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Ausgabe Dezember 2014
Schritte ins Erwachen. aus dem Buch von Wulfing von Rohr

»Erwachen findet längst statt. In jedem von uns. Sei darin ganz du selbst und folge deinem eigenen Weg.« Dies ist die Botschaft, für die sich der international bekannte Autor Wulfing von Rohr engagiert. Der nächste Quantensprung in der spirituellen Entwic

Spirituell erwachsen werden
Angst ist ein großes Hindernis, vielleicht das größte, das unser Erwachen vermeiden, blockieren, verzögern kann. Angst vor dem Tod gilt in der Psychologie als jene Angst, die irgendwie hinter allen anderen Ängsten und wohl sogar auch hinter allen Befürchtungen steckt. Aber es gibt unter Umständen eine andere Angst, die noch größer ist: die Angst vor der eigenen Größe, vor dem eigenen Licht, der eigenen Seelenkraft. Denn dabei schwingt die Angst mit, wir könnten spirituell überheblich sein oder werden, wir würden uns womöglich über »Gott« oder das Göttliche an sich stellen.
Nun gut, was sind »Kinder Gottes«? Sind es Gotteskinder? Ist in ihnen etwas Göttliches? Manche Mystiker drücken sich da ganz seltsam aus. Meister Eckhart ging einmal so weit zu sagen:

»Neulich überlegte ich, ob ich wohl etwas von Gott erbitten sollte. Aber dann wäre er der Herr und ich der Knecht. Und so soll es mit uns nicht stehen im ewigen Leben.«

Die Angst vor dem Tod ist sicher für die meisten Menschen groß, zumindest bisweilen auch für spirituelle Erwachende - und ich schließe mich ein. Aber noch größer ist offenbar die Angst vor der eigenen Größe, vor der »Göttlichkeit« des Menschen. Nelson Mandela rief uns zu, dass wir alle leuchten sollen. Er wies uns darauf hin, dass nicht die Dunkelheit, sondern unser eigenes Licht uns am meisten Angst macht.
Wir können spirituell erwachen und erwachsen werden. Dabei hilft es nach meiner Erfahrung, Angst und Unwissen anzunehmen, sich in beiden Welten und auf beiden Ebenen heimisch zu fühlen, auf der Erde und in der Geistigen Welt bzw. der Licht und Spiritwelt.
Spirituell ist, wer im Hier und Jetzt Mensch und für den Mitmenschen ein Freund ist, aber ohne sich zu übernehmen und zu glauben, er sei für das Wohlergehen der gesamten Welt verantwortlich.
Ein chassidischer Rabbi wurde einmal gefragt, ob es denn stimmte, dass alles von Gott geschaffen sei und dass wirklich alles auch »gut« sei. Wie es denn zum Beispiel gut sein könnte, Gott zu verleugnen. Er antwortete: Wenn ein Mitmensch neben uns in Not ist und leidet, dann müssen wir Gott verleugnen und sagen, »Es gibt keinen Gott«, und dann sind wir die Einzigen, die helfen können und sollen!

Wer kann wohl die offensichtlichen Übel der Welt heilen?
Hunger, Armut, Unterdrückung, Krieg, Ausbeutung, Kinderarbeit, Vergewaltigung, Ungleichbehandlung von Frauen bei Arbeit und Lohn … und und und? Soll und kann das Spirit machen? Gott? Göttin? Gebet? Frommes Wunschdenken? Esoterische Rituale? Kirchliche Beschwörungen? Psychologische Therapieformen? Wohl kaum. Da sind wir selbst gefragt. Ich muss jeden Tag neu entscheiden, ob ich mit den Mitmenschen, mit denen ich unmittelbar zu tun habe, fair und menschlich umgehe, vielleicht sogar freundschaftlich oder eben nicht. Ob ich teile oder versuche, mit allen möglichen Mitteln meinen Vorteil durchzusetzen? Wie oft bin ich von lieben Mitmenschen darauf hingewiesen worden, dass ich mich doch hier oder dort »ausnutzen« lasse. So what? Kann ja sein … Aber fühle ich mich in einem Korsett der engen Ausrichtung auf meine Vorteile wohler im Leben oder geht es meinem Herz damit besser, großzügig zu sein und damit womöglich selbst »weniger« zu haben? Das kannst du für dich ja selbst spüren.
Zu diesem Themenkreis gehört auch das Verzeihen. An anderer Stelle (in meinem Buch) möchte ich das vertiefen. Aber doch auch hier kurz: Vergeben, vergessen, sich versöhnen bedeutet nicht, Fehlverhalten von anderen oder mir selbst gutzuheißen und nachträglich zu belobigen. Sondern Versöhnung bedeutet, bereit zu sein für ein neues Leben im Jetzt.
Charlie Chaplin hat in seinen Worten zur Lebensweisheit die folgenden Begriffe genannt, die ich gern auch als Merkmale für spirituelles Erwachen übernehme: Vertrauen, authentisch sein, Reife, Aufrichtigkeit, Selbstliebe, Demut, Bewusstheit, Herzensliebe. »Das ist das Leben«, stellte er fest.
Erwachen für die eigene SeelenZeit ist, wie ich es sehe, bewusst eingesetzte Zeit für das Ich bin, für das höhere Selbst, für das Sein ohne Absicht, für die erwachte Öffnung der Seele für ihre einzigartige Individualität und zugleich unaufösbare Verbindung zu Allem, was ist, zu »Gott«, zum Leben. Als Inspiration am Ende dieser Gedanken ein Wort von Eileen Caddy, der Mitbegründerin von Findhorn: »Eine Seele ohne ein hohes Ziel ist wie ein Schiff ohne Steuerruder.«
Der eine wahre Weg, der einzig richtige Weg existiert nicht. Jede Suche danach ist vertane Zeit. Besser die SeelenZeit nutzen, den eigenen Weg zu finden. Das ist oft der, auf dem noch kein einziger anderer Mensch vorher gegangen ist. Das ist – leider oder Gott sei Dank – der Pfad, den wir uns erst mühsam bahnen müssen.
Der Erleuchtung ist es egal, wie du sie erlangst, lautete der kongeniale Titel eines wunderbaren kleinen Erleuchtungsbüchleins von Thaddeus Golas. Es erschien 1972, und ich möchte es nicht missen. Ich selbst habe vor einigen Jahren zwei Texte vorgelegt zum Thema Erwachen: Worauf es wirklich ankommt (Via Nova Verlag) und Kleine Erleuchtungen (Knaur Verlag). Und dabei natürlich auch gewusst, dass dies keine »endgültigen« Statements sein konnten, sondern Zwischenberichte von einer Bewusstseinsentfaltung, von einer Reise ins Erwachen. Deshalb kann ja auch mein neues Buch nicht mehr als eine weitere, vielleicht reifere und lichtvollere Zwischenbilanz sein.
Du bist geboren worden, um real zu sein, um ganz du zu sein, real im Hier und Jetzt – nicht um vollkommen zu sein.
Hör auf, nach dem Zauber zu suchen, nach dem mystischen Geheimnis, nach der Magie des Lebens, nach dem Mysterium des Seins – Du bist es! Du kannst ein ganzes Leben mit dem Versuch zubringen, eins mit dem großen Spirit zu sein. Oder du kannst dich einfach auf Liebe ausrichten und erkennen, dass du es ja schon bist – dass du immer eins warst und es auch jetzt bist und in Wahrheit immer sein wirst.
Das sind Ausdrucksformen einer freien Spiritualität, die in der Regel ganz ohne Religion und Kirche auskommt. Doch es lässt auch dort so etwas wie einen Weg in eine befreite Spiritualität wahrnehmen.

Der Autor Wulfing von Rohr ist Kulturforscher, Esoterikexperte, Seminarleiter und Autor zahlreicher, sehr erfolgreicher Bücher. Er war Gründungschefredakteur des ENGELmagazins, Mitarbeiter bei der Zeitschrift Bella Luna und hat Bewusstseins-, Engel- und Heilungskongresse organisiert. Neuerdings ist er Moderator bei WeltenWandel.tv – weiter Infos und Kontakt auf www.wulfingvonrohr.info

Buchtipp: Wulfing von Rohr, Schritte ins Erwachen - Dein Weg in eine befreite Spiritualität, 304 Seiten, € 17,99, Ansata Verlag 2014


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