aktuelle Seite: ARCHIV   
Jahr:
2019 | 2018 | 2017 | 2016 | 2015 | 2014 | 2013 | 2012 | 2011 | 2010 | 2009 | 2008 | 2007 | 2006 | 2005 | 2004 | 2003 | 2002 | 2001 |

Ausgabe März 2015
Im Garten der Aphrodite. Aus der Winterkälte ins Frühlingsfeuer. Von Nicola Cordes

Pflanzenkunde

Kaum eine Göttin hat die Menschen so verzaubert wie Aphrodite, die Göttin der Liebe. Im Kreis der antiken Liebes- und Fruchtbarkeitsgöttinnen verkörpert sie weniger die Gefühle der zarten Zuneigung als vielmehr das Symbol der fleischlichen Begierde und der Wollust. Geboren aus dem Schaum der Ägäis betrat sie den Strand des heutigen Zyperns und verzauberte mit ihrem Liebreiz die unsterbliche und sterbliche Männerwelt. Ihre verführerische Erotik verdankte sie jedoch nicht nur ihrer Schönheit, sondern die Liebesgöttin besaß einen Zaubergürtel, in den alle Zutaten hineingewirkt waren, um „im Mann die Leidenschaften der Honigmonde“ zu entfachen.
Nun hatte Aphrodite neben Schönheit und Zaubergürtel noch einige andere natürliche Vorteile, die einem feurigen Liebesleben in die Hände spielen: Sonniges Mittelmeerklima, die Freiheit einer selbstbestimmten Lebensführung als Göttin der Liebe und die permanente Option dionysischer Extasen – mit Dionysos zeugte sie auch eines ihrer zahlreichen Kinder.
Ein langer lichtarmer Berliner Winter und Normal-sterblichkeit bietet im Gegensatz dazu nicht ganz optimale Voraussetzungen und so fühlen wir uns im zeitigen Frühjahr bisweilen eher flügellahm und fröstelig. Auch ein Arbeitsalltag, der sich vornehmlich im Kopf abspielt, trägt nicht unbedingt dazu bei, südlichere Körpergefilde zu durchbluten und zu beleben. Aber mit steigendem Sonnenstand, den ersten warmen Abendwinden und dem Duft nach frischer Erde erglimmt auch in uns das innere Feuer neu, wie die Dichterin Mascha Kaléko so schön in ihrem „Frühlingslied“ schreibt: „Willig füg ich mich dem alten Brauch, ist der Zug der Zeit auch am Entgleisen – und wie einst, in diesem Frühjahr auch, geht mein wintermüdes Herz auf Reisen“.
Im Garten der Aphrodite gibt es ungezählte Möglichkeiten, ein wintermüdes Herz zu beleben. Pflanzen, die das Feuer der Lebensfreude anfachen und die innere Kälte vertreiben - prosaischer ausgedrückt: die Durchblutung fördern -, haben die Öffnung für Lust und Liebe meist mit im Gepäck. Die im Folgenden vorgestellten Liebespflanzen wirken allgemein belebend, erwärmend und sanft aphrodisierend.

Rosmarin – das Feuer der Begeisterung
Das Wesen des Rosmarin entzündet den Geist und durchwärmt den Körper. Für Menschen, die eigentlich voller Engagement ihre Ziele verfolgen und sich nach einer Phase großen Einsatzes – oft auch für andere – erschöpft fühlen, ist der Rosmarin mit seiner feurigen Kraft geeignet, zu beleben und sich wieder für neue Ideen zu erwärmen. Er ist durchblutungsfördernd, stabilisiert niedrigen Blutdruck und verbessert den Kreislauf. Kurz gesagt ist Rosmarin immer dann angebracht, wenn der Kopf überlastet ist und der Unterleib zu kurz kommt. Er ist für die weiblichen und männlichen Geschlechtsorgane so etwas wie eine geballte Energieladung. Schwangere und Hypertoniker sollten ihn jedoch nicht verwenden. Wer den intensiven Geschmack dieses Gewürzes im Essen oder als Tee nicht schätzt, kann auch gut die pflanzliche Urtinktur einsetzen.

Beifuß – Reinigend im Lebensfluss
Auch wenn der Beifuß, der botanisch Artemisia vulgaris heißt, der griechischen Mondgöttin Artemis gewidmet ist, sollte er in seiner großen reinigenden und belebenden Kraft hier nicht fehlen. Der Beifuß genießt seit der Antike als Heil- und vor allem auch Frauenpflanze großes Ansehen. Beifuß öffnet und bringt in vielerlei Hinsicht ins Fließen. Eine Teekur mit Beifußkraut regt nicht nur Kreislauf, Hypophyse und Keimdrüsen an, sondern auch die körpereigenen Entgiftungswege. Giftstoffe werden über Urin, Stuhl und Menstruationsblut ausgeschieden, was deutlich im Geruch wahrnehmbar ist. Aber mit zunehmender Entgiftung steigt das innere Wohlbefinden. Gerade auch Frauen in den Wechseljahren oder mit einem Post-Pill-Syndrom profitieren von der östrogenisierenden Wirkung des Beifuß. In seiner den Stoffwechsel aktivierenden Wirkung galt er traditionell nicht nur als Kreislauftonikum, sondern auch als Kraft- und Potenzmittel, das den Wanderer unermüdlich mache. Schwangere, Frauen mit starker Monatsblutung und Allergiker sollten auf den Beifuß jedoch verzichten.

Die Erzengelwurz – Engel mit Aufrichtekraft
Wer sich einmal der imposanten Pflanze mit dem wunderschönen botanischen Namen Angelica archangelica körperlich oder seelisch genähert hat, spürt sofort ihre beeindruckende Lebenskraft. Das bis zu 2 Meter hohe Doldengewächs wird in der Volksmedizin seit Jahrhunderten vor allem in Lebenselixieren sowie für die Therapie von Magen-Darm-Beschwerden wie Völlegefühl und Blähungen eingesetzt. Auf seelischer Ebene dient sie der Förderung aller Fließprozesse im Körper, wenn diese durch seelische Einflusse, z.B. Traumata, in irgendeiner Weise gestaut sind.
Sie ist damit u.a. eine Heilpflanze für Menschen, die in ihrem Lebensumfeld geduckt, kleingemacht oder gemobbt wurden bzw. werden und denen entweder die Kraft oder der Impuls zur inneren Aufrichtung fehlt. Sie hilft, vom Gefühl des „Neben-sich-Stehens“ zurück in die Kraft zur inneren Aufrichtung und Klarheit zu kommen. Neben der inneren Stärkung galt die Erzengelwurz seit jeher auch als Liebespflanze. In Phasen geistiger Erschöpfung oder in einer leicht ermüdeten Routine langjähriger Partnerschaften kann eine Kur mit der Urtinktur für Mann und Frau erfreulich belebend wirken.

Damiana – Ein Duft von Zärtlichkeit
Nachdem die zuvor genannten Pflanzen vornehmlich in Europa beheimatet sind, fügen wir dem Gürtel der Aphrodite zum Abschluss eine Pflanze aus Mittelamerika hinzu. Obwohl man hier noch eher ein feuriges Temperament vermuten würde, weckt die Damiana weniger das animalische Begehren in uns als eine Sehnsucht nach zärtlicher Nähe. Genutzt wird das Kraut der Pflanze als Tee, in einer Räuchermischung, als Urtinktur oder homöopathisch. Sie wirkt mit ihrem aromatischen Duft leicht krampflösend und so wurde sie in ihrer Heimat auch als Asthmamittel und bei Menstruationsbeschwerden eingesetzt. Ihre Tradition als Liebespflanze ist lang, sie wirkt sanft euphorisierend auf Frauen und Männer. Sollte der Ausflug in den Garten der Aphrodite länger dauern als geplant, ist die Damiana in ihrer homöopathischen Aufbereitung nützlich – sie regeneriert nach sexuellen Exzessen.

Die Autorin Nicola Cordes ist Heilpraktikerin und systemische Therapeutin. Sie betreibt die Naturheilpraxis und das Naturheilzentrum „Lebensweise“ in Berlin Wilmersdorf. Ihre Fachgebiete sind Homöopathie, Heilpflanzenkunde und psychologische Beratung. Ihr Spezialgebiet ist die Frauenheilkunde. Sie ist zudem Dozentin für Homöopathie und Burnout Prävention. weitere Infos auf www.naturheilpraxis-lebensweise.de


Weitere Informationen werden im Archiv nicht angezeigt.