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Ausgabe Juli 2014
Die Kunst, sich glücklich zu verlieben. Von Jochen Meyer

Woran wir uns bei einer guten Partnerwahl orientieren können.

Wie kommt eine gute Partnerwahl zustande? Woran orientieren wir uns, wenn wir uns in einen passenden Partner verlieben? Was führt uns da zusammen und worin besteht dieser innere Kompass, der uns eine gute Wahl treffen lässt? Und warum ist es gerade in der Liebe so schwierig, auf dieses Vermögen zurückzugreifen?
Betrachten wir eine gute Partnerwahl rückblickend, so erleben wir sie oft als ein Zusammengeführtwerden, als eine Art Fügung und nicht als Ergebnis von etwas, das wir geplant und gemacht haben. Wir sagen dann, wir hatten den richtigen Riecher oder ein gutes Gespür. Eine gute Orientierung kommt aus dem Off, wie eine Eingebung, die irgendwann einfach da ist. Von einem Moment zum anderen wissen wir, was richtig für uns ist. Eine Art sechster Sinn ist in uns aktiv geworden.

Den sechsten Sinn trainieren
Richtungsweisende Eingebungen tauchen am ehesten dann auf, wenn wir entspannt sind und unser Gehirn nicht mit Stress belasten. Orientierung finden wir, indem wir uns entspannen und für Muße sorgen, zum Beispiel beim Spazierengehen, Tagträumen oder hingebungsvollem Nichtstun. Das Geheimnis besteht darin, dass wir uns leer machen müssen, um wieder gefüllt zu werden. Ein überflutetes Gehirn kann weder etwas aufnehmen noch neues hervorbringen; erst ein inneres Leerwerden ermöglicht, dass sich neue Eingebungen einstellen. Wer nicht gut mit sich verbunden ist, wird das nur eingeschränkt erleben. Wer sich die ganze Zeit mit den Anforderungen der Außenwelt beschäftigt und seinen Geist mit Unmengen flüchtiger Informationen füllt, kommt nur selten zur Ruhe und wird es schwer haben, Eingebungen von innen her zu empfangen.

Raus aus dem Kopf, rein in den Körper
Entscheidend ist also, dass wir unserem Organismus und unserem Gehirn ermöglichen, sich zu erholen und mit neuer Energie aufzuladen. Ich selbst habe in der Achtsamkeitsmeditation eine spirituelle Praxis gefunden, die mich immer wieder zu mir bringt. Wenn ich mich hinsetze, innerlich still werde, meinen Körperempfindungen nachspüre; wenn ich versuche, empfänglich zu sein für das, was gerade geschieht, dann stellen sich oft wie von selbst neue Gedanken ein. Dann fliegen mir Einsichten zu, auf die ich sonst niemals gekommen wäre. Ich erlebe dann, wie ein anstrengendes, zwanghaftes, ergebnisfixiertes Denken einem flexibleren und geräumigeren Bewusstseinszustand weicht, in welchem ich einer höheren Kraft vertraue, dass sich schon im richtigen Moment eine neue Einsicht zeigen wird. Ich erlebe dann, dass ich von innen her spüre, was ich brauche oder wie ich eine gute Entscheidung für mich treffe. Hier handelt es sich um ein Bewusstsein, das gleichzeitig fühlt und denkt, also um ein ganzheitliches Erkennen. Gute Eingebungen entstehen beim Meditieren genauso wie beim Joggen oder beim Kochen eines Lieblingsessens. Entscheidend ist, dass wir aus dem Grübeln aussteigen, unseren Körper spüren und eine ganzheitlichere Wahrnehmung zulassen. Ob wir Meditieren, Qi Gong oder Yoga machen oder eine durch andere Aktivitäten in einen solchen Bewusstseinszustand gelangen, ist sekundär. Zum Glück führen viele Wege nach innen. Für mich kann ich sagen, dass meine Meditationspraxis lebens- und auch beziehungsverändernd ist. Nach einigen Jahren regelmäßiger Praxis weiß ich: Nur weil ich gut in Kontakt mit mir bin, kann ich gut in Kontakt mit anderen sein. Nur wer sich selber spürt, kann andere gut erspüren.

Partnerwahl – Frage einer gesunden Intuition
Verlieben wir uns in einen neuen Menschen, so stürzen dermaßen viele Eindrücke auf uns ein, dass unser Verstand niemals imstande wäre, eine zuverlässige Einschätzung dieser Person zu treffen. Es bleibt uns also nur unsere Intuition, um zu erkennen, mit wem wir es zu tun haben. Bei einer guten Partnerwahl geht es allerdings um die Frage, ob wir zueinander passen. Und hier kommen uns häufig alte Prägungen in die Quere. Oft spüren wir nicht, ob der Mensch, in den wir uns verlieben, zu uns passt. Unser inneres Orientierungssystem versagt; manchmal verlieben wir uns sogar gegen unsere inneren Stimmen in Partner, die nicht zu uns passen. Manchmal sind wir uns aber auch vollkommen sicher, endlich „den Richtigen“ gefunden zu haben, und merken erst später, dass wir doch nicht zueinander passen. In solchen Fällen ist unsere Intuition gestört oder von anderen Impulsen aus unserem Unbewussten überlagert. Wir brauchen also eine gesunde Intuition, wollen wir nicht in die Irre geführt werden. Das erfordert, dass wir fähig werden, ungünstige Prägungen zu erkennen und ein Gespür für Menschen zu entwickeln, die wirklich zu uns passen. Das sind oft nicht die, auf die wir im ersten Moment abfahren oder die unserer bisherigen Partneranziehung entsprechen. Wir können jedoch unsere Intuition schulen, indem wir unseren inneren Kompass auf die Frage ausrichten: „Tut sie/er mir wirklich gut?“ Menschen, die sich immer wieder unglücklich in „den Falschen“ verlieben, haben oft ein unzulängliches Gespür dafür, was es heißt, einander in einer Liebesbeziehung gut zu tun, vom Partner gut behandelt zu werden oder in einer stabilen, vertrauensvollen Verbindung zu leben. In solchen Fällen müssen wir unsere gesunde Intuition oft erst wiederentdecken oder freilegen. Zum Beispiel, indem wir achtsamer werden und genauer hinschauen als bisher. So kann es hilfreich sein, sich beim Kennenlernen über folgende Fragen klar zu werden:

-Ergänzen sich unsere Persönlichkeiten auf gute Weise oder müssen wir mit allzu viel Kontrast und Reibung fertig werden?
-Unterstützen wir einander oder sabotieren wir uns gegenseitig?
-Kommen im Zusammensein unsere positiven Seiten zum Vorschein oder ist das Gegenteil der Fall?

Vereinfachend können wir es auf die Frage reduzieren: „Gibt uns unsere Beziehung Energie oder kostet sie uns Energie?“ Das erste bezieht sich auf die neue Prägung, die wir anlegen wollen – dass wir wirklich Liebe verdienen und einen unterstützenden Partner an unserer Seite haben, dass wir eine Beziehung eingehen, die uns stärkt – das zweite steht für die bisherige Prägung, die wir überwinden wollen.
Wir müssen nicht mit jemandem zusammenbleiben, der uns nicht gut tut, nur weil wir uns verliebt haben. Wir können uns auch wieder entlieben und unseren Orientierungssinn dazu bringen, einen passenderen Partner zu finden. Einen Partner, mit dem wir besser harmonieren, lebendig in Kontakt sein können, der uns stärkt und den wir stärken. Zum Glück wissen wir alle, wie sich partnerschaftliche Liebesbeziehungen anfühlen und wodurch sie sich auszeichnen. Auf dieses innere Wissen können wir trotz aller Verunsicherungen immer wieder zurückgreifen. Wir finden zu unserem gesunden Orientierungssinn zurück, wenn wir uns beim Kennenlernen immer wieder fragen: Ermöglicht mir diese Frau oder dieser Mann eine partnerschaftliche Verbindung? Ist sie integer, kann er mir ein wirklicher Partner sein? Tun wir einander gut? Erst wenn wir das voneinander fordern und die Verantwortung für unsere Partnerwahl übernehmen, schaffen wir die Voraussetzungen für eine gute Verbindung und legen den Grundstein für eine Liebe, die gelingt.


Übung zur Stärkung der Intuition im Kontakt mit anderen:
Versuchen Sie, im Kontakt mit anderen die Aufmerksamkeit weg von Ihrem Gegenüber auf sich selbst zu lenken. Achten Sie zum Beispiel bei einem Gespräch mit anderen auf das Hara, den Körperschwerpunkt etwas unterhalb des Bauchnabels. Beobachten Sie Ihre At-mung, die Empfindungen Ihres Körpers, den Kontakt zum Boden oder zur Sitzfläche. Spü-ren Sie, wo Sie körperlichen Halt finden und in sich ruhen können. Versuchen Sie, einen "sicheren Ort" in sich zu finden und kehren Sie immer wieder zu ihm zurück. Im weiteren Verlauf der Begegnung können Sie mit Ihrer Wahrnehmung weiter hin- und herpendeln: "Ich bin bei dir und spüre dich und ich bin bei mir und spüre, was in mir vorgeht. Ich re-gistriere alle Impulse, die aus meinem Inneren aufsteigen… Ich bin mit mir verbunden und kann gleichzeitig bei dir sein... Mal bin ich mehr bei dir und mal wieder mehr bei mir... Mal verliere ich mich, und dann finde wieder zu mir zurück und spüre meinen sicheren Ort."

Jochen Meyer: „Liebe verwirklichen. Offene Coaching-Gruppe für Singles“ am 30. 7. und 20. 8. // Vortragsreihe „Finde deinen Partner! Die sechs Schritte zur erfüllenden Partnerschaft“ im Aquariana ab 12. 9. Informationen unter 030 – 7790 6127 und www.jochen-meyer-coahing.de

In der nächsten Ausgabe: Sich für die Liebe entscheiden: Woran Sie einen passenden Partner erkennen


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