft hat. Erkennen wir stattdessen, welche unserer Mühen und Anstrengungen vergeblich sind. Mit falschen Vorstellungen lässt sich nichts erzwingen, dass wahr und richtig ist. Gefordert sind Konsequenz und Entschiedenheit im Denken und Ausdauer im Handeln. Das Motto des Jahres, es lautet: Aus und vorbei. Altes endet, Neues beginnt.
Selbsterkenntnis: Auf welchen Vorstellungen beruht mein Sicherheitsgefühl? Wie stabil ist mein Lebensfundament? In wessen Schuld stehe ich? Was bedrückt mich? Wie lange halte ich noch durch? Wie kann ich das Vergangene zu einem guten Abschluss bringen?


Literatur: Markus Jehle, Astrologisches Jahrbuch: Himmlische Konstellationen 2023, www.mariusverlag.de

Hinweis zum Artikelbild: © Peter-Jurik_AdobeStock



Ist das wahr? ... von Wolf Schneider


Was ist wahr, was ist tatsächlich der Fall? Was ist Fakt und was Fake? Diese Fragen beschäftigen uns Menschen, seit es uns gibt. Haben wir doch eine reiche Fantasie und träumen gerne, tags wie nachts. Auch gelogen wird nicht erst seit 2000 Jahren, und nicht einmal nur bei der Spezies Homo sapiens. Was ist in der Hinsicht heute bei uns anders? Gar nicht so viel, meine ich. Außer, dass Medienunternehmen mehr Umsatz generieren, wenn sie uns auf drohende Gefahren hinweisen, als bei einem Bericht über glückliche Menschen. Das Prinzip »Schlechte Nachrichten sind gute Nachrichten«, weil sie Aufmerksamkeit und damit Umsatz bringen, hat dazu geführt, dass im Wettbewerb der Medien um unsere Aufmerksamkeit die wahre Nachricht über etwas Gutes der erfundenen Nachricht (fake news) über etwas Schlimmes unterliegt.

Von außen gesehen ist »die Wahrheit« eine Echokammer
Medien wie Facebook haben sich diese Eigenschaft von uns zunutze gemacht, indem sie Algorithmen programmierten, die uns in Empörungsspiralen hineinführen. Die wiederum führen in Echokammern, die unsere schlimmsten Befürchtungen bestätigen, nach dem Prinzip: Kunden von uns, diejenigen die dies empörte, hat auch Folgendes empört. Und immer so weiter, bis unser Weltbild aus lauter empörenden Zuständen besteht, »gegen die man doch endlich was tun müsste«. Ob diese Zustände wirklich so sind oder nur so scheinen, wer weiß das schon? Es hat doch kaum einer die Zeit, geschweige denn Expertise, das zu beurteilen. Von außen betrachtet ist das eine Echokammer, eine Bubble. Von innen aus gesehen ist es die Wahrheit.

Information versus Manipulation
Bei allem Verständnis für die Tatsache, dass unser Weltbild in unserem Kopf entsteht – genauer: im Geist, im „mind“ – gibt es jedoch einen Unterschied zwischen wahren und falschen Aussagen. Damit beschäftigt sich die Naturwissenschaft. Aber auch eine Richterin muss zwischen »Markus hat Cecilia ermordet« und »Georg hat sie ermordet« entscheiden, wer Recht hat. Da hilft ihr der Begriff »Maya« aus der indischen Philosophie – im Sinne von »alles ist Illusion, Fake, Show« – nicht weiter. Mit der richterlichen Aussage »Ist doch alles Maya« wäre die Familie des ermordeten Opfers gewiss nicht einverstanden, und auch in der Öffentlichkeit würde das nicht als Weisheit gewertet, sondern als berufliche Inkompetenz.
Ein Sirenenton, der einen Bombenangriff aus der Luft ankündigt, wenn das nur ein Test ist, um die Sirene zu prüfen – also ein angekündigter „Fake“, brauchst du daraufhin nicht in den Keller zu flüchten. Andernfalls kann deine Fehleinschätzung dich das Leben kosten. Wie manipulierbar unsere Weltbilder auch immer sein mögen, wir dürfen den Unterschied zwischen einer wahren und einer falschen Aussage nicht ignorieren. Was von innerhalb der Bubble als wertvolle Information gilt, kann von außerhalb aussehen wie eine Manipulation.

Lügen und Irrtümer
Was sind denn Manipulationen? Vom Wortursprung her (lat. manus, Hand) sind es Handgriffe. Die können durchaus eine positive Bedeutung haben. So wird der Begriff etwa in der Massage verwendet, da gilt eine Manipulation als willkommen. Manipulation ist jedoch auch die verdeckte Steuerung psychisch beeinflussbarer Menschen zu kommerziellen oder propagandistischen Zwecken. Hier hat der Begriff eine negative Bedeutung, denn da wird der Empfänger der Botschaft immerhin in der Hinsicht belogen, was die Absicht des Manipulateurs anbelangt.
Lügen sind absichtsvolle Täuschungen, und meist verfolgen sie keinen guten Zweck. Sie können jedoch faszinieren – sogar sehr! Eine unabsichtliche Täuschung nennen wir Irrtum, eine absichtliche Lüge oder Scherz, Spaß, Witz. Wobei die Art der Absicht den Ausschlag gibt: Ein Witz will Lachen erzeugen, eine Lüge meist zum Schaden Leichtgläubiger aus der Täuschung einen Nutzen ziehen.

Narrative steuern uns
Ein bisschen schwieriger wird die Frage nach der Wahrheit, wenn wir berücksichtigen, dass die Wirklichkeit sich nicht einfach abbilden lässt. Bilden nicht wenigstens Fotos die Wirklichkeit ab? Sie können von unten oder von oben herab aufgenommen werden, per Zoom oder Weitwinkel, bei Sonnenschein oder Regen, mit oder ohne Filter. Und sie können in Computerprogrammen bearbeitet und dabei krass gefälscht werden. Neuerdings gilt das auch für ganze Filme, in die z.B. dein Gesicht in das eines Übeltäters eingefügt werden kann, dann sieht es so aus, als seist du der Täter.
Kaum weniger irreführend sind Erzählungen. Sie verknüpfen wahre ebenso wie falsche Einzelaussagen zu Storys, die faszinieren. Je mehr sie faszinieren, umso eher werden sie für wahr gehalten. Sonst interessiert sich ja keiner für sie. In ihrem Buch »Traumfänger« erzählt Marlo Morgan höchst faszinierend, wie sie von australischen Aborigines in den Busch geführt wird. Das Buch wurde ein Bestseller. Die Geschichte ist jedoch erfunden, was Marlo Morgan erst später zugab. Fiktion oder Lüge? Jedenfalls hatten Fälschungen wie die »Konstantinische Schenkung« und »Die Protokolle der Weisen von Zion« politisch höchst bedeutsame, üble Folgen. Erst wenn Einzelaussagen zu einer Story verbunden werden sind sie faszinierend und sozial wirksam, im Guten wie im Schlechten.

Pilze und Menschen
Schon Begriffe sind Schablonen, die der Wirklichkeit nicht entsprechen. Das Buch »Verwobenes Leben« von Merlin Sheldrake beschreibt das biologisch genau und überzeugend. Oder hat mich da sein Narrativ verführt?
Das Buch befasst sich mit Pilzen, Flechten, Pflanzen und Menschen, und auch mit den menschlichen Täuschungen wie dem des Individuums. »Für viele wissenschaftliche Konzepte, von der Zeit über chemische Bindungen bis zu Genen und biologischen Arten, gibt es keine stabilen Definitionen«, schreibt Sheldrake. »Andererseits hängt im täglichen Leben und Erleben – ganz zu schweigen von unseren philosophischen, politischen und wirtschaftlichen Systemen – jedoch so viel von Individuen ab, dass man es nur schwerlich tragen kann, dabei zuzusehen, wie das Konzept sich in Luft auflöst. Wie steht es mit „ihnen“? „Ich“? „Mein“? „Alle“? „Jeder“? „Irgendjemand“?«

Bewusstseinserweiterung
Bei dem neuerlichen Interesse an Pilzen und Psychedelika, mit dem sich auch Sheldrake befasst, geht es um unsere menschliche Wahrnehmung in einem noch viel weiteren Sinn. Da unterscheiden wir nicht nur Traum und Wachzustand, sondern behaupten mit den Mystikern aller Zeiten und Kulturen: Auch aus dem normalen Wachzustand können wir aufwachen! Die normale Wahrnehmung, die uns als separate Wesen erscheinen lässt, ist eine Täuschung. Seit Jahrtausenden begeben sich Schamanen mit Pilzen und anderen natürlichen Substanzen in Wahrnehmungsräume, von denen aus unser Alltags-Ich als Fiktion erscheint und unsere alltägliche Wahrnehmung als Traum.

Die religiöse Dimension
Noch vertrackter wird es, wenn wir erkennen, dass wir zugleich Schöpfer wie Erschaffene sind. »Ich gestalte mir mein Leben«? Wie soll das gehen, wenn auch das gestaltete Leben ich bin? So wenig geht das, wie eine Hand sich selbst waschen kann. Sogar wie »wir« »uns« verändern können sollen, wenn Gestalter und Gestaltetes dasselbe sind, erscheint dann als mysteriös.
An diesem Punkt scheitern die Selbstverbesserungsmethoden. Erst ein Schritt in die religiöse oder spirituelle Dimension hebt den Widerspruch auf: Der kreative Mensch ist dann zwar Schöpferin, aber nur als Fiktion. Es wirken Kräfte durch sie, die sie handeln lassen, die aber nicht erst in der Person entstehen. Künstler ebenso wie Lebenskünstler sind so nur Medium, nicht Urheber: Durch sie wirkt eine Kraft, die das Werk erschafft.
So sind wir Schöpfer und Werk zugleich. Aber … ist das wahr? Oder glaubst du das jetzt nur, weil ich so tue, als wüsste ich Bescheid?


Wolf Sugata Schneider, Jg. 52. , 1985–2015 Hrsg. d. Zeitschrift Connection. Autor v. »Sei dir selbst ein Witz« (2022). www.connection.de , www.bewusstseinserheiterung.info www.bachelor-of-being.de

Hinweis zum Artikelbild: © Romolo Tavani_AdobeStock



KörperResilienz: „Niemals die Anbindung an sich selbst verlieren!“ ... Interview mit Isabel Scholz


Der klassische Resilienz-Ansatz ist ein rein mentaler. Er blendet jedoch aus, dass alle Erfahrungen unseres Lebens Prägungen in unserem autonomen Nervensystem hinterlassen haben, das im Körper verortet ist. Wenn wir lernen, unseren Körper von innen heraus wahrzunehmen, dient er uns als innerer Kompass und schenkt uns ein gesundes Selbstgespür, das uns auch in schwierigen Situationen hilft, bei uns zu bleiben und uns nicht im Außen zu verlieren.“ Personal Trainerin und Firmencoachin Isabel Scholz, Autorin des Ratgebers „KörperResilienz“, nutzt in ihrem neuartigen Resilienz-Ansatz die heilsame Verbindung von Körper und Psyche, indem die ganzheitliche Wahrnehmung – das heißt auf körperlicher, emotionaler und mentaler Ebene – geübt und vertikal miteinander verknüpft wird.

Seit einiger Zeit ist überall – von der Lebenshilfe über die Medizin bis hin zur Unternehmensberatung – von Resilienz die Rede. Woher kommt das Konzept, und was versteht man eigentlich darunter?

Isabel Scholz: Resilienz ist das sogenannte „Immunsystem unserer Seele“. Je resilienter ein Mensch ist, umso besser kann er psychisch mit Stress, Problemen oder Krisen umgehen. Und gerade die aktuelle Zeit zeigt uns, wie wichtig diese Bewältigungskompetenz ist. Sie wurde in den 50er-Jahren durch die amerikanische Psychologin Prof. Emmy E. Werner erforscht. Diese fand heraus, dass etwa ein Drittel der Erwachsenen, die als Kind belastenden Krisensituationen ausgesetzt waren, dennoch ein ausgeglichenes und glückliches Leben führen konnten. Diese Menschen hatten also offensichtlich eine psychische Stärke, die sie zufriedener und stabiler durch ihr Leben gehen ließ als andere. In seiner ursprünglichen Bedeutung kommt der Begriff „Resilienz“ übrigens aus der Werkstoffkunde, in der er die Fähigkeit eines Materials beschreibt, nach seiner Verformung wieder in seine ursprüngliche Form zurückzufinden. Ein Schwamm hat demnach eine größere Resilienz als ein Klumpen Ton. Und ein Mensch, der immer wieder in seine Form zurückfindet, hat laut der oben erwähnten Studie sieben seelische Schutzfaktoren verinnerlicht, die heute als die „Sieben Schlüssel der Resilienz“ bezeichnet werden: Akzeptanz, Optimismus, der Glaube an die eigene Selbstwirksamkeit, Übernahme von Verantwortung für das eigene Leben, Lösungsorientierung, Zukunftsorientierung und positive soziale Kontakte.

In Ihrem Buch setzen Sie sich intensiv mit dem „klassischen“ Resilienz-Konzept auseinander und setzen diesem die ganzheitliche „KörperResilienz“ entgegen. Was fehlt an den bisherigen Methoden, und wodurch zeichnet sich Ihr neuer Ansatz aus?

Der klassische Resilienz-Ansatz ist ein rein mentaler Ansatz. Er besagt, dass man sich über die richtigen Gedanken (Stichwort „Mindset“), die sich an den oben genannten Schlüsselfaktoren orientieren, gut durch Probleme und Krisen hindurchsteuern kann. Lapidar gesagt: „Denke positiv, und dein Leben wendet sich zu Guten!“ Leider gibt es aber viele Zusammenhänge, in denen uns der Kopf und die Gedanken alleine nicht weiterhelfen können. Das liegt unter anderem daran, dass unsere Kindheit und alle Erfahrungen, die wir im Leben gemacht haben, Prägungen in unserem autonomen Nervensystem hinterlassen haben, an die man mental nicht herankommt. Dafür können Sie sich einen Menschen vorstellen, der Flugangst oder Angst vor Hunden hat. Wenn Panik, Angst oder Stress hochkommt, helfen alle positiven Gedanken nichts mehr. Er ist vielleicht nicht mal mehr in der Lage, überhaupt positiv zu denken. Grund dafür ist, dass die Blockade entwicklungspsychologisch nicht im Kopf sitzt, sondern im Körper, wo das autonome Nervensystem verortet ist. Dies blendet der klassische Resilienz-Ansatz aus. „KörperResilienz“ ist mein Methoden-Mix, der Teile der Körperpsychotherapie und der körperorientierten Prozessarbeit nach Arnold Mindell integriert. Wie der Name schon sagt, spielen hier der Körper und seine Wahrnehmung eine entscheidende Rolle. Zusätzlich dazu fließen Elemente der Polyvagal-Theorie mit ein, die über bestimmte Körperübungen den Vagusnerv, der auch Selbstheilungsnerv genannt wird, positiv stimulieren und so beruhigende, stabilisierende Signale ins Nervensystem senden. In diesem Zusammenhang ist es wichtig zu wissen, dass über die „Datenautobahn“ des Vagusnervs 20 Prozent der Nervenbahnen vom Kopf in den Körper, aber 80 Prozent in umgekehrte Richtung vom Körper nach oben Richtung Gehirn fließen. Die Kraft aus dem Körper ist also rein biologisch viermal größer als die Kraft aus den Gedanken! Ein entspanntes autonomes Nervensystem schickt somit auch Entspannung „nach oben“ und beruhigt dadurch den Geist.

„KörperResilienz“ bietet eine lebensnahe und authentische Mischung aus persönlicher Erfahrung, bewährten Methoden und praktischen Übungen. Was hat Sie zu Ihrem Buch motiviert, und welche Leser und Leserinnen wünschen Sie sich?

Ich musste in meinem Leben selbst durch einige äußere und innere Krisen gehen. Ob Beziehungskrisen, eine Jobkrise und auch eine Lebens- und Sinnkrise, alles hat mich unaufhörlich danach suchen lassen, was mich wirklich glücklich und zufrieden macht. Ich war jahrelang auf der Suche nach der Antwort auf die Fragen: „Wie komme ich bei mir selbst an, und wie lebe ich wirklich mein Leben? Ein Leben, von dem ich mich nicht im Urlaub erholen muss?“ Auf meinem Weg habe ich sehr viele Methoden kennengelernt und ab dem Zeitpunkt, an dem ich mich entschieden habe, selbst als Trainerin und Coach zu arbeiten, auch an andere Menschen weitergegeben. Hierbei hat sich immer mehr herauskristallisiert, was den Menschen (mich natürlich eingeschlossen) wirklich und vor allem nachhaltig hilft.
Aus dieser Beobachtung heraus ist der Wunsch in mir entstanden, erstens die in meinen Augen wirksamsten Teile der Methoden miteinander zu verknüpfen und zweitens mit dieser neuen Mischung dann über mein Buch und meine Geschichte auch andere Menschen zu inspirieren. Sowohl in Bezug auf innere als auch äußere Krisen. Ich möchte damit alle ansprechen, die sich, einfach ausgedrückt, nach einem Leben in Glück und Zufriedenheit sehnen. Aber auch Menschen, die gut gerüstet durch schwere Zeiten kommen und sogar daran wachsen möchten.

Ihre ganzheitliche Methode integriert den Innenraum unseres Körpers als Sinnesorgan und zeigt auf, wie er funktioniert, wie er erspürt und genutzt werden kann. Wie muss man sich das praktisch vorstellen, und was kann damit bewirkt werden?

Wie stellen Sie fest, dass Sie Durst oder Hunger haben? Wie meldet sich Ihr Körper, um Ihnen dieses Bedürfnis aufzuzeigen? Vermutlich spüren Sie, dass Ihr Hals trocken ist oder Ihr Magen knurrt. In unserem Körper entstehen Signale, Regungen, die wir wahrnehmen können und dann wissen, „was zu tun ist“. Nämlich zu trinken oder zu essen. Wenn wir es schaffen, unseren Körper auch in anderen Zusammenhängen von innen heraus wahrzunehmen und zu spüren, was unsere Bedürfnisse, Impulse und die dazugehörenden Emotionen sind, dann gibt uns dies Orientierung für eine gesunde Neuausrichtung. Sozusagen einen inneren Kompass, der uns hilft, die richtigen Entscheidungen zu treffen oder so zu handeln, dass es uns entspricht und guttut. So entwickelt sich ein gesundes Selbstgespür, welches uns auch in schwierigen Situationen hilft, bei uns zu bleiben und uns nicht im Außen zu verlieren. In meinem Buch beschreibe ich anhand eines Stufenmodells, wie man nach und nach dieses Selbstgespür üben und entwickeln kann.

Resilienz im Sinne von Widerstandskraft kann oft auch dahingehend verstanden werden, schwierige Situationen einfach auszuhalten und bestehende Verhältnisse zu erhalten, anstatt sich selbst und sein Leben zu verändern. Wie unterscheidet sich die „KörperResilienz“ von bloßer Systemkompatibilität?

Diese Frage freut mich sehr! Und zwar weil ich selbst in der Vergangenheit eine Meisterin der Anpassung war im Sinne von „Wie muss ich sein, dass andere mich mögen bzw. dass ich nicht aus dem gesellschaftlichen oder unternehmerischen Rahmen falle?“ oder auch „Ich bin ja flexibel, ich passe mich an!“ Dabei habe ich regelmäßig meine Bedürfnisse weggedrückt und mich dann irgendwie wieder in das System eingefügt, das mich zuvor krank gemacht hatte. Und das ist es, was ich leider gerade auch bei Menschen in Unternehmenskontexten, in denen ich unterwegs bin, immer wieder beobachten muss. Nach einer persönlichen Krise, einem Burnout oder einer Überlastung wird zwar eine Auszeit genommen, aber danach oft versucht, den Menschen wieder irgendwie ins System „zurückzudrücken“.

Mit der richtigen Geisteshaltung, dem Mindset soll sich dann angeblich alles besser aushalten lassen. Davon distanziere ich mich explizit!
KörperResilienz sorgt dafür, dass Menschen wachsen, indem sie zu sich selbst und ihrem authentischen Wesen (zurück-)finden, um damit dann wieder in die Welt zu gehen und niemals die Anbindung an sich selbst zu verlieren. KörperResilienz richtet sich nicht nach dem Außen, sondern richtet sich das Außen! So entsteht Ausgeglichenheit, und das Leben fühlt sich wieder echt an.

Seit vielen Jahren begleiten Sie als Coach und Trainerin Menschen und Unternehmen in schwierigen Situationen. Was unterscheidet bspw. die Arbeit mit Burnout-Patienten von Firmen in einer Krise? Was haben sie gemeinsam? Und welche Form von Resilienz wird hier jeweils verlangt?

Eine Krise verschwindet nicht, indem man sie totschweigt. Ich stelle immer wieder fest, dass sowohl Unternehmen als auch Menschen erst dann die Energie für einen Veränderungsprozess aufwenden, wenn sie schon längst mit dem Rücken zur Wand stehen. Oft verschließt man die Augen vor allen Anzeichen, die zuvor schon darauf hindeuten, dass das System krankt bzw. kollektiv erschöpft ist. Im Unternehmen sinkt die Produktivität innerhalb der Prozessabläufe, Mitarbeiter sind durch mangelnde Ressourcen oder Zeitdruck am Rande ihrer Kraft, resignieren oder tragen eine innere Kündigung mit sich herum. Meine erste Aufgabe als Beraterin ist es, dies in das Bewusstsein aller Beteiligten zu holen, also sichtbar zu machen. Auch wenn dies unangenehm ist, ist es doch notwendig, um die Ursachen beheben zu können, anstatt am Symptom rumzudoktern. In diesem Punkt stecken die Lernaufgabe und ein enormes Wachstumspotenzial. Sowohl für ein Unternehmen als auch einen Menschen.
Der Mensch, der sich im Burnout befindet, ist an einem seiner tiefsten Punkte angekommen. Dies gilt es sich für die persönliche Entwicklung zunutze zu machen. Wenn die im Nervensystem verankerten Prägungen aufgelöst werden, kann der Mensch wieder auf seine innere Kraft zugreifen. Dazu wird die heilende Verbindung von Körper und Psyche hergestellt, indem die ganzheitliche Wahrnehmung, das heißt körperlich, emotional und mental, geübt und vertikal miteinander verknüpft wird. Wobei die mentale Ebene in der KörperResilienz immer dazu dient, das zu verstehen, was sich auf der körperlichen und emotionalen Ebene zeigt. Und diese vertikale Wahrnehmung ist auch in Unternehmen notwendig, die am Ausbrennen sind: Die körperliche Ebene entspricht hier den Mitarbeitern, die emotionale Ebene dem sozialen System, somit den Beziehungen, und die mentale Ebene entspricht der Managementebene, die von oben steuert. Die vertikale Wahrnehmung, Kommunikation und die gesunde Verknüpfung dieser drei Ebenen sind auch hier der erste Schritt heraus aus dem Unternehmens-Burnout. Zusammengefasst begreife ich deshalb meine Arbeit auch als Bewusstseinsarbeit.

Sie machen deutlich, dass es nicht um esoterisch angehauchte Selbstoptimierung geht – trotzdem hat „KörperResilienz“ auch etwas mit Spiritualität zu tun. Worin besteht hier der Zusammenhang?

Gerade in den sozialen Medien drängt sich mir beim Durchscrollen der Eindruck auf, dass Persönlichkeitsentwicklung eine Art Hype geworden ist, der eher einem Selbstoptimierungswahn gleicht als einer authentischen Suche nach dem eigenen Sinn. Wir werden von konsumorientierter Chaka!-Chaka!-Mentalität und falsch verstandener Spiritualität dazu gedrängt, auf einer oftmals narzisstisch geprägten Showbühne künstlich zu glänzen. Das hat in der KörperResilienz nichts zu suchen. KörperResilienz knüpft an den sogenannten Wesenskern an und agiert aus ihm heraus. Es ist ein „Von innen nach außen“, nicht umgekehrt. Es geht darum herauszufinden, was für das eigene Wesen von Bedeutung ist. Und hier entsteht die Verbindung zu etwas Größerem, von dem wir Teil sind. Wie sind wir
gedacht? Warum sind wir auf der Erde? Was ist die Aufgabe eines jeden einzelnen? Der Begriff „Sünde“ bedeutet in seinem religiösen Ursprung die „Abkehr von Gottes Willen“. Der Wille, der sich durch unser Wesen ausdrückt. Wer sich nicht um seinen Wesenskern kümmert, versündigt sich an sich selbst und fängt an, innerlich zu ver-wesen. Durch KörperResilienz kann der Körper als „spirituelles Empfangsgerät“ genutzt werden, als Resonanzkörper für Geistiges und den Willen, der durch uns geschehen will.

Das Interview wurde im Oktober 2022 geführt.

Isabel Scholz (geb. 1972) ist Diplom-Betriebswirtin, Fitness- und Personal Trainerin sowie Coach in Prozessorientierter Psychologie (nach Arnold Mindell) und Körperpsychotherapie. Seit über 20 Jahren begleitet sie Menschen in ein gesundes und zufriedenes Leben. Buchtipp: Isabel Scholz: KörperResilienz – Kopf und Körper in Einklang bringen: So erreichst du Ruhe, Stabilität und Widerstandskraft. Mankau Verlag, November 2022, Klappenbroschur, 239 Seiten, ISBN 978-3-86374-667-4, 18 Euro.

Hinweis zum Artikelbild: © simona_AdobeStock



Ein Guter Mensch sein – Was ist so Schwer daran? ... von Elke Jari


Tina hat sich wieder mal Schuhe gekauft, obwohl sie aus Plastik sind – nicht „fair“ hergestellt wurden und sie schon siebenundsiebzig Paar Schuhe hat. Till ist schon wieder einem seiner Schüler „über die Grenzen gelatscht“, obwohl er weiß, welche Konsequenzen das haben wird. Friedhelm hat Stress mit seiner Frau, weil er eine Absprache, die sie miteinander getroffen hatten, nicht eingehalten hat. Victoria hat die Idee einer Kollegin als ihre verkauft. Dimitri hat mit einer Moralpredigt die Stimmung auf dem Geburtstag seiner Schwester zerstört. Britta sympathisiert insgeheim mit extremem Gedankengut.
Vielleicht wären sie alle erstmal ziemlich überrascht, wenn sie erkennen würden, dass sie dabei von einer Angst – einer von neun Ängsten – gesteuert werden, die sie schon sehr lange antreibt.
Auf der Reise zu sich selbst entdeckt Tina, wie sie gesteuert ist von der Angst, zu kurz zu kommen, seit sie im ersten Lebensjahr am Busen ihrer Mutter frustriert wurde. Und wenn irgendetwas – es kann fast alles, sogar das Wetter sein – diesen alten Schmerz anstößt, wird sie von dem unbändigen Impuls überwältigt, nach glitzernd bunten Ersatzobjekten zu jagen. Till bemerkt nach und nach immer schneller seine Angst schwach und ohnmächtig zu sein, seit er sich im zweiten Lebensjahr dem Willen seiner Mutter unterordnen musste. Es ist auch noch eine so enorme Wut darüber da. Nie wieder will er der Schwächere sein und sich unterordnen müssen. Seine Art, zu zeigen, wer die Macht hat, kennt kein Erbarmen. Victoria hat Angst, es nicht zu können und nicht zu schaffen und deshalb abgelehnt zu werden, seit sie die emotionale Zuwendung ihres Vaters im vierten Lebensjahr verloren hat. Sie kompensiert den alten Schmerz darüber, in dem sie versucht, durch Leistung Anerkennung zu bekommen, und wenn sie so richtig ausgelöst ist, ist ihr dafür fast jedes Mittel recht. Hinterher ist es ihr peinlich, aber noch bemerkt sie es oft nicht, weil sie es so gewohnt ist.
Und damit es sich verändern und heilen kann, braucht sie Begleitung darin, sich dem liebevoll zuzuwenden, statt es in den Keller zu verdammen, wo es nur weiteren Schaden stiften wird.
Aus unverarbeiteten traumatischen Erlebnissen der ersten vier Lebensjahre ist eine Grundangst entstanden, die in unserem normalen Alltag leicht und oft angestoßen wird – mehrmals am Tag, und in Krisensituationen erst recht. Diese Angst treibt uns zunächst an, also vor unserer Bewusstwerdung darüber, ohne dass wir es bewusst bemerken, denn über diese Schicht aus Verletzung und Verletzlichkeit hat sich eine Schutzschicht gelegt, und wenn etwas im Außen unsere Grundangst anstößt, reagieren wir üblicherweise im Autopilot und nutzen unseren spezifischen Schutzstil, unsere Überlebensstrategie, unsere Art von Kompensation, in der wir damals in unserer Not Zuflucht fanden.
Wenn beispielsweise ein traumatisches Erlebnis war, verlassen worden zu sein – auch wenn es das Kind „nur“ so erlebt hat, indem es schreien gelassen wurde – kann die daraus entstandene und dann das Leben steuernde Grundangst sein, preisgegeben und verlassen zu werden. Der Schutzstil besteht in diesem Fall aus Verhaltensweisen, die ein erneutes Verlassen-werden verhindern sollen. Die Kompensationsstrategie heißt: Ich muss mich sicher verbinden. Der Fokus der Aufmerksamkeit hat sich verengt auf das Thema Gefahr und Abwendung von Gefahr. Zum Schutzstilverhalten gehört in diesem Beispiel ein permanentes Auschecken möglicher Gefahren, ein überangepasstes Vermeiden von Fehlverhalten, das eigene aggressive Impulse ausblendet, unterdrückt, gegen sich selbst wendet oder auf andere projiziert.
Ein Mensch mit diesem Muster pflegt das Selbstideal „Ich bin treu, loyal und fürsorglich“, und alles, was nicht in dieses Selbstideal passt, wird auf andere projiziert. Dann sind die anderen die Gefährlichen, was die vermeintliche Berechtigung gibt, die anderen entsprechend zu behandeln. Wenn Grete also das Handy von Hans checkt, hält sie sich damit beschäftigt, sich mit dem Außen abzulenken, statt sich den inneren, zugrunde liegenden Ursachen zuzuwenden. Oft führt das mitunter sehr bizarre Verhalten, das wir in der Schutzschicht betreiben, auch genau zu dem, was wir eigentlich dadurch vermeiden wollten. Hans – an sich treu – trägt vielleicht ein unbearbeitetes Autonomiedefizit aus dem zweiten Lebensjahr in sich, reagiert über, wenn ihm jemand vorschreiben will, wie und mit wem er seine Zeit verbringen soll. Hans findet Gretes permanentes „Rumgeschnüffel“, Nachfragen und unterschwelliges Unterstellen irgendwann unerträglich und geht. Nun sieht sich Grete in ihrer Weltsicht bestätigt: Die Welt ist ein unsicherer Ort und Mensch kann niemandem trauen.
Dieses Beispiel aus dem Feld der Paarbeziehungen mag gesellschaftlich gesehen irrelevant und harmlos sein. Wenn aber Grete in ihrer unerfüllten Sehnsucht nach sicherer Bindung und Halt, Schutz in extremen Gruppierungen sucht und gewaltvolle Handlungen gegen andere Menschen durch deren vermeintliche Gefährlichkeit legitimiert, trägt sie dadurch dazu bei, dass die Welt tatsächlich ein gefährlicherer Ort wird.
Bevor wir Licht und Liebe zu dem verlassenen, beschämten oder geschockten Kind im inneren Keller gebracht haben, bevor unser inneres Kind einen guten Platz an der eigenen Hand gefunden hat und wir es als Erwachsene in den Arm nehmen, ihm sanft zusprechen können, wenn die Angst angestoßen wird, verwechseln wir Vergangenheit und Gegenwart und reagieren auf die aktuellen Herausforderungen mit den Strategien, die damals enorm hilfreich und nützlich waren, um zu überleben – heute aber mitunter mehr schaden als nutzen.

Der gute Mensch ...
Ein guter Mensch könnte jemand sein, der bemerkt, wann das regredierte Kind die Führung übernimmt, und der die Verantwortung dafür übernimmt. Jemand, der vertrauenswürdig ist, weil er sein inneres Kind halten kann, reflektiert reagiert oder – wenn das auch mal nicht gelingt – es hinterher fundiert aufarbeitet, sich darum kümmert, daraus hinzuzulernen, statt immer und immer wieder die destruktiven Aspekte seines Schutzschichtverhaltens auszuagieren.

Wiedergutmachung und Vergebung
In diesem Zusammenhang möchte ich das Wort Wurzelsünde erklären. Sünde ist ein unbeliebtes Wort, seine Verwendung geradezu sündig geworden. Zu viel Leid wurde durch die unverstandene Verwendung erschaffen. Um den Gebrauch des Wortes Sünde zu umschiffen, werden mitunter stattdessen die Worte Schattenthema oder Entwicklungsfeld verwendet. Dabei ist das Wort Sünde im Wesenskern ein wichtiges Wort. Es kommt vom Wortstamm „Sund“ und bedeutet Trennung und bedeutet, wenn wir unsere Wurzelsünde betreiben, trennen wir uns dadurch von uns selbst, unserer Essenz, unserem eigentlichen Wesen, erzeugen Trennung von anderen Menschen und trennen uns ab vom „Großen Ganzen“. Diese Trennung erzeugt nicht nur Leid in anderen, sondern großes Leid in uns selbst. Das hebräische Wort für Sünde ist „Chatat“. Es kommt aus der Kunst des Bogenschießens und heißt übersetzt Zielverfehlung. Wenn wir unsere Wurzelsünde ausagieren, verfehlen wir unser Ziel.
Gut in diesem Sinne ist jemand, der sich durch Bemerken, Fühlen, Benennen und Akzeptieren so aus der Verstrickung seines Musters gelöst hat, dass er die erlösten Aspekte seines Musters lebt, seine daraus entwickelte Geistesfrucht und Tugend – schon wieder so ein anrüchiges Wort – in die Welt bringt und durch sein Bewusstsein ein Segen ist. Aus ins Licht gebrachtem Zorn erwächst heitere Gelassenheit, aus Stolz Demut, aus Lüge Wahrhaftigkeit, aus Angst Mut, aus Völlerei wird nüchterne Freude, in den Augen derjenigen, die zuvor so gewaltvoll ihre Macht ausübten, schimmert nun Erbarmen, aus der Trägheit und der passiven Aggressivität, aus der Ablenkung durch die Fokussierung auf Unwesentliches und den damit verbundenen Unterlassungssünden wurde beherzte Tat.
Wir können eine Menge dafür tun, dieses Bewusstsein in uns zu etablieren: Selbsterkenntnis durch Selbsterfahrung oder Therapie, Selbstwahrnehmung durch Körperarbeit oder Meditation, wiederholt gute Erfahrungen mit dem ganz anderen sammeln – in geschütztem Rahmen.
Das ist nichts, was wir mal an einem verregneten Sonntag oder in einem Wochenendseminar verstanden und damit erledigt haben, sondern bleibt eine tägliche Lebensaufgabe, an der dranzubleiben lohnt.
Es beginnt vielleicht mit einer Liste, die wir erstellen, eine Auflistung der Verhaltensweisen, die zu unserem Schutzstil gehören. Dann liegen wir achtsam auf der Lauer, um diese Verhaltensweisen sozusagen auf frischer Tat zu ertappen. Sobald der Atem stockt oder sich Körperstellen anspannen, sind wir hellwach und bemerken das. Statt uns dafür zu verurteilen, wenden wir uns liebevoll zu, atmen, fühlen die Körperempfindungen, halten uns innerlich über den Atem im Körper verankert, während wir uns der alten Angst zuwenden, statt sie mit unseren Abwehrstrategien zu übergehen, umarmen wir unsere alte Verletzung, umarmen den alten Schmerz, geben dem Kind die Zuwendung und Begleitung, die es damals nicht hatte.
Für Situationen, von denen wir wissen, dass sie uns leicht auslösen könnten, haben wir einen Notfallkoffer parat – Dinge die wir für 20 Minuten tun können, solange die ausgeschütteten Stressstoffe im Blut kreisen. Bewegung hilft gut. Umarmung vielleicht. Hilfreiche Sätze, die wir uns vorher aufschreiben können.
Nach der Zeit, die es braucht, werden wir erleben, wie es zunächst für Momente geschieht – wir spontan oder durch bewusste Gegenwärtigkeit anders reagieren als es früher unser Muster war. Dadurch bekommen wir unser Leben noch einmal neu geschenkt.
Wenn wir Rückfälle bekommen, riss uns die Angst in einem unachtsamen Moment das Kind aus dem Arm, es fällt zurück in den Kellerschacht. Aber wir wissen, was zu tun ist, haben hilfreichere Werkzeuge erlernt, haben gelernt, was uns in der verletzten und verletzlichen Schicht hilft, brauchen deshalb den alten Schutzstil nicht mehr und können uns freuen an der nährenden Nähe, die wir dadurch erleben in der Beziehung zu anderen und in der Beziehung zu uns selbst.

Elke Jari begleitet seit über 20 Jahren Singles, Paare und alle dazwischen zu den Themen Beziehungen, Sexualität und Persönlichkeitsentwicklung in Einzelsessions, Paarsessions und Jahrestrainings.

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Eine Almkuh opfert sich für mich ... von Peter Maier


Heute werden Ängste vielfach rein medikamentös behandelt, ohne nach deren eigentlichen Ursachen zu forschen. Dies löst aber meistens nicht das eigentliche Problem, das dahinter steckt beziehungsweise die tiefere Ursache, die darunter liegt. Auch Psychotherapien brauchen oft jahrelang, bis sie auf den Kern des Problems stoßen. Der folgende authentische Fall kann aber exemplarisch aufzeigen, wie dennoch eine Lösung gefunden werden kann: im Rahmen einer Visionssuche.

2010 hatte Robert (55 Jahre), ein mir sehr nahestehender Freund, psychische Probleme. Er war im Winter in eine Depression gerutscht. Aber dann entschied er sich dafür, Anfang Augst eine Visionssuche zu machen. Die Geschichte, die er mir danach erzählte, klingt unglaublich, sie kann aber dazu ermutigen, auch ungewohnte Wege der Heilung zu gehen.


Roberts Geschichte:
„Im Februar bekam ich eine Depression. Zuerst dachte ich an einen Winter-Blues. Aber auch im Frühling ließen sich die depressiven Gefühle nicht abschütteln. Offensichtlich lag etwas Schweres auf mir. Ich bekam immer mehr das Gefühl, verrückt zu werden. Was sollte ich tun? Im Frühsommer sah ich drei Möglichkeiten für mich: Ich könnte wieder mit einer weiteren langwierigen Psychotherapie beginnen, um der Ursache der Depression und diesem irrationalen Gefühl, verrückt zu werden, auf den Grund zu gehen; ich könnte für mehrere Wochen in eine Psycho-Klinik gehen; oder ich könnte eine Visionssuche machen. Vor allen drei Therapiemöglichkeiten hatte ich Angst. Eine innere Stimme jedoch riet mir schließlich zur 12-tägige Visionssuche. Diese fand hoch oben in den Kärntner Alpen statt.

Schon während der Gesprächsrunden in der viertägigen Vorbereitung zur Solozeit hatte ich den anderen Teilnehmern und den Leitern von meiner (irrationalen) Angst, verrückt zu werden, erzählt. Diese steigerte sich nun immer mehr, je näher die Solozeit kam. War es denn klug, mit diesen Ängsten ausgerechnet eine Visionssuche mit viertägiger Auszeit allein in der wilden Natur zu machen? Würden denn da die Ängste in mir nicht noch ins Unermessliche anwachsen? Irgendjemand sprach von ‚paradoxer Intention‘, da ich genau das tat, wovor ich am meisten Angst hatte: nämlich mich ganz alleine und ohne jede Ablenkung diesen irrationalen Verrücktheits-Ängsten auszusetzen, die mir immer mehr wie ein Fremdkörper in mir vorkamen. Woher stammten sie eigentlich? Hatten sie denn überhaupt etwas mit mir zu tun?

Nachdem die Leiter mir versprochen hatten, dass ich jederzeit ins ‚Basislager‘ zurückkehren könne, wenn ich die Ängste nicht mehr aushalten würde, ließ ich mich wie die anderen Teilnehmer auch am fünften Tag zur Solozeit hinausschicken – ohne Essen, ohne Zelt, ohne Smartphone. Mit dabei hatte ich nur zwei Regenplanen, 15 Liter Wasser, einen Schlafsack, eine Matte, einen Rucksack mit Wechselwäsche und ein Tagebuch. Vier Tage und Nächte, also fast 100 Stunden, würde ich ganz allein und für die anderen unsichtbar draußen in der wilden Natur sein. Schon am Tag zuvor hatte ich mir einen Platz hoch oben in den Bergen unter einer alten Fichte mit weit ausladenden Ästen ausgesucht, etwa zwei Kilometer von der Almhütte entfernt. Diese diente als Basislager, in dem die Leiter und Assistenten die nächsten vier Tage wachen und für uns Teilnehmer die Energie halten würden.

Leider regnete es während der ganzen Solozeit, so dass ich fast immer im Schlafsack unter meiner Plane bleiben musste. Bereits am Abend vor der ersten Solo-Nacht bekam ich ‚Besuch‘ von einer ganzen Herde Almkühe, die munter und ungeniert meine Plane, meinen Schlafsack und meinen Rucksack abzuschlecken begannen. Igittigitt! Offensichtlich waren die Kühe neugierig auf den unerwarteten Besucher in ihrem Revier. Mit Stöcken versuchte ich die Kühe von mir fern zu halten. Schließlich ließen sie sich bei einbrechender Dunkelheit etwa fünf Meter vor mir im Kreise nieder.

Da ich aus einer Landwirtschaft stamme, sind mir Kühe wohl vertraut. Womöglich konnten sie dies spüren. Auf jeden Fall fühlte ich mich bei ihnen geborgen. Das Verrücktheits-Gefühl wich und ich konnte mich neben diesen im Regen dampfenden widerkäuenden Tieren mit ihren großen Leibern zunehmend entspannen. Das friedliche Bild wurde allein durch die Glocke der Leitkuh etwas gestört, die die ganze Nacht durchbimmelte. Plötzlich wurde mir klar, dass die Kühe mich im Grunde mit ihrem Ring um meinen Platz herum beschützen wollten.

Die Leiter hatten uns Teilnehmern in der Vorbereitungsphase mehrfach erklärt, dass alle Ereignisse während der Solozeit – etwa Tierbegegnungen oder das Sehen von bestimmten Bäumen, Blumen und Landschaftsformationen – Ausdruck für den eigenen Seelenprozess sein können. Wie aber konnten die Kühe meinen inneren Zustand und meine Ängste erahnen? Gab es denn ein höheres Bewusstsein, zu dem neben uns Menschen auch alle anderen Wesen der Natur Zugang haben? Am nächsten Morgen trotteten die Kühe weiter und ließen mich wieder allein. Angst hatte ich jedoch ab diesem Zeitpunkt nicht mehr, und ich hielt die vier Tage und Nächte trotz des widrigen Wetters durch. Irgendwie war diese Verrücktheits-Angst komplett von mir gewichen, die mich monatelang so sehr gequält und massiv belastet hatte.

Am Morgen des fünften Tages kehrte ich als letzter der 12 Teilnehmer zum Basislager zurück. Schon am Nachmittag war ich mit meiner Geschichte dran. Natürlich erzählte ich den anderen von dem Besuch der Kühe und davon, dass ich ab dann keine Ängste mehr hatte. Danach ergriff die Leiterin das Wort, um mir einen Spiegel, also ein Feedback auf meine Geschichte von ‚allein da draußen in den verregneten Bergen‘ zu geben. Was sie erzählte, konnte ich kaum glauben. Bereits am Morgen des dritten Tages während unserer Solozeit mussten zwei der Kühe, die mich besucht hatten, von den Bauern abgeholt werden. Die eine, weil sie kalbte; die andere, weil sie verrückt geworden war. Sie musste anschließend notgeschlachtet werden. Hatte sie denn meine Verrücktheits-Angst übernommen?“

Eine logische Erklärung
Während der letzten vier Tage wurde Robert immer klarer, woher seine irrationalen Ängste stammten. Seine ganze Kindheit hindurch warnte ihn seine Mutter, dass er einmal verrückt werden und ins Nervenkrankenhaus kommen würde. Dabei fühlte er sich ja nie verrückt. Seine Mutter, die Anfang der dreißiger Jahre des letzten Jahrhunderts in sehr ärmlichen Verhältnissen geboren worden war, hatte eine schlimme Kindheit. Diese war für sie eigentlich zum Verrücktwerden.

Da man aber in der Nazizeit nie über psychische Probleme sprechen und zumindest in der Öffentlichkeit nie seine wahren Gefühle wie Trauer, Schmerz oder Ängste zeigen durfte, um nicht als „schwach“ zu gelten, hatte es sich seine Mutter offensichtlich angewöhnt, lieber ihre Kinder zu kritisieren, wenn sie Gefühle zeigten, als Mitgefühl mit ihnen zu haben. Wirkliches Mitgefühl hatte sie selbst nie erlebt, und daher konnte sie es auch Robert, ihrem Sohn, nie geben.

Nun kam Robert der Verdacht, dass es in Wahrheit nicht seine eigenen, sondern die auf ihn übertragenen Gefühle seiner Mutter waren, die ihn die ganze Zeit so gequält, gedrückt und beunruhigt hatten und ihn an sich selbst hatten zweifeln lassen. Da seine Mutter ihm und seinen Geschwistern von klein auf ihre eigenen Angstgefühle rübergeschoben hatte, glaubte Robert in diesem jahrelangen verzerrten „Spiegel“ seiner Mutter fälschlicherweise, es wären seine eigenen Ängste gewesen. Diese hatten sich in der Kindheit jedoch so tief in seine Psyche eingegraben, dass er sie selbst als längst Erwachsener bisher nicht hatte loswerden können.

Eine Visionssuche macht es aber möglich, dass man so sehr mit sich selbst konfrontiert wird, dass die üblichen psychischen Zensoren versagen, die normalerweise einen Zugang zum eigenen Inneren, zu Traumata oder zu solchen falschen Familienbotschaften versperren. Eine Visionssuche stellt eine kontrollierte Krise dar, in die man in der Solozeit hinein geworfen wird. Man hat keine Ablenkung mehr. In dieser Zeit ist man total auf sich selbst gestellt und wird mit seinem eigenen Inneren konfrontiert, man schmort im eigenen Saft. Und da kann endlich das hochkommen, was schon die ganze Zeit in der Seele rumort oder gedrückt hat.

Exorzismus in der Natur
Anscheinend waren aber diese alten, übernommenen Ängste von Robert so massiv, dass sie ein anderes Wesen brauchten, um aus Roberts Seele ausfahren und in dieses andere Wesen hineinfahren zu können. Und das war offensichtlich die Almkuh, die sich für ihn hinopferte und dann geschlachtet werden musste, weil jetzt sie anstelle von Robert tatsächlich verrückt geworden war. Sie hatte bereits in der ersten Nacht der Solozeit die von seiner Mutter abgekriegten Fremdängste Roberts aufgenommen, die die ganze Zeit in dessen Seele wie Dämonen gehaust hatten. Als Robert während der Auslegung seiner Geschichte diesen Zusammenhang immer mehr verstand, musste er vor allen heftig weinen. Dann dankte er nachträglich der Kuh für ihr Opfer.


Ich bin immer wieder erstaunt, was bei Visionssuche-Geschichten alles herauskommen kann. Es sind für mich schamanische Geschichten. Auch die Visionssuche selbst ist für mich ein schamanisches Gesamtritual, bestehend aus vielen kleinen Einzelritualen. Denn man bekommt als offener und sensibler Teilnehmer dabei eine enge Verbindung zu den Wesenheiten der Natur – zu Tieren, Bäumen, Landschaften, Steinen usw. Alle diese Wesen haben Bewusstsein und so wundert es mich nicht, dass die Kuhherde von den psychischen Problemen von Robert „wusste“, wenn auch sicher nicht rational-linkshirnig, wie wir westlichen Menschen es gewohnt sind.

Aber ist es nicht ein großes Bewusstsein der Liebe und des Mitgefühls, das die Almkühe bezüglich Robert hatten, als sie ihn in seinen schlimmen Ängsten allein in den Bergen „besuchten“ und ihm beistanden in der Nacht? Und ist es dann nicht eine noch viel größere Liebe und Hingabe, dass eine der Kuh-Mütter sogar bereit war, ihm die Ängste abzunehmen und für ihn zu sterben? Denn deshalb musste sie anschließend sogar geschlachtet werden – nur damit Robert endlich frei werden konnte von diesen übernommenen, jedoch extrem wirksamen Fremd-Ängsten seiner eigenen Menschen-Mutter. In einem schamanischen Weltbild, in dem alles Bewusstsein besitzt und in dem alles mit allem verbunden ist, macht diese Sicht der Angstbefreiung Roberts mit Hilfe der Kuh-Mutter durchaus Sinn.


Eine Bibelgeschichte hilft zur Deutung
Auch im Neuen Testament gibt es eine solche Geschichte, in der Tiere üble Emotionen eines Menschen übernehmen oder abkriegen. Im Markus-Evangelim wird von einem Mann aus Gerasa (alte Stadt im Norden Jordaniens) berichtet, der von hunderten von Dämonen besetzt war – von toxischen Emotionen, die er offensichtlich von seiner Familie und vom ganzen Dorf abgekriegt hatte.
Er galt als der „Dorfdepp“, so dass alle Bewohner ihre unangenehmen Gefühle, mit denen sie nichts zu tun haben wollten, auf ihn abluden und auf ihn projizierten, bis er verrückt wurde. Er hauste in den Grabhöhlen, also bei den Toten, schrie in der Nacht und verletzte sich selbst mit Steinen in Orgien von Selbstaggressionen. Heute würde man sagen, dass er in hohem Maße „psychisch gestört“ war.

Als Jesus einmal mit dem Boot über den See von Galiläa fuhr und die Gegend von Gerasa besuchte, lief ihm der „Besessene“ entgegen. Sofort setzte sich Jesus mit diesem Mann und seinen Problemen intensiv auseinander. Er trat dabei als eine Art von Psychotherapeut oder sogar als Exorzist auf. Denn er befahl dem Heer von Dämonen, die die Seele des „Besessenen aus Gerasa“ schon förmlich zerfressen hatten und in ihm wüteten, aus ihm aus- und in 2000 Schweine hineinzufahren, die sich gerade in der Nähe befanden. Nun wurden die Schweine verrückt, weil der Mann endlich fähig war, seine ganzen Aggressionen aus sich herauszubrüllen, auf die Schweine loszugehen und seine seit langem gestauten „schweinischen“ Emotionen an diesen abzureagieren. Die erschreckten Schweine liefen voll Panik in den See und ertranken. Sie hatten soeben die Dämonen des Mannes abbekommen.

Welches erschaudernde Bild muss sich ergeben haben, als nach einigen Tagen die Kadaver von 2000 Schweinen im See trieben. Dabei galten Schweine bei den Juden sowieso schon als Symbol für alles Unreine. Daher waren die toten, stinkenden Schweine mit ihren aufgedunsenen Leibern im Wasser ein sehr gutes Symbol für die Wirkung der ausgefahrenen, „unreinen“, toxischen Angst- und Wutdämonen des Besessenen. Der Mann aber saß jetzt da mit klarem Blick und mit ordentlicher Kleidung. Er war wieder bei Sinnen, ganz normal und gesund. Seine vormalige Verrücktheit war aus ihm gewichen und in die Schweine abgeleitet worden, die für ihn sterben mussten. (Die Bibel, Neues Testament, Evangelium nach Markus, Kapitel 5, Verse 1-20)
Robert erzählte mir 2020, also zehn Jahre später, dass seine Verrücktheits-Ängste seit jener Visionssuche nie mehr wiederkehrten. Sie waren ein für alle Mal aus ihm gewichen. Eine integrative Medizin heute sollte dieses alte schamanische und zugleich biblische Wissen nutzen. Eine Visionssuche kann oftmals viele Stunden Psychotherapie ersetzen – sogar noch viel tiefer graben und die eigentlichen Ursachen von psychischen Problemen schneller finden und auflösen, als es in einer jahrelangen Therapie möglich ist. Noch besser erscheint es mir jedoch, eine Visionssuche nicht als Gegensatz, sondern als Ergänzung zu einer längeren psychotherapeutischen Begleitung zu sehen.

Peter Maier ist Lebensberater, Initiationsbegleiter und Autor. Sein neuestes Buch „Heilung – Die befreiende Kraft schamanischer Rituale“ ist über Epubli Berlin 2022 erschienen und zum Preis als Print mit Softcover für 16,99 Euro oder als eBook für 10,99 Euro erhältlich. Weitere Bücher von Peter Maier: „Heilung – Plädoyer für eine integrative Medizin“, Epubli Berlin 2020, 1. Auflage, Softcover: 18,99 Euro, eBook: 12,99 Euro und „Heilung – Initiation ins Göttliche“, Epubli Berlin 2020, 2. Auflage, Softcover: 18,99 Euro, eBook: 11,99 Euro. Infos und Buchbezug unter www.alternative-heilungswege.de

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Vision: Wie kann die Menschheit respektvoll auf dieser Welt zusammen leben? ... von Björn Geitmann


In der Welt der Spiritualität gibt es viele verschiedene Ansätze, mit denen wir versuchen können, diese Welt, das Leben und diese Schöpfung zu verstehen. Und einer dieser Ansätze ist: „Es gibt nur den einen Menschen und Gott.“

Es gibt kein Außen. Alles, was es gibt, sind wir selbst. Alles, was ist, sind wir selbst. Die anderen gibt es nicht. Wir begegnen stets immer nur uns selbst.

Wenn wir diese Sichtweise weiter verfolgen, dann kommunizieren wir immer nur mit unseren eigenen Anteilen. Wir sind ein großer, göttlicher Körper und jeder Mensch, jedes Tier, jede Pflanze und alles in der Natur ist ein Teil von uns selbst.
Und es liegt an uns selbst, wie respektvoll und liebevoll wir mit unseren eigenen Anteilen umgehen. Bei unserem Menschenkörper haben wir fünf Finger an der rechten Hand und fünf Finger an der linken Hand. Sie sind getrennt voneinander und gehören doch alle zu dem einen Körper dazu.
Und dann haben wir noch fünf Zehen an unserem linken Fuß und fünf Zehen am rechten Fuß. Und wir haben Arme und Beine und Schultern und Ohren und eine Nase und einen Kopf und Haare. Und wir können mit unseren Händen über unseren Kopf streichen und uns ans Knie fassen. Wir können uns also selbst berühren.
Und in dieser Welt ist die gesamte Schöpfung eben auch nur ein einziger, großer Körper und die unterschiedlichen Glieder dieses Körpers können miteinander in Interaktion treten und sich streicheln und berühren.
Und natürlich können wir auch ein Werkzeug nehmen – zum Beispiel einen Hammer – und dann können wir mit unserer rechten Hand den Hammer nehmen und damit auf unseren linken Daumen hauen. Und dies tut höllisch weh.
Es ist schmerzhaft, wenn wir mir mit dem einen Körperteil unseres eigenen Körpers an anderer Stelle uns selbst eine Verletzung zufügen. Doch dies geschieht immer mal wieder (und ist dabei lediglich ein Spiegel für unsere innerseelischen Prozesse).
Und ganz genau so fügen auch im Weltgeschehen die unterschiedlichen Aspekte/Glieder des einen göttlichen Körpers sich gegenseitig Schmerzen zu und hauen sich mit dem Hammer auf den Daumen. Warum? Weil dies eine Erfahrung ist und weil unsere Seele Erfahrungen erfahren möchte. Unsere Seele kann alles und ist alles. Doch eines kann unsere Seele nicht: Sie kann nicht körperliche Schmerzen erfahren. Unsere Seele ist „NICHTS“. Unsere Seele ist universale Liebe und reine, feinstofflich-formlose Energie. Und da unsere Seele „nichts“ ist (und keinen Körper hat), kann unsere Seele Schmerz niemals erfahren. Um „etwas“ erfahren zu können, muss es „etwas“ geben, was „etwas“ erfahren kann. Die Seele ist aber nicht „etwas“, sondern sie ist das universale „nichts“. Und so hat diese Schöpfung den Trick des Vergessens erschaffen und die Seele ist in einen Körper inkarniert und kann nun mit diesem Körper das Gegenteil von dem Erleben, was sie ist.

Die Seele ist Liebe, Freude, Frieden und Licht.

Und mit einem Körper und mit unserem Ego können wir nun das Gegenteil davon erfahren nämlich Angst, Trauer, Streit, Probleme, Krieg, Dunkelheit und Schmerz.
Die alten Schriften sind voll von Geschichten und Überlieferungen. Viele dieser Erzählungen können uns als Bilder dienen, als Metaphern, als Parabeln, als Gleichnisse, als symbolhafte Geschichten. Und eine dieser Geschichten ist die Legende von Babylon. Plötzlich verstanden sich die Menschen nicht mehr und liefen mit tausend verschiedenen Sprachen in alle Himmelsrichtungen auseinander.

Was hat dies zu bedeuten? Wir Menschen verstehen uns selbst nicht mehr.

Die Originalsprache, die alle Menschen und alles Leben und alle Geschöpfe dieser Erde miteinander verbindet, ist die Sprache der universalen Liebe. Diese Sprache der Liebe ist die Sprache unseres Herzens.
Es ist unsere Intuition, unser Bauchgefühl, unsere innere Stimme – die Stimme unseres Inneren Kindes.

Und dann plötzlich – mit einem Male – veränderte sich alles.

In dem Moment, indem die Entwicklung uns Menschen mit einem denkenden Verstand ausgestattet hatte, erlangten wir ein Selbstbewusstsein und erkannten uns selbst in unserer eigenen Existenz (Adam und Eva und das Abbeißen vom Apfel vom Baum der Erkenntnis). Dies ist zwar einerseits ganz toll, doch andererseits bekommen wir heute unsere eigenen Gedanken kaum mehr gestoppt.

Und unsere Gedanken sind es, die uns voneinander trennen, die uns von unserem Nächsten trennen, die uns von den Tieren und Pflanzen trennen und die uns von der universalen Liebe und von der heiligen Energien dieser Schöpfung abtrennen.
Wie können wir liebevoll und respektvoll miteinander umgehen, wenn wir den anderen nicht fühlen?

Unser Herz ist mit allem in Liebe verbunden. Unser Ego verkörpert das Getrenntsein. Unser Ego kann kein Mitgefühl haben.

„Kein Mitgefühl haben zu können“ ist eine Gabe/Fähigkeit, die unserem Herzen fremd ist. Unser Herz fühlt/spürt immer automatisch Empathie, Mitgefühl und liebevolle Anteilnehme gegenüber allem und jedem – gegenüber den Mitmenschen und gegenüber den Tieren, den Pflanzen, der Natur und Mutter Erde. Die Liebe liebt nun mal die Liebe.
Doch das Ego ist eben der Gegenpol zur universalen Liebe und KANN NICHT empathisch mitfühlen. Daher KANN das Ego auch nicht rücksichtsvoll oder respektvoll mit anderen Menschen (Tieren und Pflanzen) umgehen.
Es ist einfach die typische Struktur dieses Aspektes in dieser Schöpfung – den wir Ego nennen – dass dieses Energiefeld Erfahrungen generiert, die komplett entgegengesetzt der Energie von der universalen Liebe sind. Das Typische für den Gegenpol ist ja nun mal, die krasse Gegensätzlichkeit.

Das Herz ist Licht. Das Ego ist Schatten. Das Herz ist Freude. Das Ego ist Trauer. Das Herz ist Frieden. Das Ego ist Hadern. Das Herz ist Liebe. Das Ego ist Angst. Das Herz ist Fülle. Das Ego ist Mangel. Das Herz ist „Ja“. Das Ego ist „Nein“.

Ist es uns möglich, das Ego in seiner Struktur und mit seinem typischen Charakter zu respektieren und anzuerkennen? Es fällt uns schwer. Es ist so gut wie unmöglich.
Doch nur weil wir hadern und „Nein“ sagen, dass der Gegenpol eben die typischen Gegenpoleigenschaften hat, bleibt es noch immer weiter und länger so bestehen, wie es ist.
Eine voll aufgeladene Autobatterie hat ihre Kraft durch die maximal entgegengesetzte Ladung von Pluspol und Minuspol. Bei der Autobatterie können wir dies erlauben und nutzen es gerne zu unserem Vorteil.

Unser Herz ist der Pluspol. Und unser Ego/Verstand ist der Minuspol.

Wie gelingt es uns, diese Spannung (Kraft, Energie) optimal zu unserem Vorteil zu nutzen? Eine Autobatterie, in der sich die Ladung von Pluspol und Minuspol angeglichen haben, ist eine „ausgelutschte“, entladene Autobatterie und wir kriegen unser Fahrzeug nicht gestartet. Und dann kommen wir einfach nicht vom Fleck. Es ist also sinnlos, unser Ego unserem Herzen angleichen zu wollen.

Es macht hingegen großen Sinn, die Batterie noch weiter aufzuladen – und zwar, indem wir den Pluspol immer weiter aufladen. Der Minuspol ist ja schon ziemlich stark. Es gibt viele, starke, zerstörerische Egos. Doch der Pluspol könnte noch mehr Anhänger/Vertreter vertragen. Wir können also „die Batterie dieser Schöpfung“ aufladen, indem wir selbst uns für den Pluspol entscheiden und indem wir auch anderen Menschen den Weg hin zum Pluspol weisen. Dann wir die „Spannung in dieser Welt“ immer größer und „explosiver“.

Wir tun also gut daran, einen Kurzschluss zu vermeiden.
Ein Kurzschluss würde zu einem Spannungsabfall führen und wäre kontra produktiv (und gefährlich). Sinnvoll ist es, Pluspol und Minuspol immer schön sauber voneinander getrennt zu halten.
Und wenn die Spannung maximal ist, welche „Verbraucher“ könnten wir dann an diese Batterie anschließen? Und mit welchem Effekt?
All die Spannungen, die sich derzeit in den Kriegsgebieten dieser Erde entladen, sind „Verbraucher“. Damit verhindern wir die maximale Aufladung „der Batterie Gottes“.
Keine Kriege zu führen gelingt uns nur dann, wenn wir selbst in uns selbst Frieden sind.

Wie Innen so Außen. Das Außen spiegelt unser Innen.

Einen respektvollen, liebevollen Umgang mit den anderen Menschen finden wir sofort und auf der Stelle, wenn wir selbst in uns selbst mit uns selbst einen respektvollen, liebevollen Umgang pflegen. Wie denken wir über uns selbst? Haben wir ein gesundes Selbstwertgefühl? Freuen wir uns über unsere wohltuende Selbstliebe?

Viele Menschen leiden unter ihren Gedanken. Unser Verstand respektiert nicht die Impulse unseres Herzens. Unser Kopf ignoriert, verleugnet, verleumnet, verdrängt und blockiert die natürlichen Impulse unserer Herzensfeld–Selbstliebe. Unser Ego bewertet und verurteilt die Wünsche und Bedürfnisse unseres Inneren Kindes auf das Schärfste.

Es gibt nur uns selbst als den einzigen Menschen. Erst, wenn wir unseren eigenen Gedanken, unserem Verstand, unserem Ego, den Schattenenergien und Fremdenergien in uns selbst Einhalt gebieten und „Ja“ sagen zu den Impulsen und zu der Wahrheit unseres eigenen Herzens – erst wenn wir selbst unser eigenes Herz respektieren – wird dieser liebevolle Selbstrespekt auch im Außen als Respekt und Nächstenliebe sichtbar werden. Hier kann und muss jeder bei sich selbst anfangen. Positive Gedanken sind ein guter Beginn.

Ich bin Freude. Ich bin Frieden. Ich bin Dankbarkeit. Ich bin Zuversicht. Ich bin Vertrauen. Ich bin Frieden. Ich bin Liebe.

Jeder Mensch, der gut und liebevoll mit sich selbst umgeht und der gut über sich selbst denkt, ist als Leuchtturm ein Licht der Liebe. Sein Licht der Liebe strahlt und leuchtet bis weit hinaus in die Welt und die anderen Menschen können sich an diesem Licht orientieren.

Jedes Hadern ist eine negative Energie.

Ebenso sind Ärger und Wut, Grollen und Zorn, Enttäuschungen und Schuldzuweisungen negative Energien, die den Gedanken, Bewertungen und Urteilen unseres Ego-Verstandes entspringen und Kälte und Dunkelheit mehren und ausdehnen.
Wer wollen WIR sein? Die anderen Menschen verhalten sich so, wie sie es tun. Wer wollen WIR selbst sein? In welcher Energie wollen WIR schwingen? Mit welcher Energie wollen WIR diese Welt bereichern? Dies ist einzig unsere eigene Entscheidung. Und jeder andere Mensch hat die Freiheit, seine Entscheidung für sich selbst zu treffen.
Legen wir Wert auf Respekt, Würde, Wahrheit, Authentizität, Liebe, Freude und Frieden (uns selbst und anderen gegenüber), so werden wir uns automatisch mit Menschen umgeben, denen diese Werte/Energien ebenfalls wichtig sind. Und wir werden Menschen, Situationen und Nachrichten/Informationen aus dem Weg gehen, die dieser Energie/Frequenz entgegen schwingen.
Wir werden nicht die ganze Welt retten und so gestalten können, wie es unserer Meinung nach „richtig“ und „wichtig“ wäre. Dann wären wir ja selbst ein „Diktator der Liebe“. Wir können lediglich unseren eigenen Lebensbereich/Nahbereich gestalten und uns mit Menschen und Situationen umgeben, die der Energie/Liebe unseres Herzens entsprechen.
Andere Menschen werden anders leben und ihr Leben anders gestalten. Es wird immer Menschen geben, die sich Horrorfilme anschauen und sie als eine „gute Unterhaltung“ ansehen. Und es wird immer Menschen geben, die „Ballerspiele“ spielen und sich Wrestling Kämpfe anschauen.
Wir können die Schattenenergien aus unserem Nahbereich verbannen, doch irgendwo da draußen in der Welt wird es weiterhin Egos geben, die diese Arten von Energien/Unterhaltung lieben und sich dafür begeistern. Und auch dies gilt es zu tolerieren und zu respektieren. Unsere eigene Selbstabgrenzungskompetenz ist hier gefragt und wir dürfen diese Fähigkeit auch an unsere Kinder weiter geben. Dies kann im Nahbereich von Familie, Verwandtschaft und Freunden natürlich hier und da eine Herausforderung sein – die es dann zu meistern gilt, um für sich selbst sicher und gut zu sorgen.
Die Königskompetenz ist, den eigenen Fokus und die eigene Aufmerksamkeit sicher zu lenken, sodass wir gezielt diejenigen Energien aufnehmen, die uns gut tun – die unserem Herzen gut tun. Und dies können wir in unserem Alltag ganz einfach umsetzen, zum Beispiel indem wir bewusst atmen und uns dabei auf unser Herzensfeld/Herzchakra konzentrieren – auch in einem Gespräch/in einer Begegnung mit einem anderen Menschen.

Unser Ego liebt Spannung, Schmerz und Angst. Unser Herz liebt Frieden, Freude und Entspannung.

Wer wollen WIR sein? Wie gehen wir respektvoll mit uns selbst um, sodass unser Herz (unser Inneres Kind) sich wohl fühlt?
Unser Kompass für einen guten Umgang mit uns selbst, für Respekt uns selbst und anderen gegenüber sowie für unsere Selbstliebe ist unsere Herzensfeld–Intuition. Und diese Intuition führt uns dann mit denjenigen Menschen zusammen, die unserer Herzensenergie entsprechen. Diese Herzensmenschen respektieren uns und wir respektiere sie. Und dies ist dann eine wundervolle Keimzelle für unser „neues Leben“, das hieraus erwachsen darf.
Auch jede Pflanze, jedes Tier und jeder Mensch war am Anfang eine klitzekleine Zelle. Und dann ist diese kleine Zelle gewachsen und gewachsen und gewachsen und wurde größer und größer. Und ist heute ein großer, starker, stattlicher Baum. Hieran können wir uns orientieren, denn dies ist Natur.

Beginnen wir also mit unserer eigenen kleinen Zelle von Selbstliebe, Selbstachtung und Respekt – und schauen mit an, wie wir selbst der Raum dafür sind, in dem diese Energien nun wachsen und gedeihen und sich frei entfalten können und dürfen.

Ich bin Licht. Ich bin Liebe. Ich bin Freude. Ich bin Frieden. Ich bin Dankbarkeit.

Björn Geitmann: Buchautor „Eine Neue Ordnung – Praxishandbuch zum spirituellen Erwachen“ und „Faszination menschliche Kommunikation – Liebe Dich selbst, sonst liebt Dich keiner! www.datgeitman.de/lichtschule_bjoern_geitmann

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Die Wiederkunft Christi: Die Auferstehung des Christus im eigenen Innern ... von Paramahansa Yogananda


Paramahansa Yoganandas wegweisende Interpretation der ursprünglichen Lehren Jesu wird anschaulich präsentiert in seinem hochgelobten Kommentar zu den vier Evangelien: Die Wiederkunft Christi: Die Auferstehung des Christus im eigenen Inneren.
»Diese Lehren«, sagt Yogananda in seiner Einführung, »wurden gesandt, damit die Wahrheit so erklärt wird, wie Jesus wollte, dass die Welt sie kennt – nicht, um ein neues Christentum zu begründen, sondern um die wahre Lehre Christi zu vermitteln: zu zeigen, wie man Christus gleich zu werden vermag und wie man den Ewigen Christus im eigenen Selbst auferstehen lassen kann.«

Der letzte Band der dreibändigen deutschen Ausgabe dieses epischen Werkes (Diskurs 57-75) wurde vor kurzem von der Self-Realization Fellowship veröffentlicht, der Organisation, die Yogananda 1920 gegründet hat, um seine Lehre der Yoga-Meditation zu verbreiten.

In Die Wiederkunft Christi erhellt Yogananda den universellen Weg zur Einheit mit Gott, den Jesus seine direkten Jünger lehrte, der jedoch durch jahrhundertelange Fehlinterpretation in Vergessenheit geraten war. Das Meisterwerk, eine bahnbrechende Synthese zwischen Ost und West, vermittelt die lebensverändernde Erkenntnis, dass jeder von uns die versprochene Wiederkunft selbst erleben kann – das Erwachen des alles erfüllenden Göttlichen Bewusstseins, das verborgen in unserer Seele ruht.

Auszug aus Diskurs 67: Die wahre »Wiederkunft« Christi: Im eigenen Bewusstsein eines jeden Gottsuchers
»Wenn dann jemand zu euch sagt: Seht, hier ist Christus! oder: da! so glaubt es nicht! Denn es werden falsche Christusse und falsche Propheten auftreten und große Zeichen und Wunder tun, um, wenn möglich, auch die Auserwählten irrezuführen. Seht, ich habe es euch vorausgesagt. Darum, wenn sie zu euch sagen: Seht, er ist in der Wüste! so geht nicht hinaus; seht, er ist hier im Haus! so glaubt es nicht. Denn wie der Blitz vom Osten ausgeht und bis zum Westen hin leuchtet, so wird auch die Wiederkunft des Menschensohnes sein. Denn wo immer ein Aas ist, da sammeln sich die Geier.« (Matthäus 24, 23–28)

»Nach meinem Hinscheiden wird eine Zeit kommen, wo ihr euch sehr danach sehnen werdet, einen Menschensohn, ein menschliches Wesen zu erblicken, in dem sich das Christusbewusstsein so offenbart wie in meinem jetzigen Körper; aber ihr werdet es nicht finden (weil solch eine vollkommene Manifestation des Christusbewusstseins, wie sie meinem Körper innewohnt, nur höchst selten vorkommt – jeweils nur im Abstand von vielen, vielen Jahren oder Jahrhunderten). Unwissende werden euch voller Begeisterung sagen: ›Seht, wir haben hier, oder dort in jenem Land, einen großen geistigen Lehrer gefunden.‹ Hütet euch davor, solchen falschen Propheten zu folgen, selbst wenn sie eindrucksvolle Zeichen und Wunder tun. Haltet euch an euren gottgesandten Guru, euren Retter, durch den ihr Erlösung finden werdet, weil es Gott so gewollt hat.
Jesus wiederholt noch einmal, dass seine wahren Anhänger der Versuchung widerstehen sollen, auf falsche Propheten zu hören, die sich als christusähnliche Lehrer ausgeben und sich bemühen, durch magische oder hypnotische Tricks und durch »Wunder« – Aufsehen erregende, aber spirituell wertlose Kunststücke – Anhänger zu gewinnen.
Obwohl Jesus vor Schwindlern warnte, behauptete er jedoch nie, dass sich das Christusbewusstsein nur in seinem Körper, der Jesus genannt wurde, zeige und dass es sich zu keiner anderen Zeit in einer anderen christusähnlichen Seele offenbaren könne.
Als Jesus seinen Jüngern vermittelte, dass sie keinen anderen geistigen Führer benötigen, da Gott sich in ihm in aller Fülle offenbart hat, sprach er in vollkommener, seinem Einklang mit Gott entstammender Demut: »Wie ein Blitz von einem Punkt unter dem Himmelsgewölbe ausgeht und sein Licht bis in den entferntesten Winkel sendet, so hat sich das erleuchtende Licht des Christusbewusstseins (die Widerspiegelung Gottes in der Schöpfung, ›am Himmel‹), das vom Kosmischen Bewusstsein ausgeht, so rein und uneingeschränkt in meinem Körper offenbart wie in keinem anderen Menschen dieser Generation.«
»An dem Tag«, d.h. zu Lebzeiten Jesu, im »Menschensohn«, in seinem physischen Leben, kamen die höchsten Eigenschaften Gottes zum Ausdruck. Daher hatten die Jünger keinen Grund, nach anderen Propheten Ausschau zu halten, denn damit hätten sie ihren spirituellen Mittelpunkt verzerrt und das göttliche Gesetz gebrochen, welches forderte, dass sie Jesus, ihrem gottgesandten Boten, treu bleiben, denn er war ihnen als Guru und Retter bestimmt worden; dessen Aufgabe war es, ihnen bis zu ihrer endgültigen Befreiung beizustehen. Wie Jesus seinen Jüngern zu verstehen gab, lautet das Versprechen des Gurus: »Wenn ihr mir treu bleibt, dann werde ich euch mit meinem allgegenwärtigen Bewusstsein leiten und beschützen, selbst dann, wenn mein Körper nicht mehr auf Erden weilt.«
»Denn wie der Blitz vom Osten ausgeht und bis zum Westen hin leuchtet«, so wird sich das Christusbewusstsein – nachdem es den Körper Jesu durchdrungen und sein ganzes Wesen und seine Lehre mit Licht erfüllt haben wird – ausbreiten und nicht nur den Geist seiner direkten Jünger, sondern auch die gesamte Menschheit für alle Zeit erleuchten:
»Auch wenn mein Leib, der Menschensohn, in dem das Christusbewusstsein verkörpert ist, Verfolgung und Kreuzigung erleiden muss und von dieser Generation verschmäht wird, wird die Bedeutsamkeit meines Lebens und meiner Lehre – wegen ihrer Allgemeingültigkeit, ihrer Vollkommenheit und ihrer alles befriedigenden Botschaft – später auf der ganzen Welt angenommen werden, so wie das Licht eines Blitzes den ganzen Himmel erhellt. Ähnlich wie Geier aus der Ferne einen Kadaver ausfindig machen und sich um ihn versammeln, um sich daran gütlich zu tun, so werden auch Menschen aus entlegenen Teilen der Welt erkennen – weil das Opfer meines Lebens die Christus-Essenz verströmt –, dass meine Lehre eine sättigende geistige Speise darstellt; und sie werden sich um sie scharen, um in ihrem eigenen Bewusstsein die Offenbarung des Christusbewusstseins, »das Kommen des Menschensohnes« zu erleben.
Um die Bedeutung für den Einzelnen zu erfassen, sollten die Jünger Folgendes verstehen: Wer und aus welcher Generation auch immer sein Bewusstsein in tiefer Meditation nach innen richtet, wird das Kommen des Menschensohnes (eine Offenbarung des Christusbewusstseins) erfahren – das Licht Christi im geistigen Auge (»wie der Blitz vom Osten ausgeht«) wird sein ganzes Dasein erleuchten und vergeistigen (»und bis zum Westen hin leuchtet«).

Menschen, die auf diese Weise vom weltlichen Körperbewusstsein zur erhabenen Erkenntnis der Seele gelangen, werden feststellen, dass die Geier der Begierden, die sich von sinnlichen Versuchungen ernähren, geflohen sind und dass an ihrer statt die bis dahin entfernt lebenden Geier göttlicher Sehnsucht angelockt werden, um sich am Festmahl der Wahrheitserkenntnis zu weiden
Leider haben viele Menschen die oben zitierten Verse falsch ausgelegt und glauben, dass Jesus wie ein Blitz vom Himmel zur Erde zurückkehren werde. Das Christusbewusstsein, von dem Jesus sprach, kann jederzeit und in jedem Menschen wiederkehren – vorausgesetzt, dieser Gottsucher erweitert den Kelch seines Bewusstseins, bis er das unendliche Meer des Christusbewusstseins fassen kann. Selbst wenn tausend christusgleiche Wesen auf die Erde gesandt würden, könnten sie deren Bewohner nicht erlösen, es sei denn, diese selbst würden ihnen ähnlich werden, indem sie sich läutern und ihr individuelles Bewusstsein erweitern, bis sie die Wiederkunft des Christusbewusstseins offenbaren – so wie es sich in Jesus gezeigt hatte. Es ist sinnlos, auf ein weiteres Kommen Jesu zu warten, bei dem er aus den Wolken am Himmel herniederfahren wird. Gott, der trotz Seiner Allmacht schweigsam und demütig ist, wird Seine Herrlichkeit vor den dreisten Blicken übler Menschen nie auf solch dramatische Weise zur Schau stellen. Doch durch Sittlichkeit und Selbstbeherrschung, durch beständiges andächtiges Gebet und tiefe Meditation kann man sich in innerer Stille mit Gott als Ewig Neuer Freude verbinden. Und diese Freude in der Meditation bedeutet auch, dass man mit der Christusintelligenz im Einklang ist, da sie dem Wesen nach eins ist mit Gott. Wenn ein Wahrheitssucher in der Meditation Gott und Seinen widergespiegelten Christus-Sohn untrüglich als Glückseligkeit fühlt, sollte er auf dem Altar dieser göttlichen Wahrnehmung seine liebevolle Verehrung darbringen – mit der ganzen Hingabe seines Herzens, mit der ganzen Intuition seiner Seele, mit der ganzen ungeteilten Konzentration seines Geistes und mit der ganzen Kraft der Lebensenergie seines Körpers. Damit erfüllt der Gottsucher das oberste Gebot, folgt dem höchsten Gesetz, das die Vorbedingung für die Erkenntnis Gottes darstellt. Die Verbundenheit mit diesem Bewusstsein, die man in der ewig neuen Freude der Meditation erfährt, wird die wahre Wiederkunft Christi sein – und sie wird unmittelbar im eigenen Bewusstsein des Gottsuchers erfolgen.
Buchabdruck mit Genehmigung der Self-Realization Fellowship

Paramahansa Yogananda, bekannt durch seine Autobiographie eines Yogi (weiterhin ein Bestseller seit der Erstveröffentlichung im Jahre 1946), hat Millionen von Menschen eingeführt in die indische Spiritualität und die heilige Tradition der Yoga-Meditation. Self-Realization Fellowship (SRF) ist eine gemeinnützige Organisation, die von Paramahansa Yogananda gegründet wurde, der weithin als Vater des Yoga im Westen betrachtet wird. Für mehr Informationen über die Self-Realization Fellowship und die Kriya-Yoga-Lehre und die veröffentlichten Bücher und Audios von Paramahansa Yogananda besuchen Sie bitte die Webpräsenz www.yogananda.org

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Kalium – Stoff des Lebens. Mit kaliumreichen Wildkräutern wieder in eine Säure-Basen-Balance kommen ... von Barbara Simonsohn


Kalium ist nach Calcium, Phosphor und Schwefel der vierthäufigste Mineralstoff im Körper. Der Körper verliert Kalium beim Schwitzen, über den Urin, über den Stuhl und über den Speichel. Kalium reguliert als Gegenspieler oder Antagonist von Natrium den Wasserhaushalt, das Säure-Basen-Gleichgewicht, die Nervenreizleitung, die Muskelkontraktionen sowie das Membranpotential, also die elektrische Spannung an der Zellmembran. Demnach ist Kalium für die Kommunikation im Körper als eine Art „Telefonleitung“ unentbehrlich. Ursache von Mangelzuständen kann eine einseitige Ernährung sein, eine verbreitete übermäßige Kochsalzzufuhr, ein ebenfalls verbreiteter Magnesiummangel, Verluste bei der Nahrungszubereitung durch Kochen oder Waschen, Stress, Kaliumverluste durch Erbrechen oder Durchfall, übermäßiger Alkoholkonsum – Alkohol bewirkt eine Dehydration und einen damit verbundenen Kaliumverlust -, und Therapien mit bestimmten Diuretika oder Medikamenten zur Entwässerung, die besonders bei Bluthochdruck zu Einsatz kommen.
Kalium befindet sich vor allem in Gemüse und Obst. In Frischkost bleiben die Mineralien wesentlich besser erhalten als in gedünstetem Gemüse. Kalium geht bei der Verarbeitung von Lebensmitteln zu einem Großteil verloren und ist in Fertignahrungsmitteln stark reduziert. Beim Garen von Gemüse und Kartoffeln können die Verluste an Kalium je nach Garbedingung und Gemüseart bei Kalium bis zu 75 Prozent erreichen. Untersuchungen besagen, dass die Menschen in der Steinzeit über die Nahrung etwa zehn Gramm Kalium pro Tag aufnahmen.

Mögliche Folgen von Mangelzuständen ...
sind z. B. nach „Burgersteins Handbuch Nährstoffe“: Müdigkeit, Erschöpfung, Schwindel, Muskelschwäche, Verstopfung und Veränderungen der Herztätigkeit, nämlich vor allem Arrhythmien oder eine gesteigerte Herzschlagfrequenz.

Bluthochdruck
Fast jeder zweite erwachsene Deutsche leidet an Bluthochdruck, ab dem sechszigsten Lebensjahr sind laut RKI sogar 80% der Bevölkerung betroffen. Ein im Verhältnis zum Natriumkonsum hoher Kaliumkonsum schwächt die blutdrucksteigernde Wirkung von Natrium ab. Wer viel kaliumreiches Gemüse und Kräuter isst, kann also bis zu einem gewissen Maß die negativen Effekte eines hohen Kochsalzkonsums ausgleichen oder kompensieren.
In Ländern mit hohem Kochsalzkonsum wie bei uns wird durchschnittlich drei- bis sechsmal so viel Natrium wie Kalium mit der Nahrung aufgenommen. In Populationen mit hoher Kaliumzufuhr kommt Bluthochdruck vergleichsweise selten vor. Eine Metaanalyse von 19 klinischen Studien zur Frage des Einflusses von Kalium auf die Blutdruckregulation kommt zu dem Ergebnis, dass eine ausreichende Kaliumzufuhr den Blutdruck signifikant senkt.

Diabetes
Etwa jeder zehnte Bundesbürger leidet unter Diabetes Typ II oder dem erworbenen Diabetes mit hoher Dunkelziffer. Kaliummangel führt zur Insulinresistenz. Insulinresistenz und erhöhte Blutzuckerwerte werden mit reduzierten Kalium- und erhöhten Natriumkonzentrationen in den Erythrozyten in Verbindung gebracht.

Stress führt zu Kaliummangel
Stress fördert die Kalium-Ausscheidung und das Zurückhalten von Natrium, die Natrium-Retention. Die Freisetzung von Acetylcholin, dem Neurotransmitter des Vagus, fährt zu einer Retention von Kalium, während es durch das Stresshormon Adrenalin zu einer gesteigerten Retention von Natrium kommt. Wer also wenig Stress hat und sich durch Meditation oder Methoden wie das authentische Reiki tief entspannen kann, erhöht seinen Kaliumspiegel.

Weitere Gesundheitsprobleme durch Kaliummangel
Bei einer kaliumarmen, protein- und salzreichen Ernährung wird der Kaliumspiegel im Zwischenzellbereich reduziert und Natrium verstärkt im Bindegewebe und im Zwischenzellgewebe eingelagert, was uns aus dem Natrium- und Kalium-Gleichgewicht bringt. Folgen sind etwa Störungen wie gestörte Insulinsekretion, Insulinresistenz, Diabetes, metabolisches Syndrom, dauerhafter Bluthochdruck, Nierenerkrankungen, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Herzrhythmusstörungen, Fibrosen, Kollagenablagerungen, Muskelschwäche, erhöhter oxidativer Stress, erhöhte Ausschüttung von Entzündungsmediatoren aus dem Fettgewebe und gesteigerte Entzündungsaktivität. Nierenversagen ist eng verbunden mit unserer salz- und proteinreichen, relativ kaliumarmen Ernährung. Zahlreiche Studien zeigen außerdem, dass eine erniedrigte Aktivität der Natrium-Kalium-Pumpe typisch sind für Krebskranke. Je höher die intrazelluläre Natriumkonzentration und je niedriger die Kaliumkonzentration, desto aggressiver sind die Tumore. Eine ausreichende Versorgung mit Kalium aus natürlichen Quellen. Kaliumcitrat – wirkt auch dem Muskel- und Knochenabbau im Alter entgegen und stellt daher eine entscheidende Rolle in der Osteoporose-Prävention dar.


Das Dreigestirn:

Wildkräuter, die den Kaliumspeicher wieder auffüllen und uns zurück ins Gleichgewicht bringen
Im Gegensatz zu anorganischen Mineralstoffen ist eine Überdosierung mit pflanzlich gebundenem Kalium nicht möglich. Der Mineralstoff liegt in der Pflanze in Chelatform gebunden vor und unterliegt einer so genannten Gleichgewichtsreaktion, so dass er nur nach Bedarf an den Körper abgegeben wird. Der Mensch ist evolutionär an pflanzlich gebundenes Kalium aus der ganzen Pflanze angepasst. Pflanzen-Kalium hat eine weitaus bessere Bioverfügbarkeit als synthetische Präparate.

Giersch
Der Giersch ist ein heilkräftiges Wildgemüse, was schon in der Antike beliebt war. Die alten Römer bauten das „Herba Sancti Gerhardi“ an, um ihn gegen die Nachwirkungen rauschender Feste wie Gichtanfälle parat zu haben. Sein lateinischer Name ist Aegopodium podagraria, er wird auch Zipperleinskraut oder Podagrakraut benannt, weil er durch seinen Kaliumreichtum bei Gicht hilft. „Podagra“ heißt „Gicht der großen Zehe“.
Eine Unterart Aegopodium podagraria ssp. potassa speichert besonders viel Kalium, worauf „potassa“ hinweist, was „kaliumreich“ heißt. Besonders Hildegard von Bingen (1098 bis 1179) hat den Giersch als Heilpflanze und Gemüse hoch gelobt. Dr. Markus Strauß nennt ihn in „Die Wildpflanzen-Apotheke“ – „ohne Zweifel ein einheimisches Superfood“. Die besonders kaliumreiche Unterart des Dreiblatts, Aegopodium potassa, enthält bis zu 6,3 Gramm Kalium pro 100 Gramm. Zum Vergleich enthalten Kartoffeln nur 1,1 Gramm Kalium pro hundert Gramm.

Weißer Gänsefuß
Der Weiße Gänsefuß, der lateinische Name ist Chenopodium album, ist in Europa weit verbreitet und wurde früher als Wildgemüse sehr geschätzt. Der Weiße Gänsefuß oder die Weiße Melde war früher als Gemüse- und Getreidepflanze weit verbreitet. Roh und frisch sind Blätter und junge Sprossen ein leckerer Salat und auch als Frischpresssaft geeignet, gedünstet wie Mangold oder Spinat als würzige Gemüsebeilage. Der Weiße Gänsefuß ist reich an Proteinen, Vitamin C, Kalium und Calcium und mit 930 Milligramm pro 100 Gramm eine weitere „Kalium-Bombe“.

Gemüsespinat
Der Echte Spina Spinacia oleracea wird auch Gemüse- oder Gartenspinat oder kurz Spinat genannt und gehört zur Familie der Fuchsschwanzgewächse. Seit dem Mittelalter ist der Spinat im Mittelmeerraum eingebürgert und heute als kultivierte Gemüsepflanze in Europa, Asien und Nordamerika weit verbreitet. Leonhart Fuchs nannte ihn 1543 in seinem Kräuterbuch „Spinachia“ und wies auf die heilsamen Wirkungen bei Verdauungsstörungen hin. 2019 veröffentlichte die Freie Universität Berlin eine Studie, wonach ein im Spinat enthaltener Stoff namens Ecdysteroid bei Sportlern einen deutlich höheren Kraftzuwachs als in der Kontrollgruppe erzielte (8). Der Spinat enthält viel Wasser, ist aber gleichzeitig sehr mineralstoffreich. In 100 Gramm Spinat finden sich 450 Milligramm Kalium.

Für jedes Leiden ist ein Kraut gewachsen, für den verbreiteten und gesundheitsgefährdenden Kaliummangel sogar drei. Wer Spinat nicht gern roh verzehrt und auch kein Freund von Wildsammlungen der Wildkräuter Giersch und Weißer Gänsefuß ist, kann ein wirksames Mittel aus der Phytotherapie nutzen, um seinen Kaliumspiegel hoch zu halten und nicht nur im Säure-Basen-Gleichgewicht zu bleiben, sondern sein Herz zu schützen, Diabetes und Osteoporose vorzubeugen und in Zeiten von vermehrtem Stress wie dieser körperliches und seelisches Gleichgewicht aufrechtzuerhalten. Zurück zum Gleichgewicht, back to balance, heißt in meinen Augen das Gebot der Stunde.

Barbara Simonsohn ist Ernährungsberaterin, Reiki-Lehrerin und Autorin zahlreicher Ratgeber im Bereich der ganzheitlichen Gesundheit. Webseite: www.barbara-simonsohn.de

Hinweis zum Artikelbild: © ExQuisine_AdobeStock


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