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Ausgabe Mai 2015
Beitragsreihe 2015 von Andreas Krüger Homöopathisches Heilmittel: Acidum phosphoricum. Krankheit durch Sorge

Anlässlich der Flugzeugkatastrophe in den französischen Alpen im März 2015 spricht Andreas Krüger in dieser Ausgabe über das homöopathische Mittel Acidum phosphoricum.

H. Schäfer: Stichwort heute: Homöopathie am Zeitgeschehen. Welches Mittel fällt Ihnen ein?
Andreas Krüger: Es ist mir ein großes Bedürfnis, über eine der großen Qualen unseres Menschentums zu sprechen, nämlich um das „Sich-Sorgen“.
Einerseits ist die Sorge um jemanden etwas ganz Wundervolles, denn es ist ein Ausdruck von Interesse am anderen. Und es ist ein liebevolles Zuwenden. Ich habe eine Freundin, mit der ich mir regelmäßig schreibe, bevor sie oder ich in ein Flugzeug steigen, um uns einen guten Flug zu wünschen und diese Geste hat etwas sehr Behütendes.
Viktor Frankl, der im März 110 Jahre alt geworden wäre, sagte, dass wir uns als Ich in uns selbst nie erkennen können, sondern dass wir immer einen Zustand von Selbsttranszendenz brauchen. Den erreichen wir, indem wir uns ganz dem außen oder einem anderen zuwenden – entweder einer Sache wie z.B. der Homöopathie oder der Liebe, wo wir uns vergessen, um uns in dem anderen zu erkennen. Frankl nennt es Selbsttranszendenz. Er war dagegen, dass sich Menschen in dunkle Räume setzen und ständig nur über sich nachdenken. Er propagiert die Hinwendung an die Welt, an den Liebsten, an das Ideal, um uns darüber zu erkennen.

In diesem Sinne sind Sorgen etwas Positives, aber sie können auch krankhafte Ausmaße annehmen?
Es gibt durchaus Menschen, die aus einem sorgenvollen Zustand nicht mehr herauskommen. In den letzten Jahrzehnten habe ich viele, die sogar an Sorgen erkrankt sind, behandelt. Ich habe darüber nachgedacht, warum wir uns so „angstvoll“ sorgen.
Es gibt den schönen Satz von Leonard Shaw – der übrigens über Himmelfahrt zu Gast an der SHS sein wird – der sagt, dass es zwei Grundgefühle in unserem Leben gibt: Das eine ist die Angst und das andere ist die Liebe.
Diese beiden Grundgefühle sind dazu da, dass wir immer wieder aufgefordert werden, uns zu entscheiden. Wenn möglich gegen die Angst und für die Liebe. Denn dann wird die Liebe immer mehr und die Angst immer weniger. Das Problem ist, dass es umgekehrt genauso ist: Wenn wir uns immer wieder für die Angst entscheiden, wird auch die Angst immer größer und die Liebe immer weniger. Beide Gefühle sind da und daraus entsteht die Frage: Was ist bei einem Menschen die Grundvoraussetzung, dass er sich nicht liebend sorgt, sondern so arg sorgt, dass aus diesem Sorgen ein riesiges Angstkonstrukt wird?
Leonard Shaw hat herausgefunden, dass viele Sorgen wenig mit mir als Erwachsenem zu tun haben, sondern dass die Ursachen in der Kindheit zu finden sind. Um dieses Innere Kind quasi „nachzunähren“, habe ich gute Erfahrungen mit der ATA-Arbeit gemacht. Hier wendet man sich direkt an das Innere Kind und fragt es: „Was brauchst du jetzt in deiner Sorge?“ Die Antwort könnte beispielsweise sein „Alle Sicherheit der Welt“ oder „Das tiefe Wissen, dass die Freundin gut nach Hause gekommen ist“.
Daraufhin bestätigt man das mit der Formel „Ypsilon, Ypsilon, Ypsilon – korrigiere“ und klopft dabei abwechselnd mit beiden Händen auf beide Knie oder beide Oberarme.

Das hört sich fast zu einfach an…
Es reicht natürlich nicht, nur einmal die Formel zu sprechen. Das tägliche Üben ist – wie so oft – der effektivste Weg. Bei manchen Menschen ist dieser Sorgenchip im Gehirn allerdings so stark, dass nur die Aufforderung einer Inneren-Kind-ATA nicht reicht. Aber auch dafür gibt es andere Möglichkeiten. Wir hatten am 26. März Meister Daan und seinen Wudang Großmeister hier zu Gast. Es ging um das Thema, uns gegen die Angst und für die Liebe zu entscheiden. Ich selbst praktiziere seit 2011 dieses Wudang Qi Gong, weil ich mich früher so oft immer wieder für die Angst und gegen die Liebe entschieden habe. Das Wudang gibt mir die Fähigkeit, in dem Moment, in dem die Angst auftaucht, mich bewusst gegen sie und für die Liebe zu entscheiden.

Und sicher gibt es auch ein homöopathisches Mittel?
Das wichtigste Mittel, das Menschen hilft, ihr inneres, verlassenes Kind zu „ent-sorgen“, ist die Säure des Phosphors. Im Repertorium taucht es als einziges Mittel in der Rubrik „Krankheit durch Sorgen“ auf. Es ist das wichtigste Mittel für Menschen, die sich immer und über alles sorgen. Und es ist das Mittel für Menschen, die aus Sorge innerhalb einer Woche graue Haare bekommen.
Ein anderes wichtiges Symptom ist Haarausfall durch Kummer. Acidum phosphoricum hat wahnsinnige Angst, jemanden zu verlieren, weil es auch für einen Erwachsenen schwer ist, verlassen zu werden oder jemanden in den Tod zu begleiten. Aber der Erwachsene weiss, dass er das überleben wird. Er weiss: Wenn der Partner geht, wird er irgendwann wieder einen anderen Menschen lieben können. Aber ein Kind, das verlassen wird – wenn die Mutter oder der Vater geht oder stirbt oder einfach nicht mehr da ist – ist nicht in der Lage sich vorzustellen, dass irgendwann einmal jemand kommen wird. Das Kind geht davon aus, dass es selber sterben muss.
Als ich damals mit 3 ½ Jahren in einer Isolierstation lag und meine Mutter nicht mehr kam, weil der Arzt ihr sagte, es sei besser nicht zu kommen, weil ich mich dann so aufregen und kotzen würde – da gab es für mich nur eine einzige Erklärung: Meine Mutter ist tot. Und in diesem Krankenzimmer habe ich erlebt, dass ich sterbe – denn wenn meine Mutter tot ist, sterbe ich auch. 50 Jahre später erlebte ich dieses Gefühl wieder, als meine Liebste mir den verabredeten Gute-Nacht-Kuss per Handy nicht zuschickte. Ich wollte schon die Feuerwehr rufen, weil ich an Schlaganfall, Herzinfarkt und alles Mögliche dachte – nur nicht, dass einfach der Akku von ihrem Handy leer war.
In dem Moment nützt gutes Zureden gar nichts, denn ich war ein 3 ½ jähriges Kind, für das es nur einen einzigen Grund gab, warum dieser Gute-Nacht-Kuss per Handy nicht geschickt wurde: Derjenige muss tot sein. Und der Rückschluss ist: Dann muss ich auch sterben. Acidum phosphoricum ist eines der wichtigsten Mittel bei dem Verlust eines geliebten Menschen mit dem kindlichen Gefühl: Wenn der weg ist, dann sterbe ich.

Wobei kann das Mittel noch helfen?
Bei Schwäche durch Liebeskummer. Wenn unglückliche Liebe schwach macht, nehmen Sie ein Kügelchen acidum phosphoricum, wenden sich Ihrem Inneren Kind zu, klopfen Sie sich und fangen an, Ihrem Inneren Kind die Frage zu stellen: „Was brauchst du, mein Inneres Kind? Was brauchst du JETZT, um diese Angst loslassen zu können? Was brauchst du JETZT, um dich jetzt nicht sorgen zu müssen?“ Jeder kann lernen, die Stimme seines Inneren Kindes zu hören Und dann klopft man weiter und gibt imaginativ diesem Inneren Kind alles, was es jetzt braucht. Ich habe viele Menschen erlebt, die das über einen längeren Zeitraum getan haben, so dass sie irgendwann aufhören konnten, sich zu sorgen.

Fazit?
Es gibt in unserer Gesellschaft fast niemanden, der ein intaktes Inneres Kind hat. Wenden wir uns dem ausreichend in Form von Traumatherapie oder ATA oder homöopathisch zu, können wir es heilen. Das Mittel für das schwache, unglückliche, alleingelassene und sich auf der Erwachsenenebene krankmachende, sorgende Kind ist die Säure des Phosphors. Ich kann allen nur raten, die gerade Angst haben, ihre Liebsten ins Flugzeug zu lassen: Vergehen Sie nicht in Sorge, sondern setzen Sie sich hin, nachdem Sie ein Kügelchen acidum phosphoricum C30 genommen haben und beten Sie, schicken Sie Ihre Kraft und die Kraft der Engel.

Andreas Krüger ist Heilpraktiker, Schulleiter und Dozent an der Samuel-Hahnemann-Schule in Berlin für Prozessorientierte Homöopathie, Leibarbeit, Ikonographie & schamanischer Heilkunst.
Sein letztes Buch „Heiler und heiler werden – Gespräche über die Heilkunst“ erschien im Verlag Simon + Leutner, 2013.
Weitere Informationen: www.Samuel-Hahnemann-Schule.de


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