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Ausgabe Oktober 2014
Identität - Die Symbolon-Identitäts-Aufstellung als Weg zur Bewältigung einer beschädigten Identität. von Dr. Peter Orban


Hat ein Mensch ein bestimmtes Alter erreicht oder gar überschritten (etwa ab dem 63. Lebensjahr), so wird ihm mitunter erschreckend gegenwärtig, dass ein “großer Teil seiner Zukunft bereits hinter ihm liegt”. In diesem Modus, den die Wissenschaft “midlife crisis” zu nennen sich angewöhnt hat, bestimmt ein neues Fahrwasser sein Leben und er treibt an Landschaften vorbei, die mit den vorher vertrauten kaum noch etwas zu tun haben.
Der normale Ego-Weg, bestehend aus Karrieren, erfüllten Partnerschaften, Weltumrundungen oder einfach nur “Freiheit und Abenteuer” - oder doch wenigstens den Träumen davon -, hat nicht (oder nur kurzfristig) die erwarteten Resultate erbracht. Jetzt ergeben sich völlig neue Fragestellungen, deren Antworten mich mitunter recht grausam zu völlig unvertrauten weiteren Themenkomplexen hinführen. Für die hier heraufdämmernde Hauptfrage ist niemand jemals bereit, weil jedes Ego sie als eine unglaubliche Kränkung empfindet: Es ist die Frage nach meiner Endlichkeit!

Ja, ich bin endlich!
Irgendwann werde ich aus dem Gesamtzusammenhang “Welt” mit all meinen Zugehörigkeiten heraustreten müssen: Und dieser Gedanke kann mich entweder depressiv (manchmal zum Säufer) werden lassen – oder mich klug machen. Über “Weisheit” weiß ich in meiner augenblicklichen Verfassung zu wenig, halte ich “Weisheit” doch auch für eine Karotte, geschnitzt von esoterischen Fahrzeug-Verkäufern. Auch die hinter jeder Selbsterkenntnis lauernde Frage: Wer bin ich? ist heute nur noch für esoterische Traumtänzer direkt im Buchregal neben “Wie trennen Engel ihren Müll?” und “Feuerlaufen unter Wasser!” zu finden. Und doch kommen wir der Absicht des hier beschriebenen Themas der Identität sehr viel näher, wenn wir das “Erkenne dich selbst” geringfügig abändern von “Wer bin ich?” zu: “Welche Teile meiner Welt machen mich aus?”

Welche Teile meiner Welt halten mich zusammen?
“Und was geschieht, wenn immer mehr Teile, die mich ausmachen, im Laufe meiner fortschreitenden “timeline” nicht mehr zur Verfügung stehen?” Noch einmal kurz zum Mitschreiben:
Unser Thema behandelt die alte Faustische Fragestellung: “dass ich erkenne, was die Welt im Innersten zusammenhält” in einer nur ein klein wenig abgeänderten Form, nämlich als: “dass ich erkenne, was mich im Innersten zusammenhält”. Identität können wir – in einem zweiten Schritt – verstehen, als wäre es ein Bausatz: bestehend aus einer endlichen Zahl von verschiedenen Bausteinen, setzt sich dieser Bausatz, der in unserem gedachten Bild die Identität eines Menschen bildet, zu immer neuen Gebilden zusammen, nirgends an ein Ende geraten, nirgends einen Menschen zweifach gestaltend. Jeder dieser dergestalt zusammengesetzten Menschen besitzt als Identität ein Unikat, und zwar: niemals ein falsches, niemals ein zerstörtes, niemals ein krankes, aber immer ein nicht Verstandenes, das so ausschaut, als wäre es gestört. Freilich, wir selbst erklären es dazu!
Da wir bereits vier Jahre lang diese einzelnen Bausteine nicht nur benennen, sondern auch - als wären es Familienmitglieder - in einer Art Familienaufstellung behandeln, wollen wir einige dieser Bausteine als Beispiel-Liste darstellen. Natürlich ist diese Liste im Einzelfall zu korrigieren oder zu ergänzen.

Folgende Bausteine sind die herausragenden:
meine körperliche Unversehrtheit
mein Beruf (mein Standbein)
meine Partnerschaft
meine Kinder
meine Tiere
meine Wohnsituation
meine Hobbies, (z. B. das Schreinern zu lernen um ein Segelflugzeug zu bauen)
meine Sammlungen (Bücher, Autos, Brief-marken, Comics, Streichholzschachteln etc.)
meine Freunde
meine Reisen
meine sportlichen Betätigungen
meine altersbedingten körperlichen Veränderungen
meine sexuellen Obsessionen
meine Vorstellungen und Ideen (Freiheit, Gleichheit etc.)
meine Träume (M. Luther King: I had a dream)
mein ökologisches Leben (vielleicht als Selbstversorger)
meine politischen Überzeugungen (Liberaler, Faschist, Kommunist etc.)
mein politisches Tätigwerden (also mein Handeln)
meine Zugehörigkeit zu einer Religion (und vieles mehr!)
meine neues Projekt (gleichsam eine Art Joker, der mir als eine Projektion in die Zukunft Hilfestellung geben kann).

Jeder Leser kann sich mit Hilfe dieser Liste selbst prüfen, wie es um seine Identität bestellt ist. Man denkt sich zu diesem Zweck, dass jede Identität (also jedes Leben) aus 100 Einheiten besteht. Und jetzt teilst du diese hundert Einheiten in die Felder auf, die für dich entscheidend sind. Also wählt du beispielsweise (immer von den 100) für das Thema Partnerschaft: 15 Teile, Beruf: 25 Teile, Freunde: 7 und so weiter. Und am Ende korrigierst du die Gesamtsumme so lange bis du tatsächlich 100 Einheitspunkte erreicht hast. Du hast dann eine erste Anmutung darüber, wie es tief in deinem Inneren um deine Identität bestellt ist.


Der Autor Dr. Peter Orban ist Therapeut und Astrologie in Frankfurt am Main. Symbolon, seine Praxis, die er zusammen mit seiner Frau Heidemarie führt, existiert jetzt bereits seit 35 Jahren. Weitere Infos auf www.symbolon.de


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