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Ausgabe Februar 2015
Ich freue mich auf meine nächste Beziehung! Sich wieder für eine neue Liebe öffnen. Von Jochen Meyer


Vielen von den Frauen und Männern, die zu mir ins Single-Coaching kommen, fällt es schwer, sich wieder für eine neue Beziehung wirklich zu öffnen. Die Gründe dafür sind vielfältig: Wer von einem geliebten Menschen unangekündigt verlassen wurde, wer von seinem Partner seelisch oder körperlich verletzt wurde oder seine letzte Beziehung als unsicher und kraftraubend erlebt hat, der wird beim Gedanken an eine neue Liebe verständlicherweise eher Zweifel verspüren als Freude und Zuversicht. Viele dieser Frauen und Männer leiden daran, dass sie zwar gern wieder in einer erfüllenden Partnerschaft leben würden, gleichzeitig jedoch die Erfüllung dieses Wunsches unbewusst sabotieren. Sie trauen sich nicht mehr, auf andere zuzugehen, ziehen sich reflexartig wieder zurück, wenn sie jemanden näher kommen oder suchen sich ungeeignete oder unerreichbare Partner. Eine Art seelischer Schutzmechanismus verhindert, dass sie sich erfolgreich und glücklich verlieben.
Im Coaching arbeiten wir dann daran, die verschiedenen inneren Anteile auszumachen, die hier eine Rolle spielen. Wir stellen Fragen, wie: Wer ist dieses „verletzte Ich“ in mir, das mir immer wieder einredet, dass ich besser alleine bleibe, anstatt mich auf einen neuen Partner einzulassen? Was sind die positiven Absichten dieser Seiten in mir, die mich von meinem Glück abhalten wollen? Wo in mir ist mein „stabiles Selbst“ oder mein „starkes Ich“, das mich befähigt, mich trotz leidvoller Erfahrungen weiterzuentwickeln? Wie komme ich in Kontakt mit meinem inneren Kern oder meinem „wahren Selbst“, das tief in mir vorhanden ist und weiß, dass eine heilsame und glückliche Beziehung auch für mich möglich ist?
Gern arbeiten meine Klienten auch mit archetypischen Figuren wie Heiler/in, Krieger/in, Visionär/in oder Schöpfer/in, um einen neuen Zugang zu sich und ihren inneren Kräften zu finden. Betrachten sie sich von ihrem „wahren“ oder „souveränen Selbst“ aus, so kommen sie in Kontakt mit ihren inneren Kraftquellen und nehmen ihre Lebenssituation wieder mehr als Handelnde wahr. „Als Herrscherin in meinem Leben sehe ich, dass ich meinem letzten Partner viel zu viel Macht über mich gegeben habe“, erkennt eine Klientin. „Und das mache ich beim nächsten Mal von Anfang an definitiv anders“, fügt sie entschlossen hinzu: „Ich gehe als Königin in Beziehung und nicht als Opfer!“

Was Freude auslöst, bringt uns weiter
Solange wir mit unseren „verletzten Ichs“ identifiziert sind, glauben wir, dass wir auch „beim nächsten Mal“ wieder nur schreckliche Dinge erleben. In solchen Fällen kläre ich meine Klienten darüber auf, dass wir mit einem beziehungskompetenten Partner gänzlich andere Erfahrungen machen und eine stabile, vertrauensvolle Beziehung erleben können, weil von Anfang an eine ganz andere Dynamik zwischen den Partnern entsteht. Für viele fühlt sich das wie unerreichbar an; oft ist es aber leichter möglich als gedacht. Eine solche Veränderung wird möglich, indem wir unsere Partner-anziehung transformieren – wer verunsichert ist, zieht Verunsicherte an; wer dagegen meist an sich und sein Glück in der Liebe glaubt, zieht in der Regel ähnlich selbstsichere Partner an. Entscheidend ist, womit wir innerlich in Resonanz sind – ist es mehr unser „verletztes Ich“ oder unser gefestigtes, selbstsicheres Selbst – und welche Resonanz wir so im Außen erzeugen.

Zuversicht, Vertrauen, Mut
Wenn es darum geht, für die Suche nach einem neuen Partner wieder mehr Vertrauen, Zuversicht und Mut zu erlangen, schlage ich meinen Klienten oft vor, sich realistische Ziele zu setzen, die bei ihnen Freude auslösen und die sie gern erreichen wollen. Dabei lege ich den Fokus ganz bewusst nicht auf den Partner, den sie finden wollen, sondern auf den Partner oder die Partnerin, die sie selber sein wollen. Freude auslösende Ziele, welche die nächste Beziehung anbahnen, können beispielsweise sein: „Ich bin fähig, einer Frau/einem Mann gut zu tun ... Nähe herzustellen … mich zu öffnen und bei mir zu bleiben ... meine Bedürfnisse klar und deutlich mitzuteilen … mich mit meinen Grenzen zu zeigen …“ Oder: „Ich bin stark genug, auf eine Frau/einen Mann zuzugehen und halte auch mal einen Korb aus.“ Als nächstes schauen wir dann, wie das jeweilige Ziel konkret in der jetzt vorhandenen Lebenssituation trainiert werden kann: Indem sich der betreffende Klient beispielsweise entscheidet, sich mit seinen Bedürfnissen und Wünschen gegenüber einem Kollegen oder Familienmitglied deutlicher zu zeigen als bisher. Oder indem er versucht, einmal in der Woche spontan mit einem Unbekannten ins Gespräch zu kommen und zu beobachten, inwieweit er dabei mit seinem „souveränen Selbst“ verbunden sein kann.

Das Spiel umdrehen: Partner sein statt Partner suchen
Viele meiner Klienten erleben es als freudvoll und selbststärkend, wenn sie sich in ihren Beziehungen zu anderen wieder bewusst als aktiv unterstützende „Führungskräfte“ erleben. Als Zielsätze biete ich Formulierungen an wie „Ich bin fähig, dich in deiner Persönlichkeit zu stärken … auch jetzt, wo ich mich noch etwas verletzt fühle, tue ich dies folgendermaßen auf meine Weise … und brauche nichts von dir!“

Positive Erfahrungen
Spüren wir, dass wir schon jetzt in unseren Beziehungen zu anderen Liebende, gute Freunde und vertrauenswürdige Kollegen sein können und trainieren dies bewusst, regelmäßig und in kleinen Schritten, so sorgen wir aus eigener Kraft für positive Erfahrungen. Wir stärken uns selbst. Kommen wir mit unserer Fähigkeit in Kontakt, andere zu stärken und erleben uns als als wirkliche, echte Partner, so handeln wir mehr und mehr aus unserem stabilen Selbst und nicht mehr aus unserem „verletzten Ich“. Wenn ich an dieser Stelle einmal persönlich werden und Ihnen etwas ans Herz legen darf: Gehen Sie nicht als Geschwächte(r) in Ihre nächste Beziehung. Nehmen Sie sich lieber eine Auszeit, heilen Sie Ihre Wunden und suchen Sie sich integre Menschen, die Sie stärken. Und dann stärken Sie andere! Nichts stärkt uns mehr, als wenn wir andere stärken. Bauen Sie ein Feld von Liebe auf, indem Sie sich selbst und anderen ein guter Partner werden. Leben Sie in einem Feld von Liebe, in dem sich Ihre nächste Beziehung ereignen kann, dann werden Sie diese Liebe auch sicher bald erleben!

Selbstreflexion
Egal, wie weit weg Ihre nächste Beziehung zu sein scheint: Worauf können Sie sich bereits jetzt freuen? Durch welche Aktivität könnten Sie sich auf Ihrem Weg in Ihre nächste Beziehung schon jetzt ein kleines Erfolgserlebnis bereiten? Wodurch könnten Sie sich stärken und zuversichtlicher werden?

Der Autor Dr. phil. Jochen Meyer ist CoreDynamik-Trainer und –Therapeut und arbeitet als Single-Coach und Paarberater in Berlin. Weitere Information zur Arbeit des Autoren auf www.jochen-meyer-coaching.de


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