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Ausgabe Dezember 2014
Hungrig nach Erfahrungen,Tiefe, Liebe


Der 30-jährige Christian wird im April 1980 in Poona Jünger von Bhagwan, heute Osho genannt. Er stellt sich seinem stärksten Angsterlebnis: der Erfahrung von Unendlichkeit in Verbindung mit Haschisch. Und er findet seine Traumfrau Sabine und verfolgt sie bis in die Hochburg der TM-Bewegung. Im Februar und März 1985 schreibt er das Erlebte auf einer Schreibmaschine nieder, das vorliegende Buch ist die Originalfassung davon. Soweit der Klappentext. Die hier vorliegenden, 1985 notierten Erlebnisse aus den berühmt berüchtigten, »wilden« 70er Jahren scheinen mir wenig romanhaft – ein Liebesroman, so der Untertitel, ist es jedenfalls nicht. Man sollte diesen Text eher als autobiografische Skizze lesen oder als historisches Dokument. Christian Salvesens Erzählung ist stilistisch ausgefeilt und beschreibt das Erlebte bewundernswert genau, das hätte ich nie so gekonnt. Auch die Beziehung mit seiner Sabine empfinde ich als realistisch. Ja, wir waren hungrig, auf der Suche nach Erfahrungen, nach Tiefe, nach Liebe! So schien mir beim Lesen alles sehr echt und genau so passiert zu sein. Ich vermute, Christian hat das 1985 aus einem inneren Bedürfnis heraus so aufschreiben müssen, um sich schreibend klar zu werden, was da passiert ist und so die Voraussetzung dafür zu schaffen, etwas Neues zu beginnen. Dabei ging es dem Autoren immer wieder darum, das Wahnhafte, das auch in jeder Vorstellung der Erleuchtung zum Ausdruck kommt, vom Wirklichen sauber zu trennen. Weil mir das hier so gut gelungen scheint, deshalb hat mir das Buch so gut gefallen. Das Buch setzt diesen wilden Jahren ein würdiges Denkmal. Man sollte in diesem Zusammenhang auch den Mut des Autoren bewundern, aus seinem Intimleben so viel preiszugeben. Was daran wirklich so war, und was in Hamburger Seemannsmanier frei erfunden wurde, wird wohl sein Geheimnis bleiben. Meine viel jüngeren Cousins jedenfalls konnten sich ein bescheidwissendes Schmunzeln nicht verkneifen, als sie das Buch auf meinem Schreibtisch liegen sahen. Ich möchte es nicht nur meiner eigenen Generation empfehlen, die darin schwelgen können, wie es damals war – bzw. bedauern können, was sie verpasst haben –, sondern auch den Jüngeren, weil die Erfahrungen des Autoren unser aller Erfahrungen sind, sie sind mehr als nur ein Stück individuelle Lebensgeschichte.
ThSW


Christian Salvesen, Sex, Hasch und Erleuchtung, tao.de 2014, SC, 19.99 Euro


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