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Ausgabe Dezember 2016
Beitragsreihe 2016 von Andreas Krüger Homöopathisches Heilmittel: Lachesis die Buschmeisterschlange


H. Schäfer: Über welches Mittel erfahren wir heute etwas?
Andreas Krüger: Ich möchte heute über ein sehr spannendes Mittel sprechen, das für die heutige Zeit von großer Wichtigkeit ist und ein Mittel, von dem man sagen kann, dass es ohne dieses Mittel vielleicht die Homöopathie gar nicht geben würde. Dieses Mittel heißt Lachesis, die Buschmeisterschlange und sie hat viel mit der Stellung der Homöopathen oder anderen energetischen Heilern in unserer Gesellschaft zu tun. Es ist ein Mittel, das mit dem Zweifel an Grundsätzlichem zu tun hat. Vorab möchte ich ein Buch empfehlen: „Die Erhöhung der Schlange“ von Herbert Fritsche, in dem es um die geisteswissenschaftlichen Grundlagen der Homöopathie geht. In diesem Buch wird anhand der Schlange erklärt, dass ein umso giftigerer Stoff umso heilsamer sein kann, wenn wir ihn durch den Vorgang der homöopathischen Ermächtigung der Potenzierung aus seiner Stofflichkeit befreien und ihn in sein heilendes Sein überführen.

Wie kommt die Schlange Lachesis in die Homöopathie und was hat sie mit der grundsätzlichen Stellung der Homöopathie oder anderer energetischer Heilweisen in unserer Welt zu tun?
Dazu muss man wissen, dass zu Zeiten Hahnemanns die Medizin einen Grad an Brutalität und Menschenverachtung hatte – Brechkuren, Durchfallkuren, Aderlässe, an denen die Patienten meistens starben – dass man als Arzt eine eher verhornte Seele haben musste. Hahnemann war Arzt und irgendwann war er an einem Punkt, an dem er seinen Menschenbrüdern nicht mehr so weh tun wollte. Er gab den damals schon lukrativen Beruf des Arztes auf und arbeitete nur noch als Übersetzer, was für die Familie eine große Not bedeutete. Doch damit kam es zu einer berühmten Übersetzung der Arzneimittellehre von Herrn Cullen, einem schottischen Arzt, die Hahnemann ermutigte, die Chinarinde selbst einzunehmen und dabei feststellte, dass Chinarinde die gleichen Symptome bei einem gesunden Menschen hervorrief wie sie – und das war im Grunde die Geburtsstunde der Homöopathie – bei einem kranken Menschen heilen konnte. Das große Heilgesetz „Ähnliches soll mit Ähnlichem behandelt werden“ ist im Grunde dadurch zustande gekommen, dass Hahnemann an der alten Medizin grundsätzlich zweifelte. Lachesis ist das wichtigste Mittel für Menschen, die in ihrem Leben an Punkte kommen, wo sie an Grundsätzlichem zweifeln – sei es der Beruf, die Religion oder die erotische Ausrichtung. Lachesis hilft, aus den Fragezeichen wieder

Ausrufezeichen zu machen oder im besten Fall einen Kreis, einen Uroboros, also eine Schlange, die sich selbst in den Schwanz beißt und Einheit darstellt.
Und war Hahnemann erfolgreich?

Ja, er brachte immer mehr Stoffe in die Homöopathie und irgendwann begann er, an der Universität zu lehren. Für die Studenten war er eine Offenbarung. Er war ein Messias. Sie hatten auf einmal Sachen in der Hand, die heilten statt umzubringen – eine menschenfreundliche, humanistische und demokratische Medizin, die den Menschen ernst nimmt und seine subjektiven Symptome ehrt. Hahnemann war mit der Homöopathie eine ähnliche Revolution gelungen wie Sigmund Freud, der die Psyche wieder in die Medizin brachte oder wie Wilhelm Reich, der wieder einen Zusammenhang zwischen Sexualität und Medizin herstellte. Hahnemann war das für die Medizin, was Luther für die Religion war.

Wie reagierten die anderen Professoren?
Sie wurden natürlich eifersüchtig, weil sie mit Brechkuren und Quecksilberverordnungen weniger Erfolg hatten. Also wollten sie Hahnemann der Scharlatanerie überführen. Lachesis ist ein wichtiges Mittel bei Intrigen und Folgen böser Nachreden. Die Professoren suchten sich also jemanden, der mit Sicherheit eine Karriere als Arzt machen würde und engagierten ihn, um Hahnemann auszuspionieren: Constantin Hering. Er ließ sich darauf ein, aber dann passierte etwas ganz anderes, denn er begann, grundsätzlich an seiner Medizin zu zweifeln. Irgendwann war er so zerrissen, dass er zu Hahnemann ging und ihm sagte: „Tut mir leid. Ich bespitzele Sie seit Monaten, aber da, wo Sie sind, da ist das Licht. Es ist die erste wahre Medizin, die ich kennengelernt habe. Ich kann Sie nicht diesen Bestien zum Fraß vorwerfen.“ Hahnemann war gerührt, aber riet ihm, nach Amerika zu gehen, damit die anderen ihn nicht ruinierten. Hering ging tatsächlich nach Amerika, wurde der erfolgreichste Homöopath Amerikas und hat viele Schulen gegründet. Man könnte sagen, dieser Verrat hat in letzter Konsequenz zu einer enormen Ausbreitung der Homöopathie geführt.

Wie ging der Weg von Constantin Hering weiter?
Er wurde ein großer Forscher, reiste viel und erforschte neue Arzneimittel. Im tiefsten Dschungel entdeckte er eine Lachesis, entnahm ihr das Gift und machte mit seiner Frau zusammen eine Arzneimittelüberprüfung. Die beiden hatten eine harmonische Monobeziehung, aber auf einmal entwickelte die Frau eine völlig unrealistische Eifersucht. Der Constantin konnte nicht mehr an den Fluss gehen, um Wasser zu holen, weil sie ihm vorwarf, sich dort mit anderen Frauen zu treffen. Das war eines der ersten Symptome, die durch die Lachesis-Prüfung herauskamen: Eifersucht
Lachesis ist das eifersüchtigste Mittel, was es gibt: Kontrolliert das Telefon, durchsucht Tagebücher und klingt sich in das Handy des Geliebten ein. Meistens ist die Eifersucht völlig unbegründet. Wenn man es erforscht, gibt es keinen Grund. Und trotzdem ist diese Eifersucht so wahnsinnig stark. Dazu kommt der Zweifel an der Aufrichtigkeit des anderen.

Gibt es noch weitere Symptome?
Lachesis ist eines der wichtigsten Mittel bei Erkrankungen der weiblichen Sexual- und Fortpflanzungsorgane durch unterdrückte und nicht gelebte Sexualität. Und da kommen wir wieder zum Thema Eifersucht. Meine Erfahrung ist, dass jemand, der ein erfülltes Liebesleben hat, der sich und seine Impulse lebt, weniger eifersüchtig ist als jemand, der das unterdrückt. Und in der Unterdrückung der eigenen Impulse dem anderen unterstellt, dass er das tut, was er nicht tun darf. Außerdem ist Lachesis ein Mittel für linksseitige Eierstockentzündungen, für linksseitige Mandelentzündungen und überhaupt für alle Beschwerden, die links sind. Und es ist das Mittel für Erkrankungen, die mit spirituellen Übungen zu tun haben, wo es um ein Aufsteigen der Kundalini geht. Die Kundalini-Energie ist die Schlangen-Energie und wenn es bei spirituellen Techniken, wo es um das Aufsteigen dieser Energie geht zu Erkrankungen kommt, dann kann man den unterbrochenen Fluss wieder öffnen. Ein empfehlenswertes Buch zu diesem Thema sind „die Nebel von Avalon“ von Marion Zimmer Bradley, denn die große historische Gestalt für Lachesis ist Merlin, der Hofzauberer König Arthurs.

Fazit?
Auf dass aus allen Fragezeichen ab jetzt nur noch Ausrufezeichen werden!

Andreas Krüger ist Heilpraktiker, Schulleiter und Dozent an der Samuel-Hahnemann-Schule in Berlin für Prozessorientierte Homöopathie, Leibarbeit, Ikonographie & schamanischer Heilkunst. Weitere Informationen: www.Samuel-Hahnemann-Schule.de

Buchtipp:
Heiler und Heiler werden
Andreas Krüger / Haidrun Schäfer
Klappenbroschur, 144 Seiten
ISBN 978-3-922389-99-6, EUR 14,80
edition herzschlag im Simon+Leutner Verlag


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