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Ausgabe Februar 2014
Bewusstheit. Die empathische Intelligenz. Von Dr. Jürg Theiler

Wir werden nicht von einem nach außen projizierten Gott erlöst oder bestraft, der irgendwo auf einem Richtstuhl thront. Wir befreien oder bestrafen uns selbst. Zum Leben führen und heilen kann uns nur unsere empathische Intelligenz.


Mit der Bescheidenheit der Liebe und ihrer Fähigkeit, sich unter alle anderen zu stellen, wird leicht ein Missverständnis verbunden. Es wird gemeint, die Liebe sei anspruchslos. Sie benötige keine Ressourcen. Das Gegenteil ist der Fall. Sie erfordert ausgesprochen viele Ressourcen. Sie benötigt mindestens so viele Ressourcen, wie sie die drei Intelligenzsysteme im Aktionsmodus zusammen zur Verfügung stellen. Sie braucht diese große Menge, um diese gegen deren Wirkungen aufzuwiegen. Wenn die Wünsche der instinktiven, affektiven und instrumentellen Intelligenz überwiegen, kann die Liebe nicht überleben.

Die Liebe
Sie sollen die höchste Liebe nicht verlassen. (Offb 2.4).
Sie sollen die Ausrichtung Ihrer Wünsche am Systemziel, am Gesamtziel, ausrichten und dieses über alle anderen Wünsche stellen.

Armut und das Leiden
Sie sollen sich vor der Armut und dem Leiden nicht fürchten, sondern Ihrer Seele treu sein bis in den Tod. (Offb 2.9-10).
Ihre Seele liebt die Armut und nimmt das Leiden an. Sie liebt die Armut, weil sie bescheiden ist, weil sie demütig ist, weil sie bereit ist, zu empfangen und zu dienen. Sie liebt das Leiden, um es aufzulösen, um die Menschen davon zu erlösen. Ihre Seele sucht die Armut und das Leiden, um sich mit ihnen zu verbinden. Ihre Seele verbindet sich mit der Entbehrung und Bedürftigkeit, um Sie vom Leiden darunter zu befreien, vom Mehr-haben-Wollen, vom Mehr-konsumieren-Wollen, vom Besitzen-Wollen, von der Getriebenheit, von der Gier und Unersättlichkeit.
Ihre Seele verbindet sich mit dem Leiden, um Sie zu trösten, zu beruhigen, um Sie zur Geduld und Sanftheit, zur Güte und Bescheidenheit, zu Genügsamkeit, Einfachheit, zur Anteilnahme und zum Mitleid, zum Helfen und Dienen, zur Befreiung vom Leiden zu führen.

Die richtige Lehre
Sie sollen keine falschen Lehren zulassen. (Offb 2.14).
Falsche Lehren gibt es fast so viele wie Menschen. Die Intelligenzsysteme im Aktionsmodus versuchen in jeder Situation, eine Begründung für die Durchsetzung ihrer Wünsche zu konstruieren.
Die instinktive Intelligenz stellt keine Fragen.
Die affektive Intelligenz verdreht und vernebelt die Informationen schlau und listig, verschlagen und verlogen so, wie es zu ihrem Vorteil ist.
Die instrumentelle Intelligenz konstruiert durch das Weglassen aller störenden Informationen für jede Entscheidung eine passende Begründung. Die falschen Lehren sind die Teil- und Scheinlösungen, welche die instinktiven, affektiven und instrumentellen Intelligenzsysteme unablässig verbreiten, wenn sie nicht von der empathischen Intelligenz zum ganzen System verbunden und geführt werden.

Die richtigen Wünsche
Sie sollen keinen falschen Wünschen nachgehen. (Offb 2.20).
Falsch und destruktiv sind Wünsche, wenn diese andere Wünsche missachten, drängen, unterdrücken, projizieren, zerstückeln, verletzen und zerstören.

Die Umverteilung der Ressourcen
Sie sollen aufwachen und stärken, was sonst im Begriff ist zu sterben. Sie meinen leben, aber Sie sind tatsächlich tot. Sie sollen erkennen, dass Ihre Werke noch ganz sind. (Offb 3.1 -2).
Sie sollen Ihre Ressourcen vom Aktionsmodus auf den Rezeptionsmodus umverteilen. Ihr Werk, ergon, ist Ihr Leben. Es ist noch nicht erfüllt, es ist noch nicht voll. Wer sein Leben erfüllt, „dessen Name werde ich aus dem Buch des Lebens nicht auslöschen“ bestätigt, dass jeder Mensch dazu bestimmt ist, sein Leben zu erfüllen. Sie sind im Buch, im System des Lebens, enthalten, aber es obliegt Ihren Entscheidungen, ob Sie darin bleiben.


Das Vertrauen
Sie sollen der Wahrheit vertrauen und darin ausharren. (Offb 3.9-10).
Sie sollen Ihrer Seele, Ihrer empathischen Intelligenz, Ihrer Intuition, Ihrer Ein-Sicht, vertrauen. Das ist nicht selbstverständlich, weil die Intelligenzsysteme im Aktionsmodus, verstärkt durch Ihr Umfeld, alles daran setzen, um Sie davon abzuhalten. Dazu gehören alle vermeintlich guten Ratschläge, alle Angst, alle Täuschungen, alle Lügen, alle Verunsicherungen, alle Zweifel, alle Drohungen, alle Benachteiligungen, alle Bestrafungen, denen Sie ausgesetzt sind. Bei dem immensen Druck, den die instinktiven, affektiven und instrumentellen Intelligenzsysteme auf Sie ausüben, ist es nicht einfach, in der Wahrheit zu verharren.


Die Entscheidung
Sie sollen sich für die Seite der Erfüllung entscheiden. Sie sollen „nicht lau, sondern heiß oder kalt sein“. Sie sollen nicht der Überheblichkeit verfallen, wenn Sie Erfolg haben und Reichtum gewinnen. Sie sollen sich als „elend, bemitleidenswert, arm, Kind und bloß“ erkennen. Sie sollen echten Reichtum durch Reinheit erlangen: „... im Feuer geläutertes Gold und weiße Kleider“ (Offb 3.15,17—18).
Sie können sich nur für die eine oder die andere Seite entscheiden, obwohl die affektive und instrumentelle Intelligenz permanent das Gegenteil versucht und behauptet. Die Überheblichkeit, der Versuch, nach oben zu gelangen und der Triumph, der Stolz, die Eitelkeit und die falsche Sicherheit, die Sie mit dem Erfolg gewinnen, sind das Gegenteil von dem, was Ihre Seele fordert. Sie fordert, dass Sie wie Sokrates die Bescheidenheit gewinnen, um zu erkennen, „wie elend, bemitleidenswert, arm, blind und bloß“ Sie sind, wie wenig Sie wissen, wie sehr der Schatten und die Projektion, die Selbst-Lüge und die Illusion Ihr Leben bestimmen. Echten Reichtum, die Erfüllung Ihres Lebens, können Sie nur durch Reinheit erlangen. Wie in der Erzählung von Demeter wird der Reichtum durch das Feuer, das Erkennen der Wahrheit und das Ertragen des Leidens gewonnen. Es gibt nur richtig oder falsch (Offb 3.16): „Weil du lau bist und weder heiß noch kalt, werde ich dich ausspeien aus meinem Munde.“

Das Denken
Mit jeder Botschaft wird den Empfängerinnen und Empfängern gesagt: „Wer Ohren habe, der höre, was das Geistige, das Gedachte, pneuma, allen Menschen sagt.“ „Wer Augen habe, der sehe.“ Und wer die Zerstörung überwinde, werde vom Baum des Lebens essen. Er werde keinen Schaden erleiden, sondern genährt werden.
Die Erzählung der Geschichte von Jesus ist eine einzige Aufforderung, zu denken, zu wissen, zu erkennen. Es ist der eindringliche Hinweis darauf, dass Sie dazu befähigt sind. Dafür sind Sie mit Geist, mit der Fähigkeit zu denken und zu erkennen, zu sehen und zu hören ausgestattet. Eindringlich wird gesagt, dass Ihre Aufgabe darin besteht, die Zerstörung zu überwinden. Ausdrücklich wird darauf hingewiesen, dass Sie die Wahrheit nur durch die empathische Intelligenz, nur in der Rezeption erkennen können. Im Mittelpunkt aller Texte steht die Aufforderung, in Übereinstimmung mit den vier Intelligenzsystemen zu denken, zu erkennen, zu wissen, zu sein. Es ist erforderlich, die Einstellung Ihrer Wünsche im Innern Ihrer Psyche im Systemzusammenhang analytisch, von außen zu betrachten. Und es ist notwendig, hermeneutisch, von innen zu empfangen, zu erfahren, zu erkennen, was systemrichtig ist.

Das Erkennen
Im Anschluss hört und sieht der Empfänger der Botschaft „im Geist“, was sich erfüllen muss.

Aus: Jürg Theiler, Bewusstheit – Die Erfüllung Ihres Lebens, mit freundlicher Erlaubnis des Verlages



Die zwölf Eigenschaften der empathischen Intelligenz

1. Die empathische Intelligenz, die wir auch Seele nennen, ist die Mitte Ihrer Psyche, Ihres Lebens. Sie ist Ihre Führerin. Sie «weiß alles». Sie besitzt die ganze Information. Sie versucht, die Information Ihrem Bewusstsein zuzuführen, um sie zu realisieren.
2. Sie ist die Mitte des Kreuzes. Sie verbindet die kompetitiven und widersprüchlichen Wünsche und Funktionen Ihrer Psyche.
3. Sie verbindet das Destruktive mit dem Konstruktiven, die Zerstörung mit der Erfüllung. Sie sucht immer die Verbindung, nie die Trennung.
4. Sie ist rezeptiv. Sie erfährt die Information, die Sie sind. Sie nimmt die Information an.
5. Sie ist gütig. Sie sieht das Konstruktive und verzeiht das Destruktive.
6. Sie ist sanft, milde und zärtlich. Sie verschmilzt als erkennendes Subjekt mit dem Objekt der Erkenntnis/der Liebe.
7. Sie ist bescheiden und genügsam. Sie begnügt sich mit dem, was sie empfängt und verzehrt sich nicht nach dem, was sie nicht hat. Sie liebt das Leben, das sie ist und nicht das Leben, das sie nicht ist. Sie ist selbstlos. Das gehört zu ihrem Selbst.
8. Sie ist demütig, dienend. Sie stellt sich nicht über andere, sondern unter sie. Sie setzt sich herab, um die anderen in ihrem Wert bestehen zu lassen. Sie geht bis zum tiefsten Punkt der Machtlosigkeit und Erniedrigung, der Angst und Verunsicherung, ohne sich aufzugeben.
9. Sie ist geduldig. Sie erduldet das Destruktive, bis sich das Konstruktive erfüllt.
10. Sie ist treu, fest und unerschütterlich wie ein Baum. Sie ist sich selbst, der Liebe und der Wahrheit treu. Sie verkauft sich nicht. Das macht sie ewig.
11. Sie liebt das Geliebte. Aber sie ist auch liebevoll gegenüber dem Ungeliebten, gegenüber der Angst, der Ungewissheit, der Unsicherheit, dem Zweifel, der Gewalt, dem Zwang, der Niederlage, dem Verlust, dem Schmerz. Sie ist leicht und freundlich, selbst dem Leiden gegen-über. Sie ist frei und unabhängig vom Objekt.
12. Sie glaubt nicht, hofft nicht, beklagt sich nicht, rechtfertigt sich nicht. Sie vertraut auf sich selbst. Sie vertraut auf das (System-) Richtige. Sie unterscheidet klar zwischen dem Destruktiven und dem Konstruktiven. Sie löst das eine im andern auf. Sie liebt die Gerechtigkeit, das Richtige, das Schöne, die Wahrheit, das Kreative, das Leiden und den Tod. Sie liebt die Liebe.


Der Autor Jürg Theiler promovierte 1977 an der Universität Freiburg, Schweiz, in Neue Politische Ökonomie und arbeitete als Manager und Strategischer Planer in Marketing und Kommunikation für namhafte internationale Unternehmen und Agenturen. Jürg Theiler lebt und arbeitet in Zürich als analytisch-hermeneutischer Psychologe, Forscher und Lehrer. Weitere Infos auf www.theiler-bewusstheit.ch oder www.integrale-friedensfoerderung.ch und www.spuren.ch

Buchtipp:
Jürg Theiler, Bewusstheit – die Erfüllung Ihres Lebens, 788 S., Hardcover m. Schutzumschlag, Edition Spuren


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