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Ausgabe Oktober 2016
Beitragsreihe 2016 von Andreas Krüger Homöopathisches Heilmittel: Der Schäferhund – lac caninum. Rettet die Zärtlichkeit


H. Schäfer: Wie sieht es aus mit unserer Zeitqualität – aus homöopathischer Sicht?
Andreas Krüger: Heute möchte ich aus gegebenen Anlass über ein homöopathisches Mittel sprechen, das wie kein anderes mit unserer Heimat Deutschland zu tun hat und mit der Tendenz, dass alles, was fremd ist und über die Grenzen in unser Land kommt, mit Angst und Panik bis hin zu Hass reagiert. Ein typisch deutsches Mittel ist für mich die Milch des Schäferhundes – lac caninum. Wir hatten schon mal über die Milch des Rottweilers gesprochen, aber heute möchte ich mich auf den Schäferhund konzentrieren, weil er DER deutsche Wachhund ist, der unsere Grundstücke verteidigt und beschützt. Adolf Hitler war ein großer Schäferhund-Liebhaber, der seinen Hund über alles liebte.

Wie kommen Sie heute darauf?
Es gab im September Wahlen in Mecklenburg-Vorpommern und eine stramm rechte Partei erhielt einen Großteil der Stimmen. Die Wahlanalysen ergaben, dass sie den Wählern verspricht, Schluss mit dem Flüchtlingsproblem und der Einwanderung zu machen und die Grenzen zu schließen: „Wir sichern eure Kleingärten und wir sichern eure Parkplätze vor syrischen Asylanten.“ Die Angst vor dem Fremden, die Angst vor dem, was in uns eindringen kann, was unsere Grenze überwindet, war laut Wahlanalyse der Hauptgrund, diese Partei zu wählen. Was mich stutzig macht, ist, dass mehrere meiner Patienten in der letzten Zeit von Hitler träumen. Das sind alles keine Menschen, die AfD wählen würden – im Gegenteil – aber sie haben Angst vor der AfD und machen sich Gedanken, wohin sie emigrieren, wenn die den Bundeskanzler stellen. Lac caninum ist also nicht nur ein Mittel für Menschen, die Angst vor dem Fremden haben, sondern auch ein Mittel für die, die Angst vor denen haben, die Angst vor den Fremden haben. Heilung findet immer in der Mitte statt und Extremismus, ob in Angst vor den Extremisten oder die Angst des Extremisten, braucht meistens das gleiche Mittel.
Lac caninum hat Angst, dass die Grenzen seiner Heimat verletzt werden, hat Angst vor Überfremdung und träumt von Adolf Hitler. Ich hatte mal einen Freund, der eine lac caninum Arzneimittelprüfung machte und anschließend ein Jahr lang von Adolf Hitler träumte. Nicht dass er Hitler sei, sondern sein Butler, sein Friseur, sein Schäferhund oder Eva Braun – er hat die ganzen Teilpersönlichkeiten um diesen Aspekt Adolf Hitler gebaut.

Wann ist lac caninum in Ihr Leben gekommen?
Zur Zeit der Wiedervereinigung war ich in einem Seminar, in dem es darum ging, den eigenen Schatten zu durchlichten, damit man Patienten helfen kann, ihren Schatten zu durchlichten. Meine Kollegen erzählten, was sie alles für schreckliche Schatten hätten und ich saß nur da und dachte: „Ich hab‘ keine Schatten. Bei mir darf jeder kommen und bei mir darf jeder sein.“ Dann haben wir eine Trance gemacht, bei der ich lauter Neonazihorden erlebte. Dazu muss ich sagen, dass bei mir nach der Wende die Angst vor Neonazis sehr groß war – besonders wenn ich sah, wie Neonazis einen Ausländer prügelten und ich zu feige war einzugreifen, weil ich Angst hatte, dass sie mich auch verprügeln. Damals lernte ich eine sehr effektive Selbstverteidigungstechnik, um mich in solchen Situationen nicht verschämt zurückziehen zu müssen, sondern mit der Chance zu überleben eingreifen kann. Zu der Zeit habe ich auch lac caninum genommen und seitdem bin ich nie mehr in solche Situationen gekommen. Aber in dem Seminar während der Trance wurde mir auf einmal klar, dass ich Hass gegen Neonazis verspürte und damit auch einen Schatten habe. Mein Lehrer empfahl mir, jeden Tag eine Meditation „liebende Güte mit meinem inneren Neonazi“ zu praktizieren.
Auffällig war, dass nach meiner Einnahme von lac caninum auf einmal nacheinander vier junge Männer mit Springerstiefeln, Lederjacke und T-Shirt „Ich bin Deutschland“ in meiner Praxis auftauchten, die von ihren Müttern geschickt wurden. Ich glaube, dass lac caninum auch ganz stark von einer Vaterlosigkeit geprägt wird. Es gibt das Buch von Alexander Mitscherlich „Die vaterlose Gesellschaft“, in dem er beschreibt, dass sich die Position des Mannes nach dem 2. Weltkrieg nie wieder erholt hat. Es gab viele starke Frauen nach diesem Weltkrieg und heute werden wir schon viele Jahre von einer starken Frau regiert. Ich finde, unsere Politik ist von starken Frauen durchdrungen – die Verteidigungsministerin ist eine Frau und außerdem Mutter vieler Kinder. Dagegen gibt es wenige starke, charismatische Männer wie z.B. Willy Brandt oder Helmut Schmidt. Ich glaube, dass das viel Unsicherheit und Angst in die Menschen bringt, weil der gute Vater fehlt, der sie behütet.

Aber wenn wir vor der AfD Angst haben, geben wir ihr ja Macht.
Deshalb müssen wir ihr klar und deutlich gegenübertreten und dürfen keine Angst haben. Und um vor diesen Kräften keine Angst mehr zu haben, ist die Voraussetzung, dass man diese Kräfte in sich selbst angenommen, integriert und verwandelt hat und da ist lac caninum eine große Hilfe – besonders wenn in der Anamnese eine starke Mutter und ein eher schwacher oder abwesender Vater vorkommt. Ein wirklich sicherer Mensch hat keine Angst, wenn eine Millionen Flüchtlinge kommen. Nach dem 2. Weltkrieg gab es ca. sechs Millionen Flüchtlinge und damals hatten wir auch keine Angst vor denen, obwohl unsere Situation schlechter war als heute. Die heutige Angst hat mit nativer Verunsicherung in uns zu tun. Diese Verunsicherung kann lac caninum mit heilen. Und eine weitere wunderbare Möglichkeit ist der Haka-Tanz, der Kriegstanz der Maoris.

Es tauchte immer wieder das Thema Mann-Frau auf. Was bedeutet das für private Beziehungen?
Lac caninum ist ein Mittel für Männer, die Angst vor Frauen haben und aus dieser Angst anfangen, Frauen zu unterdrücken oder sich „schwache“ Frauen als Partnerinnen zu suchen. Frauenhass und Frauenunterdrückung durch eine dominante Mutter und vaterlose Jugend ist eines der wichtigsten lac caninum-Symptome. Ich finde es auch politisch interessant, denn wie soll eine Gesellschaft gleichberechtigt sein, wenn es so viel Angst von Männern vor Frauen gibt, die in letzter Konsequenz dann zur Dominanz der Männer gegen Frauen führt. Nur Männer, die Angst vor Frauen haben, dominieren Frauen.

Fazit:
Mögen wir ganz viel Mut Dank lac caninum in diesem Land haben und mögen wir Sicherheit finden, dass wir das machen können, was einer meiner Lieblingssätze von Che Guevara ausdrückt: „Solidarität ist die Zärtlichkeit der Völker.“ Um diese Solidarität leben zu können, darf man keine Angst vor dem Fremden haben. Generell kann jemand, der Angst hat, nicht zärtlich sein. Die Zärtlichkeit ist ein Ausdruck menschlichen Mutes. In diesem Sinne: „Rettet die Zärtlichkeit!“

Andreas Krüger ist Heilpraktiker, Schulleiter und Dozent an der Samuel-Hahnemann-Schule in Berlin für Prozessorientierte Homöopathie, Leibarbeit, Ikonographie & schamanischer Heilkunst. Sein Buch über die homöopathische Heilkunst „Heiler und heiler werden – Gespräche über die Heilkunst“ erschien im Verlag Simon + Leutner. Weitere Informationen: www.Samuel-Hahnemann-Schule.de


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