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Ausgabe November 2014
Beitragsreihe 2014 von Andreas Krüger Homöopathisches Heilmittel: Schweinemilch

Leben ist lieben und lieben ist Leben.

H. Schäfer: Welches homöopathische Mittel möchten Sie heute vorstellen?
Andreas Krüger: Die Schweinemilch – carbo sues – oder der verkohlte Schweinespeck. Es gibt kein Tier in unserer Gesellschaft, das so verachtet wird, das mit so vielen negativen Begriffen belegt wird, das so oft gequält, kastriert und gedemütigt wird wie das Hausschwein. Ich bin seit acht Wochen Veganer und trotzdem weit davon entfernt zu sagen, dass ich mein Schweinekarma abgearbeitet habe. Aber wenn ich darüber nachdenke, was für eine Energie ich zu mir genommen habe – obwohl ich in den letzten Jahren nur noch Bio-Schwein aß –, möchte ich nicht wissen, wo unsere Curry-Würste herkommen und ich möchte auch nicht wissen, wo die Unmengen Fleischsalat herkamen, die ich in meinem Leben zu mir genommen habe, genauso wie meine Unox- oder Deutschland-Würstchen, die ich in meinen selbstgemachten Hot-Dogs verputzt habe. Wahrscheinlich habe ich in mir so viel Energie von gequälten, geschundenen und geschlachteten Schweinen zu mir genommen wie nur irgendwas.
Man sagt, „du bist, was du denkst“ oder „du wirst, was du denkst“ und „du bist, was du isst“.
Ich denke, dass wir uns durch Nahrung wirklich Wirklichkeit zufügen – und nicht nur Nährstoffe – und dass wir uns durch unser Denken Wirklichkeit erschaffen. Vor vielen Jahren, kurz nach ihrem Tod, erschien mir meine Himmelstochter Lea Paulina – im Hintergrund hörte ich schreiende Tiere. Sie brachte mir immer Botschaften von Franz von Assisi und sagte: „Papa, der Onkel Franz lässt dir ausrichten, solange unsere Tierbrüder noch schreien, wird es keinen Frieden geben in unseren Seelen und auf dieser Welt.“ Ich musste an Tucholsky denken, der sagte: „Solange es noch Schlachthäuser gibt, wird es Schlachtfelder geben.“
Was tun wir diesem Tier an? Und warum?
Es ist unbeschreiblich. Vor allem, wenn ich in den Wäldern die Wildschweine sehe, wie sie herrschaftlich den Herbstwald durchpflügen und wie jeder dumme, kleine, lycopodische Jäger Angst vor ihnen hat, wenn sie seinen Terrier aus dem Busch herauswerfen – was für eine Mächtigkeit, was für eine Grazie, was für eine Königlichkeit eine alte Sau mit ihren Ferkeln im Wald hat. Dann frage ich mich, wo das alles geblieben ist? Geblieben ist ein ängstliches, eingesperrtes und durchtraumatisiertes Stück Fleisch.
Und diese Schweinemilch als Heilmittel?
Schweinemilch und gebratener Schweinespeck – ein Heilmittel für Menschen, die arme Schweine sind und die völlig vergessen haben, dass sie eigentlich kraftvolle Wildsäue sind, die durch den Wald rennen, grunzen, sich liebend paarend und Wurzeln ausreißend ihr Leben verbringen und die jetzt in ihren Ein-Raum-Wohnungen sitzen und Junkfood fressen. Von der großen Lebendigkeit und der beeindruckenden Herrlichkeit ist nichts mehr übrig geblieben – außer wabbeliges, weißes Fleisch. Und die drei Härchen, die sie noch am Körper haben, lassen sie sich wegwachsen, damit ihr wabbeliges, weißes Fleisch auch überhaupt nicht borstig ist.
Was hat das mit Liebe zu tun?
Wenn ich auf meine Praxis von 34 Jahren zurückblicke, dann kann ich sagen, dass diese 34 Jahre bestimmt waren von dem Versuch, Menschen zu helfen, weniger zu leiden. Ich denke, mein eigenes Lebensthema ist, Menschen zu helfen, so zu werden, wie sie gemeint sind, sich und ihre Art zu zünden, zu vibrieren, zu manifestieren, alle Tabus, alle „du darfst nicht“, alle „du bist Schuld, wenn du so…“ von ihrer Festplatte zu eliminieren, die bis jetzt erfolgreich in ihrem Leben verhindert haben, dass sie nicht ihrer Natur gemäß, nicht ihrem Auftrag gemäß gelebt haben. Ich habe lange, lange nach der Urwunde, dem Urthema, das Menschen davon abhält zu leben, geforscht. Und da komme ich zu einem meiner ganz wenigen Dogmen: Leben ist lieben und lieben ist Leben. Das eine geht nicht ohne das andere. Ich kann existieren, ohne zu lieben. Ich nenne das „den zombischen Menschen“. „Der Mensch wird zum Mensch durch die Poesie“, hat einmal jemand gesagt und der poetischste Ausdruck unseres Menschentums ist die Liebe. Ich habe in meinem Leben viele Liebesbriefe geschrieben, viele Liebesbriefe bekommen und ich glaube, ich habe 100.000 Zeichen Liebesbriefe in meinem Leben gesimst. Auf jeden Fall weiß ich, dass ich nie so lebendig und gesund bin, als wenn ich über Liebe spreche, über das Thema lehre oder wenn ich sie mache. Alle drei sind die Grundlagen unseres Lebendigseins.
Wie kommt es, dass wir uns nicht einfach nur lieben?
Am sichersten, damit es nicht passiert, ist die Scham.
Die Scham kommt noch vor der Schuld. Die Schuld entwickelt sich aus der Scham. Wenn wir uns und für etwas nicht schämen, fühlen wir uns nicht schuldig. Die Scham ist es, die uns hindert, lieben zu lernen.
Der Scham-Dämon ist der verhinderndste und unterdrückenste Dämon, den es gibt. Ich habe mich früher so dafür geschämt, dass ich so viel geliebt habe und dass ich auch so viel geliebt werden wollte. Als ich anfing, die Liebe zu probieren, bekam ich immer ganz heiße, rote Ohren, wenn ich mich einem Mädchen annäherte. Damals hatte ich noch so große, abstehende Ohren, die dann auch noch glühten. Und dann machten mich die Männer immer blöd an, die nicht so viel Chancen bei den Mädchen hatten, mit blöden Sprüchen wie: „Na, schämst du dich wieder? Wirst ja rot wie’n Feuermelder.“ Eines Tages kam ein Kumpel zu mir und sagte, dass er eine sichere Methode für mich hatte, nicht mehr rot zu werden: kiffen. Das war die Chance, denn es gibt nichts Schlimmeres, als sich für sich selbst zu schämen.
Und, haben Sie den Rat befolgt?
10 Jahre lang habe ich gekifft und konnte mit Mädchen flirten, ohne rote Ohren zu kriegen. Ich habe meine Scham quasi weggekifft. Ich glaube auch, dass die Scham der Hauptgrund ist, warum Menschen Drogen nehmen – um sich nicht zu schämen. Und ich glaube, wenn wir die Scham heilen, würden 90% weniger saufen und 80% weniger kiffen und wahrscheinlich 100% mehr lieben. Ich habe mich seit 20 Jahren mit dem Thema Scham beschäftigt. Ich habe Tausenden von Menschen Mittel für oder gegen ihre Scham gegeben und ich konnte bei vielen Menschen eine Veränderung ihrer Scham erreichen. Wer traut sich denn schon als normaler Charlottenburger Bildungsbürger in ein Café zu gehen und sich neben jemanden zu setzten, den er nett findet und ihm Rilke vorzulesen? Traut sich doch keiner. Schämen sich doch alle.

„Die Summe unseres Lebens sind die Stunden, in denen wir liebten.“ Wilhelm Busch

Ich kenne Frauen, die sind seit 15 Jahren Single, leiden darunter, bekommen Gebärmutterhalskrebs, weil sie sich schämen, einem Mann ihre Bedürftigkeit zu zeigen und dafür vielleicht einen Korb zu kriegen. Lieber machen sie nichts. Oder sie verbleiben in ihren unglücklichen Ehen, unangefasst und verdörrend. Sie müssen ja ihre Ehe gar nicht verlassen, Ehe ist Grundsicherheit und es ist gut zu verstehen, wenn jemand sagt, dass er lieber in einer schlechten Ehe lebt als in gar keiner. Aber sie gehen nicht raus in diese Welt und gucken, ob es nicht jemanden gibt, der ihnen ein bisschen von dieser Liebe gibt, die sie so brauchen. Es gibt nichts Besseres für Tumore des Gebärmutterhalses als Liebe. Die Meisten schämen sich mit über 50 jemanden anzusprechen.
Irgendwie schämen sich auch Männer, aber wir haben das Glück, dass wir Mütter haben, die uns immer erzählen, dass wir die Größten sind und jede Frau, die uns nicht liebt, eine Macke hat. Leider erzählen diese Mütter ihren Töchtern genau das Gegenteil. Wie viele Mütter habe ich erlebt, die zu ihren Töchtern – die noch im besten Reich‘schen Sinne unverklemmt autonom regulierend waren und anfingen, lustvolle Sexualität zu leben – sagten: Das geht doch nicht, was sollen denn die Nachbarn denken? Es gibt eine Untersuchung über Liebesgeräusch, dass 95% aller Frauen 70% ihrer Liebesgeräusche unterdrücken, weil sie sich einerseits fragen, was ihre Partner von ihnen denken, wenn sie sich so oder so liebesgeräuschtechnisch artikulieren und andererseits, was der Nachbar von ihnen denkt? Wie guckt der mich morgen an, wenn er mich heute durch die Wand 25 Mal Caesar schreien hört?
Schweinemilch hilft also bei Schamgefühlen?
Es gibt viele Mittel in der Hömöopathie für Scham. Das beste und sicherste Mittel ist die Schweinemilch, denn sie heilt elementarste Scham. Schweinemilch hilft uns, wieder ein Schwein zu werden, wieder nach dem Lachen zu grunzen oder wieder bei der Liebe oink, oink, oink zu rufen. Schweinemilch ist das beste Mittel bei Unterdrückung durch Scham.
Schweinemilch hilft auch, das weiße Röllchen am Bauch, das man nach dem dritten Kind hat, als ein Ehrenzeichen anzusehen. Ich habe noch nie mit einem Mittel so viele Menschen in die „Schamlosigkeit“ getrieben wie mit Schweinemilch. Ich finde Schweinemilch ist das Mittel für die anorgastisch, lautlose Chalottenburger Oberstudienrätin, die in einer unglücklichen Beziehung lebt, in der sie seit 20 Jahren nicht mehr angefasst wurde. Und davon haben wir hier massenhaft. Der beste Beweis ist Übergewicht, das ganz viel mit Schutz vor Schönheit zu tun hat. Man schämt sich für seine Lust. Man schämt sich dafür, dass man eigentlich angefasst werden möchte und entwickelt darüber Übergewicht. Das klappt nicht immer, denn wenn jemand halbwegs medial begabt ist, sieht er die Schönheit trotzdem, aber Übergewicht belastet die Gesundheit und macht krank. Um dieses Problem loszuwerden, kann man Schweinemilch für die Scham nehmen und verbrannten Schweinespeck zum Abbau der Fettzellen und zur Stillung dieses großen Hungers. Schweinespeck nimmt man in C 10, 2x täglich 2 Tropfen. Schweinemilch nimmt man in 1300, 1 x wöchentlich 1 Kugel. Mögen alle ihr Schwein zünden, vibrieren, manifestieren, heiligst erwählen. Mein alter Hippiesänger David Piel hat mal ein Lied geschrieben, das heißt „oink, oink“: eine Hymne auf das Schwein!

Andreas Krüger ist Heilpraktiker, Schulleiter und Dozent an der Samuel-Hahnemann-Schule in Berlin für Prozessorientierte Homöopathie, Leibarbeit, Ikonographie & schamanischer Heilkunst. Sein letztes Buch „Heiler und heiler werden – Gespräche über die Heilkunst“ erschien im Verlag Simon + Leutner, 2013.
Weitere Informationen: Samuel-Hahnemann-Schule, Mommsenstr. 45, 10629 Berlin, Tel.: 030-323 30 50, buero@heilpraktiker-berlin.org, www.Samuel-Hahnemann-Schule.de

Schweinemilch gibt es in Deutschland in verschiedenen Apotheken, z. B.: Ratsapotheke, Tel.: 0727-2930940, oder Brahms Apotheke, Tel.: 094172656


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