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Ausgabe November 2016
Beitragsreihe 2016 von Andreas Krüger Homöopathisches Heilmittel: Lyssinum - Freiheit ist, wenn alles möglich ist.


H. Schäfer: Was steht heute an?
Andreas Krüger: Heute möchte ich über eine Arznei sprechen, die vielen Menschen relativ unbekannt, aber in unserem heilerischen Kontext von einer großen Wichtigkeit ist und dem einen oder anderem Heiler, die ich sie geben durfte, wirklich die Lebenskraft insoweit gerettet hat, als dass er seine Praxis weiterführen konnte. Das Mittel, über das ich heute sprechen möchte, wird aus dem Speichel eines tollwütigen Hundes hergestellt: Lyssinum. Dieses Mittel hat zwei Symptome, über die ich heute sprechen möchte, weil ich damit wirklich vielen Menschen helfen konnte. Einmal hat Lyssinum das Symptom, dass das Leben vielen schwer macht, denn er fühlt die Symptome seines Bruders; d.h. das sind die Menschen mit der stärksten Empathie. Die sind so empathisch und sterben sogar manchmal durch die Dinge, die sie fühlen und wahrnehmen und dann auch übernehmen. Lyssinum-Menschen haben so eine Ausstrahlung, dass ganz schnell viele Patienten zu ihnen kommen, aber nach einem halben Jahr werden sie so krank, dass sie nicht mehr weiter arbeiten können. So schön Medialität und Hellfühligkeit ist, aber wenn sie unkontrolliert ist, wenn sie nicht ein- und auszuschalten ist, ist sie oft tödlich, bzw. macht sie eine therapeutische Arbeit unmöglich. Das zweite sind Menschen, die mir – wie im Repertorium steht – unterwürfig sind wie ein Diener. Die haben eine Form von Unterwürfigkeit selbst bei höchster Qualifikation und höchster Intelligenz. Tollwut – Hund – dieses Unterwürfige kann man ja auch als hündisch bezeichnen.
Auf Youtube gibt es schöne Beziehungsvideos zu Katzen und Hunden. Wie verhält sich der Katzenmensch? Der ist ja sehr würdig, geht und kommt, wann er will und wird nur gestreichelt, wenn er will und wenn ihm etwas zu viel ist, gibt es was um die Ohren. Der Hundemensch dackelt, wenn er nur nett angeguckt wird und streckt alle Viere von sich. Diese hündische Mentalität, die wir bei anderen Mitteln wie Lac caninum und Pulsatilla kennen, zeigt sich in keinem Mittel so wie bei Lyssinum.

Haben Sie ein konkretes Beispiel?
Ich habe eine Patientin, bei der man denkt, dass mindestens 20 russische Oligarchen ihr in ihren Cheyennes hinterherfahren und ihr eine Datscha auf der Krim anbieten, die größer ist als alle anderen – so ist es aber nicht. Sie ist seit Jahren mit einem schwarzen Musiker aus England befreundet, der sie einfach schlecht behandelt, weil er sie immer wieder hinhält. In den letzten Jahren hat sie mir immer wieder erzählt, dass jetzt Schluss sei mit dem und dann hat sie wieder Verständnis. Heute habe ich ihr Lyssinum gegeben und sie hat gesagt: Jetzt ist Schluss! Ich hoffe, dass sie es wahr macht und nicht wieder klein wird, wenn er anruft und sagt, dass er vielleicht in vier Wochen sich noch mal meldet. Ich nenne es den Dackelchip, den manche Menschen im Kopf haben, aber wer den Chip im Kopf hat, der kann noch so intelligent und schön sein, der verhält sich einfach wie ein blöder Dackel. Das ist jetzt weder frauen- noch männerspezifisch. Ich kenne genug Frauen, die haben einen Löwenchip im Kopf, die würden sich so etwas nicht gefallen lassen. Es gibt ein ähnliches Mittel, die Hirschmilch, wo der Wahlsinn gestört ist. Die wählen Partner, die nicht adäquat sind und sie nicht gut behandeln. Bei Lyssinum ist augenfällig, wie unangemessen man behandelt wird. Es liegt nicht an der Schönheit, nicht an der Bildung und auch nicht am Sternzeichen. Es muss an einem Mangel an Selbstwert liegen, der so eklatant ist, dass der dann dazu führt.

Was ist das zweite Symptom von Lyssinum?
Medialität. Rudolf Steiner hat mal gesagt, dass alle Menschen ihre Medialität zünden und ausbauen sollten, um diesen großen Schritt in eine neue Hierarchie unseres Menschtums machen zu können. Aber Medialität macht krank und auch tot, wenn sie nicht kontrolliert ist. Wenn sie nicht beherrscht und wenn sie nicht geschult ist. Umso medialer ich bin, umso mehr braucht es einer kompetenten Schulung, einer kompetenten Supervision und einer kompetenten Unterweisung. Rudolf Steiner hat auch gesagt, wenn wir unseren Darm und unsere Verdauung wahrnehmen würden, würden wir innerhalb von fünf Minuten wahnsinnig werden. Viktor Frankl sagte: Selbstwahrnehmung ist immer pathologisch. Wenn ich mein Auge wahrnehme, ist an meinem Auge etwas krank. Ich nehme mich immer nur über den anderen wahr. Ich nehme Sie wahr, weil ich Sie sehe. Ich nehme Sie wahr, weil ich Sie höre. Wenn mein Ohr wehtut, dann stimmt irgendetwas nicht.

Nicht alle sind in gleicher Weise medial?
Nein. Ich z.B. sehe keine Auren, keine Chakren, keine animalischen Helfer und keine Geister, aber ich habe die Hellhörigkeit, die sehr unangenehm wäre, wenn ich sie nicht kontrollieren könnte: Ich höre bedürftig schreiende Haut. Ich kann in einem U-Bahnwagen sitzen und sagen: 14 Tage nicht angefasst, 5 Jahre nicht angefasst, 10 Jahre nicht angefasst. Oh, da ist es leiser, heute morgen 3 Stunden angefasst, gut angefasst. Diese Wahrnehmung hat sich in vielen Jahren Leibarbeit bei mir ausgebildet und mein Lehrer hat mir mal ein schönes Kompliment gemacht, indem er sagte, dass meine Hände Ohren sind.
Ich lege meine Hände auf einen Körper und dann machen die Hände das, wonach der Leib ruft. Aber es wäre ganz schwierig, wenn ich das immer hören müsste, weil unangefasste Häute sich so ähnlich anhören wie gezogene Alraunen bei Harry Potter. Darum setzen die auch Kopfhörer auf, bevor sie bei Harry Potter die Alraunen ziehen. Bedürftigkeit macht schreiende Geräusche.

Haben Sie noch eine weitere Fähigkeit der Hellfühligkeit?
Ja, ich nehme Potenziale wahr. Aber die nehme ich auch nicht immer wahr. Diese Wahrnehmung setze ich ein, wenn mich jemand beauftragt. Der Lyssinum-Kranke kann nicht ein- und ausschalten, sondern ist den Gewalten seiner Hellsicht ausgesetzt. Der sieht Dämonen, spürt die Magenschmerzen und wenn der das eine Woche lang macht und eine volle Praxis hat, ist der fertig. Man gibt solchen Menschen dann Lyssinum, aber es ist ganz wichtig, dass sie mehr machen: Sie müssen an der Durchlässigkeit ihres Systems arbeiten. Da gibt es Hilfsmittel wie die Steh-Übung aus dem Qi-Gong, das eurythmische Halleluja oder die Solar-Plexus-Übung nach Rosina Sonnenschmidt, mit der man Hellfühligkeit an- und ausschalten und danach Currywurst mit Pommes essen gehen kann.

Ihre Therapiemaxime?
Freiheit ist, wenn alles möglich ist, aber ich kann auch alles in entspannter Heiterkeit lassen. Das ist auch bei der Medialität wichtig: Ich bin medial, wenn ich will und ich bin dumpf wie Bohnenstroh, wenn ich will. Wenn ich medial bin, auch wenn ich nicht medial sein will, brauche ich Lyssinum. Ich weiß, dass ich mindestens 20 Praxen gerettet habe, die einfach geschlossen werden hätten müssen – nicht wegen der Unfähigkeit des Heilers, sondern wegen seiner außergewöhnlichen Begnadetheit.

Fazit?
Freihheit ist, wenn alles möglich ist, aber wenn ich auch alles in Heiterkeit und fröhlicher Gelassenheit lassen kann.

Andreas Krüger ist Heilpraktiker, Schulleiter und Dozent an der Samuel-Hahnemann-Schule in Berlin für Prozessorientierte Homöopathie, Leibarbeit, Ikonographie & schamanischer Heilkunst. Sein Buch „Heiler und heiler werden – Gespräche über Heilkunst“ erschien im Verlag Simon+Leutner. www.Samuel-Hahnemann-Schule.de


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