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Ausgabe Januar 2017
Freude als Basis - Eine Vision für das neue Jahr - von Jochen Meyer


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Das vergangene Jahr haben viele Menschen in meinem Umfeld wie den Beginn einer Zeitwende erlebt. Die „geopolitischen“ Krisen, das Erstarken autoritärer Bewegungen und nicht zuletzt die Wahl des neuen US-Präsidenten. Viele empfinden dies alles als extrem beunruhigend. Mir geht es genauso. Auch ich habe den Eindruck, dass hier in Europa eine Epoche relativer Stabilität zuende geht und wir vor Umwälzungen stehen, die schnell unvorstellbare Ausmaße annehmen können.
Wie soll ich angesichts dieser sich polarisierenden Entwicklungen und den damit verbundenen Ängsten freudvoll auf das gerade beginnende Jahr schauen? Wie weiter an das Gute glauben? Wenn der Ton auf der Straße spürbar rauher wird und es selbst in einer so wohlhabenden Gesellschaft wie unserer immer mehr Menschen immer schlechter geht - was habe ich dem entgegenzusetzen? Woran kann ich mich wenigstens im Inneren aufrichten, wenn es im Außen immer schwieriger wird?

Wie Angst um sich greift
Ich gebe zu, dass ich mich angesichts der gegenwärtigen Entwicklungen oft ohnmächtig fühle. Es fällt mir schwerer als sonst, mich über das Positive in meinem Leben zu freuen – dabei war 2016 für mich ein sehr erfolgreiches Jahr! Doch der Blick in die Nachrichten verdirbt mir oft die Laune. Es gelingt mir nicht, von all den täglichen Meldungen unberührt zu bleiben. Als Beziehungscoach macht es mich betroffen, mit welcher Verachtung Menschen inzwischen wieder über andere sprechen. Der unselige Geist von Abschottung und Ausgrenzung scheint unabwendbar auf dem Vormarsch. In solchen Momenten frage ich mich, worin ich das Positive finden soll, das mich auf gute Entwicklungen hoffen lässt und zum Weitermachen motiviert. … und schließlich doch die Freude wiederkehrt.

Doch ich erlebe auch, dass ich wieder zuversichtlicher werde, schon wenn ich mit Freunden zusammensitze. Sobald ich mich mit anderen darüber austausche, erlebe ich: nahezu allen in meinem Umfeld geht es so. Sie sind von den aktuellen Entwicklungen betroffen, fühlen sich überfordert gerade angesichts der Größe und Bedeutung der stattfindenden Umwälzungen. Auch sie wissen noch nicht, wie sie damit umgehen sollen. Wenn ich mit Freunden oder Kollegen zusammensitze, fühle ich mich nicht mehr so allein in meinem Elend. Es tröstet mich, wenn ich höre: auch andere können gerade nicht so gut schlafen. Es tut mir gut, wenn ich erfahre, dass sich auch andere ernsthaft um unsere Zukunft sorgen. Es gibt mir Kraft, wenn wir darüber sprechen, was jeder Einzelne jeden Tag in seinem kleinen Wirkungsbereich tut und bewegt. Es geschieht bereits soviel Gutes! Und es ist total befreiend, wenn auf einmal jemand über den ganzen Wahnsinn Witze macht und wir dann alle miteinander lachen.

Freude – ein existentielles Grundgefühl
Sitze ich so mit meinen Freunden zusammen, dann fühle ich mich wieder verbunden. Dann spüre ich auch wieder die tiefe spirituelle Wahrheit: Die wahre Natur des Menschen ist gut. Sie besteht aus liebender Güte und Mitgefühl mit allen Wesen. Sie ist integrativ und nicht ausgrenzend.
So erlebe ich es auch morgens während meiner Metta-Meditation, wenn ich über liebende Güte für mich und alle fühlenden Wesen meditiere. Dann spüre ich eine feine, sanfte, stille Freude in mir. Ein inneres Lächeln taucht auf, wenn ich das Strömen der liebenden Güte und das Verbundensein mit allen Wesen in mir spüre. Diese Freude fühlt sich an wie der Ursprung von allem. Sie ist ein existentielles Grundgefühl, das alles trägt. Es tut gut, sie zu spüren! So kann ich aus der Freude in den Tag starten.
„Wenn andere sich von ihrer schlechtesten Seite zeigen, zeigen wir uns von unserer besten!“ Wann immer ich mir das Video von Michelle Obamas Rede auf dem Parteitag der Demokraten vom Juli 2016 auf Youtube anschaue, berührt mich dieser Satz. Diese Rede ist für mich ein absolutes Highlight; Inbegriff menschlicher Stärke. Höre ich Michelle Obama zu, dann spüre ich, wie sich eine souveräne Haltung zu all dem Hass in unserer Gesellschaft anfühlt und was wir ihm entgegensetzen können.
„When they go low, we go high.“ Ich persönlich wende das für mich so an, dass ich auf Negatives stets positiv reagiere. Zumindest versuche ich es. Ich setzte Negativem etwas Positives entgegen. Ich vermeide Negatives mit Negativem zu beantworten. Das ist mein Prinzip – darauf richte ich mein Handeln aus. Auf jemanden, der mir auf der Straße unfreundlich begegnet, reagiere ich freundlich. Oder wenigstens sachlich. Auf jemanden, der mich respektlos abwertet, reagiere ich wertschätzend. Zumindest aber respektvoll. Wenn jemand lieblos ist, versuche ich, erst recht liebevoll zu sein. Wenn sich jemand über mich aufregt, bleibe ich ruhig. Ich möchte mich einfach nicht von der Gefühlslage meines Gegenübers anstecken lassen. Schon vor vielen Jahren habe ich beschlossen, dass ich schwierige Menschen nicht darüber entscheiden lasse, wie ich mich fühle und verhalte. Deswegen habe ich mir die Übung zu eigen gemacht, dass ich bei mir bleibe und ihnen konstant wohlwollend begegne. Egal, wie sie sich verhalten. Denn ich will nicht Teil des Problems sein, sondern Teil der Lösung, wie man so schön sagt. Ich möchte zu denen gehören, die Licht ins Dunkel tragen. Zumindest möchte ich es ein wenig heller machen und nicht noch dunkler. Mit dieser Vorgehensweise mache ich seit vielen Jahren gute Erfahrungen.

Sich trotz schwieriger Zeiten freuen zu können ist eine soziale und zugleich spirituelle Fähigkeit.

Natürlich gibt mir das Vertrauen für das, was vor mir liegt. Trotzdem: Frage ich mich, was das neue Jahr bringen wird, fallen mir als erstes negative Dinge ein. Die aktuellen Krisen werden sich wohl weiter verstärken, wir werden noch mehr schlechte Nachrichten aushalten müssen. Ich merke: Diese Frage hilft mir nicht. Ich werde nur mutlos. Also drehe ich die Frage lieber um und überlege mir, was ICH dem neuen Jahr bringen werde. Was will ich in diesem Jahr bewirken? Was soll mein Beitrag sein, damit 2017 nicht nur für mich ein gutes Jahr wird? Mit welcher Energie möchte ich dieses Jahr erfüllen? Was muss ich tun, damit ich Ende 2017 sagen kann: Mein menschlicher Einsatz hier hat sich gelohnt.

Was wirst du 2017 Gutes tun?
Was bringst du schon Wertvolles mit und was willst du in diesem Jahr Gutes bewirken?
Wie willst du dazu beitragen, dass das Leben für dich und die Menschen in deinem Umfeld freudvoller wird?
Welche Menschen in deinem Leben möchtest du positiv berühren, bereichern oder inspirieren?
Für wen möchtest du eine Quelle der Freude sein?
Was tust du, damit die wichtigen Menschen in deinem Leben dich als Energiequelle erleben und nicht etwa als Energieräuber?

Gute Beziehungen pflegen – zu sich selbst und anderen
Ja, das ist für mich der Schlüssel: gesunde Beziehungen eingehen und aufbauen – das scheint mir wichtiger denn je, weil wir in schwierigen Zeiten auf gute Freunde angewiesen sind. Auf Verbündete, die solidarisch sind und uns ermutigen, bei uns zu bleiben und weiter ins Licht zu gehen.
Auch wenn es da draußen erst mal noch dunkler werden sollte: „When they go low, we go high“ soll heißen: Ich bleibe bei meinen Prinzipien und ich trage mein Licht weiterhin in die Welt. Jetzt erst recht.

Autor: Dr. phil. Jochen MeyerCoreDynamik-Trainer und -Therapeut Single-Coach und Paarberater in Berlin, www.jochen-meyer-coaching.de


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