aktuelle Seite: ARCHIV   
Jahr:
2018 | 2017 | 2016 | 2015 | 2014 | 2013 | 2012 | 2011 | 2010 | 2009 | 2008 | 2007 | 2006 | 2005 | 2004 | 2003 | 2002 | 2001 |

Ausgabe April 2018
Die Augen als Spiegel der Seele. Von Silvia Pinter


art94338
© contrastwerkstatt - Fotolia.com

Vergrößern hier klicken.
Die Anforderungen an unsere Augen steigen ständig, z. B. durch Computerarbeit, Tablet, Smartphone und ungesundes Licht.
Die Folge sind oft trockene, lichtempfindliche, schmerzende Augen und schwächer werdende Sehfähigkeit, Kopfschmerzen und sogar Augenkrankheiten. Stress am Arbeitsplatz, Angst, nicht gut genug zu sein, Erwartungen nicht zu erfüllen, zu versagen, Angst vor der Zukunft u.a. kann zur Anspannung der Augen- und Nackenmuskeln führen.
Sehtraining und Sehtherapie bieten Hilfe zur Selbsthilfe und zeigen Wege, die Sehfähigkeit zu verbessern. Die natürliche Gesunderhaltung der Augen stärkt die eigene Kompetenz für unser Sehen. Mittels Sehspielen und Übungen zur Entlastung und Entspannung der Augen sowie Visualisierungen, Licht und Farben zur Besserung der Augen-, Kopf- und Körperkoordination werden die Augen besser durchblutet und genährt. Das Sehen blockierende Gedanken und Emotionen können erkannt und befreit werden, wodurch die befreite Energie für das Sehen neu genutzt werden kann.

Die Geschichte des ganzheitlichen Sehens
Die Erkenntnis, dass unsere Sehkraft auf natürlichem Weg verbessert werden kann, wurde vom Augenarzt Dr. William Bates (1860-1931) bekannt gemacht. Er erforschte den Zusammenhang zwischen Sehschwäche und Augenmuskelanspannung durch seelisch-körperliche Überforderung. Seine Methode, die Sehkraft geschädigter Augen durch Entspannungsübungen wiederherzustellen, fand weithin Anerkennung und bildet noch heute die Grundlage vieler Augenübungen. Das Zusammenspiel von Augen und Gehirn kann durch Übungen erheblich verbessert werden. Sein Buch "Besser sehen ohne Brille" erschien 1918. Er half tausenden Menschen, ihre normale Sehkraft wiederherzustellen. Für ihn waren Brillen nur Krücken, hinter denen die Leute ihre Augen, Geist und Seele verstecken. Seine Augenübungen führten zu besserer Durchblutung der Augen und machten sie widerstandsfähiger gegen Augenkrankheiten.

Augapfel und Augenmuskeln
Bis wir ausgewachsen sind, wächst unser Augapfel. Traumatische oder unangenehme, beängstigende Erlebnisse können zu Anspannungen im Körper und in den Augenmuskeln führen und die Ursache dafür sein, dass Augen eine Sehschwäche entwickeln. Frauen, die sich stark unter Druck setzen, mit Gedanken perfekt oder besser sein zu müssen, neigen zu Anspannungen auch in den Augenmuskeln. Dieses Muster entsteht meist schon in der Kindheit und kann, wenn es bewusst ist, wieder gelöst werden. Wenn wir davon ausgehen, dass eine Sehschwäche ursprünglich eine Art Schutzreaktion war, die wir heute nicht mehr brauchen, können wir Augenmuskeln von Verspannungen befreien.

Beidäugiges Sehen
Jedes Auge kann ein vollständiges Bild empfangen. Das Zusammenfügen der Bilder beider Augen geschieht erst im Gehirn. Durch das Verschmelzen beider Bilder entsteht dreidimensionales Sehen. Die Verschaltungen der Nerven im Gehirn sind bei der Geburt zunächst nur unvollständig angelegt. Das noch in der Entwicklung befindliche Sehsystem ist sehr empfindlich und scheinbar können emotioneller Stress und Bindungsstörungen in der Familie es beeinflussen. Zwischen beiden Augen kann es zu Kommunikationsschwierigkeiten und dadurch zu Fehlsichtigkeit und Schielen kommen. Beispielsweise wurde eine 35jährige Frau, die als Kind von ihrem Onkel missbraucht wurde, durch Sehtraining und eine Familienaufstellung von ihrem Schielen befreit.

Veränderlichkeit der Sehfähigkeit
Untersuchungen von Menschen mit multiplen Persönlichkeiten ergaben, dass unter Hypnose die Sehfähigkeit von einer Persönlichkeit zu einer anderen wechselte. Im Buch und Film "The Three Faces of Eve" wird erzählt, wie zwischen Weitsichtigkeit, Astigmatismus und Farbenblindheit und den dazugehörigen Persönlichkeiten gewechselt wird. Das bedeutet, dass unsere Augen keinesfalls unveränderbar sind. Das lässt darauf schließen, dass Sehschwächen nicht nur physisch bedingt sind, sondern größtenteils im Gehirn entstehen. Diese Forschung erschüttert die allgemeine Annahme, dass die Sehfähigkeit unbeeinflussbar ist.

Kurzsichtigkeit
Bei der Kurzsichtigkeit wächst der Augapfel durch Verspannungen der Augenmuskeln zu lang. Brillen oder Kontaktlinsen sind die Standardlösung. Das Problem selbst wird dabei nicht gelöst. In vielen Fällen verschlechtert sich das Sehen dadurch sogar, sodass oft im Laufe der Zeit immer stärkere Gläser oder Linsen verschrieben werden. Ich kenne viele Fälle von Frauen, die im jugendlichen Alter eine Brille bekamen und, wenn sie diese nicht trugen, später auch keine mehr brauchten. Um die Augen gesund zu erhalten, ist empfehlenswert, sie immer wieder im Laufe des Tages von Sehhilfen zu befreien und die Augenmuskeln mit Sehübungen und Sehspielen beweglicher zu machen.

Alterssichtigkeit
Leider wird immer noch davon ausgegangen, dass wir ab Mitte 40 durch Verhärtung der Augenlinse unsere Fähigkeit verlieren, in der Nähe scharf zu sehen. Eine andere Theorie besagt, dass die Alterssichtigkeit durch eine Schwäche der Ziliarmuskeln verursacht wird, die die Augenlinse wölben. 1975 wurde in einer Studie gezeigt, dass die Ziliarmuskeln auch im Alter noch arbeiten. 1992 wurde sogar festgestellt, dass sie ihre Kraft und Beweglichkeit nicht vor einem Alter von 120 Jahren verlieren. Wenn im Frühstadium mit Sehtraining begonnen wird, kann die Lesebrille vermieden werden. Auch später kann mit regelmäßigem Training auf eine Lesebrille wieder verzichtet werden, nur dauert es länger.

Brillen, Laserbehandlung und künstliche Linsen
Brillen rahmen die Augen ein, wodurch die Augenmuskeln unbeweglicher werden. Starre unbewegliche Augen haben weniger Energie und werden schlechter durchblutet und genährt. Die häufig empfohlene Gleitsichtbrille kann Irritationen im Gehirn verursachen, wodurch Gleichgewichtsschwankungen entstehen können, bis sich das Gehirn daran gewöhnt hat.
Warum soll sich das Gehirn daran gewöhnen, wenn es andere Lösungen gibt? Ist es vielmehr eine gesunde Abwehrreaktion?
Als andere Option wird immer häufiger Laserchirurgie angeboten. Als Nebenwirkungen können Schäden am Auge auftreten, wie Schleier im Gesichtsfeld, Blendeffekte, Lichtblitze oder trockene Augen. Es kann auch zu einer erneuten Kurzsichtigkeit kommen, denn die Operation bewirkt keine Veränderung des Augapfels. Bei Kurzsichtigkeit und anderen Sehproblemen werden auch implantierte Linsen wie beim grauen Star (Katarakt) empfohlen. Dies ist allerdings keine lebenslange Lösung, da sie nicht leicht ausgetauscht werden können, wenn sich die Sehleistung ändert.

Sehtraining als Alternative
Sehtraining ist eine einfache und wirksame Methode für einen gesunden Umgang mit den Augen und leider immer noch wenig bekannt. Von den meisten AugenärztInnen und OptikerInnen wird das Sehtraining als nicht wirksam abgelehnt. Andererseits bieten inzwischen Firmen, Institutionen und auch Krankenkassen für ihre MitarbeiterInnen Sehtraining am Arbeitsplatz an. Auch PädagogInnen in Kitas und Schulen sind zunehmend an Sehtraining interessiert, da Sehschwäche immer häufiger schon bei Kindern auftritt und in den Anfängen leicht behoben werden kann.
Unsere Sehfähigkeit ist abhängig von einer ausgeglichenen An- und Entspannung der Augenmuskeln und deren Beweglichkeit. Eine gute Gehirn- Augenkoordination kann durch spezielle Übungen und durch Visualisieren unterstützt werden. Die Augen können wie der Körper bis ins hohe Alter fit bleiben, wenn wir uns ihnen zuwenden. Dabei kommt es weniger darauf an, ein starres Übungsprogramm ablaufen zu lassen, sondern neue erlernte, entspannende Sehgewohnheiten in den Alltag zu integrieren.

Sonnenlicht
Das Sonnenlicht mit den Farbschwingungen des Regenbogens ist wichtig für eine gute Funktion der Sehzellen. Die Sehzelle ist wie ein kleines Sehkraftwerk, das von außen durch Licht und Farben, von innen durch das Blutsystem des Körpers Energie erhält. Durch Sonnenlicht steigern wir unsere Wahrnehmung und unser Sehen erhält mehr Tiefenschärfe und Farbe. Sonnenlicht regt das vegetative Nervensystem, das Hormonsystem und den Stoffwechsel an. Wir verbringen durchschnittlich nur noch zehn Prozent der Tageszeit im Sonnenlicht. Ein Mangel an Sonnenlicht macht Augen lichtempfindlich und kann Nachtblindheit verursachen. Brillen und Kontaktlinsen halten einen Teil des wichtigen UV-Lichtes ab. Deshalb sollten sie beim Sonnenbaden abgenommen werden.
Das Lichtspektrum von Glühlampen, Leuchtstofflampen oder Sparlampen weist erhebliche Unterschiede zum Sonnenlicht auf. Leuchtstoffröhren stören durch ihr Flimmern die eigene Schwingung der Netzhaut- und der Gehirnzellen. Die Folgen können Müdigkeit, Energielosigkeit, Reizbarkeit, Kopfschmerzen, Augenbrennen, Depression, eine Schwächung des Immunsystems und Degenerationskrankheiten sein.
Sonnenbrillen sollten nur bei extremer Sonnenbestrahlung, wie z.B. bei Schnee in den Bergen oder auf dem Wasser, getragen werden. Augen werden durch Tragen von Sonnenbrillen oder getönten Brillen immer lichtempfindlicher. Sonnenbaden, bei Lichtempfindlichkeit, ist gut für alle Sehschwachen, es unterstützt die Flexibilität der Linse, nährt die Augen und den Körper, Geist und Seele, macht die Augen lichtunempfindlicher und wirkt unterstützend bei Nachtblindheit.



Augenübungen

Posaunen:
Bei Brillenträgerinnen und Altersweitsichtigkeit. Die geraden Augenmuskeln werden gelockert und die Ziliarmuskeln aktiviert. Die Augen werden spürbar besser durchblutet.
Ein Auge mit der Hand abdecken. Mit der anderen Hand einen Gegenstand in alle Richtungen nah und fern, mehrmals nach oben, unten, rechts, links, soweit der Arm reicht bewegen und mit dem Auge folgen. Den Kopf dabei still halten. Danach mit geschlossenem Auge die Bewegungen wiederholen. Nach dem Augenöffnen den Unterschied spüren. Das Ganze dann mit dem anderen Auge. Danach immer palmieren.
Die Übung mit geschlossenen Augen hilft, ein Gefühl für die Augen und die Muskeln zu bekommen.

Palmieren:
Palmieren bringt Energie für Augen, die müde sind, und entspannt sie, z.B. nach Bildschirmarbeit.
Reiben Sie Ihre Hände aneinander und legen Sie die Handflächen auf die geschlossenen Augen, ganz leicht, ohne die Augen zu drücken. Spüren Sie nun die Wärme Ihrer Hände auf Ihren Augen und lassen Sie Ihre Augen und Augenmuskeln in dieser Wärme baden.
Etwa drei bis fünf Minuten, zwei- bis viermal täglich. Bei Arbeiten am PC alle halbe bis ganze Stunde im Wechsel mit Gähnen.

Gähnen:
Zum Entspannen am PC und bei trockenen Augen.
Gähnen Sie herzhaft mit weit aufgerissenem Mund und einem lauten Ton. Gähnen entspannt den Körper und versorgt ihn mit mehr Sauerstoff, als wir es beim Atmen tun. Gähnen aktiviert das Blutsystem und die Drüsen zum Weinen, wenn die Augen trocken sind.

Sonnenbaden
Schließen Sie die Augen und wenden Sie Ihr Gesicht der Sonne zu. Spüren Sie, wie die Sonne Ihr Gesicht und die Gesichtsmuskeln erwärmt. Entspannen Sie dabei und atmen Sie tief ein und aus. Denken Sie an die Regenbogenfarben des Sonnenlichtspektrums: rot, orange, gelb, grün, blau, indigoblau und violett. Stellen Sie sich nun ca. fünf Minuten lang vor, dass Sie bei jedem Einatmen die Farben durch Ihre Augen in jede Zelle Ihrer Netzhaut und in alle Zellen Ihres Körpers hineinfließen lassen, sodass sie sich nähren können.
Visualisieren Sie ein Stethoskop-ähnlichen weichen Nasenpinsel auf Ihrer Nase, der bis zur Sonne reicht. Umkreisen Sie die Sonne, ein paar Mal rechts herum und dann links herum, wobei sich der Kopf und die Augen in den Augenhöhlen mitbewegen. Mit seinen weichen Pinselhaaren streichelt der Nasenpinsel die Sonne, während er weiche Bewegungen vollzieht. Nun bewegen Sie den Kopf mehrmals von einer Schulter zur anderen, hin und her, je ca. achtmal, dann von der Sonne bis zu den Füßen, runter und hoch. Nehmen sie noch einmal die Sonne wahr und wandern Sie dann mit Ihrem Kopf in Richtung der Füße. Öffnen Sie nun die Augen. Wie nehmen Sie das Licht um sich herum jetzt wahr?
Diese Übung sollten Sie mindesten einmal pro Tag machen oder immer wenn die Sonne sie gerade blendet. Zusätzlich werden die Nackenmuskeln entspannt.

Nasenpinselmalen:
bei Kurzsichtigkeit, Astigmatismus oder nach Computerarbeit.
Stellen Sie sich einen weichen, imaginären Pinsel auf Ihrer Nasenspitze vor und lassen Sie ihn mit fließenden Bewegungen über Flächen, Gegenstände, Bäume, den Horizont gleiten. Dabei können Sie den Nasenpinsel so lang oder so kurz werden lassen, wie Sie ihn brauchen, um alles, was Ihnen vor den Pinsel kommt, zu umwandern. Dabei macht der Kopf die weichen Bewegungen mit dem Pinsel mit.
Bei Weitsichtigkeit: Halten Sie eine Blume oder ein Bild in der Nähe und malen Sie diese mit dem Nasenpinsel nach, die Blume oder das Bild wird in den Händen dabei in einem Winkel von 45 Grad gehalten. Schließen Sie dann die Augen und malen Sie die Blume in Ihrer Vorstellung. Spüren Sie ihren Duft? Öffnen Sie nun die Augen und schauen Sie, was passiert, sehen Sie mehr Details?
Bei allen Übungen tief und leicht ein- und ausatmen.
Integrieren Sie die Übungen für Ihre Augenfitness in den Tag.

Silvia Pinter
ist ausgebildete Sehpädagogin.
www.NatuerlichBesserSehen.de


Weitere Informationen werden im Archiv nicht angezeigt.