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Ausgabe Dezember 2013
Mit Heilpflanzen durch das Jahr 2013. Die Mistel

Beitragsreihe von Cornelia Titzmann, Heilpraktierin. Sie lehrt u. a. auch Phytotherapie an der Samuel-Hahnemann-Schule in Berlin

Nun befinden wir uns in der dunklen Jahreszeit, kalt ist es außerdem. Da gibt es eine Pflanze, die blüht und fruchtet im Winter! Sie schert sich nicht um Lichtverhältnisse der Sonne und es interessiert sie nicht, „was andere machen“. Licht ins Dunkel zu bringen, das ist die Weihnachtsaufgabe.
Die Mistel ist ein Halbschmarotzer, sie gibt und sie nimmt. Verbreitet wird sie vor allem durch Vögel wie die Misteldrossel. Diese fressen ihre weißen klebrigen Früchte und scheiden den angedauten Samen wieder aus, der an der Rinde kleben bleibt und dann keimen kann. Es bildet sich ein Senker, der in den Baumsaft treibt, dort Spurenelemente und Mineralien entnimmt, die die Pflanze zum gedeihen braucht und er gibt Enzyme ab, die dem Wirtsbaum gut tun. Sie kommt auf vielen verschiedenen Bäumen vor. Am häufigsten finden wir sie auf Apfelbäumen, Birken und Pappeln sowie auf Kiefern und Fichten. Die berühmte Eichenmistel ist selten. Die Mistel wächst langsam und immer rund, fast 30 Jahre braucht sie um einen Durchmesser von 50 cm zu erreichen. Die Pflanze wächst gerne auf energetisch aufgeladenen Plätzen, ein sogenannter Strahlensucher. Wir finden sie häufig entlang von Wasseradern. In Deutschland steht sie unter Naturschutz. Sie gehört zur Familie der Viscaceae (Mistelgewächse), früher Loranthaceae, und wegen der weißen Früchte ist ihr botanischer Name Viscum album (alba = weiß).
Es gibt kaum eine besser erforschte Pflanze, was Inhaltsstoffe und Wirksamkeit betrifft und dennoch streitet man sich immer noch über ihre Zulassung als Arzneimittel. Seit Alters her schwer mythologisch belastet, schon bei den Germanen als heilige Pflanze verehrt, kennt heute jeder ihren Gebrauch bei „Asterix und Obelix“ sowie die Sammelbedingungen des Druiden: bei Vollmond, mit einer goldenen Sichel auf dem Rücken eines weißen Stieres…
Aber die moderne Anwendung in der Medizin ist der anthroposophischen Forschung zu verdanken. Durch sie wurde die Mistel als Injektionsmittel bei Krebserkrankungen bekannt. Doch darum soll es hier heute nicht gehen. Schon früher wurde die Mistel auch als Teedroge oder Tinktur verwendet, als Epilepsiemittel gepriesen und heute noch zur Senkung des Blutdrucks, zur Verhinderung von Arteriosklerose und zum Blutstillen genutzt. Bis vor einigen Jahren war sie in vielen Fertigpräparaten enthalten. Eine gute Wirkung auf den älteren Menschen wurde ihr nachgesagt. Vielleicht sollte man das wieder genauer betrachten. Bei nachlassender Herzleistung, Schwindel, porösen Gefäßwänden, bei Erkrankungen des rheumatischen Formenkreises (Gelenkbeschwerden) – das waren die Indikationen.

Anwendungstipps
Eine Tee-Therapie (ca. 2 Tassen tägl.) ist über einen längeren Zeitraum zu empfehlen (1-3 Monate). Ergänzend bei hohem Blutdruck, Tinitus, unerwünschten Blutungen, zu starker Menstruation, Hämorrhoiden. Ergänzende Pflanzen wären Weißdornfrüchte, Schafgarbenkraut und Hirtentäschelkraut. Die Zubereitung des Tees sollte entweder als Kaltansatz über Nacht erfolgen oder die Pflanze sollte 30 Minuten zugedeckt ziehen. So können die schwer löslichen Inhaltsstoffe besser ausgezogen werden. Der Tee schmeckt nicht bitter, ist gut verträglich und auch mit anderen Pflanzen mischbar. Die Mistel enthält unter anderem Viscotoxin, biogene Amine und Flavone.



Die Autorin Cornelia Titzmann ist Heilpraktikerin, Lehrerin für Phytotherapie an der SHS-Berlin.
mehr Infos unter: corneliatitzmann@gmail.com


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