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Ausgabe November 2013
Mit Heilpflanzen durch das Jahr 2013. Die Kapern - Ein Wunder der Knospen und Früchte

Beitragsreihe von Cornelia Titzmann, Heilpraktierin. Sie lehrt u. a. auch Phytotherapie an der Samuel-Hahnemann-Schule in Berlin

Inspiriert durch eine Pflanzenreise nach Italien und den bevorstehenden Übergang vom Herbst in den Winter, folgt diesmal ein Ausflug ans Mittelmeer. Der Kapernstrauch, Capparis spinosa L., ist eine Pflanze, die es mehr südlich mag. Den Vertreter einer eigenen Familie, der Capparidaceae oder Kaperngewächse, findet man circummediteran bis ins westliche Zentralasien.
Der dornige (= spinosa), bis ein Meter hoher Strauch mit runden Blättern zeigt wunderschöne weiße bis rose-farbene Blüten mit langen Staubblättern, die wie kleine Wedel aussehen. Die Pflanze säumt Wege an der Küste und im Landesinneren. Es gibt sie als Wildpflanze, zum Beispiel im südlichen Italien, und auch angebaut. Eigentlich ist sie eher ein Gewürz und Nahrungsmittel, aber wie heißt es so treffend: „Eure Nahrungsmittel sollen eure Heilmittel sein und eure Heilmittel sollen eure Nahrungsmittel sein“ (Paracelsus). In Deutschland hat die Pflanze keine Zulassung als Arzneimittel.
Doch ihre Anwendungen in der Volksheilkunde und als Diätetikum sind berühmt und lohnen sich zu erforschen. Sie enthält vor allem Lauchöle, Senfölglycoside, die wir auch in der Familie der Kohlgewächse und der Zwiebeln finden. Diese gelten als pflanzliche „Antibiotika“ oder besser Probiotika. Sie wirken antibakteriell und abwehrsteigernd. Mit ihrem leichten Bitterstoffgehalt wirken die Kapern verdauungsanregend und machen Appetit. Des Weiteren enthält die Pflanze Farbstoffe sowie verschiedene Mineralien und Spurenelemente wie Magnesium und Kupfer.
Benutzt werden zum einen die Blütenknospen. Noch fest geschlossen in Wein oder Essig eingelegt und gesalzen finden wir sie auch bei uns im Handel. Zum anderen werden die Früchte verwendet, eine circa 1cm große grüne, birnenförmige Kapsel, die frisch oder eingelegt inzwischen auch hier auf Märkten und in ausgewählten Geschäften zu finden ist. Traditionell würzt man mit den Knospen Fisch und Pastasoßen sowie „Königsberger Klopse“, ein Gericht aus gekochtem Hackfleisch (ursprünglich Fleischabfälle) und weißer Soße. Die Kapern sind eine große Hilfe, um dieses recht schwer verdauliche Essen verträglich zu machen.
Das Besondere ist aber ihre Beziehung zur Fruchtbarkeit. Wahrscheinlich inspiriert durch die Signatur und Ähnlichkeit (Knospe zu Knospe), wurden die Kapern zur Förderung von männlicher Potenz und zur Verbesserung der Samenqualität angewandt. Wir finden hier, wie in allen Knospen, Inhaltsstoffe, die später in den anderen „ausgewachsenen“ Pflanzenteilen nicht mehr vorhanden sind: Wachstumshormone und Schutzstoffe gegen Kälte und Fäulnis, Bakterien, Parasiten und Viren. Diese existieren meist in Form von verschiedenen Harzen und ätherischen Ölen. Diese Erkenntnis macht sich auch die Gemmotherapie (medizinische pflanzliche Knospenauszüge) zu Nutze.
Fassen wir also noch einmal zusammen: Wir essen Kapern, um besser zu verdauen. Wir bekommen einen geregelten Appetit und weniger Blähungen und eine bessere Verträglichkeit der Speisen. Unsere Abwehr besonderes gegen bakterielle, virale und parasitäre Infektionen verbessert sich. Die Nahrung wirkt sich günstig auf unsere Fruchtbarkeit und Libido aus, besonders, wenn vorher Entzündungen in diesem Bereich aufgetreten sind.
Das grenzt ja schon an Wunder und kann natürlich nicht als Heilversprechen abgegeben werden, sondern als Nahrungsempfehlung.
Essen wir uns gesund!

Anwendungstipps
Die im Handel befindlichen Kapern (Knospen oder Früchte) 3-mal wöchentlich in den Mahlzeiten verarbeiten. Ca. 1 Teelöffel pro Portion.




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