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Ausgabe November 2017
Kraft der Resilienz


Im Laufe der letzten 150 Jahre haben wir unsere Definition des Begriffs "Trauma" stark verändert, dementsprechend hat sich unser Verständnis traumatischer Erlebnisse gewandelt. Traumata versteht man heute nicht mehr als rein physische Phänomene, sondern als ein komplexes Konglomerat physiologischer und psychischer Effekte. Trotz dieser Erweiterung des Trauma-Konzepts hat unsere Gesellschaft das große Spektrum als "normal" geltender alltäglicher Erlebnisse mit traumatischer Wirkung bis heute nicht völlig akzeptiert: In unser aller Leben gibt es zahlreiche kleine Traumata. Diese weniger dramatischen, aber durchaus traumatischen Vorfälle werden häufig übersehen. In seinem neuen, grundlegenden Werk "Das Trauma-Spektrum" erweitert Robert Scaer, ein Neurologe mit über 30-jähriger Erfahrung in der Behandlung der Opfer von Autounfällen, das theoretische und klinische Verständnis der Traumabehandlung. Über die Grenzen herkömmlicher medizinischer Definitionen traumatischer Belastungen hinausgehend definiert er das Phänomen Trauma als ein Spektrum unterschiedlich negativer Ereignisse, die im Leben von Menschen stattfinden können, darunter auch solche, die im Rahmen des Alltagslebens oft als völlig normal angesehen werden. Scaer beschließt sein Buch mit einem Ausblick, der uns hoffnungsvoll stimmen kann: Indem wir lernen, uns selbst und andere Menschen besser zu verstehen, können wir die Wunden, die wir uns im Leben zugezogen haben, heilen, und mit einigen bisher kaum verstandenen und nur schwer behandelbaren Krankheiten besser umzugehen lernen.

Robert Scaer: Das Trauma-Spektrum: Verborgene Wunden und die Kraft der Resilienz. Probst Verlag, Lichtenau, 2014, 352 Seiten, 29 Euro


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