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Ausgabe Januar 2009
Lebenserinnerungen


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Das Ende ist mein Anfang hat Tiziano Terzani zusammen mit seinem Sohn Folco geschrieben: Sein letztes Buch ist ein Interview, in dem der Sohn den Vater befragt. Dabei blickt Terzani nochmals zurück auf sein Leben und redet über seinen bevorstehenden Tod, den er als sein „letztes Abenteuer“ willkommen heißt. Terzani besaß viele Seiten, vielleicht auch viele Leben und entsprechend konnte er immer beneidenswert aus dem Vollen einer farbigen, widersprüchlichen Biographie schöpfen. In den Gesprächen, die er mit seinem Sohn Folco kurz vor seinem Tod geführt hat, lernen wir einen Menschen kennen, der gerne gelebt hat, der grenzenlos neugierig auf Menschen gewesen ist und der sich gelassen von dieser seiner geliebten Welt verabschiedet hat. Auch wenn Terzani in den letzten Jahren seine Nähe zur indischen Kultur etwas aufdringlich inszeniert hat, so blieb er bis zum Schluß immer seinen urbanen toskanischen Wurzeln treu. Die Kapitel über seine Kindheit und Jugend im Florenz der vierziger und frühen fünfziger Jahre gehören zu den lebendigsten Passagen in diesem an Lebensfreude überquellendem Buch. Auch er hat in den sechziger Jahren des Aufbruchs die in seiner Generation verbreiteten Illusionen einer Weltrevolution geteilt. Früh jedoch haben ihn seine Erfahrungen als Korrespondent des deutschen Magazins SPIEGEL desillusioniert, aber in seiner Neugierde auf die fremden Länder nicht resignieren lassen. „Das Andere hat mich immer interessiert. Nur wo hätte dieses Interesse in Florenz Nahrung finden sollen? Es war ja keine intellektuelle Neugierde, im Gegenteil, die Intellektuellen empfand ich als Last, sie schienen mir die Welt nur noch komplizierter zu machen.“ Vielleicht sind manche seiner, besonders in den Schlußkapiteln präsentierten Weltbilder tatsächlich auch naiv, jedenfalls fern eine genauen Abwägens realpolitischer Machtverhältnisse. Anderes ist wichtiger und bleibender. Niemals hat man während der Lektüre dieser Gespräche das ungute Gefühl, hier will ein Guru seine Leser und Bewunderer ‚missionieren’. Es ist die große Heiterkeit und Leichtigkeit der Gespräche zwischen Vater und Sohn, die einem die Lektüre des Bandes so angenehm zeitlos machen.

Folco Terzani (Hg.): Tiziano Terzani. Das Ende ist mein Anfang. Ein Vater, ein Sohn und die große Reise des Lebens. DVA, Muenchen, 2007, 415 S. - als Hörbuch im Spiegel Verlag.


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