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Ausgabe Dezember 2015
Das Erd-Element. Im Wandel der 5 Jahreszeiten. Von Bernd Monecke

In der Chinesischen Medizin wurde das Erd-Element ursprünglich nicht zwischen Feuer- und Metallelement, sondern in der Mitte aller vier anderen Elemente dargestellt. Mit dem Erdelement stärken wir unsere eigene Mitte und schaffen dabei die Basis für Gesun

Dem Erdelement kommt eine zentrale Rolle zu, weil es mit der Verdauungsfunktion von Magen und Milz lebensnotwendig für alle anderen Organe ist. Eine gute Ernährung, angepasst an die eigenen Bedürfnisse, und die Stärkung des Erdelementes in allen Jahreszeiten sind daher ein wichtiges Element der TCM-Gesundheitsberatung. Aus der Mitte, über den Nabel, wird auch das ungeborene Kind von der Mutter versorgt. Gleichzeitig setzt sich im Erdelement die Verbindung von Mutter und Kind in der Ahnenlinie fort.

Verdauung und Integration
Aus TCM-Sicht nimmt der Magen die Nahrung auf und die Milz verdaut. Auch Sinneswahrnehmungen müssen von der Milz verarbeitet werden. Da wir in unserer Gesellschaft eine Überreizung der Sinne erleben, uns zu viel sorgen, in Gedankenspiralen kreisen und uns oft mangelhaft ernähren, ist die Milz bei vielen Menschen geschwächt. Deshalb ist eine Milz-Qi-Schwäche eines der häufigsten TCM Krankheitsbilder in unserer Gesellschaft: zu erkennen ist es bei Menschen, die gerne Süßes essen, immer nörgeln und zwanghaft über ihre Probleme sprechen. Typisch sind Magen-Darm- und Blutgefäß-Erkrankungen, Nebenhöhlenentzündungen, Müdigkeit, Trägheit und Stoffwechselstörungen.
Menschen mit gesunder Milzenergie ruhen in ihrer Mitte. Sie sind mitfühlend, hilfsbereit, herzlich und offen und wissen, was sie wollen. Sie können enge und verbindliche Beziehungen eingehen, ohne sich selbst dabei zu vergessen. Was stärkt das Erdelement? Selber Kochen, Singen, statt Input von Zeitung und Fernsehen eine Auszeit in der Natur einbauen, sich mit den eigenen Wurzeln beschäftigen. Generell geht es darum, die Kräfte zu sammeln und nach Innen zu richten. Vor allem auch gutes Essen stärkt die Erdenergie. Wichtig dabei ist allerdings das richtige „Maß“: Wenn wir zu viel, zu schnell, zu spät oder einfach für uns das „Falsche“ essen, schwächt dies die Magen- und Milzenergie. Ebenso können zu viele Sorgen und Gedankenspiralen irgendwann zu Depressionen, Trägheit und Lethargie führen, und körperlich zu Magen-Darm- und Blutgefäß-Problemen.

Leben mit den Jahreszeiten
In jeder Jahreszeit gibt es bestimmte Aktivitäten, die das zugeordnete Element und damit auch die diesem zugeordneten Organe besonders stärken - wobei die Organe im Kontext der Chinesischen Medizin den westlichen nicht unmittelbar gleichzusetzen sind: Im Frühjahr (Holzelement) drängt uns unsere Bewegungslust nach draußen, zu sportlichen Aktivitäten. Kommt das Qi in Bewegung, fördert das die Energie von Leber und Gallenblase - den Organen, die dem Frühjahr und damit dem Holz-Element zugeordnet sind. Gerade die Leber neigt nach einem kalten Winter dazu, ihre Energie aufzustauen. Das kann dann zu einer größeren emotionalen Gereiztheit bis hin zu diversen Schmerzen im gesamten Körper führen.
Im Hochsommer (Feuerelement) genießen wir die Natur, treffen uns mit Freunden und lieben es, ausgelassen zu feiern. In Maßen und zur richtigen Jahreszeit stärkt dies die Herzenergie, die dem Feuerelement zugeordnet ist. Wenn wir allerdings zu viel feiern und zu viele Außenkontakte pflegen, kann das wiederum unsere Herzenergie schwächen. Das kann wiederum zu schlechtem Schlaf, Konzentrationsmangel, Müdigkeit, Depressionen oder Kreislaufbeschwerden führen.
Das Erdelement ist im Jahreszyklus dem Spätsommer zugeordnet. Es ist die Zeit der Ernte. Die Tiere sammeln Vorräte. Und auch wir Menschen tun gut daran, unsere Energie jetzt zu sammeln im Hinblick auf die kalte Jahreszeit. Nachdem wir im Feuerelement - im Hochsommer - uns sehr nach außen orientiert haben, geht es im Spätsommer, der so genannten fünften Jahreszeit, darum, unsere Kräfte zu sammeln. Auf dem Land erleben wir die Vorbereitung auf den Winter beim Früchteeinkochen und beim Holzhacken. Aber auch in der Stadt, wo wir die Natur nicht mehr so stark erleben, ist es ratsam, mit der Energie der Jahreszeiten zu gehen.
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Zuordnungen des Erd-Elements
Jahreszeit - Spätsommer/Zentrum
Klima - Feuchtigkeit
Emotion - Mitgefühl
Stimmung - Harmonie
Geschmack - süß
Vorzüge - durchdacht
Nachteile - phlegmatisch
Farbe - Gelb
Körpergewebe - Bindegewebe
Speicherorgan - Milz/Pankreas
Hohlorgan - Magen
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Im Spätsommer und Winter bedeutet dies, mehr bei sich und der eigenen Mitte anzukommen.
Wir tun wohl daran, unsere Aktivitäten mehr nach innen zu richten und uns wieder mehr um unser eigenes körperliches und seelisches Wohlergehen zu kümmern: Lecker und gesund zu kochen und zu essen, einfach mal nichts zu tun und auszuruhen, um alles Erlebte zu verdauen. Dabei geht es darum, uns im wahrsten Sinne des Wortes wieder „zu erden“.

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Tipps zur Selbsthilfe
Bei Verdauungs- und Menstruationsbeschwerden hilft es, den Punkt Milz 6 zu halten. Dieser liegt eine Handbreit über dem Fußinnenknöchel am Schienbeinrand. Der Punkt soll in den letzten beiden Schwangerschaftswochen nicht gehalten werden.
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m Herbst (Metallelement) haben wir zunehmend das Bedürfnis, uns zurückzuziehen. Wir sehnen uns danach, uns unseren Raum zu nehmen und uns z.B. mit einem inspirierenden Buch zu verkrümeln; oder wir fangen an, aufzuräumen und Dinge im Haushalt zu ordnen und zu klären - sprich, unser Nest einzurichten. Solche Aktivitäten stärken das Metallelement und damit die Lungenenergie. Fällt es uns schwer, uns unseren Raum zu nehmen und uns abgrenzen, ist das ein Zeichen für eine schwache Lungenenergie.
Entsprechend der emotionalen Themen können dann auch Körpersymptome, wie eine schwache Abwehr, Erkältungen, Allergien, Haut-und Schleimhautprobleme auftreten. Auch der Dickdarm ist dem Metallelement zugeordnet. Wenn wir Dinge oder Menschen schwer loslassen können, ist dies ein Schwächezeichen für die Dickdarm Energie.
Im Winter (Wasserelement) sind wir froh, mit einer warmen Suppe am Ofen zu sitzen oder in der heißen Badewanne zu versinken. Wir gehen früher ins Bett und schlafen länger aus. All dies freut unsere Nieren- und Blasenenergie, die dem Wasserelement zugeordnet ist. Wenn wir im Winter viel Stress haben und uns verausgaben, schwächen wir die Nierenenergie. Dann entstehen schnell Ängste, wie z.B. den Alltag nicht mehr zu bewältigen, was dann noch weiter schwächt. Auch Gelenk-, Nerven- und Sexualitätsprobleme, bis hin zu Blasen- und Nieren-Krankheiten, Burn-Out und Depressionen können auftreten. Wer tiefer in ein Leben im Einklang mit den Fünf Jahreszeiten eintauchen möchte, ist bei meinen Fünf-Elementetagen und -abenden, mit viel TCM-Erfahrungswissen, Übungen und schamanischen Traumreisen (siehe unten) willkommen.

Geschenk der Natur
Leider nehmen wir uns meist nicht mehr die Zeit und den Raum, unseren natürlichen Bedürfnissen im Wandel der fünf Jahreszeiten nachzugehen oder diese überhaupt erst wahrzunehmen. Wir stehen unter sozialem und materiellem Leistungsdruck. Wir verbringen die meiste Zeit in Betongebäuden und Metallfahrzeugen und immer weniger Zeit in der Natur. Jede Jahreszeit birgt ihre Schätze und Geschenke an uns. Jede Jahreszeit gebiert die Energie für die nächste, auch in uns. Wenn wir uns die Zeit und den Raum nehmen, hinzuhören und mit den Rhythmen der Jahreszeiten zu leben, ist dies gleichzeitig auch ein Geschenk, welches wir Mutter Erde machen. Wir bleiben gesund, leben erfüllter und finden immer tiefer zu unserer inneren wahren Natur.


Der Autor Bernd Monecke ist seit über 20 Jahren Heilpraktiker mit dem Schwerpunkt Chinesische Medizin und Reikilehrer in eigener Praxis in Berlin. Er gibt TCM Seminare zu den Fünf Elementen in Verbindung mit schamanischer Arbeit. Weitere Infos auf www.bambuspraxis.de


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