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Ausgabe November 2018
Authentische Begegnung mit dem Hund... von Petra Mirel Bernert


Tiere, die wir in unser Leben holen, bieten uns wunderbare Gelegenheiten, innerlich zu wachsen. Mehr noch als viele Menschen geben uns Tiere immer ehrliches Feedback, weil sie direkt auf uns reagieren. Sie schenken uns all ihre Hingabe, wenn wir sie nur ernst nehmen. Innerlich können sich die Besitzer von Hunden fragen: Was hat das Verhalten meines Hundes mit mir zu tun?


Vor kurzem rief mich eine Frau an, die von meiner Arbeit gehört hatte. Elisabeth erzählte mir, dass bei ihrer 6-jährigen Hündin Marna, einem Husky-Mischling, kurz vorher Leberkrebs im fortgeschrittenen Zustand diagnostiziert worden war. Elisabeth lebte zusammen mit ihrem Mann Edi und verschiedenen Tieren auf dem Land. Die erwachsenen Kinder waren bereits ausgezogen. Sie bat mich um Hilfe, da sie und Edi große Angst hatten, „ihren Schatz“, wie sie es ausdrückte, zu verlieren.
Beiden war untergründig klar, dass sich die Hündin in der Familie nicht richtig wohlfühlte. Sie konnten nur nicht wirklich greifen, worum es eigentlich ging. Die Hündin selbst hatte die Angewohnheit, ihrem Herrchen Edi auf Schritt und Tritt zu folgen, und buhlte ständig um seine Aufmerksamkeit. Einerseits schmeichelte ihm das, andererseits war er auch sehr genervt von Marna, die meist wie eine Klette an ihm hing. Außerdem hatten die beiden seit der Diagnose der Hündin eine – wenn auch tragische – Gemeinsamkeit: Das Kranksein. Wie ich von seiner Frau erfuhr, hatte auch Edi einige Jahre zuvor eine Krebsdiagnose erhalten, es folgten weitere Krankheiten. Elisabeth wiederum war sehr besorgt um ihren Mann. Was also wollte in dieser Familie berührt werden?
Als ich mit Elisabeth am Telefon sprach, nahm ich zur Familie und speziell zu der Hündin telepathisch Kontakt auf. Als erste Information bekam ich von der Hündin Schmerz übermittelt.
Wenn ich auf diese Weise mit einem Tier kommuniziere, erhalte ich die Informationen in Form von Bildern oder Gefühlen.

Das ist eine feinere Art der Wahrnehmung und Kommunikation, mit der sich auch Tiere untereinander verständigen. In diesem Kontakt erlebte ich Marna anfangs als in sich zurückgezogen, fast resigniert und apathisch.
Elisabeth gab mir alle Details, die ich brauchte, und wir verabredeten, zwei Tage später wieder miteinander zu telefonieren. Ich hatte nun also etwas Zeit, um den Kontakt zum Wesen der Hündin noch zu vertiefen. Zunächst sah sie mich innerlich mit ihrem wunderbaren tiefen Blick, etwas skeptisch an. Als ich ihr versprach, nichts ohne ihre Zustimmung zu tun, taute sie mehr und mehr auf, bis sie sich vertrauensvoll öffnete und somit „gesprächiger“ wurde. Sie ließ mich ihre Tiefe und Hingabe spüren (ich werde diesen Blick niemals vergessen), aber auch wie verloren sie sich fühlte. Ihre Aufgabe bestand darin, eine emotionale Verbindung innerhalb der Familie herzustellen, was die Familienmitglieder jedoch nicht verstanden.
Hunde leben naturgemäß im Rudel, und für sie ist es ganz selbstverständlich, der Gruppe zu dienen und dafür zu sorgen, dass der Verband funktionstüchtig bleibt. Edi war durch Krankheiten so geschwächt, dass er das Rudel nicht führen konnte. Darauf reagierte die Hündin. Sie wollte darauf hinwirken, dass sich ihre Menschen emotional öffnen, sodass Berührung stattfinden kann und Verbindung entsteht. Auch Elisabeth war, da sie sich andauernd sorgte, nicht wirklich authentisch mit sich selbst verbunden und somit auch nicht als „Rudelmitglied“ präsent.
Ich konnte wahrnehmen, wie Marna alle Menschengeschichten ungefiltert in sich aufnahm. Sie schien voll von Energie zu sein, die nicht zu ihr gehörte. Also reinigte ich ihr Energiefeld und ihre Organe auf energetische Weise. Sie wirkte danach deutlich erleichtert. Marna erzählte mir nun von ihrer Liebe zu Edi und Elisabeth. So ein großes Herz, das mir leicht und beschwingt entgegensprudelte! Ich konnte vor meinem inneren Auge sehen, wie Marna hinter Edi herlief: „Schau doch her, ich bin da. Ich zeige dir, wie es geht, in Hingabe und Wertschätzung zu sein.“
Eigentlich ist es so einfach – wenn wir Menschen nur die Einfachheit bevorzugen würden. Das ist der Grund, warum wir uns Tiere ins Haus holen: Um Einfachheit zu praktizieren und der Natur näher zu sein. Wir dürfen von der Klarheit und dem Wissen der Tiere lernen. Für Edi kann das eine Tür sein, die aufgemacht werden will – hinter der Berührung warten alte Muster, die gelöst werden wollen. Marna zeigt es ihm. Und wer weiß, was Edi durch eine liebevolle, innere Berührung alles integrieren könnte.
Marna übermittelte vor kurzem, dass sie gehen will. Auch dies wird sie in ihrer ganzen Hingabe und ohne „Drama“ tun. Ich bin mir sicher, Marion und Edwin werden sie würdevoll begleiten. Sie haben jetzt die Möglichkeit, es nicht in einem sorgenvollen, zusammengezogenen Zustand zu tun, sondern einfach in ihrer Präsenz und Liebe.


Petra Mirel Bernert
ist Vermittlerin in Mensch-Mensch und Mensch-Tier-Beziehungen.
Sie arbeitet seit 36 Jahren auf verschiedenste Weise heilend, therapeutisch, beratend und lehrend.
Kontakt und weitere Infos: www.lauschend-beruehren.de


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