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Ausgabe Januar 2018
Die Reise in die Gebärmutter. Von Daniela Wiegner


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© _chupacabra_ - Fotolia.com

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In China wird das Lebensalter eines Menschen anders gezählt als bei uns: An seinem 1. Geburtstag wird ein Kind dort nicht 12, sondern 21 Monate alt, die 9 Monate im Mutterleib werden auf sein Alter angerechnet. Die vorgeburtliche Entwicklung gehört für die Chinesen zum Leben dazu. Auch wenn unsere Lebensrechnung erst mit der Geburt beginnt, gilt die Zeit vor der Geburt für die werdenden Eltern, Embryologen, Frauenärzte, Psychologen und Therapeuten nicht mehr nur als Lebenszeit sondern auch als eine Zeit in der das heranwachsende Kind fühlt, Erfahrungen macht und das Selbst sich entwickelt.
Wenn wir die Zeit im Mutterleib rein biologisch betrachten, dann erleben wir dort wahrscheinlich die grundlegendsten (Bindungs-/Beziehungs-) Erfahrungen, die Geburt und die ersten zwei Lebensjahre sind entwicklungsbedingt neurobiologisch noch ohne explizites, d.h. kognitives Gedächtnis. Unser Gedächtnis ist biologisch noch nicht in der Lage, unsere Erfahrungen auf höherer Ebene im Gehirn zu verarbeiten. Also finden wir unsere prägendsten Empfindungs-, Verhaltens- und Gefühlsmuster, unsere Grundmuster, sogar vielleicht sogar unsere ersten Glaubenssätze, in dem sogenannten impliziten Körpergedächtnis, ohne einen bewussten Zugang, nur über Körperempfindungen repräsentiert und ansprechbar. Wir wissen einfach nicht, wie es uns in dieser Zeit ging, was wir wie erlebt oder empfunden haben und können daher nicht bewusst auf diese Prägungen Einfluss nehmen. Somit werden vorgeburtliche und geburtliche unbewusste Traumata häufig bei körpertherapeutischer Arbeit (z.B. die Prä-perinatale Körpertherapie, Craniosacraltherapie, Osteopathie uva.) aufgedeckt und bearbeitet.
Gehen wir einen Schritt weiter und betrachten uns ganzheitlich, dann gehen wir davon aus, dass Körper, Geist und Seele immer miteinander verbunden sind und somit auch ein Zugriff zu diesem Wissen aus der Zeit im Mutterleib auf "bewusstem" Weg möglich ist. Ein Weg dahin ist die Trance. Durch sie haben wir Zugang zu unserem Unterbewusstsein (allen Erinnerungen und Emotionen aus dem aktuellen Leben) und unter Umständen verbinden wir uns sogar mit unserem Überbewusstsein (Seelenebene, Zugang zur spirituellen Welt). Das Zeit- und Raumgefüge weicht auf, unser Bewusstsein erweitert sich. Trancen erreichen wir auf vielen Wegen, hier sind nur einige genannt: beim Tanzen und Singen, in Meditation, beim Malen bzw. künstlerischem Arbeiten, beim schamanischen Reisen, beim bewussten Atmen oder in der Hypnose.

Was erwartet mich bei einer Reise in den Mutterleib?
Wichtig ist, sich sicher zu fühlen und eine von jeglicher Bewertung freie zwischenmenschliche Umgebung herzustellen. Sich darauf einzulassen, etwas zu sehen, zu fühlen und wahrzunehmen, was ganz anders ist, als das bisher erlebte. Hier nun nehme ich den spirituellen, geistigen Ansatz mit hinzu und spreche von einigen Erfahrungen aus dieser außergewöhnlichen Zeit, die ich selbst und als Therapeutin miterleben durfte, ohne persönliche Geschichten zu erzählen:
In tiefer Trance kommt der Moment, in dem entlang der sogenannten Zeitlinie der Mutterleib das Ziel der Reise ist. Das Ankommen dauert einen Moment und die Wahrnehmungen sind so unterschiedlich wie unsere Geschichten. Manche Menschen sehen sich von außen zu, erkennen den Embryo, die Fruchthülle und nehmen nach und nach Emotionen und Erfahrungen wahr. Es ist sehr berührend, wenn der Mensch, der diese Reise unternimmt, sich das erste Mal als Seele im Körper wahrnimmt und die Chance erhält, den Beginn seines Menschwerdens zu erleben. Vom Embryo zum Fötus bis hin zur Geburt. Die emotionalen Erfahrungen, die unser Unterbewusstsein im Mutterleib abspeichert, sind oft wunderschön, manchmal aber auch dramatisch und belastend. Bereits hier zeigen sich die vorgeburtlichen Muster körperlicher, seelischer und geistiger Art.
Wenn die Seele in den Körper eintritt, gibt es eine Zeit, in der sich die Seele zum Teil daran erinnert, wo sie "herkommt", was sie bereits erlebt hat und was sie sich für dieses Leben wünscht. Dann ist ein "Gespräch" mit der Seele möglich, über genau diese Fragen und hier passt die Beschreibung "sich beseelt fühlen". Eine Rückanbindung, Vervollständigung des Seins wird beschrieben, ein bewusster Kontakt zur Seele, der inneren Führung. Dieses Erinnern erlischt während der Zeit im Mutterleib, sodass wir uns schon hier getrennt vom Ganzen fühlen können.
Einige Seelen kommen gemeinsam, werden als Zwillinge geboren oder bewohnen nur einige Zeit lang zusammen den Mutterleib. Wenn eine Seele geht, erlebt der bleibende Zwilling seinen ersten schweren Verlust, fühlt sich unvollständig und leidet bis zur Geburt. Auch die Gefühle der Mutter oder von anderen nahen Menschen werden oft gefühlt und beschrieben. Teilweise beginnt schon hier ein Übernehmen von Gefühlen, Glaubenssätze werden als die eigenen empfunden.
Sehr berühren mich auch die Erfahrungen von Menschen, die sich in der Fruchthöhle ganz klein und fast unsichtbar machen wollen, damit sie nicht gesehen und gefühlt werden, weil die Schwangerschaft nicht in die Familienkonstellation oder Situation passt. Diese kleinen Menschen kauern sich oft monatelang zusammen und bewegen ihren Körper zu wenig. All das wird, wie in anderen Therapien aufgearbeitet, durch fühlen, erkennen, integrieren und durch verschiedene Rituale in die Heilung gebracht.
Hierbei ist der Ansatz der Zellforschung von Bruce Lipton interessant. Er beschreibt, wie Erfahrungen unsere Gene steuern. Wenn dies möglich ist, dann spricht alles dafür, unsere gemachten Erfahrungen zu heilen, indem wir sie wie oben beschrieben verarbeiten und unsere Zellen durch neue Erfahrungen in andere Schwingungen bringen.
In Bezug auf unsere Zeit im Mutterleib kann dies bedeuten, dass wir, wie bei der Inneren-Kind-Arbeit, uns selbst als den Embryo und Fötus, also das heranwachsende Kind, mit unserer Aufmerksamkeit und Liebe begleiten. Es "nachnähren", ihm Geschichten erzählen, es in den Arm nehmen und für dieses kleine Wesen da sind, bis dahin, das wir uns eine Geburt kreieren, die dieses Wesen heil und gesund auf die Welt kommen lässt und eine Willkommensenergie den Raum erfüllt. All dies darf natürlich nicht überdeckend geschehen sondern in einem Rahmen, in dem genug Raum für alles, was da war, vorhanden ist.
Werdende Eltern, die sich in diesem Zusammenhang eine ganzheitliche Begleitung von Anfang an wünschen, finden mit Sicherheit eine Hebamme oder einen Therapeuten, die diese wichtige Zeit mit ganzheitlichem Ansatz begleiten. Eine mögliche Methode ist die Bindungsanalyse nach Raffai und Hidas. Hierbei handelt es sich um eine Methode zur Förderung und Verbesserung der vorgeburtlichen Mutter-Kind-Beziehung. Ich hoffe, dass wir als Gesellschaft dieses Wissen nutzen und dem Ungeborenen die Liebe, den Schutz und die Anerkennung zukommen lassen, die es braucht.

Daniela Wiegner ist HP f. Psychotherapie, Hypnose- u. Rückführungstherapeutin.
Sie bietet in Ihrer Praxis in Berlin und deutschlandweit Rückführungen in vergangene Leben und in das Zwischenleben sowie die Hypnosetherapie an.
www.hypnose-freude.de


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