aktuelle Seite: ARCHIV   
Jahr:
2019 | 2018 | 2017 | 2016 | 2015 | 2014 | 2013 | 2012 | 2011 | 2010 | 2009 | 2008 | 2007 | 2006 | 2005 | 2004 | 2003 | 2002 | 2001 |

Ausgabe Juni 2016
Beitragsreihe 2016 von Andreas Krüger Homöopathisches Heilmittel: Belladonna - die Tollkirsche. Damit wir unser Feuer leben können.


H. Schäfer: Wir bewegen uns ja im Fluss der Zeitqualität. Was steht gerade an?
Andreas Krüger: Ich möchte heute Belladonna besprechen – die Tollkirsche. Es ist ein Mittel für Frauen, besonders auch für junge Frauen, die die Kraft ihrer Hexe wirklich leben und zünden wollen, in einer Gesellschaft, wo es eher verpönt ist und nicht anerkannt wird und wo durch christliche Kirche und bürgerliche Zwangsmoral immer noch unterdrückend auf Frauen eingewirkt wird, die ihre Vitalität und Feurigkeit voll manifestieren und im Grunde in die Welt hinaus tragen wollen.
Belladonna ist eins der wichtigsten Mittel für feurige Menschen, die in ihrem Feuer immer wieder unterdrückt oder niedergehalten werden, die in ihrem Feuer immer wieder in dieser Gesellschaft scheitern müssen und da sind wir gleich beim ersten Symptom: Folge von Scheiterhaufen. Im Scheiterhaufen ist etymologisch nicht das „Scheitern“ drin, weil der Scheiterhaufen mit den Holzscheiten zu tun hat, aber rein metaphorisch ist es der Haufen, auf dem etwas scheitert – nämlich die Freiheit von Frau, vom Mädchen, die Wolllust von Frau, die Magie und Autonomie von Frau – die ist auf Scheiterhaufen Tausende von Malen gescheitert und verbrannt worden.

Wie kommt Feuer im positiven Sinne in unser Leben?
Durch Fieber. Als Kinder bekommen wir Fieber. Meine Tochter ist jetzt 30 Jahre alt und hat noch nicht ein Mal Antibiotika gekriegt, aber als Kind sehr oft Belladonna. Sie hatte ein bis zwei Mal im Jahr heftiges Fieber, wurde heiß und rot, worauf ich ihr Belladonna gab und jedes Mal, wenn das Fieber vorbei war, stand sie auf und konnte entweder besser sprechen oder besser laufen oder besser rechnen. Sie wurde mit jedem Fieber kraftvoller. Heute werden fiebernde Kinder mit Iboprophen oder Antibiotika behandelt, die das Fieber unterdrücken. Belladonna ist im frühkindlichen oder sogar schon im Babyalter das Mittel, das uns hilft, unser Feurigsein gut zu begleiten.
Jürgen Becker passierte es einmal, dass ihn ein Patient anrief, weil seine sechsjährige Tochter hohes Fieber hatte. Es stellte sich heraus, dass sie sich heftig verliebt hatte und Belladonna ist auch ein Mittel für die ersten Lieben. Jürgen Becker hatte kein Belladonna und das Wetter war auch nicht so angenehm, um einen Hausbesuch zu machen, also fragte er, ob der Vater den Erlkönig zu Hause hatte. Den hatte er und bekam die Empfehlung: „Nehmen Sie Ihr Kind auf den Arm, machen Sie das Fenster auf und tanzen Sie wild zur Erlköningmusik mit Ihrem fiebernden Kind.“ Eine Stunde später kam der Rückruf: „Ich habe Ihren Rat befolgt und das Fieber meines Kindes ist verschwunden.“
Im Erlkönig zeigt sich ganz stark eine Belladonna-Problematik. Belladonna ist das Mittel für die erwachende Sexualität, für das Erwachen des Feuers, aber auch für das Erwachen der Magie. Und es ist das Mittel für alle Krankheiten, die dadurch auch entstanden sind, dass diese Magie und dieses Feuer scheitern musste. Ich bin ein gutes Beispiel, denn ich habe mit drei Jahren nachts immer wieder Tote gesehen, habe mich sehr geängstigt und geschrien und meine Eltern sind mit mir in der dritten Nacht zum Arzt gegangen. Der gab mir ein Schlafmittel, was bewirkte, dass ich keine Toten mehr sah, aber 25 Jahre lang unter Migräne litt.
Belladonna ist also auch ein wichtiges Mittel bei Migräne?
Ja, bei pulsierender, platzender Migräne in Folge unterdrückter Magie, unterdrückter Hellsichtigkeit und unterdrückter frühkindlicher sexueller Impulse. Im Erlkönig wird deutlich, dass das Kind übersinnliche Wahrnehmung hat: „Mein Vater, mein Vater, jetzt fasst er mich an, der Erlkönig.“ Da sind Geister und Dämonen im Spiel. Wenn man jetzt eingreift und die Eltern sagen: „Mein Kind, ich hole meine hilfreichen Geister und die kümmern sich, dass du sicher bist.“, dann würden auch keine Fieberkrämpfe entstehen.

Und was macht der Vater im Erlkönig?
Er sagt: „Mein Kind, mein Kind, es ist ein Fiebertraum, mein Kind, mein Kind, es stimmt nicht – du spinnst, es ist nur ein Nebelschweif.“ Und dann sagt das Kind: „Nein Vater, er fasst mich an!“ Und dann sagt der Vater wieder, dass das alles nicht stimmt. Und als der Vater den Hof erreicht, ist das Kind tot.

Eine schreckliche Geschichte. Gibt es noch weitere signifikante Symptome für Belladonna?
Belladonna ist auch ein Mittel für frühkindlichen Missbrauch, weil die Kinder den Missbrauch nicht real benennen, sondern sie drücken es metaphorisch aus, was von den Eltern meist nicht wahrgenommen wird. Und dann kollabiert das System des Kindes und flüchtet in Krankheit, Migräne, Fieber, Schlaflosigkeit und später in hohen Blutdruck bis hin zum Schlaganfall. Wenn das Feuer unterdrückt wird, sucht es sich einen anderen Weg.
Eine urschamanische Technik, die ich als Wolfs-Avokant anwende, ist das Heilbeißen. Ich beiße Menschen zu Heilzwecken, was eine unbeschreibliche Wirkung hat. Beißen ist oft tabuisiert. Belladonna ist ein Mittel für Kinder, die gerne und oft gebissen haben und denen dann das Beißen verboten wurde. Beißen ist aber einer der Urausdrücke für Kraft, für Verteidigung und auch für Lust. Säugetiere beißen sich ganz oft aus Lust. Man weiß, dass bei Säugetierweibchen im Nacken die Reflexzonen für den Uterus liegen und wenn sich Säugetiere in den Nacken beißen, kommt es dadurch tatsächlich zu Uteruskontraktionen, d.h. die Wahrscheinlichkeit, dass ein Weibchen, das in den Nacken gebissen wird, den Samen des Männchens besonders stark aufsaugt, ist um ein Vielfaches höher, als wenn das Weibchen nicht gebissen wird.
Wenn Kinder beißen und das Beißen wird unterdrückt und danach treten Krankheiten wie psychische Irritationen, ADHS oder Fieber auf, immer an Belladonna denken und vielleicht den Eltern Rituale empfehlen, wo das Kind ritualisiert beißen darf, indem man dem Kind ein Beißholz gibt oder man animiert es, in den Teddy zu beißen. Hingegen macht die Ansage: „Du darfst nicht beißen“ eine Zwangspazifizierung, die bei Kindern oft böse Folgen hat. Also, das Verlangen zu beißen ist ein wichtiges Belladonna-Symptom und wir kennen ja aus der Homöopathie die Schattengeschichte: Was ich selbst nicht darf, das tabuisiere ich im außen und davor habe ich im außen Angst. Dafür steht bei Belladonna große Angst vor Hunden. Ich habe schon oft erlebt, dass ich ganz friedlichen Kindern Belladonna gegeben habe, die Angst vor Hunden hatten und dann kamen die Eltern und sagten mir, dass das Kind keine Angst mehr vor Hunden hatte, aber jetzt die Eltern beißen würde. Das ist ganz typisch: Das, was bei uns nicht sein darf, das darf auch bei andern nicht sein. Das geht auch in den sexuellen Bereich – Belladonnakinder haben manchmal so überfallartige sexuelle Impulse, indem sie die Tante anspringen und sie in den Nacken beißen, während sie sich an ihr rubbeln. Da muss man gucken, dass man gute Wege findet, wo das Kind sein darf, wie es ist, ohne unterdrückt zu werden und dann kann man dem Kind auch im Grunde Wege aufzeigen, wie es in dieser Gesellschaft zurecht kommt. Bei unseren Schamanentagen sehe ich immer wieder, was passiert, wenn Kinder in diese magische Welt hinein dürfen. Gerade die Kindheit braucht den Schamanismus. Meine Mitarbeiterin Heidi Baatz hat zwei wunderbare Söhne, die am Anfang des Seminars jedem neuen Teilnehmer ein Krafttier gesucht und eingeblasen haben – und durchaus erfolgreich.

Fazit?
Wage es, sinnlich zu sein, und wage es, magisch zu sein!

Andreas Krüger ist Heilpraktiker, Schulleiter und Dozent an der Samuel-Hahnemann-Schule in Berlin für Prozessorientierte Homöopathie, Leibarbeit, Ikonographie & schamanischer Heilkunst. Sein neuestes Buch „Heiler und heiler werden“ erschien im Verlag Simon + Leutner.


Weitere Informationen werden im Archiv nicht angezeigt.