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Ausgabe Februar 2014
Vertrauen und Einsamkeit. Von Susanne Stinshoff

Wenn wir uns mit der Frage unserer Einsamkeit konfrontiert sehen, beschleicht uns eine Art Unwohlsein, eine ängstliche Beklommenheit oder ein Gefühl der Leere - auch in unserem täglichen Leben.


Es macht Sinn, den grundlegenden Unterschied zwischen alleine sein und sich alleine fühlen zu verstehen. Allein zu sein, eins zu sein, getrennt zu sein liegt tief in der Natur, in der Essenz unseres menschlichen Daseins begründet.
Menschen sind aber auch soziale Wesen, die Kontakt brauchen. Kontakt über verbalen und emotionalen Austausch, über unsere Sinne, um sich auszutauschen, um Teil von Etwas zu sein in Partnerschaft, Familie, Gesellschaft und Natur.
Wenn wir alle diese Möglichkeiten des Kontaktes realisieren können, wächst das Vertrauen in uns selbst und in die anderen und die Fähigkeit, unsere Persönlichkeit wachsen zu lassen, wird genährt. Die Freiheit wählen zu können zwischen Alleinsein und Kontakt entwickelt sich. Dieses Vertrauen, das wir entwickeln können, hilft uns, offen, präsent zu sein, andere um etwas fragen zu können, was wir uns wünschen, in Partnerschaft, Freundschaft oder Gruppe – um zu kommunizieren und die Leere zu füllen, die wir Einsamkeit nennen.
Sich einsam zu fühlen beinhaltet das Vermissen von Kontakt. Wenn dieses Gefühl lange anhält, produziert es mehr und mehr Frustration und Schmerz und zwingt Männer und Frauen dazu, ihre natürliche Vitalität zu reduzieren - und führt über lange Sicht in die Isolation.
Die tiefen Wurzeln für diese Tendenz zum Rückzug finden sich oftmals schon in unserer Kindheit, am Anfang unseres Lebens und manchmal schon vor unserer Geburt. Hier entwickeln wir ein Schutz- und Abwehrsystem gegenüber bestimmten äußeren Bedingungen oder bestimmten Gefühlen und Wahrnehmungen in uns, die wir als gefährlich oder als zu intensiv empfinden. Dieses Abwehrsystem, dieser Panzer, der uns hilft, unsere Angst und unseren Schmerz zu überleben, wird aber nach und nach Herr über uns selbst und reduziert unsere Möglichkeiten, uns lebendig zu fühlen und in uns selbst zu vertrauen. Die Angst vor Kontakt isoliert uns und lässt uns emotional verarmen.
Es ist möglich, diesen Panzer, diese Barrieren in uns (in Körper und Psyche) zu lockern und die hier eingeschlossenen Energien, die wir normalerweise gebrauchen, um uns unter Kontrolle zu halten, zu befreien, um sie in kreative und funktionelle Richtungen zu lenken. So können wir zurückkommen zum Wünschen, Bewegen und Handeln und unsere Angst vor tieferem Kontakt überwinden.



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