aktuelle Seite: ARCHIV   
Jahr:
2019 | 2018 | 2017 | 2016 | 2015 | 2014 | 2013 | 2012 | 2011 | 2010 | 2009 | 2008 | 2007 | 2006 | 2005 | 2004 | 2003 | 2002 | 2001 |

Ausgabe April 2014
Beitragsreihe von Andreas Krüger Homöopathisches Heilmittel: Phosphor Himmelhoch jauchzend – zu Tode betrübt

Andreas Krüger mit dem fünfzehnten Teil seiner Beitragsreihe über wichtige homöopathische Arzneimittel.

H. Schäfer: Worüber wollen wir heute reden?
A. Krüger: Über eine der vielen Facetten von Phosphor: himmelhoch jauchzend – zu Tode betrübt. Phosphor hat viel mit Künstlersein, mit Ekstase und mit Applaus zu tun. Als junger Mann war ich lange Zeit in Griechenland, um dort homöopathische Ärzte auszubilden. In dieser Zeit lernte ich auch Bert Hellinger kennen und erzählte den Griechen begeistert von seiner Arbeit. Irgendwann wollten sie diese Arbeit auch mal auch mal praktisch kennenlernen und waren so begeistert, dass ich in Thessaloniki – und damit zum ersten Mal in Griechenland – ein Aufstellungs-Seminar machte. Die Griechen sind ein sehr begeisterungsfähiges Volk, sie können dich mit Liebe überschütten und dir die Hände küssen – was ein Berliner Schüler noch nie bei mir gemacht hat. Ich als Narzisst – Phosphor ist das wichtigste Mittel aus der Rubrik Narzissmus – wurde natürlich gefüttert. Nun bin ich als hysterischer Mensch auch sehr süchtig, habe 60 Karelias-Zigaretten geraucht, habe in Kneipen herrliche Musik gehört und bin jeden Abend betrunken ins Bett gefallen. Am nächsten Morgen gab es einen doppelten Espresso, einen halben Liter frischen Orangensaft und wieder 15 Aufstellungen. Es war also eine einzige Ekstase! Phosphor ist ein Mittel, wenn Menschen nach besonders ekstatischen Erlebnissen krank werden. Ich glaube, ich war noch nie so glücklich und war noch nie so in meiner Kraft wie an diesem Wochenende. Nachdem mich alle am Flughafen mit viel Aufwand verabschiedet hatten, musste ich durch diese Sperre gehen und auf einmal war es ganz leise. Ich setze mich auf meinen Koffer, zündete mir eine letzte Zigarette an und summte ein Lied vor mich hin, das für mich das Phosphorlied an sich ist: „Stay just a little bit longer“ von Jackson Brown. In dem Lied schreibt er, dass ein völlig ekstatisches Konzert gerade vorbei ist und er ganz alleine in dem Saal sitzt. Das passte einfach genial in meine Situation: Das Konzert ist vorbei, es war wunderbar, aber jetzt ist alles leer. Eben noch himmelhoch jauchzend, jetzt zu Tode betrübt.
Phosphor ist auch eines der wichtigsten medialen Mittel, und in dieser Situation habe ich einen Satz gesagt, der typisch für Phosphor ist, denn es ist ja auch ein tuberkulinisches Mittel. Den Satz habe ich danach nie wieder gesagt und ich werde ihn auch nie wieder sagen. Ich sagte: „Es war so schön und so ekstatisch, unwiederholbar, da kann eigentlich nichts mehr kommen. Eigentlich könnte ich jetzt auch sterben, denn alles, was jetzt danach kommt, ist kalter Kaffee.“

Oh là là...
Ja, es war Quatsch, aber das habe ich in dem Moment gedacht. Aus diesem Satz ist eine schwere Lungenentzündung geworden, die mich sechs Wochen lang beutelte und auf die kein homöopathisches Mittel ansprach. Ich nahm zusätzlich Pflanzen, bekam außerdem Akupunktur, bin zu meinem Psychotherapeuten gerannt und musste trotzdem am Tag fünf Unterhemden wechseln, weil ich so schwitzte. Natürlich habe ich weitergearbeitet und – ich gebe es zu – sogar auf Aspirin zurückgegriffen. Der einzige angenehme Nebeneffekt der Krankheit war, dass ich 15 Kilo abnahm – was sich durchaus gut anfühlte. Denn auch das liebt Phosphor: dieses leicht Nekrophile mit Assoziationen zum Zauberberg. Aber es wurde immer schlimmer und eines Tages schickte mich meine Frau zu einem Arzt. Erst wehrte ich mich mit Händen und Füßen, bin dann aber doch hingegangen und er sagte mir: „Sie hatten mal eine Lunge und anhand der Blutwerte sehe ich, dass Sie eine schwere Leberentzündung hatten, weil die Pneumokokken der Lungenentzündung auf Ihre Leber gegangen sind und die Leber sich jetzt auch in Auflösung befindet.“ Dann ging ich zum Radiologen, der eine schwere beidseitige Lungenentzündung feststellte und mir Antibiotika nahe legte, wenn ich nicht bald sterben möchte. Dagegen habe ich mich trotz allem gewehrt und mich noch einmal mit meinem Homöopathen verabredet, aber ich war schon echt auf der Kippe. Ich konnte kaum noch laufen, konnte kaum noch atmen, ich konnte fast gar nichts mehr.

Wie lange ist das her?
Das ist jetzt ungefähr 16 Jahre her. Es war die erste schwere Krankheit, die ich nach meiner Migräne hatte. Als ich wieder einmal wegen Schlaflosigkeit nachts um vier „Roseanne“ guckte, ging plötzlich der Fernseher aus und es wurde auf eine ganz merkwürdige Art und Weise leicht windig im Zimmer. Und dann sah ich ihn! Es war das erste Mal in meinem Leben, dass ich einen Engel sah. Er stand in meinem Wohnzimmer, riesig groß, obsidianartig – also ganz glänzendes Schwarz – und er war einfach gigantisch. Wunderschön und edel. Er guckte mich ganz freundlich an und hielt mir die Hand hin. In dem Moment wusste ich, dass alles gut war und wenn ich diese Hand nehmen würde, aus meinem Körper raustreten könnte und er würde mich irgendwo hin mitnehmen, wo ich nie mehr Sorgen haben werde. Dann würde ich in die reinen Länder gehen. Das war mir total klar. Und das hatte in dem Moment auch ein Faszinosum, dass endlich Ruhe ist. Denn nach Thessaloniki konnte ja nichts mehr kommen.
Und dann hörte ich meine Tochter husten und dachte: „Ne, so schön und so heilig es jetzt ist, mit dem mitzugehen – meine Frau würde das alles schaffen, aber meine Tochter ist erst 13, 14 Jahre alt und deswegen kannst du das nicht machen.“ Als der Engel mitkriegte, dass ich nicht mitkomme, zog er den Arm wieder zurück. Auf meine Frage, warum er es zulässt, dass ich so schwer krank geworden war – ich kümmerte mich doch um die Menschen, ich erzählte den Menschen von der Existenz der Engel, ich arbeitete für die Freiheit des Menschen und jagte sogar Dämonen – eigentlich müsste er doch mit mir zufrieden sein – warum dann diese Lungenentzündung? antwortete er: „Die Lungenentzündung ist ein Liebesdienst, denn wir haben mit dir hier noch viel vor. Wenn du aber so weiterlebst, wie du jetzt lebst, dann schaffst du es nicht. Das war eine kleine Warnung, die wir dir geschickt haben und wenn du das annimmst, dann verschwindet die Krankheit ohne Schäden.“ Darauf ging er raus, der Fernseher ging wieder an und der Wind hörte auf.
Am nächsten Morgen ging ich sofort zu meinem homöopathischen Arzt und erzählte ihm meine Symptome: nachts Husten, nicht schlafen können und Träume von schwarzen Engeln. Wir waren uns beide bei der Mittelwahl von Phosphor einig, zwei Stunden später hörte ich auf zu husten und zwei weitere Stunden später war mein Fieber weg. Als mein Arzt nach zwei Wochen meine Lungen röntge, waren sie völlig in Ordnung und auch meine Leberwerte bewegten sich in einem normalen Bereich. Ich habe damals sofort aufgehört zu rauchen, es tatsächlich vier Wochen lang geschafft – allerdings dann wieder angefangen.

Haben Sie noch einmal einen Engel gesehen?
In anderer Form, ja, allerdings erst Jahre später. Es war in der Zeit des Börsencrashs, als ich im Urlaub in Griechenland meinen Burnout erlebte. Zurück in Berlin ging ich zu meiner Therapeutin Anna Bittmann und war voller Vorwurf gegen die Himmlischen: „Wie könnt ihr? Ich sorge mich doch um die Menschen! Warum tut ihr mir das an?“ Und dann machte meine Therapeutin eine Gestalttechnik, die sich „der heiße Sitz“ nennt, bei der mir derjenige gegenüber sitzt, den ich anklage und ich bin ich. Dann habe ich den Engel, der da saß, angeklagt und anschließend musste ich wechseln und auf den anderen Platz gehen. Sofort als ich auf dem Platz saß, war ich der Engel. Ich gucke mich ganz ruhig an und sagte: „Was regst du dich denn so auf? Wir haben dir doch damals gesagt, dass wir eine Menge mit dir vorhaben. Die Lungenentzündung war nicht so schlimm und ging wieder weg, aber du hast nicht gehört. Jetzt ermahnen wir dich noch einmal richtig. Es wird wieder alles gut werden, wenn du auf uns hörst, aber es wird diesmal wesentlich länger dauern.“ Er hatte Recht, denn es dauerte nicht zwei Wochen, sondern 1 1/2 Jahre – zum Glück, ohne dass etwas übrig blieb. Aber ich weiß, das dritte Mal könnte etwas übrigbleiben. Damals habe ich noch vor Ort meine Zigaretten weggeschmissen und nie wieder angefangen zu rauchen – also ein bisschen habe ich gelernt.

Wie lange ist das her?
Das war 2002. Seitdem keine Zigaretten mehr und deutliche Stressreduzierung. Auch habe ich viel mit Entleugnung gearbeitet, so dass heute in meinem Leben Dinge möglich sind, die früher nicht möglich waren, die mir gut tun, die mich entstressen und mein System immer wieder entspannen. So habe ich schon massiv etwas in meinem Leben ändern können.

Danke für diese lange Phosphor-Geschichte.

Der Autor Andreas Krüger ist Heilpraktiker, Schulleiter und Dozent an der Samuel-Hahnemann-Schule in Berlin für Prozessorientierte Homöopathie, Leibarbeit, Ikonographie & schamanischer Heilkunst – zuletzt: Heiler und heiler werden, Gespräche über Heilkunst, Berlin 2013. Weitere Informationen zur Arbeit des Autors: Samuel-Hahnemann-Schule, Mommsenstr. 45, 10629 Berlin, www.Samuel-Hahnemann-Schule.de


Weitere Informationen werden im Archiv nicht angezeigt.