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Ausgabe September 2016
Den Kampf beenden. Machen Sie Schluss mit dem „Ja,aber“. Von Hartmut Müller


Wenn Sie die Beziehung zu einem Mitmenschen über lange Zeit erhalten wollen, vielleicht sogar retten müssen, ist ein wichtiger Rat unter anderen: Hüten Sie sich vor dem kleinen Wörtchen „aber“! Mit „Aber“ kann man jede Beziehung unerträglich machen und töten.
Folgen Sie mir auf meinen Dachboden. Hier auf dem Dachboden steht eine Tischtennisplatte. Und da spielen die beiden flinken Chinesen Ping und Pong den Ball von einer Seite zur anderen. Und sie spielen geschickt und kraftvoll, und keiner gibt auf. Ja, aber - ja, aber - ja, aber …
Kein Argument, für das kein Gegenargument gefunden würde. Keine Abmachung, die man nicht falsch verstehen oder in Zweifel ziehen könnte. Kein Standpunkt, der nicht auch vom Gegenteil her gesehen werden könnte. Kein guter Vorschlag, der nicht sofort zerredet werden könnte. Kein Problem, das man nicht unverzüglich auf die lange Bank schieben könnte. Oh, sind die beiden fleißig und trickreich… Doch das nimmt uns Kraft, macht atemlos, bringt unsere Beziehungen auseinander und lässt uns einsam zurück. Was können wir tun, damit dieses ewige Argumentieren in unseren Partnerschaften, in unseren sozialen Beziehungen aufhört und ebenso das „Ja, aber“ in unseren eigenen Köpfen?
Die Antwort ist einfach: Identifizieren Sie sich nicht mit Ping oder mit Pong. Verzichten Sie jedenfalls für diesen Augenblick darauf Recht zu behalten - und hätten Sie auch die besten Argumente der Welt. Treten Sie von der Tischtennisplatte zurück! Werden Sie Zuschauer. Stellen Sie sich die Fragen: „Was mache ich hier gerade? Was geschieht hier mit mir, mit uns? Ist es das, was wir wollen? Atmen Sie bewusst tief ein, um mehr Kraft zu haben. Und wieder ausatmen, um sich von der Verwicklung zu lösen. Dann heftig oder ganz ruhig lassen Sie den Ball von der Tischtennisplatte herunter springen.
Vom Dachboden hinunter gibt es eine Treppe. Und plopp, plopp, plopp hüpft der Ball treppab - aus dem Oberstübchen mitten ins Herz. Plopp: Keine Argumente aus der Vergangenheit, wie: „Das war schon immer/ noch nie so.“ Oder: „Neulich hast du doch gesagt…“
Plopp: Keine Argumente aus der Zukunft, wie zum Beispiel: „Das muss aber endlich passieren.“ Oder: „Das wird ja nie etwas.“ Und Plopp: Kein Vergleichen. „Andere können das vielleicht, aber du?“
Im Herzen gibt es das alles nicht. Wir werden still miteinander. Das wird jetzt jeder erst einmal akzeptieren müssen. Was ist jetzt mein, dein, unser Bedürfnis? Welche Bedürfnisse stehen dahinter? Welcher Schritt kann jetzt in gemeinsamer Abstimmung gegangen werden? Hier, im Herzen, herrscht Interesse am anderen und das Ziel ist Verständnis und Verbundenheit.
Antworten Sie ihm aus Ihrem Herzen, spielen Sie nicht Ping und Pong! Erst für sich selbst und dann auch gemeinsam können Sie „Aber“ durch „Und“ ersetzen. Sie werden erleben, wie Spannung weicht und Verbundenheit wächst. „Wir wollen anfangen, aber Lisa ist nicht da.“ – Hilflosigkeit, Ärger. „Wir wollen anfangen und Lisa ist nicht da.“ – Aha, Tatsache. Und was machen wir jetzt? „Ich würde gerne tanzen gehen, aber du willst ja nicht mit.“ – Beschuldigung, Machtlosigkeit. „Ich würde gerne tanzen gehen und du willst nicht mit.“ – Was können wir da für jeden von uns tun?
Dies anzuwenden, wird viel Aufmerksamkeit erfordern. Wollen Sie es versuchen? Bleiben Sie dabei! Sie werden erstaunt sein, wie groß der Unterschied sein wird, den Sie so erreichen werden.

Der Autor Hartmut Müller ist Heilpraktiker für Psychotherapie mit eigener Praxis in Berlin und Sachbuchautor, zuletzt: „Frag den Fuchs! Der Weg zu Ruhe Kraft und Wohlgefühl“. Er leitet Trainings zum Thema „Bedingungslos leben“.

Buchtipp:
Hartmut Müller, Frag den Fuchs! Der Weg zu Ruhe, Kraft und Wohlgefühl, 124. S., Hardcover, Tao.de


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