aktuelle Seite: ARCHIV   
Jahr:
2019 | 2018 | 2017 | 2016 | 2015 | 2014 | 2013 | 2012 | 2011 | 2010 | 2009 | 2008 | 2007 | 2006 | 2005 | 2004 | 2003 | 2002 | 2001 |

Ausgabe Januar 2014
Wir sind, was wir denken. Durch innere Arbeit ins Beziehungsglück. Von Jochen Meyer


Was müssen wir tun, wenn wir einen passenden Partner finden wollen? Wann sind wir wirklich fähig zu einer erfüllenden Partnerschaft? Klar ist: Um potentielle Kandidaten in ausreichender Zahl kennenzulernen, müssen wir aktiv werden. Genauso klar ist aber auch, dass wir meist einiges an innerer Arbeit leisten müssen, bis wir eine Liebesbeziehung eingehen können, die uns gelingt und die uns wirklich erfüllt.
Sind Sie bereit für eine neue Liebe – bereit für die Liebe, nach der Sie sich in der Tiefe Ihres Herzens sehnen? Im Prinzip hängt alles von dieser Frage ab. Freuen Sie sich auf Ihren nächsten Partner und Ihre nächste Beziehung? Oder spüren Sie beim Gedanken daran eher Unwohlsein und Zweifel? Wenn ja: Welche Befürchtungen zeigen sich hier? Und welche Ängste stecken dahinter? Wenn Sie nicht an sich und Ihr Glück in der Liebe glauben: Woran glauben Sie dann? Denn an irgendetwas glauben Sie ja. Vielleicht sind Sie einfach noch nicht so weit? Sie haben den Richtigen noch nicht getroffen? Oder Sie finden immer die Falschen? Vielleicht trauen Sie sich eine richtig gute Beziehung mit einem tollen Partner auch gar nicht zu? Was immer Sie denken, es beeinflusst auf jeden Fall Ihr Verhalten und Ihre Partneranziehung.

Wie wir uns durch Glaubenssätze sabotieren
Zu mir ins Single-Coaching kommen immer wieder Frauen und Männer, die sich durch das, was sie glauben, vom Glück in der Liebe abbringen. Ein Beispiel ist Kerstin (Name geändert). Kerstin verliebt sich immer wieder in Männer, die sich nur auf eine Affäre einlassen wollen, die eine gerade begonnene Beziehung wie aus heiterem Himmel beenden oder sich schon beim Kennenlernen merkwürdig ambivalent verhalten: Sie sagen Verabredungen kurzfristig ab, schicken dann aber wieder SMS mit verheißungsvollen Liebes-Botschaften. Kerstin weiß nicht, woran sie ist, gibt sich aber unglaublich viel Mühe, diesen Männern verständnisvoll entgegenzukommen. Sie lässt ihnen Zeit, richtet sich ganz nach ihren Vorgaben und stellt ihren Terminplan immer wieder um. Sie hofft, dass ihr diese Männer irgendwann eine richtige Partnerschaft anbieten, was aber nicht passiert. So scheitern ihre Beziehungsversuche regelmäßig und sie wundert sich, dass sie immer wieder ähnliche Erfahrungen macht. Kerstin zweifelt an sich und fragt mich, ob sie vielleicht „beziehungsgestört“ sei. Ich kann sie beruhigen, denn auch wer sich wiederholt in ungeeignete Partner verliebt, kann sehr wohl zu einer guten Beziehung fähig sein und mit einem geeigneteren, bewusster gewählten Partner gänzlich neue Erfahrungen machen.

Coaching
Im Coaching forschen wir gemeinsam nach ihren bisherigen Beziehungsmustern, und es stellt sich ein ganzes Bündel an Glaubenssätzen heraus, mit denen Kerstin sich gleichsam selbst hypnotisiert: Nur wenn ich mich anpasse und meine Bedürfnisse verleugne, werde ich beachtet. Männern kann man nicht vertrauen, sie machen mit einem, was sie wollen. Von einem Mann etwas fordern: das steht mir nicht zu. Glaubenssätze wie diese beziehen sich auf das Thema Selbstwert. Verallgemeinert gesprochen lauten sie: Ich bin nicht liebenswert. Ich bin nicht gut genug. Ich verdiene es nicht besser. Und auf das Thema Partnerschaft übertragen: Ich verdiene keinen Partner, der gut zu mir ist. Nachdem wir diese Zusammenhänge herausgearbeitet haben, erkennt Kerstin, dass sie sich unbewusst auch deswegen an solche Männer bindet, weil sie sich nicht zugesteht, einen Mann zu fordern, der ihr wirklich ein zuverlässiger Partner sein könnte. Statt dessen glaubt sie, sich mit Männern begnügen zu müssen, die sie nur halbherzig lieben und deren Liebe sie niemals satt machen kann.

Mit unseren Gedanken die Liebe erschaffen
Nun beginnen wir, die Sabotagesätze umzukehren. Gemeinsam erarbeiten wir neue Glaubenssätze und Kerstin beginnt, mit ihnen zu üben und sich langsam mit ihnen anzufreunden. Am Anfang stehen Sätze wie: „Ich bin liebenswert, so wie ich bin.“ - „Ich verdiene einen Mann, der mich schätzt und achtet.“ In der Offenen Coaching-Gruppe für Singles traut sie sich erstmals, ihre neuen Einstellungssätze vor Zeugen auszusprechen und dabei die ermutigende Bestätigung der anderen zu erfahren. Dabei fallen ihr spontan neue Sätze ein: „Mein nächster Partner zeigt mir, dass ich ihm wichtig bin. Er freut sich darauf, auf mich einzugehen. Er liebt mich so, wie ich bin.“ Kerstin spürt, dass sie mit diesen Sätzen ihre bisherigen Prägungen auf den Kopf stellt.
Diese Sätze vor anderen auszusprechen, fühlt sich erst wie verboten an, danach wird es immer leichter. Jetzt ist der Bann gebrochen: „Ich entscheide mich für einen Mann, der mich ganz will. Ich bin das Beste, was ihm passieren kann.“ Befreit und strahlend verlässt Kerstin den Kreis. In den kommenden Wochen arbeitet sie täglich mit ihren neuen Sätzen. So legt sie allmählich neue Prägungen an. Sie beginnt ihre neuen Glaubenssätze nicht mehr nur zu denken, sondern sie in sich zu fühlen. Immer klarer wird ihr, worauf sie in ihren bisherigen Beziehungen verzichtet hat und was ihr an Liebe zusteht, wenn sie sich ernst nimmt. Bei ihren nächsten Verabredungen merkt sie, wie sich ihre alten Muster wieder einschleichen – doch sie ist wach genug, ihnen etwas entgegenzusetzen. Noch zweimal begegnet sie in den folgenden Monaten Männern, die sich wieder alles offen lassen und sie in eine Hinhalte-Beziehung locken wollen. Zuerst reagiert sie frustriert, doch dann verabschiedet sich Kerstin ganz bewusst von ihnen, nachdem sie die fragwürdigen Angebote durchschaut hat.
Einen Monat später begegnet sie Andreas. Die ersten Verabredungen mit ihm sind eher unspektakulär; es fehlt die starke Anziehung wie sonst immer, und Kerstin ist zunächst etwas irritiert. Noch merkwürdiger kommt es ihr vor, dass Andreas wirklich an ihr interessiert ist, sie in ihrem Erleben ernst nimmt und die gemeinsamen Verabredungen einhält. Obwohl er eigentlich nicht ihr Typ ist, trifft sie sich weiter mit ihm und entdeckt, wie wohltuend es ist, mit einem Mann Zeit zu verbringen, der ihr konstant wertschätzend, aufmerksam und respektvoll begegnet. Allmählich lernt sie Andreas kennen und lieben. In ihrer letzten Sitzung erzählt sie mir, dass sie gar nicht wusste, dass es so liebevolle und integre Männer gibt und wie glücklich sie ist, mit ihrer neuen Liebe erstmals eine Beziehung zu haben, zu der sie innerlich voll und ganz „Ja“ sagt. „Ohne die Arbeit an meinen Glaubenssätzen wäre das nicht möglich gewesen“, sagt sie. „Heute weiß ich, wer ich bin und was mir zusteht. Andreas ist ein echter Partner, endlich ein Mann auf Augenhöhe, wie ich ihn mir immer gewünscht habe. Und wissen Sie was,“ fügt sie hinzu: „ Andreas hat jede Menge Erfahrungen mit unverbindlichen, respektlosen Frauen. Er sagt, ich bin das Beste, was ihm je passiert ist. Und das stimmt!“

Der Autor Dr. phil. Jochen Meyer ist CoreDynamik-Trainer und -Therapeut und arbeitet als Single-Coach und Paarberater in Berlin.


Weitere Informationen werden im Archiv nicht angezeigt.