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Ausgabe Dezember 2013
Rauhnächte. Die heilige Zeit des Übergangs. Valentin Kirschgruber


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Der Name „Rauhnächte“ geht vermutlich auf das mittelhochdeutsche „ruch“ zurück, das „wild“, „haarig“ und „pelzig“ heißt. Hier gibt es einen eindeutigen Bezug zu den Rauhnachtumzügen, bei denen wilde, mit Fellen behangene Gestalten durch die Straßen ziehen.
Natürlich könnte der Begriff Rauhnacht einfach nur auf die „rauen“, dunklen Nächte hinweisen. Eine andere Deutung besagt, dass es vor allem das Räuchern der Häuser und Ställe war, das für den Namen verantwortlich ist: So bedeutet das mittelhochdeutsche „rouch“ „rauchen“ oder „räuchern“ und bezieht sich auf die Räucherzeremonien.

Wann sind die Rauhnächte?
Die Tradition, die heute am weitesten verbreitet ist, spricht von zwölf Rauhnächten und datiert diese zwischen Weihnachten und Heilige Drei Könige, was auch der kirchlichen Interpretation der „zwölf heiligen Nächte“ entspricht. Die erste Rauhnacht beginnt um Mitternacht des Heiligen Abends und endet um Mitternacht des 25. Dezember. Da die Raunächte am 5. Januar um Mitternacht enden und der 6. Januar bereits den Eintritt in eine neue Zeit markiert, kommen wir so auf zwölf heilige Nächte.

Feiern und beten
Die Zeit der „Zwölften“ ist vor allem eine Zeit der Gegensätze – Vergangenheit und Zukunft, Licht und Dunkel existieren nicht nur gleichberechtigt nebeneinander, sondern bedingen einander. Ebenso wie die Rauhnächte eine dunkle, furchteinflößende und gefährliche Zeit sein können, sind sie doch zugleich eine lichte Zeit voller Chancen und Entwicklungsmöglichkeiten.
Während der Rauhnächte geht es natürlich nicht nur darum, ein paar Abende lang Kerzen anzuzünden, Orakelkarten zu legen oder Weihrauchmischungen zu verbrennen. Sicher – das äußere Tun gehört zur Gestaltung der Rauhnächte, doch es bringt wenig, altes Brauchtum zu pflegen, ohne dabei zum Wesentlichen vorzudringen. Und das Wesentliche besteht darin, dass wir in dieser Zeit nach innen gehen, uns neu orientieren und dabei wieder zu uns selbst finden können.

Ritual – Abschied im Feuer
Um sich von Belastendem zu befreien, brauchen Sie drei kleine Notizzettel, Streichhölzer und eine große, feuerfeste Schale. Überlegen Sie, was Sie bisher daran gehindert hat, glücklich zu sein oder Ihre Herzensziele zu erreichen. Was würden Sie gerne loslassen und endgültig abschließen?
Listen Sie auf jedem der drei Notizzettel bis zu drei Dinge auf, von denen Sie sich symbolisch verabschieden wollen. Zu diesen Dingen können schädliche Gewohnheiten, belastende Charakterzüge oder schwierige Beziehungen gehören.
Versuchen Sie, diese möglichst auf den Punkt zu bringen. (Statt „Ich esse immer zu viele Süßigkeiten“ sollten Sie beispielsweise lieber nur „Gier“ schreiben.)
Zu den belastenden Dingen können etwa Wut, Neid, mangelnde Zuneigung für Sie selbst, Sorgen um die Zukunft, Intoleranz, Unruhe, Alkoholkonsum, Trägheit und unzählige andere gehören.
Stellen Sie die feuerfeste Schale auf eine feuerfeste Unterlage. Legen Sie die Zettelchen in die Schale. Zünden Sie das Papier an. Schauen Sie entspannt in die Flamme und sprechen Sie innerlich mehrmals folgende Sätze: „Ich entlasse ...(meine Wut, meine Angst...) jetzt aus meinem Leben. Ich lasse das Alte los und öffne mich für das Neue, was kommen mag.“
Sobald das Feuer verloschen ist, schließen Sie die Augen. Nehmen Sie sich etwas Zeit, innerlich wieder zur Ruhe zu kommen.

Orakel – eine Zwiebel befragen
Eine seit Jahrhunderten überlieferte Form der Wetterprophezeiung ist das Zwiebelorakel: Um herauszufinden, wie das Wetter im nächsten Jahr werden wird, soll man in einer Rauhnacht eine große Zwiebel der Länge nach in der Mitte durchschneiden.
Aus jeder Hälfte nimmt man sechs Näpfe bzw. Schälchen, also insgesamt zwölf. Diese legt man in einer Reihe auf ein Brett und bestreut die Näpfchen jeweils mit etwas Salz. Der Reihe nach repräsentiert das erste Zwiebelnäpfchen den Januar, das zweite den Februar usw.
Am nächsten Morgen sieht man nach, in welchen Zwiebelnäpfchen das Salz nass geworden ist. Je nachdem, wie das Salz in den Näpfen beschaffen ist, ist in den entsprechenden Monaten mit nasser, feuchter oder trockener Witterung zu rechnen.

Buchtipp:
Valentin Kirschgruber: Das Wunder der Rauhnächte, Kailash, München, 2013, 174 Seiten, 12,99 Euro


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