aktuelle Seite: ARCHIV   
Jahr:
2019 | 2018 | 2017 | 2016 | 2015 | 2014 | 2013 | 2012 | 2011 | 2010 | 2009 | 2008 | 2007 | 2006 | 2005 | 2004 | 2003 | 2002 | 2001 |

Ausgabe Januar 2019
Beitragsreihe 2019 von Andreas Krüger Homöopathisches Heilmittel: Formica Rufa

Gesegnet seien die Ameisen

art95241
© kozorog_AdobeStock

Vergrößern hier klicken.
H. Schäfer: Worum geht es heute?
Andreas Krüger: Heute möchte ich über zwei Dinge sprechen, die ich miteinander verbinde, weil beide Dinge wie das Fundament oder das Kernstück meiner Arbeit sind. Eines ist die Verordnung von homöopathischen Mitteln nach Träumen und dazu möchte ich heute das Mittel Formica rufa, die Ameise, vorstellen. Es ist ein eher unbekanntes Mittel und wird bei rheumatischen Erkrankungen eingesetzt. Früher haben sich die Menschen mit Rheuma in Ameisenhaufen gelegt. Mehr als diese Indikationen wusste man nicht darüber. Aber dieses Mittel kann noch viel weitreichender eingesetzt werden, worauf ich über Träume gekommen bin.

Sagen Sie noch etwas zu dem Thema „Träume“.
Ich bin ja Schüler von dem Homöopathen Jürgen Becker, der fast eine lutherische Funktion hatte, denn er entwickelte eine lebendige, symbolorientierte und lösungs-orientierte Form von Homöopathie. Jürgen Becker ist zur Homöopathie über einen Artikel von dem Arzt Dr. Köhler gekommen, der sagte, dass es typisch wäre für Menschen, die zur Homöopathie finden, viel zu träumen. In meinem Leben haben Träume eine große Bedeutung, die wichtige Entscheidungen beeinflussen und auch einen Einfluss auf die Mittel hatten, die mir gegeben wurden. Jürgen Becker war fasziniert von der Idee, dass es ein Mittel gibt, das die Menschen zum Träumen bringt.

Was sagen Ihre Patienten zu dem traumorientierten Ansatz?
Ich teste ja vorher, wie ich meine Patienten behandeln soll, und viele testen, dass ich sie traumorientiert behandeln soll – also weniger auf die Einzelsymptome achten, sondern mich von ihren Träumen leiten lassen soll. C.G. Jung hatte damals die Träume in die Psychotherapie integriert und die Symbolik der Träume sehr eingehend bearbeitet: Jeder Traum wird so geträumt, dass er vom Therapeuten einfach zu verstehen ist. Der Patient muss sich nicht verstecken und will nicht enttarnt werden, sondern er offenbart sich durch seinen Traum.

Also kein kompliziertes Denken über den Inhalt der Träume?
Nein, ganz einfaches Denken hilft – man muss nur hinhören. In jeder Anamnese ruft der Patient nach einem Mittel. Ich muss nicht suchen, ich muss lauschen. Genauso ist es mit den Träumen: Es sind klare Botschaften des Patienten. Die große Seele gibt dem kleinen Welt-Ich des Patienten eine Information durch den Traum.

Zurück zur Ameise.
Ich hatte einen Patienten, der vor 20 Jahren zu mir kam und ich konnte ihm nicht helfen. Er hatte ein Burn-out, musste aber immer weitermachen. Das ist ein Ameisen-Symptom: Diese Menschen können völlig erschöpft sein, machen aber immer weiter, weil sie sich das Recht verwehren, eine Pause zu machen. Das ist durchaus verständlich, wenn man sich das Ameisenvolk anschaut. Ameise ist ein Mittel für Menschen, die unter einem Zwang stehen, für die Gemeinschaft arbeiten zu müssen. Dieser Patient hatte zwei Symptome, mit denen ich damals wenig anfangen konnte: Er verlegte und verlor ständig Dinge. Er kam also zu mir, wegen seinem Zwang zu arbeiten und wegen seiner rheumatoiden Beschwerden, die man als Arthritis bezeichnen könnte. Ich habe ihn damals konstitutionell behandelt, aber nichts half.

Und dann ist er weggeblieben?
Ja, aber vor fünf Jahren rief er mich wieder an, erzählte, dass er sich inzwischen aus dem Bioladen ernähre und dass er jeden Monat die Zeitschrift KGS mitnehmen und seit Jahren die wunderbaren Artikel von mir lesen würde, und das Buch „Heiler und heiler werden“ hätte er sich auch gekauft und das hätte ihm gut getan. Jetzt war er aber schwer erkrankt und hatte ein Leberkarzinom. Über die Artikel und das Buch hatte er Hoffnung, dass ich ihm doch helfen könnte.

Und was haben Sie dieses Mal empfohlen?
Ich habe eine Anamnese auf das Tumorgeschehen gemacht, ihn in die Havelhöhe geschickt, wo er eine Misteltherapie bekommen hat, habe ihm ein pflanzliches Mittel aus Reis und fermentierten Pilzen verschrieben, und auch das homöopathische Mittel Procomin empfohlen, wo Curcuma enthalten ist, was auch dem Wachstum der Krebszellen entgegenwirken kann.

Hat es geholfen?
Trotz all dieser Empfehlungen wurde es nicht besser. Er hatte sich ganz bewusst gegen eine Chemotherapie entschieden. Und dann passierte etwas sehr Beeindruckendes: Wenn wir bei scheinbarem Nichterfolg dem Geist der Homöopathie die Treue halten, belohnt uns dieser Geist oft dadurch, dass er sich in wunderbarer Weise offenbart und es ganz leicht wird, das Heilmittel zu finden.
Dieser Patient hatte nächtelang Träume, dass er ganz viele Ameisen in seinem Körper hätte, die auf den Lebertumor losgingen und ihn auffressen.

Ich habe mal von Simonton gelesen, der diese Idee zu einer Therapie verfestigt hat.
Simonton macht Trancen, dass man sich vorstellt, dass es Körperkräfte gibt, die wie z.B. die Ameisen den Tumor auffressen. Dazu fiel mir die Geschichte der Elitetruppe des großen griechischen Helden Achilles ein – die Myrmidonen, die Ameisenkrieger, die nach Myrmidones benannte wurden, der Nachfolger einer Frau, die Zeus verführt hatte. Zeus hatte ja gerne Tiergestalten angenommen, wenn er sich Frauen genähert hat und dieser Frau hat er sich als Ameise angenähert. Sie gebar einen Sohn, der dann König der Myrmidonen wurde.
Ich habe den Traum des Patienten ernst genommen und vertraute, dass in ihm diese Kraft der kriegerischen Ameisen, der Myrmidonen, vorhanden war. Und dann habe ich diese Ameisenarmee mit meiner Homöopathie unterstützt und habe ihm Formica in einer LM 6 verschrieben.

Und was passierte dann?
Die Ameisen wurden immer mehr und kamen von überall her und als er ein viertel Jahr später zum CT ging, war dieser Tumor tatsächlich um 70 Prozent weniger geworden. Dann konnte der Tumor vor drei Jahren operiert werden und seitdem hat er seine Lebensweise völlig verändert: Er hat aufgehört mit dem zwanghaften Arbeiten und hat einen Prozess der Individualisierung erlebt. Für mich war es ein Beweis für die Überzeugung: Ich kann meine Träume nicht entlassen, ich schulde ihnen noch mein Leben.

Gesegnet seien die Ameisen.

Andreas Krüger ist Heilpraktiker, Schulleiter und Dozent an der Samuel-Hahnemann-Schule in Berlin für Prozessorientierte Homöopathie, Leibarbeit, Ikonographie & schamanische Heilkunst. Mehr über ihn unter: andreaskruegerberlin.de


Buchtipp:
Heiler und Heiler werden
Andreas Krüger / Haidrun Schäfer
Klappenbroschur, 144 Seiten
ISBN 978-3-922389-99-6, EUR 14,80
edition herzschlag im Simon+Leutner Verlag


Weitere Informationen werden im Archiv nicht angezeigt.