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Ausgabe April 2015
Zufrieden mit mir. Wie sinnerfüllende Beziehungen möglich werden (1. Teil). Von Jochen Meyer


Menschen, die mit sich unzufrieden sind, strahlen etwas Bedrückendes aus und versetzen einen durch ihre ungelöste Anspannung innerlich leicht in Unruhe. Dagegen wirken Menschen, die zufrieden mit sich sind, anziehend: Sie wirken ausgeglichen und entspannt, sind vertrauenswürdig und integer. Dass Beziehungen zwischen zwei „Unzufriedenen“ eine andere Qualität haben als Beziehungen zwischen zufriedenen Partnern, ist leicht zu verstehen. Und es liegt auf der Hand, dass es sinnvoller ist, in sich und seine eigene Zufriedenheit zu investieren, wenn man in seinen Beziehungen wie in seinem Leben mehr Zufriedenheit erfahren will, anstatt dies von seinem Partner oder eben „dem Leben“ zu verlangen.

Zufrieden sein heißt, im Frieden mit sich zu sein
Die täglich auf uns einströmenden Botschaften unserer Medien- und Konsumwelt reden uns ein, dass es nicht genügt, zufrieden zu sein: Gerade in den wichtigsten Lebensbereichen wie Liebe, Beruf und Freizeit müssen wir permanent begeistert und vom Glück überwältigt sein. Zufriedenheit allein reicht nicht; es sollte schon Euphorie oder der totale Gefühlsrausch der Ekstase sein.
Wir vergessen dabei, dass das Wort „zufrieden“ ursprünglich einen seelischen Zustand bezeichnet, das Einverstandensein mit den gegenwärtigen Umständen, in dem unser Herz „zu Frieden“ gelangt (Martin Luther). Heute sprechen wir – zumindest in spirituellen Kreisen – hierbei eher von „innerem Frieden“ oder auch „innerer Zufriedenheit“ und meinen damit einen bewusst hervorgerufenen und in sich selbst erzeugten Zustand, der sich deutlich von einem durch äußere Reize erzeugten, vorübergehenden Euphorie-Kick unterscheidet, auf den zwangsläufig emotionale Leere folgt. Die Wissenschaft einer gesunden Lebensführung (Salutogenese) geht heute davon aus, dass wir, um mit uns und unserer gegenwärtigen Lebenssituation zufrieden sein zu können, drei Dinge brauchen: Wir müssen unsere Situation hinreichend verstehen können, die anstehenden Aufgaben als lösbar erleben und schließlich Sinn darin erkennen.

Wenn wir mit unserer gegenwärtigen Lebenssituation unzufrieden sind, können wir uns also fragen:
Verstehen wir zur Genüge, worum es gerade geht?
Können wir unsere Lage verändern und die Situation bewältigen?
Können wir einen Sinn darin finden, dass wir in diese Lage geraten sind und jetzt vor dieser Herausforderung stehen?


Finden wir Antworten auf diese Fragen, so gewinnen wir an Klarheit und Orientierung. Oft stellen sich auch erste Impulse ein, in welche Richtung wir selbst aktiv werden und die Dinge zum Besseren verändern können.

Selbstwirksam werden und Verantwortung übernehmen
Wollen Sie mehr Zufriedenheit in Ihrer Beziehung oder streben Sie eine sinnerfüllte Beziehung an, so wird es Sie stärken, wenn Sie den Fokus auf das legen, was Sie selbst an Veränderungen in Ihrem Leben bewirken können. Setzen Sie sich als Ziel, selbst für Ihre Zufriedenheit zu sorgen und übernehmen Sie die Verantwortung für Ihr Glück und Ihre innere Zufriedenheit. Nehmen Sie sich vor, Ihrem jetzigen oder zukünftigem Partner ein zufriedenes Gegen-über zu werden, ein echter, wirklicher Gefährte, den er als kraftvoll, unterstützend und bereichernd erlebt.

Den Zufriedenheitskompass neu ausrichten
Die folgenden Aussagen können Ihnen als „Zufriedenheitsbarometer“ dienen und Ihnen erste Hinweise geben, wie Sie Ihren „Zufriedenheitskompass“ neu ausrichten.

Ich mag meinen Körper und erlebe meinen Umgang mit ihm als fürsorglich und sinnvoll.
Vernachlässigen Sie Ihren Körper oder Ihre Gesundheit, so können Sie nicht zufrieden mit sich sein. Sie spüren, dass Sie nicht gut mit sich umgehen und fühlen sich entsprechend; vielleicht nur manchmal, auf einer sehr subtilen Ebene. Was könnten Sie verändern, damit Sie das Gefühl haben, dass Sie gut mit sich umgehen und sich und Ihre Gesundheit stärken? Was bräuchten Sie, um sich so vital, attraktiv und energiegeladen zu fühlen, dass Sie mit sich zufrieden sind?

Ich verbringe den größten Teil meiner Zeit mit Dingen, die ich als wesentlich betrachte.
Wir können nur mit uns im Reinen sein, wenn wir unser Leben und Wirken als sinnvoll empfinden. Was bedeutet dies für Sie? In welchen Lebensbereichen erleben Sie Ihr Tun als wesentlich? Wo vermissen Sie etwas? Worauf bezieht sich das, was Sie vermissen? Geht es um eine grundsätzliche Kurskorrektur wie zum Beispiel um einen Jobwechsel oder genügt es, wenn Sie täglich ein bis zwei weitere „wesentliche Aktivitäten“ hinzunehmen, durch die Sie mehr Sinn und Zufriedenheit erfahren?

Zu meinen Freunden habe ich eine aufrichtige, ehrliche Verbindung. Ich schätze sie als wichtige Kraftquelle in meinem Leben. Sie wiederum schätzen mich als integres und unterstützendes Gegenüber.
Haben Sie gute Freunde und sind von konstruktiven, loyalen und aufrichtigen Menschen umgeben, so werden Sie sich dies vermutlich auch als persönlichen Verdienst anrechnen. Gute Freunde stärken Sie, genauso wie es Sie stärkt, wenn Sie anderen ein guter Freund sein können. Umgekehrt schwächt es Sie, wenn Sie zuwenig gute Freunde haben oder Beziehungen zu destruktiven Menschen unterhalten. In stillen Momenten spüren Sie dies und werfen es sich vor. Könnten oder müssen Sie etwas verändern, damit Sie in diesem Lebensbereich mit sich zufrieden(er) sind? Machen Sie sich klar, dass es widersinnig ist, wenn Sie eine zufriedenmachende = friedvolle Beziehung haben wollen, aber mit ihren Mitmenschen ausnahmslos im Kriegszustand leben. Gute Freundschaften bereiten den Boden für eine erfüllende Liebesbeziehung – eine freundschaftliche Verbindung zum Partner öffnet den Raum des „Zufrieden im Wir“.

Ich weiß, wie ich Glück und innere Zufriedenheit in mir herstellen kann und engagiere mich aktiv dafür. Ich übe mich darin, Stress abzubauen und ausgeglichener zu werden. Ich setze mich für einen gesunden Umgang mit meinen Emotionen ein und achte darauf, dass ich noch achtsamer und wohlwollender im Umgang mit mir selbst werde.
Anderen auch in angespannten Momenten ausgeglichen und konstruktiv begegnen zu können, ist eine der größten menschlichen Fähigkeiten und Ausdruck von wahrer Souveränität. Mich persönlich macht es zufrieden wie nur wenig anderes, als wenn ich in solchen Momenten bei mir bleibe und es mir gelingt, mein Gegenüber offen und wohlwollend anzunehmen; egal, was ihm gerade Schwierigkeiten bereitet. Erleben Sie sich als stark und beziehungskompetent, so werden Sie Ihr Handeln als sinnvoll erleben und sehr zufrieden mit sich sein. Dafür genügt es, wenn Sie in solchen Momenten für Ihr inneres Gleichgewicht sorgen und Ihre Emotionen regulieren können. Wie viele andere Praktizierende erlebe auch ich seit vielen Jahren, wie sehr Achtsamkeitsübungen wie Meditation oder Yoga und die dazugehörenden spirituellen Lehren mich intensiver in Kontakt mit mir selbst bringen, mir mehr Halt geben und mich beziehungsfähiger machen.
Was können Sie tun, wenn Sie jetzt erschrocken feststellen, dass Sie überall Baustellen haben und in allen Bereichen radikale Veränderungen durchführen müssten? Legen Sie eine Liste an und notieren Sie, welche Veränderung Ihr Leben am nachhaltigsten verbessern würde. Beginnen Sie und suchen Sie sich Verbündete, die Ähnliches wollen und Sie unterstützen. Und denken Sie daran: Das „Zufrieden mit mir“ zieht ein „Zufrieden mit dir“ nach sich und ermöglicht ein „Zufrieden im Wir“, das als Belohnung auf Sie wartet.

Teil 2 - Zufrieden mit dir - in der Ausgabe 5-2015




Dr. phil. Jochen Meyer ist CoreDynamik-Trainer und –Therapeut und arbeitet als Single-Coach und Paarberater in Berlin.
Jochen Meyer, Vortragsreihe „Finde deinen Partner!“ am 10.4. um 20 Uhr im Aquariana Praxis- und Seminarzentrum, Am Tempelhofer Berg 7d, 10965 Berlin;


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