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Ausgabe Dezember 2015
Seelenschmelze. Durchbruch in eine neue Wirklichkeit. Von Dasho

Das Auftauchen von Erfahrungen aus einem früheren Leben ist sicherlich nichts Alltägliches und doch kann es geschehen - und sogar zu ganz neuen Lebens-Perspektiven führen. Davon kann Dasho in seinem Beitrag berichten.

Ich kann mich noch sehr gut daran erinnern, es war vor 16 oder 17 Jahren in meiner damaligen kleinen Friedrichshainer Wohnung im Hinterhaus. Ich machte seit vielen Jahren bereits Therapien und Selbsterfahrungskurse und Seminare, um, wie ich damals noch glaubte, „nur“ meine oft gewaltsame und traumatisierende Kindheit aufzuarbeiten, zu heilen, zu transformieren. Ich merkte nicht, dass ich mich bereits auf einem zutiefst spirituellen Pfad befand. Alle Phänomene und Gaben, die sich mir zeigten, wurden entweder als total normal abgetan oder schlichtweg als solche ignoriert. Wenn man mich damals zu Amerika als Land befragte, so gab es in mir eine große Ablehnung.
Zu dieser Zeit interessierte ich mich sehr für die Kelten und ihre Art zu leben, mit der Natur zu sein, Rituale zu begehen, welche ich sehr gern mit Freunden ganz simpel begehend, meist an meinem Heimatfluss genoss. Irgendwann war die Liebe zu den Kelten, auch durch viele Reisen nach Cornwall, so intensiv geworden, dass in mir der Wunsch bestand, mir auch eine Bódhran - eine keltische Rahmentrommel - zu kaufen, damals noch mit dem starken inneren Bild, mich dann wie ein wilder Kelte fühlen zu können, weil mich gerade die Trommeln in keltischer Musik und in Filmen sehr berührten. Zum Glück gab es in Berlin einen Laden nur für diese Art von Trommeln und ich fand eine sehr schöne Trommel aus Ziegenhaut - ein sehr mystischer Klang, weil sie sehr viele unterschiedliche Töne auf einer Trommelfläche vereint.
Mir war auch irgendwie klar, dass ich keinen Trommelunterricht nehmen, sondern selbst spielen lernen wollte. So saß ich dann sehr oft in meinem Wohnzimmer nach Feierabend oder am Wochenende und wurde immer vertrauter mit ihr, mit dem Klang, die Art zu spielen - bis ES irgendwann mit dem Trommeln ganz gut floss. Ich merkte auch, dass ich so knapp drei Monate fast keine anderen Interessen in meiner Freizeit hatte, als mit meiner Trommel zu sein. Dann eines Abend, sehr lebendig in meinem Erinnern, kam plötzlich eine innere Stimme, die sagte „Fang an zu singen mit der Trommel“ - ich war etwas irritiert, weil ich weder irgendwelche Trommellieder kannte, noch wusste, in welcher Sprache ich singen soll/will.
Die innere Stimme wiederholte die Aufforderung und ich spürte etwas Angst in mir, zu singen - dennoch kamen langsam Töne aus mir heraus und aus diesen Tönen wurde so etwas wie eine Sprache, die für mich sehr nach den nordamerikanischen Indianersprachen klang ... dann wurde der Gesang immer fließender und intensiver, ES sang mich, so wie ES mich schon lange trommelte.
Nach einer unsagbaren Zeit geschah etwas in mir, was so plötzlich über mich hereinbrach, auch, weil ich mich bis dahin für sehr bodenständig und nicht spirituell empfand (dies waren für mich damals noch zwei verschiedene paar Schuhe) und weil ich schon gar nicht an etwas wie eine Reinkarnation glaubte oder dies für möglich hielt. In mir tauchte plötzlich ein ganz klarer Film auf, ich sah das weite amerikanische Land Nordamerikas und mich selbst als einen Schamanen, der im Wald Kräuter sammelte. Ich sah auch, dass es die Zeit der Besiedelung durch die Weißen war, weil ich einen typischen Wagentrack sah und dann traf es mein Herz wie einen Schlag. Ich sah mich, wie ich zu meinem Stamm in unser Lager zurückkam und alle meine Leute waren hingerichtet worden. Ich weinte - im inneren Film wie auch in meiner Wohnung in Berlin. Tränenbäche stürzten aus mir heraus, wie ich noch nie weinte und ich sah, wie ich all meine Leute beerdigte und für sie sang.
Nachdem all dies für eine lange Zeit erlebt wurde, hörte ES auf zu trommeln, mein Gesang verstummte und ich sank in eine tiefe, leicht aufgewühlte und dennoch friedliche Erschöpfung und Entspannung.
Kurze Zeit später realisierte ich langsam, was geschehen war, aber es brauchte noch sehr lange, bis ich es wirklich integrieren konnte. Das lag zum einen an meinem damaligen Misstrauen mir selbst gegenüber und diesem doch außergewöhnlichen Erlebnis, zumal zu der damaligen Zeit der Schamanismus weit entfernt davon war, wieder ins Bewusstsein der Menschen zu gelangen, wie es heute erfreulicherweise oft der Fall ist. Und der andere Aspekt, mit dem ich selbst und auch oft bei Klienten zu tun habe, ist die Tatsache, dass Seelenverluste immer traumatische Ursachen haben, etwas, das zum damaligen Leben nicht oder nicht vollständig verarbeitet und integriert werden konnte. Und wie ich in meiner Seelenschmelze-Praxis sage:
Die Seele tickt immer ganz einfach, d.h. wenn Seele etwas Traumatisches erfährt, führt sie es zusammen mit dem Ereignis, in dem es geschieht und sagt dann ganz klar: „Finger weg davon!“
In meinem Fall bedeutete das, „nie wieder Schamane zu sein und nie wieder für viele Menschen heilsam zu dienen.“ Es brauchte noch weitere 2 Jahre, bis ich diese Erfahrung soweit integriert hatte, dass mich meine Seelenentwicklung und die Re-Integration meines nordamerikanischen Schamanen dazu führten, wieder als Heiler und Transformierer zu dienen.
Heute, nach 13 Jahren Seelenschmelze-Praxis, bin ich sehr froh, mich diesem Weg hingegeben zu haben und habe über die Jahre des Fortschreiten auf dem nunmehr klaren spirituellen Pfad noch einen japanischen Mönch, einen tibetischen Khenpo, einen Inuit-Schamanen, einen italienischen Heiler in meine Seele wieder heimgeführt und unzähligen Menschen durch meine Horizonterweiterung und Anerkennung meiner alten Gaben vor vielen Jahren ebenfalls mit meinen Seelenheimholungen zu dienen vermocht.
Wie eine Frau letztens so schön sagte: „Es ist erstaunlich, wie präzise du die einzelnen Länder und Kulturkreise erspürst, in denen die Seele einen Verlust erlitten hat.“
Ich weiß, dass dies nur durch die Hingabe, Integration und Bejahung meiner damaligen Erfahrung möglich wurde und weiß seitdem, dass sich Seelenverluste auf ganz vielen Wegen zeigen können.



Der Autor Dasho ist der Begründer der Seelenschmelze-Arbeit. Er entwickelt neue, zeitgemäße Transformationsrituale und gibt Einzelsitzungen, Seminare und offene Seelenschmelze-Kreise in seiner Praxis in Berlin-Schöneberg. Weitere Infos auf www.dasho.de


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