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Ausgabe November 2016
Dankbarkeit und andere Fettnäpfchen. Von Mo Feuerlein

Die Dankbarkeit gilt als Grundelement guter Beziehungen. Doch Dankbarkeit ist nicht Dankbarkeit. Mo Feuerlein erzählt über unterschiedliche Formen und ihre Wirkungen.

Vor kurzem habe ich mit Dankbarkeit fast eine „Beziehungskrise“ ausgelöst: Ich habe mich dafür bedankt, dass mein Liebster morgens extra früh aufgestanden war, um die Kinder zur Schule zu bringen. Er empfand dies als Abgrenzung, als ob ich indirekt damit die Botschaft sandte, dass es ja meine Kinder waren und es nicht selbstverständlich sei, dass wir die Sorge um sie teilten. „Du musst dich nicht bedanken“, wehrte er ab. Das fand ich wiederum unangemessen, denn erstens bedanke ich mich ja aus freien Stücken und außerdem wollte ich - da wir uns ja um Echtheit und emotionale Tiefe bemühen - nicht mit Höflichkeitsfloskeln abgespeist werden. Und so weiter und so fort… Eine kurze Szene aus dem absurden Theater spirituell entfachter Patchwork-Familien.

Unterschiedliche Formen von Dankbarkeit
Diese Geschichte, die für Unbeteiligte - nicht ganz zu Unrecht - übertrieben erscheinen mag, hat für mich einen tieferen Sinn. Sie hat mich - rechtzeitig für diesen Artikel - dazu gebracht, das Wesen der Dankbarkeit näher zu ergründen. Dankbarkeit gilt ja in vielen spirituellen Traditionen als ein Schlüssel zum positiven Denken, zum inneren Frieden, zur Heilung und sogar zum Erwachen. „Gerade heute bin ich dankbar“, heißt eine der wichtigsten Geisteshaltungen, die Reiki-Praktizierenden im System des Dr. Usui mitgegeben wird. Schon die Urvölker pflegten ihre Dankbarkeit mit Ritualen zum Ausdruck zu bringen, durch Jahreskreisfeste oder zu Ehren von Göttern und den Ahnen. Noch heute feiern wir das Erntedankfest in kirchlichem oder heidnischem Rahmen. Es ist ein Dank an Mutter Erde, mit dem wir die Fülle um uns herum würdigen und uns selbst für die Ernte getaner Arbeit danken.

Ein Magnet für Fülle
Dankbarkeit gilt auch als Voraussetzung, um Fülle anzuziehen. Sie ist Voraussetzung dafür, dass Ihnen Reichtum aus jeder Richtung zufließt, schreibt Catherine Ponder in „Die Dynamischen Gesetze des Reichtums“. Menschen, die Schulden haben, schlägt sie vor, täglich auf folgenden Satz zu meditieren: „Ich danke für die sofortige, vollständige Bezahlung aller finanziellen Verbindlichkeiten.“ Jede Form von Kritik und Urteil ziehe Schulden an. Eine vergleichbare innere Haltung beschreibt Gregg Braden in „Verlorene Geheimnisse des Betens“. Dabei unterscheidet er ein Flehen nach Gnade, das aus Mangelbewusstsein geschieht, von einer ursprünglichen, wirkungsvolleren Form des Betens. In dieser eigentlichen Form bedanken wir uns innbrünstig dafür, dass unsere Wünsche in der großen Einheitsmatrix bereits erfüllt sind und es keine Frage der Zeit ist, bis sie aus der Suppe unserer Unbewusstheit als materielle Verkörperungen auftauchen werden. Dank und Bitte schmelzen zusammen in dem tiefen Vertrauen, dass wir Beschenkte sind, die qua ihrer Präsenz in Fülle leben dürfen.

Der richtige Zeitpunkt
Das Wesentliche an der von Gregg Braden und Catherine Ponder beschriebenen Form der Dankbarkeit ist, dass diese bereits VOR der Erfüllung unserer Wünsche eintritt. Sie ist nicht Abhängig von einem „Wenn ... dann“, von äußeren Umständen oder gar von Personen, die wir in die Verpflichtung nehmen. Vielmehr sind sie Ausdruck der Gewissheit, dass wir aufgrund unserer Geburt bedingungslos Empfangende des Lebens sind. Man könnte sagen, Dankbarkeit ist hier ein unterstützendes Konzept, eine Krücke für unseren Verstand, das uns wie eine Brücke wieder mit diesem Urvertrauen verbindet. „Ich bin dankbar, dass ich mich darauf verlassen kann, dass mein Mann die Kinder in die Schule bringt“, zieht genau solche Verlässlichkeiten an. Das ist etwas anderes als die Dankbarkeit, die wir durch unserer Erziehung gelehrt worden sind. Unsere Vorfahren lernten an einen Gott zu glauben, der Undankbarkeit bestraft. Sie übten sich in Dankbarkeit, dass sie als „armselige Sünder“ von größerem Leid verschont wurden. Spätere Generationen tauschten die Bibel gegen den Knigge und lehrten uns, selbst für nicht erwünschte Gefallen „Danke“ zu sagen. In dieser Form ist Dankbarkeit nicht unbedingt falsch, aber vor allem eine gesellschaftliche Verpflichtung und Erwartungshaltung. Sie sitzt tief in uns, als automatisierter Reflex zur Abwehr von Schuldgefühlen oder weiterer Verpflichtung („Wie du mir, so ich dir“). Diese Form der Dankbarkeit entspringt oftmals tatsächlich in ihrem Kern einem Gefühl der Trennung und aus dem Zweifel, dass wir verdienen, was uns gegeben wird. Das heißt nicht, dass wir uns ab sofort als bewusste Menschen nicht mehr bei anderen bedanken sollen. Aber es lohnt sich, öfter einmal reinzufühlen: Ist das grundlegende Gefühl reine Freude - oder mischt sich diese mit einem Anflug von schlechtem Gewissen oder einem unmittelbarem Reflex zur Gegenleistung?

Sind Tiere dankbar?
„Gerade heute dankbar sein“ heißt ja, gerade DANN in einer dankbaren Grundhaltung zu bleiben, wenn die Umstände scheinbar widrig sind. Von den Zuständen, in denen sich große Teile der Weltbevölkerung befinden, einmal ganz zu schweigen, reichen hierzulande ja oft Kleinigkeiten, um uns aus dem Gleis zu werfen: Wenn nach einer schlaflosen Nacht der Tank in der Reserve steht und wir mit diesen letzten Tropfen noch die Kinder zur Schule bringen müssen. Wenn wir wieder mal von unserer Internetverbindung abgeschnitten sind und in endlosen Warteschleifen hängen, während eigentlich die Abgabefrist für den KGS-Artikel uns im Nacken sitzt. In solch einer Situation hilft es mir, mich innerlich mit unserer Katze zu verbinden: Wenn sie sich auf unserer Terrasse sonnt, ist sie dermaßen vertrauensvoll und genussvoll im reinen Sein, dass jeder Zweifel, dass alles gut und richtig ist, wie weggeblasen scheint. Sie lehrt mich, dass echte Dankbarkeit und Genuss dasselbe sind. Genuss kann Lachen und Weinen umschließen, Tun und Nicht-Tun, aber er ist nie an zukünftige oder vergangene Zustände gebunden, sondern bleibt immer ganz im Hier und Jetzt.

Kreative Lösungen
Der bereits zitierte Gregg Braden verweist uns auf die Magie des Zwischenraums, „in den das eine endet und das andere noch nicht begonnen hat.“ Zwischen Einatmen und Ausatmen gibt es einen Moment, in dem unserer Geist bereit ist, jegliche Situation ohne Urteil wahr zu nehmen. In diesem Moment wird von unserem Selbst - bewusst oder unbewusst - über den weiteren Verlauf der Gegenwart entschieden. Verschieben wir unsere Ausrichtung in diesem Moment dankbar auf die im Feld bereits angelegten positiven Lösungen, können sie in Erscheinung treten. Es braucht nicht viel Zutun, die Dinge regeln sich von selbst. Es ist eine Übungssache, aber sie wird immer besser gelingen.


Mo Feuerlein ist Kinesiologin und schamanische Heilerin in Berlin und Müncheberg. Weitere Infos auf www.lebensrad.net


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