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Ausgabe November 2016
Liebe kann jeder, oder? Von Ela & Volker Buchwald

Liebe ist in jeder Hinsicht ein besonderes Phänomen: Den einen, zum Beispiel den Sufis, gilt sie als Grundstoff allen Seins, von Therapeuten als Psycho-Aspekt von allen Seiten beleuchtet, von Dating-Portalen perfekt genutzt, von Poeten wird sie besungen…

Bei einer Brigitte-Befragung zum Thema „Was ist eigentlich Liebe“ stehen Vertrauen und Respekt an erster Stelle, gefolgt von Zuneigung und Geborgenheit; in den USA wird ein „I love you“ bedenkenlos in alle Richtungen verschickt, dafür tun sich gereifte Paare schwer damit, einander zu sagen: „Ich liebe und ich meine dich.“ Es ist schon ein sehr besonderes Phänomen, das Menschen jeden Alters, aller Kulturen und aller Zeiten bewegt. Denn: Alle kennen Liebe oder haben zumindest eine Vorstellung davon, wie es sich anfühlt, zu lieben und geliebt zu werden. Wie die Umfrage zeigt, verbinden wir Liebe mit Vertrauen und Geborgenheit, denn unsere Sehnsucht nach Bindung und Zugehörigkeit ist groß und sie bestimmt unser Dasein von Anfang an. Wir wollen lieben und geliebt werden. Keine Frage. Aber gleichzeitig wollen wir, aller Bindung zum Trotz, möglichst auch frei und ungebunden sein.
Im echten und gelebten Leben ist die Nähe schnell zu nah, das Vertrauen wackelt schnell, die Bindung engt ein und überhaupt wissen wir nicht so richtig, wieso es sich nie so anfühlt, wie wir es uns erträumen.

Alles beginnt mit Liebe
Zurück zu unserem ersten Atemzug, dahin, wie wir diese Welt betreten und inwiefern Liebe der Stoff ist, der uns von Anfang an (also möglichst schon von der Zeugung an) begleitet hat – oder eben auch nicht.
Wahrscheinlich sind sich die meisten psychotherapeutischen und spirituellen Schulen einig darin, dass wir von Beginn an mit unterschiedlichen Liebeserfahrungen zu tun haben. Und vielleicht können wir auch davon ausgehen, dass jedes Neugeborene liebenswert auf die Welt kommt. Unsere ersten Erfahrungen prägen uns. Bis in jede Zelle.
Mit anderen Worten: Unsere ersten Liebeserfahrungen schwingen in jeder weiteren Liebe mit. Gute wie schlechte. Ob wir uns geborgen, gehalten, beschützt, gesehen und geliebt fühlen, hängt auch damit zusammen, wie unsere ersten Erfahrungen damit waren. Keine Frage. Aber das ist nur der Anfang. Irgendwann kommen wir nicht mehr darum herum, die volle Verantwortung für uns zu übernehmen, gerade in Liebesdingen.
Die Sehnsucht nach Bindung ist geblieben, wir gehen auf die Suche nach der einzig wahren wunderbaren Liebe, machen Erfahrungen und stellen fest: Irgendwie will das mit der Liebe und dem Sex und der Partnerschaft und dem Traumpaar einfach nicht so richtig klappen. Dann tauschen wir vielleicht die Menschen, die Kontexte, die Beziehungsformen, die Sexualpraktiken, das Online-Portal, die Ratgeberliteratur und landen immer wieder da, wo wir eigentlich nicht hinwollen: in Beziehungskrisen und Lieblosigkeiten unterschiedlicher Art.

Liebe will gelernt sein, oder?
Kann es also sein, dass Liebe, wie alle tiefen Wahrheiten, ein Paradox in sich trägt? Dass wir fähig sind zu lieben, Liebe in uns tragen, aber trotzdem oft nicht lieben können? Kann es sein, dass wir lernen müssen (oder dürfen) zu lieben und dass der Weg immer in uns selbst beginnt? Und das der Märchenprinz nicht außen vorbeigeritten kommt, sondern mitten im eigenen Herzen sitzt – und immer schon saß?
Wenn wir von Vertrauen und Geborgenheit sprechen – meinen wir dann nicht immer die Sehnsucht nach einem Partner, der uns das alles geben kann? Der uns trägt, beschützt, verwöhnt und zu uns steht. Der dann auch noch nett, humorvoll, in Liebesdingen erfahren und attraktiv sein sollte, damit alles passt.
Was meinen wir, wenn wir sagen: Wir passen gut zusammen? Der Partner zu meinem Kinderbild von Märchenprinzessin? Kann es sein, dass wir Liebe erst wieder lernen müssen? Und dass der erste Schritt darin heißt: Liebe dich selbst, vertraue dir selbst und suche nichts im Außen, was es im Innen nicht gibt.
Und kann es sein, dass unsere gelebte Sexualität wesentlicher Bestandteil der Liebe ist und deshalb oft zum Problem wird? Weil wir nicht wissen, wie Liebe geht – und deshalb im Bett komische Sachen machen, die uns gar nicht nähren sondern einander entfremden?

Früher war alles anders - auch die Liebe?
Es ist noch nicht lange her, da wurden Ehen geschlossen, einfach um das Überleben zu sichern. Liebesgeschichten waren eher heimliche, unglückliche und wenig haltbare Nebensächlichkeiten. Und Bestandteil von romantischen Romanen. Und Opern. Liebe war ein Luxusgut, Liebe hieß Mutterliebe oder Liebeswahn.
Heute ist Liebe immer noch ein Sehnsuchtsort. Und (wie erfüllter Sex) ein Muss, beinahe ein Statussymbol, gefeiert auf großen Hochzeiten, die zeigen: Wir haben es geschafft. Und doch lassen wir uns so häufig scheiden wie nie und doch leben so viele Menschen als Singles wie nie. Da ist es wieder, das Paradoxon: Wir wollen in jedem Fall geliebt werden, wir wollen einen Traumpartner, wir wollen die große Liebe endlich finden. Und leben lieber allein.
Wir wollen unbedingt guten Sex… und haben ihn nicht.
Wir haben jede Menge Bilder von Liebe und Sex und Glück und keines davon zeigt sich in unserem eigenen Leben. Da liegt ein Fazit nahe: Wenn sich etwas ändern soll an unserer Art zu lieben und Sex zu leben, müssen wir wohl endlich damit beginnen, mehr über uns selbst zu lernen, bewusster zu werden mit dem, was in uns lebt und ruft.

Wieso gibt es eigentlich keine Liebesschulen?
Statt Mathe stünden schon bei Kindern folgende Themen auf dem Stundenplan: Achtsamkeit, Selbstliebe, Kommunikation, Vertrauensübungen und Freundlichkeit. Schon Kinder würden lernen, liebevoll und freundlich mit sich selbst zu sein und genau deshalb nicht immer nur zu wollen, sondern genug Herz zu entwickeln, Liebe zu schenken. Sie würden lernen, achtsam mit sich, den eigenen Gefühlen und Bedürfnissen zu sein und auf dieser Basis Verantwortung für sich zu übernehmen. Und sie würden dabei feststellen, dass Liebe aus Unendlichkeit besteht, nie Mangel hat – und dann zu spüren ist, wenn alle gut bei sich sind. Dann können sie sich gut begegnen. Ja, so wäre das in Liebesschulen.

Lasst uns lieben lernen
Welchen Weg wir auch immer wählen auf dem Weg zur Liebe: Jeder Schritt zu mehr Achtsamkeit, jede Meditation, die uns von Konzepten weg in unsere Realität führt, jeder Impuls, der uns hilft zu erkennen, dass wir heile und gut und durch und durch liebenswert sind, ganz genauso, wie wir jetzt gerade sind: Das ist ein Liebeslicht im Dunkel von Angst, Negtivität und Nicht-Wissen und führt uns in unser ganzes, lebendiges Leben.


Ela & Volker Buchwald unterstützen Paare dabei, Liebe und Sex entspannt, frisch und herzerfüllend zu erleben. Ihr Ansatz heißt: Entspannte Sexualität leben. Ela ist die Produzentin des Filmes „Slow Sex - wie Sex glücklich macht“, beide leben mit ihren Kindern in Bielefeld. www.einfach-liebe.de


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