aktuelle Seite: ARCHIV   
Jahr:
2019 | 2018 | 2017 | 2016 | 2015 | 2014 | 2013 | 2012 | 2011 | 2010 | 2009 | 2008 | 2007 | 2006 | 2005 | 2004 | 2003 | 2002 | 2001 |

Ausgabe Juni 2015
Wohlgefühl verkörpern. Von Doris Grimm

Wenn wir uns wohlfühlen summen wir. Wir summen und Wohlgefühl kann sich ausbreiten. Die Psychotherapeutin Doris Grimm stellt die einfache und natürliche Heilweise des „Zapchen“ vor.


Als ich neulich mit der U-Bahn fuhr, hörte ich wie zwei Frauen, die mir gegenübersaßen, sich über ihre alltäglichen Nöte austauschten. Erschöpfung und Sorgen waren ihren Gesichtern abzulesen. Eine der Frauen sagte zu ihrer Freundin mit einem tiefen Seufzer, der ihre ganze Mutlosigkeit zum Ausdruck brachte: “Ach, könnte man Stress doch einfach nur abschütteln. Oder Sorgen weggähnen und alle Schmerzen würden verschwinden, wenn man summt!” Mich durchfuhr es und ich sagte, ohne groß nachzudenken, auf welch plumpe Art ich mich in ihr Gespräch einmischte: “Das geht! Und zwar genauso!” Zugegeben, es ist nicht leicht zu glauben, dass so viel Schweres sich durch etwas Einfaches wie Schütteln, Gähnen, Summen verdünnt oder verflüchtigt. Aber so ist es!
Simpelste Bewegungen bringen unseren Energiekreislauf in Schwung. Die Schlichtheit der Übungen hat darüber hinaus den Vorteil: Wir brauchen sie nicht erst mühevoll zu erlernen, denn wir greifen auf vertraute Abläufe aus unserer Kindheit zurück.
Zapchen ist als Methode zur Selbstregulierung und Psychohygiene von Dr. Julie Henderson aus Napa in Kalifornien entwickelt worden. Sie basiert auf dem Wissen westlicher Psychotherapie und Körperpsychotherapie, der Hypnotherapie von Milton Erickson, den Erkenntnissen der Neurobiologie und dem alten Erfahrungswissen des tibetischen Vajrayana-Buddhismus. Ziel von Zapchen ist es, die Resonanzen in unserem Körper, unserer Seele, unserem Geist wahrzunehmen, Achtsamkeit zu entwickeln und uns bewusst zu werden, was wir zu unserem eigenen Wohlbefinden beitragen können.
Hier einige Kostproben aus dem Buch von Julie Henderson “Embodying Well-Being oder wie man sich trotz allem wohlfühlen kann“:

Schütteln
Knie beugen, Knie strecken und das immer wieder, bis unser Körper seinen eigenen Schüttelrhythmus gefunden hat.
Schütteln ist ein offensichtliches, rhythmisches Pulsieren, das Kinder lieben. Was auch immer den passenden pulsierenden Rhythmus unterstützt, unterstützt Leben, Lebendigkeit und Wohlbefinden. Es entspannt die Gelenke, bringt die Diaphragmen in Schwung und setzt die Körperflüssigkeiten kräftig in Bewegung. Schütteln stimuliert den Stoffwechsel und erhöht die verfügbare Energie. Schütteln vitalisiert, wenn wir erschöpft und träge sind; es lockert uns, wenn wir uns starr fühlen.

Gähnen
Es entspannt Rachen, Gaumen, oberen Nacken und die Hirnbasis. Es hilft den Fluss der Hirn- und Rückenmarksflüssigkeiten ins Gleichgewicht zu bringen, was dazu beiträgt, Gehirn und Wirbelsäule klar und flexibel zu erhalten. Es hilft “runterzukommen” - raus aus unserem Kopf. Speichelbildung wird angeregt, verbessert so die Verdauung und verstärkt den Geschmackssinn. Es vermehrt den Flüssigkeitsfluss in den Augen, was diese reinigt und beruhigt.
Gähnen wir tagsüber, produzieren wir Serotonin, was unsere Stimmung aufhellt. Gähnen wir bei Dunkelheit, entsteht Melatonin und wir schlafen besser.

Summen
Aus dem Physikunterricht wissen wir, dass Klang eine Welle ist, bestehend aus Kompression und Ausdehnung. Wenn wir summen, entsteht in unserem Körper ein Pulsieren durch Schließen und Öffnen bzw. durch Zusammendrücken und Ziehen.
Das spannt und entspannt im ganzen Körper alle Arten und Ebenen von Gewebe - von den Flüssigkeiten bis zu den Knochen, Muskeln, Nerven, alles wird durch den pulsierenden Klang berührt und massiert. Innere Blockaden lösen sich, die Teile von uns selbst trennen und uns das Gefühl geben, aus lauter kleinen “Ichs” zu bestehen, die oftmals von einander getrennt sind. Durch Summen werden diese Barrieren aufgelöst, das Körperbild einheitlicher und der Energiefluss tiefer und vollständiger. Wir erleben uns einheitlicher, reicher und ganzheitlicher.

Die Autorin Dr. Doris Grimm ist Psychotherapeutin HPG, autorisierte Lehrerin für Zapchen, Integrative Psychotherapeutin und Tantra- und Yoga-Lehrerin am Institut für kreative Persönlichkeitsentwicklung – weitere Infos www.zapchen.berlin


Weitere Informationen werden im Archiv nicht angezeigt.