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Ausgabe März 2017
Das Tao des Drachen


Das Tao zu definieren oder zu beschreiben ist nicht möglich. Man könnte sagen: „Das Tao ist Schönheit. Du öffnest dich für das Tao. Das ist das Geheimnis.“ In diesem Buch sind Drachen die Überbringer von Weisheiten. Es sind tausend Jahre alte Wesen, aber auch sie „verstehen“ nicht das Tao, denn es ist nicht zu verstehen. Jeder Versuch, es gedanklich zu erfassen, ist zum Scheitern verurteilt. In das Tao kann man sich nur hineinfallen lassen. Das braucht Vertrauen. Und das ist auch schon die zweite Lektion – nach der Kunst der Achtsamkeit – auf der Reise des Wanderers, der die elf Drachen der Weisheit kennenlernen darf. Vertrauen ist der Verzicht auf unser Verlangen, die Dinge begreifen zu wollen, denn hinter dem Versuch, begreifen zu wollen, steht der Versuch, die Dinge zu beherrschen. Vertrauen ist das Fließen des Flusses, der die Ufer fruchtbar macht. Taoismus heißt, sich am Sosein der Dinge zu erfreuen und das ist das Geheimnis der Zufriedenheit. In der vierten Lektion geht es darum, dass Narben ein Zeichen von Stärke sind und nicht von Unvollkommenheit. Authentizität ist wichtiger als Makellosigkeit. Wabi Sabi steht in Japan für die Überzeugung, dass nur das, was eine sichtbare Geschichte vorweisen kann, auch wirklich schön ist. Vollkommene Stille wäre niemals so schön. Erst ihr Unterbrochensein durch die Regentropfen, durch ein Rascheln der Natter, lässt sie uns überhaupt wahrnehmen. Stille ist nicht die Abwesenheit von Tönen, sondern der Raum, der zwischen den Tönen für uns spürbar wird. Aus den Rissen, die unseren Herzen vom Leben zugefügt werden, scheint Licht. Wenn wir unsere Wunden nicht verstecken, kann unser Licht strahlen. So liegt in unseren Wunden unsere größte Stärke verborgen. „Trage deine Seele in deinen Augen und dein Herz auf der Zunge. Ein offenes Herz ist das mutigste Herz überhaupt. Wer liebt, offenbart sich und macht sich verwundbar. Ein furchtloses Herz wird von der Welt durchströmt – ein eingemauertes Herz erstickt langsam. Das Leben ist weich und nachgiebig wie eine Pflanze – steif und starr ist der Tod.“ H.S.

Dirk Grosser: Das Tao des Drachen. Schirner Verlag, Darmstadt, 2014, 230 Seiten, 14,95 Euro



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