aktuelle Seite: ARCHIV   
Jahr:
2019 | 2018 | 2017 | 2016 | 2015 | 2014 | 2013 | 2012 | 2011 | 2010 | 2009 | 2008 | 2007 | 2006 | 2005 | 2004 | 2003 | 2002 | 2001 |

Ausgabe Oktober 2015
Beitragsreihe 2015 von Andreas Krüger Homöopathisches Heilmittel: Naja – die Brillenschlange

Lieben wie eine Königin

H. Schäfer: Über welches Mittel wollen wir heute sprechen?
Andreas Krüger: Heute möchte ich über Naja – die Brillenschlange sprechen. Mit diesem Mittel habe ich mich viele Jahre intensiv auseinandergesetzt und es oft mit gutem Erfolg verschrieben. In meinem Leben gibt es ja ein sehr großes Thema: Wie können wir Menschen miteinander in Beziehung leben auf eine Art und Weise, dass unser Planet daran wachsen und sogar heilen kann und nicht so, wie ich es gerade gesamtgesellschaftlich erlebe, dass es eher den Bach runtergeht und Krankheit, Depression und Unheil entsteht? Mich interessiert, wie Beziehungen funktionieren. Wie leben Menschen in Beziehungen? In Charlottenburg sind 40% aller Frauen Single. Bei Ehen, die länger als 25 Jahre dauern, ist der Hauptgrund Angst. Wenn man sich das anguckt, fragt man sich doch, was an dem Beziehungsmuster nicht stimmt. Diese Frage habe ich mir mein Leben lang gestellt, weil ich durchaus die Wahnidee habe, die Welt mit zu retten. Ich habe aber durchaus gemerkt, dass es nicht ausreicht, ökonomische Verhältnisse zu ändern, wenn man nicht die Kultur der Liebe, die Kultur der Zärtlichkeit, die Kultur der Beziehung irgendwie verwandelt, heilt, neu gestaltet oder auch wieder alt gestaltet.

Und da kann Naja helfen?
Naja ist ein großes Thema, wie Menschen in Beziehungen leben und ein großes Thema für unser Herz. Naja ist ein Herzmittel, das wir Menschen nach Herzinfarkten geben. Wenn unser Herz gebrochen ist oder aus seinem Rhythmus gekommen ist, wenn Teile unseres Herzens abgestorben sind. Ich kenne das von mir, wenn ich unglücklich verliebt bin, dass ich dann die reale Vorstellung habe, dass mir das Herz bricht. Und wenn das Herz von enttäuschter Liebe bricht, dann denken wir an Naja. Ich glaube, dass für das Wohlbefinden unserer Spezies Zärtlichkeit noch vor Sex ganz wichtig ist. Aus diesem Grund ist Naja für die heutige Zeit so wichtig, weil es hilft, sich wieder der Zärtlichkeit und Liebe zu öffnen. Sich in Liebe auszutauschen, tut dem Herzen gut. Das wussten die Homöopathen schon lange vor Wilhelm Reich und Tantra: Die Brillenschlange wird historisch der Königin Kleopatra zugeordnet, weil sie sich angeblich mit Brillenschlangen umgebracht hat. Vorher hat sie allerdings das Herz des alternden Caesars geheilt und verjugendlicht.

Dieses Mittel kann also helfen, unser verletztes Herz wieder der Liebe zu öffnen?
Es heilt generell das Herz - auch das, was durch eine unglückliche Beziehungswirklichkeit oder durch eine unglückliche, unerfüllte Sexualität in mehreren Richtungen krank geworden ist und schmerzt.
Es gibt mehrere Themen, wo Naja hilft. In meine Praxis kommen ca. 70% Frauen, die meistens zwischen 40 und 60 Jahre alt sind. Es sind gebildete Frauen mit guten Berufen, die genug Geld verdienen und die im Vergleich zur Restweltbevölkerung eine kleine elitäre Minderheit sind. Viele kommen, weil sie in ihren Beziehungen unglücklich oder unbefriedigt sind oder gar keine Beziehung haben.
Naja ist ein Heilmittel und Wandlungsmittel für Menschen, die in extremen Beziehungssituationen leben. Wenn wir uns die Brillenschlange angucken, hat sie das Symbol des Dreiecks. Und bei Naja geht es ganz oft um Dreiecksbeziehungen. Die meisten dieser Patientinnen erzählen, dass sie in den letzten 10 Beziehungen immer Zweit- oder Sekundärfrauen waren. Sie hatten interessante Männer, schöne Restaurantbesuche und tollen Sex, aber – sie waren nur die Geliebte. Eine zeitlang war es ok, den Mann nur zwei Mal in der Woche zu sehen und nicht für seine Socken oder Stullen verantwortlich zu sein. Aber irgendwann hatten sie das Gefühl: Warum bin ich immer nur zweite? Warum bin ich nicht die Primärfrau? Und da ist Naja ein großes Heilmittel – besonders für diese Geliebten oder Sekundär-Frauen, die ihrerseits ihren Geliebten zum Erstmann machen.

Und wo hilft Naja noch?
Es ist ein großes Heilmittel, um an die Energie der Königin Kleopatra zu kommen, die es sich wert war, die tollsten Männer der Welt zu haben! Was man im Leben ist und was man im Leben lebt, ist meistens – und da ist auch die ATA-Arbeit eine große Hilfe – eine Spiegelung meines inneren Wertes. Wenn ich es mir Wert bin, dass dieser Mann mein Primärmann wird – und das habe ich erlebt, nachdem ich der Frau Naja gegeben habe – dann wurde sie es auch dem Mann Wert.
Naja gibt Frauen neben dem Wert der Primärfrau im historischen Sinn den Anspruch: Ich bin eine Königin und möchte wie eine Königin behandelt werden und nicht wie ein Mätresse. Ich habe viele Male erlebt, dass mit der Gabe von Naja das Mätressen-Bewusstsein zu einem Königin-Bewusstsein wurde.
Naja ist also ein Mittel, um sich den Chip zu ziehen, es nicht Wert zu sein, an erster Stelle zu stehen.
Es gibt noch einen Aspekt. Unsere Schamanismuslehrerin Heide Baatz beschäftigt sich viel mit „den Zeiten vor der Verwirrung“, d.h. als wir Menschen noch mit Welt und Umwelt in einer großen Harmonie lebten. Heidi ist therapeutische Spezialistin, die mit uns immer wieder Seelenreisen in die Zeiten vor der Verwirrung macht. Es gibt das wunderbare Buch „Die Rabenfrau“, das im Matriarchat spielt und wo Beziehungsstrukturen beschrieben werden. Dort wählten sich die Frauen den Mann und oft sogar zwei Männer – auch wieder das Dreieck. Wenn man das rein entwicklungsgeschichtlich sieht, war unsere Spezies davon abhängig, dass die Frauen regelmäßig schwanger wurden. Und da es ja immer wieder unfruchtbare Männer gab, wären Frauen mit einem unfruchtbaren Mann völlig ausgefallen. Also hatten sie zwei oder drei, womit sichergestellt war, dass sie schwanger wurden. Der weibliche Harem hatte auch etwas mit Reproduktion zu tun und war ein Ausdruck von weiblicher Kraft und weiblicher Mächtigkeit.

Es liegt also eigentlich in der Natur der Frau, mindestens zwei Männer zu haben?
Seitdem das Patriarchat eingeführt wurde, hat sich alles umgekehrt. Die Frau wurde zum Besitz des Mannes, ihr wurde die Sexualität abgesprochen und laut katholischer Kirche durfte sie noch nicht mal einen Orgasmus haben. Autonomie und Sexualität sind für Frauen seit der Zeit des Patriarchats verboten. Wobei es beim männlichen Harem nie um Freiheit ging, denn es ging darum, dass in den Kriegen zu viele Männer starben und dann die Schwestern des toten Mannes zum Bruder kamen.
Es gibt in letzter Zeit noch ein Phänomen, das ich bei Frauen beobachte, die ich kenne und behandle: Obwohl sie in befriedigenden Primärbeziehungen leben, haben sie Lust, ihre Sexualität auch mit anderen zu teilen.

Haben Sie darüber mal mit einer weiblichen Therapeutin gesprochen?
Ja, und die sagte: Es gibt nur einen Grund, warum die das tun: Weil sie es können! Einen anderen Grund kann es nicht geben. Weil es die Ordnung ist. Die Frauen lieben. Es ist in der Ordnung, dass Frauen, wenn sie es sich Wert sind und die Magie und Mächtigkeit haben, ohne Frage zwei Männer lieben und glücklich machen können. Das scheint in unserer Gesellschaft mit Eifersucht schwierig, aber in Kontexten wie Gemeinschaft möglich zu sein. Wir leben in einer Gesellschaft, die all das tabuisiert. Ich habe ganz oft erlebt, wenn Frauen sich das erlauben und es ihnen gut damit geht und sie davon ihren Freundinnen erzählen, dass sie mit vernichtenden Blicken und Sätze wie: „Lass dich doch von dem nicht erotisch ausnutzen!“ konfrontiert werden. Viele Frauen, die diesen Impuls haben und die Erweiterung ihres Lebensfeldes zulassen, kriegen Druck, Schuldgefühle und ein schlechtes Gewissen, dass sie es dann wegen der gesellschaftlichen Konditionierung nicht tun. Oft werden diese Frauen aufgrund der Unterdrückung dieses biologischen Impulses krank.

Und da kann Naja wieder helfen?
Naja ist ein wunderbares Heil- und Mutmachmittel, zu sagen: Ja, ich folge der in mir vorgegebenen Ordnung. Ich erkenne, dass ich eine magische, wolllüstige Frau bin, die das Bedürfnis hat, nicht nur einen Menschen, sondern zwei oder sogar drei zu lieben. Und das ist völlig in Ordnung und es muss auch keinen Grund dafür geben. Es muss eher einen Grund geben, wenn es jemand nicht tut.
Hellinger sagte: „Weil es die Ordnung ist. Und weil es 2 Mio Jahre die Ordnung war, bis vor 5000 Jahren sich ein Mann überlegte, dass er mehr Wert sei als eine Frau. Das ist der Punkt, den Heidi Baatz den Punkt der Verwirrung nennt. Naja ist ein Mittel, um an den Wert zu kommen eine Primärfrau zu sein, aber auch um an den Mut zu kommen, sich neben einem Primärmann noch einen Sekundärmann leisten zu können, um ihn zu lieben. Naja ist für mich in dieser Gesellschaft das wichtigste Mittel, um in unserem Herzen Liebe sich entfalten zu lassen. Ein liebendes Herz tut nicht mehr weh. Und ein liebendes Herz verkalkt auch nicht und kriegt auch keinen Schlaganfall. Die Brillenschlange und die Königin Kleopatra sind uns Heilmittel, sind uns Matrixe, um diesen Weg zu gehen: Geliebt werden wie eine Königin, sprich, lieben wie eine Königin – das ist das Motto von Naja.

Andreas Krüger ist Heilpraktiker, Leiter und Dozent an der Samuel-Hahnemann-Schule in Berlin für Prozessorientierte Homöopathie, Leibarbeit, Ikonographie & schamanischer Heilkunst.
Sein Buch „Heiler und heiler werden – Gespräche über die Heilkunst“ erschien im Verlag Simon + Leutner, 2013.
Weitere Infos: www.Samuel-Hahnemann-Schule.de


Weitere Informationen werden im Archiv nicht angezeigt.