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Ausgabe März 2017
Wie sollen wir alt werden?


„Ein altes Ehepaar, beide um die 90 Jahre alt, steht am Grab des Sohnes, der 70-jährig gestorben ist. Die Frau weint. Der Mann sagt: ‚Das hab ich dir gleich gesagt, dass wir den nicht durchbringen.‘“ Die Mutter meiner Freundin ist gerade gestorben. Ich war bei ihr und es wurde ein langer Abend. Es tut weh – immer. Wir werden sterben, daran gibt es keinen Zweifel. Deshalb muss für ein lustvolles, erfülltes Leben das Ganze vom Tod her aufgerollt werden. Immer mehr alte Menschen werden dement. Sie tauchen in ihre eigene Welt ab, in eine Welt der zufälligen Kombinationen von Bildern, Worten und Gefühlen, die für pflegende Menschen kaum nachvollziehbar ist und eine Herausforderung. „Demenz ist womöglich auch eine Flucht vor einer Wirklichkeit, die einfach nicht mehr auszuhalten ist, eine Flucht aus der Unerträglichkeit.“ Wer jeden Tag eine halbe Stunde aus dem Alltag aussteigt, zur Ruhe kommt, einfach nur wahrnimmt und atmet, wird auch mit den Mühen des Alters anders umgehen können. „Glück“, sagte die Schauspielerin Lilli Palmer, „ist zu 20% Begabung und zu 80% Disziplin“. Und noch mal Luisa: „Ich stellte mir als Kind immer vor, dass ich als alte Frau gern eine Bankräuberin wäre, denn im Gefängnis wird man wenigstens wie eine Verbrecherin behandelt und nicht wie im Altersheim, wie eine machtlose Frau. Was ich damals nicht bedacht habe, war, dass im Alter womöglich die Energie für einen Bankraub fehlt…“ H.S.

Luisa Francia: Wer nicht alt wird, muss vorher sterben. Nymphenburger, München, 2016, 160 Seiten, 18 Euro



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