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Ausgabe März 2015
Beitragsreihe 2015 von Andreas Krüger Miasmen in der Homöopathie

Nach Samuel Hahnemann bringen wir in unser jeweiliges Leben bestimmte Prägungen und Anfälligkeiten aus erblichen Krankheitsdispositionen mit – den sogenannten Miasmen. Andreas Krüger macht an einem Fallbeispiel deutlich, welche Möglichkeiten der Heilung d

H. Schäfer: Wollen wir heute an das in der letzten Ausgabe besprochene Thema der Flusssäure anschließen, wo es um Geburtstraumen und vorherige Leben ging, und heute über Miasmen in der Homöopathie sprechen?
Andreas Krüger: Das passt gut zu den Themen, die mich derzeit in meiner Praxis beschäftigen. Es geht häufig um die Beachtung der miasmatisch-systemisch-„erbkranken“ Dimension in der homöopathischen Therapie. Wir Therapeuten wissen, dass wir Menschen nach bestem Wissen und Gewissen behandeln, aber leider manchmal ohne Erfolg. Und obwohl ich hin und wieder mit Gott und der Homöopathie hadere, sind es oft meine Patienten, die mich ermutigen, nicht zu verzagen und nicht aufhören zu hoffen. Der Glaube an den Glauben ist nach Vyvamus mit das Heilwirksamste und Schöpfungsintensivste, was es gibt.

Wie kann man den Glauben eines Patienten aktivieren?
Indem man sein eigenes Energiesystem befragt. Vor ungefähr 20 Jahren bin ich auf die Testung gestoßen und fand heraus, dass meine Patienten manchmal Dinge brauchten, die ich entweder nicht in Betracht zog oder die ich selbst nicht beherrschte. Diese Erfahrungen führten dazu, dass ich heute meinen Patienten nahe lege, ihr Energiesystem befragen zu lassen, denn das ist für mich der oberste Repräsentant von Weisheit. Dem Energiesystem des Patienten vertraue ich mehr als jedem Medium und jeder Intuition, denn das Energiesystem weiß, warum es krank geworden ist und wie es wieder gesund werden kann – vorausgesetzt, dass in seinem karmatischen Konzept ansteht, wieder gesund zu werden. Heute erlebe ich häufig, dass Menschen, die ich über lange Zeit ohne wirklichen Erfolg prozessorientiert, traumorientiert, traumaorientiert oder milchwegorientiert behandelte – und die mir trotzdem treu geblieben sind – testen, dass ich sie miasmatisch orientiert behandeln soll.

Was heißt denn „miasmatisch orientiert“?
Hahnemann hat am Ende seines Lebens entdeckt, dass es Krankheiten gibt, die man nicht ausschließlich anhand von individuellen, charakteristischen und absonderlichen Symptomen eines Patienten behandeln kann und darf, sondern dass es Krankheiten gibt, die über das Persönliche eines Menschen hinausgehen. Er ist dann Träger von Informationen, die mit dem jetzigen Leben nichts zu tun haben, die er aber einfach mitbringt. Mein Lehrer Peter Gienow, der ein wunderbares miasmatisches System samt Repetitorium entwickelte, sagte einmal: „Die prozessorientierte Homöopathie hilft bestimmt bei 80% der Patienten, aber dann gibt es 20%, bei denen ihr Leiden nichts mit Persönlichem zu tun hat, sondern sie leiden überpersonal, d.h. sie leiden an Erbkrankheiten, die sie mitgebracht haben. Diese Erbkrankheiten können neben körperlichen auch psychische oder charakterliche Erbkrankheiten sein und dann nützt es nichts, diese Probleme personal zu behandeln.“

Wie können Sie das feststellen?
Indem ich das Energiesystem befrage. Wichtig ist auch zu bestimmen, auf welcher Ebene des miasmatischen Modells die Menschen krank sind. Manche Therapeuten fangen immer mit dem Krebsmiasma an, andere schauen durch Symptomatik, auf welcher Ebene miasmatischer Fixation der Patient steht. Alle Therapeuten haben die Erfahrung gemacht, dass man sich durch die unterschiedlichen miasmatischen Ebenen hindurcharbeiten muss, bis man dann zu dem „gesündesten“ Miasma der Psora kommt, dem Krätzemiasma, das Hahnemann immer am Ende einer Kur mit Sulfur behandelte. Ein demokratisch handelnder Therapeut muss das allerdings nicht selbst entscheiden. Die Patienten, die ich miasmatisch nach Gienow behandele, fragen ihr Testmedium, wo die Fixation im Moment liegt und ich suche dann anhand der individuellen Symptome ein Mittel heraus, das für dieses Miasma passt.

Gibt es in Ihrer Familie persönliche Erfahrungen mit miasmatischem Hintergrund?
In meiner mütterlichen Linie sind alle Frauen vor dem 60igsten Lebensjahr an Krebs gestorben. Sie waren die liebsten und zärtlichsten Menschen, die man sich vorstellen kann, haben aber ihr ganzes Leben lang nie an sich gedacht. Meine Mutter ist inzwischen Mitte 80 und ich glaube, dass es daran liegt, dass ich sie seit 35 Jahren mit Homöopathie und Geistheilung füttere.
Meine Großmutter hatte drei Schwestern und alle wurden auf der Flucht von Russen eingeholt. Meine Großmutter hatte „zum Glück“ Thyphus, wovor die Russen Angst hatten, aber die anderen drei Schwestern wurden drei Tage lang in eine Scheune gesperrt und geschändet. Keiner in unserer Familie wusste davon. Bemerkenswert ist, dass dieses Ereignis sechs Wochen vor Kriegsende stattfand und alle drei Männer dieser drei Frauen in den letzten sechs Wochen vor Kriegsende gefallen sind. Sie wussten nichts von dem, was ihren Frauen wiederfahren war. Als ich davon erfuhr, stellte ich die Konstellation der Frauen und ihren Männern auf. Die Männer sagten: „Die Schmach, dass wir euch nicht schützen konnten, war so groß, dass wir in den Tod gehen mussten.“ Sie haben sich eine Wirklichkeit geschaffen, um ihren Frauen nicht mehr unter die Augen treten zu müssen.

Und was haben Sie damit zu tun?
Ich hatte einen Traum, in dem mir diese drei Großtanten ein Mädchen in die Praxis brachten, das aussah, als wenn es tagelang geschändet wurde. Sie legten es auf meine Liege, gucken mich an und sagten: „Junge, kümmere dich bitte um sie und mache sie gesund.“ In der besagten Aufstellung sagten die Männer der Tanten zu mir: „Wir haben es nicht geschafft. Kümmere du dich jetzt darum, dass das nie mehr vor kommt!“ Das ist eine Aufgabe, die viel zu groß für mich ist und die ich inzwischen auch zurückgegeben habe. Ich hatte zwar mal als Engel-Wolf-Hexer geschworen, dass ich nicht ruhen werde, bis der letzte Schändungsdämon von diesem Erdball verschwunden ist, aber diese Aufgabe ist einfach zu groß und ich habe sie zurück gegeben.

Und doch scheinen Ihnen Missbrauchsthemen immer wieder zu begegnen.
Es sieht so aus. Und das ist der Grund, warum ich nie auch nur ansatzweise ein böser Mann sein wollte – denn hinter jeder aggressiven oder auch erotischen Handlung lauert der Missbrauch. Also bin ich der liebe Junge, der schnell in den Himmel kommt – aber nicht überall hin. Nach dem Motto: Gute Mädchen kommen in den Himmel – kriegen ganz schnell Krebs – böse Mädchen kriegen keinen Krebs und kommen überall hin. Dieser Satz ist ein typischer Satz für Carzinosinum. Nach dieser Erkenntnis habe ich mich in eine miasmatische Behandlung begeben, wo ich ein Mittel bekam, mit dem ich eigentlich nichts zu tun hatte, außer, dass ich konfliktgehemmt bin: Carzinosinum – die Nosode aus Krebs. Und mit einem Mal erlebte ich, was mir viele Therapeuten schon vorher gesagt hatten: Ich sollte die Gestalt des Hannibal Lecters, des Kannibalen, einnehmen und gedanklich wenigstens ansatzweise etwas davon leben. Ich sollte lernen zu widersprechen und mich mehr durchzusetzen. So wie Staphysagria, das Stefanskraut – Stefan, der erste christliche Märtyrer, der für seinen Glauben gestorben ist. Und Rittersporn – ein wunderbares Mittel für Menschen, die etwas mit Rittern zu tun haben. Interessant ist auch, dass mein erster Therapeut Ritter von Stepski Doliwa hieß und mein wichtigster Aufstellungslehrer Matthias Ritter Varga von Kibét – also auch ich suche mir Heiler und Therapeuten, die Ritter sind. Mein Lieblingsheld ist Don Quichotte, der Ritter von der traurigen Gestalt. Und mein liebster realer historischer Held ist Simon Bolivar, der am meisten Landmasse – und meines Erachtens auch Menschen – befreit hat. Es gibt keinen größeren Befreier als Simon Bolivar und es gibt wahrscheinlich keinen Menschen, der mehr Adel in seiner Seele hatte als Simon Bolivar. Ich möchte mit einem staphysagrischen Erlösungssatz der Carzinose abschließen. Simon Bolivar sagte auf seinem Totenbett: „Die Welt hat drei Erlöser gesehen: mich, Christus und Don Quichotte.“ Und wahrscheinlich ist Don Quichotte ein karzinosinisches Heilbuch, weil Simon Bolivar es immer – egal, wo er war – bei sich hatte. So wie Napoleon angeblich immer den gallischen Krieg bei sich trug und jeden Tag seinen Cäsar las, so begleitete Alexander den Großen immer die Illias, um jeden Tag darin zu lesen.

Fazit: Solange wir überpersonal krank sind, können wir anscheinend personal nicht heil werden.

Andreas Krüger ist Heilpraktiker, Schulleiter und Dozent an der Samuel-Hahnemann-Schule in Berlin für Prozessorientierte Homöopathie, Leibarbeit, Ikonographie & schamanischer Heilkunst. Sein letztes Buch „Heiler und heiler werden – Gespräche über die Heilkunst“ erschien im Verlag Simon + Leutner, 2013.
Weitere Informationen: www.Samuel-Hahnemann-Schule.de


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