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Ausgabe Januar 2015
Auf der Suche nach dem Ziel. Von Monika Feuerlein

„Wo ein Wille ist, da ist ein Weg“, heißt ein altbekanntes Sprichwort. Aber was, wenn der Wille auf dem Weg verloren geht und das Ziel vor Augen fehlt? Die Kinesiologin und schamanische Heilungsbegleiterin Mo Feuerlein hat selbst verschiedene Methoden aus

Es gibt Menschen, die scheinen von Geburt an zu wissen, was sie später machen oder „werden“ wollen. Wenn sie von ihrem Leben erzählen, hört sich dies an wie ein perfektes Drehbuch, in dem die Schritte völlig selbstverständlich aufeinander folgen und geradlinig auf ihre Lebensaufgabe, ihre Berufung zusteuern. Was aber können wir tun, wenn uns unser Lebensziel, geschweige denn der Seelenplan keineswegs so klar bewusst ist? Wenn wir das Gefühl haben, von einem Job, einer Beziehung ziellos zur nächsten zu irren und dann mit fortgeschrittenen Jahren immer mehr ins Grübeln kommen, ob sich dieses seltsame Puzzle irgendwann noch mal zu einem Bild zusammenfügen wird?

Aufbruch zum Geist des Nordens
Ich glaube, dass wir alle diesen Zustand der Orientierungslosigkeit kennen - und dass er, wenn wir ihn bewusst erleben, zu einer Quelle von Lebendigkeit und Kreativität wird. Die Reise zu uns selbst verläuft in Kreisen, sie führt in unser Zentrum, unabhängig davon, wie scheinbar schnell oder langsam wir uns im Außen fortbewegen.
Und doch brauchen wir Ideen, die uns motivieren, unseren Lebensgeist beflügeln. Wenn wir uns ohne Freude und Antrieb fühlen oder in den Strudeln immer mehr verlieren, ist es an der Zeit, uns neu auszurichten und den inneren Kompass wieder einzu-norden. Der Norden steht im Medizinrad der Inka-Schamanen für den Aufbruch und die Bestimmtheit; den Ort, an dem der geläuterte „Held“ seinen Seelenruf wahrnimmt und ihm folgt. Wenn wir uns an diese Position begeben, verwandeln wir unsere diffuse Unzufriedenheit in bewusste Unzufriedenheit (was möchte ich nicht mehr?) und unsere Suche nach Schuldigen im Außen auf die innere Bereitschaft zur Veränderung. Indem wir unsere Wünsche und Ziele erforschen, lenken wir die Aufmerksamkeit von Problemen auf neue Möglichkeiten. Und das, worauf wir unsere Aufmerksamkeit richten wächst!

Was ist ein gutes Ziel?
Aus diesem Grund beginnt in der Kinesiologie, einem körperenergetischen Ansatz, der über die Befragung der Körperweisheit die Selbstheilungskräfte aktiviert, klassischerweise jede Sitzung mit einer Zielfindung. Teils im Gespräch, teils unter Zuhilfenahme des Muskeltests, wird sondiert, welches Ziel gerade in diesem Moment das Beste ist. Ein gutes Ziel im kinesiologischen Sinne erfüllt vier Kriterien, die sich auch auf andere Situationen übertragen lassen: 1.Es ist positiv (es ist gut für mich; es geht nicht darum, etwas weg zu haben, wie Rauchen oder Kranksein, sondern darum, etwas hinzu zu haben, zum Beispiel mehr körperliches Wohlbefinden, mehr Beziehungsqualität). 2. Es ist aktiv. (Ich bin bereit, dafür etwas zu tun und mich auf Veränderungen einzulassen). 3. Es ist klar. (Ich habe eine Vorstellung davon, wie es sich anfühlt, wenn ich es erreicht habe). 4. Es ist energetisierend. (Mein Körper fühlt sich gestärkt an, wenn ich dieses Ziel vor Augen habe).
Keineswegs geht es dabei immer um große Lebensentwürfe und Visionen. Im Gegenteil: Zu langfristige Ziele können auch dazu führen, dass wir uns im Jetzt blockieren. Dagegen können Fragen wie: „Wofür möchte ich gesund sein?“, „Was bringt mich zum lachen?“ oder: „Wenn ich ein ganzes Jahr Urlaub und ausreichend Geld hätte, wem oder was würde ich dann mehr Raum geben?“ zum richtigen Zeitpunkt lang verschüttete Träume und Sehnsüchte zum Vorschein bringen.

Die innere Landkarte erstellen
Was der Muskeltest zu Tage bringt, lässt sich auch auf anderem Weg erfahrbar machen. Wenn ich innerlich feststecke, nutze ich gerne eine einfache Methode, um mir meine unbewussten Möglichkeiten und Gefühle bewusst zu machen: Ich lege mehrere Zettel (in der systemischen Arbeit werden sie „Bodenanker“ genannt) vor mir auf dem Boden aus. Auf jeden dieser Zettel schreibe ich Wörter und versehe sie dadurch mit bestimmten Qualitäten - beispielsweise das „Jetzt“, „meine Arbeit“, „meine zukünftige Beziehung“, „ich in meinem kreativen Potential“, „mein höheres Selbst“, „die Zweiflerin“... Dabei gibt es keine festen Regeln, ich folge einfach meiner Intuition, und schaue, welche inneren Anteile oder Lebensbereiche sich zu einer bestimmten Frage „melden“. Auf diese Weise entsteht ein Spiegel meiner inneren Landkarte, mit Höhenzügen, Tälern, Weggabelungen und Flussläufen, die ich nach Lust und Laune verschieben und bewegen kann. Dann stelle ich mich nacheinander auf jeden dieser Zettel mit beiden Füßen drauf und richte meine Aufmerksamkeit nach innen: Wie fühlt sich mein Körper an, welche Gedanken kommen mir an diesem Ort? Wie fühlt es sich an, wenn ich von dieser Position aus auf „mein Potenzial“ schaue? Welches Element will weiter ins Zentrum gerückt werden? Probiert es einmal aus, man kann dabei nichts wirklich „falsch“ machen. Geht es ganz spielerisch an, es ist besser, nicht gleich etwas Bestimmtes zu erwarten. Indem wir unsere innere Landkarte, unser inneres Puzzle - um das Bild vom Anfang wieder aufzugreifen - im Außen sortieren, gerät auch im Innern etwas in Bewegung. Wenn wir bestimmte Elemente wie „meine Form von glücklicher Beziehung“ oder „das Wunder in meinem Leben“ buchstäblich vor unseren Augen ins Zentrum rücken, uns in dieses Potenzial hineinstellen und uns einfühlen (= es für einen kurzen Moment verkörpern), verändert sich unsere innere Haltung. Und dadurch können neue Ereignisse und Begegnungen in unser Leben treten.

Deine Vision zum Tanzen bringen
„Mach den ersten Schritt im Vertrauen. Du brauchst nicht den ganzen Weg zu sehen. Mach einfach den ersten Schritt“, schrieb einst der amerikanische Baptist und Bürgerrechtler Martin Luther King. Wahre Ziele und Visionen sind keine Kopfgeburten. Sie entstehen, wenn wir unsere Vor-Stellungen und die Besessenheit von dem, was wir glauben darstellen zu müssen, loslassen. Das ist auch einer der Gründe, warum traditionelle Visionssuchen, die Vision Quests, uns erstmal aus dem „Tribe“ (der sozialen Gruppe, der wir angehören) herausholen und in den Wald oder die Wüste schicken. Sobald du eine Idee, und sei es nur eine Ahnung, von einem Herzensziel bekommen hast, dann feiere das damit verbundene Gefühl, male ein Bild in leuchtenden Farben, singe und tanze damit in wildem Gebet. Dann bitte um Segen und Führung durch dein Höheres Selbst und wende dich etwas anderem zu, um es wieder loszulassen. Wenn du dann offen bleibst, und um Unterstützung bittest, werden dich vermutlich bald die ersten unerwarteten Wegzeichen überraschen.



Die Autorin Monika (Mo) Feuerlein ist Begründerin der Praxis Lebensrad. Sie gibt kinesiologisch-schamanische Einzelsitzungen für Erwachsene und Kinder in Berlin-Prenzlauer Berg sowie schamanische Fernbehandlungen. www.lebensrad.net


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