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Ausgabe November 2013
Beitragsreihe 2013 von Andreas Krüger Homöopathisches Heilmittel: Argentum nitricum – Silbernitrat

Therapie heißt immer auch Traumatherapie: Andreas Krüger mit dem zehnten Teil seiner Beitragsreihe über wichtige homöopathische Arzneimittel – erläutert anhand seiner eigenen biografischen Erfahrungen.

H. Schäfer: In dieser Ausgabe geht es um Trauma. Was sagt der erfahrene Therapeut zu diesem Thema?
A. Krüger: Man kann davon ausgehen, dass 99,9% aller Menschen in diesem Leben und in früheren Leben zu 500% irgendwann einmal Traumata erlitten. Deswegen kann man davon ausgehen, dass die meisten Menschen in ihrem heutigen Leben massiv darunter leiden. Oft ergeben sich daraus Verleugnungen, die dazu führen, dass ein Großteil dieser Menschen das, was in ihrem Leben möglich wäre, entweder überhaupt nicht oder nur zu einem geringen Bruchteil leben, wie sie es denn leben könnten, wenn diese Traumata aus ihrem System entfernt oder transformiert worden wären. Therapie heißt also auch Traumatherapie!
Ohne Traumatherapie kann es keine erfolgreiche Therapie geben.
In meiner Praxis werden sowieso alle Patienten auf ihren individuellen Kurplan vorgetestet, d.h. ich arbeite immer am Beginn einer Therapie traumaorientiert. Das umfasst nicht nur die Homöopathie, sondern auch die Arbeit mit Schamanismus und die bewährte ATA-Arbeit. Ich arbeite traumatherapeutisch, indem ich Zeitlinienreisen praktiziere und verloren gegangene Seelenanteile wieder zurückhole. Ein Trauma bedingt oft einen Seelenverlust. In jedem Trauma, das ein Mensch erlebt, bleibt ein Stück seiner Seele in diesem Trauma hängen. Manchmal holt sich die Primärseele diesen Anteil wieder zurück, aber in vielen Fällen bedarf es hier einer schamanischen Intervention.

Gibt es ein Trauma, unter dem viele Menschen leiden?
Es gibt ein Trauma, das wir in dieser westlich-weißen Welt fast alle erleiden – und das ist unser Geburtstrauma. Wir erleben alle, dass wir aus einem uteralen Paradies vertrieben werden und in eine mehr oder weniger kalte, materialistische, harte Welt geworfen werden – und da kann unsere Mutter noch so lieb zu uns sein oder wir können im warmen Wasser der Bahia-California von Delfinen umspült zur Welt gekommen sein – wir erleben primäre Trennung.
Darum ein kleiner Hinweis für die Menschen, die schon alles probiert haben, aber keinen Erfolg hatten: Sie sollten sich testen lassen, ob die Nabelnarbe ein Störfeld ist. Ich habe oft erlebt, dass chronische Ängste und chronische körperliche Beschwerden verschwunden sind, nachdem die Nabelnarbe entweder mit einem Tropfen Procain oder mit einem geometrischen Zeichen oder mit Akupunkturnadeln oder mit craniosacraler Therapie entstört worden ist. Die craniosacrale Therapie ist neben der Traumatherapie nach Levine (Somatic Experiencing) eine der wirksamsten Traumatherapien.

Hatten Sie ein persönliches Erlebnis mit einem Trauma?
Im Sommer 2002 hatte ich ein schweres Burnout, das mich an die Grenzen meiner Belastbarkeit führte. Als ich dank vielen, vielen Therapeuten, einer mich stützenden Familie und einem mich unterstützenden Feld nach einer psychosomatischen Kur wieder halbwegs intakt war, blieb ein Symptom übrig: Jeden Morgen erwachte ich mit einem unklaren Angstgefühl, von dem ich nicht wusste, was es bedeutete, und mir war auch nicht klar, wovor ich Angst hatte. Ich hatte einfach Angst vor den Belastungen des Tages, aber es war grundlos, denn mein Leben war behütet und beschützt, so dass es keinerlei Grund dafür gab. Die Ängste führten auch dazu, dass ich morgens nichts mehr essen konnte. Erst am späteren Vormittag gab es eine Weißbrotscheibe im Büro. Wenn der Tag für mich einmal in Gang gekommen war, verging die Angst und blieb auch weg. Trotzdem kam sie jeden Morgen wieder und fühlte sich an wie ein Knoten im Bauch. Ich war damals in neuraltherapeutischer Behandlung und die Angst verschwand, wenn der Neuraltherapeut mit einer langen Nadel unter meinem Brustbein bis zu meinem Bauchfell ging und auf dieses Bauchfell einen Tropfen Procain spritzte. Daraufhin wurde der Bauch spontan warm und die Angst verschwand. Es half, aber ich wollte mir nicht jeden Tag mit einer langen Nadel in den Bauch spritzen lassen...
Ich ging also mal wieder zu meinem Homöopathen, erzählte ihm die Umstände und auf einmal kam er auf meine schwierige Geburt zu sprechen, bei der ich als 10-pfündige Beckenendlage zum einen fast meine Mutter umgebracht hätte und zum anderen fast selbst gestorben wäre. Und da die Ängste morgens auftauchen, quasi indem man in den Tag hinein geboren wird, konnte es einen Zusammenhang geben. Daraufhin testete er mit einem Tensor, ob das Geburtstrauma ursächlich für die morgendlichen Ängste zuständig ist und er bekam ein eindeutiges Ja. Daraufhin testete er die Rubrik im Repertorium und kam auf das Mittel Argentum nitricum. Es ist nicht nur ein Mittel für morgendliche Ängste, sondern auch ein wichtiges Prüfungsmittel. Die Geburt ist ja so etwas wie die erste Prüfung, die wir zu bestehen haben, und wir müssen jeden Morgen wieder zurück in das Leben, das uns immer wieder prüft. Ich nahm also Argentum nitricum in einer hohen Potenz und eines meiner vielen homöopathischen Wunder passierte: Die Angst verschwand! Der Nachteil war, dass ich die wegen Burnout und Ängsten 25 abgenommenen Kilos wieder zunahm, weil ich morgens wieder mit großer Lust frühstücken konnte. Aber ich war glücklich, dass die Angst weg war und sie ist auch bis heute nie wieder gekommen. Wenn ich hin und wieder nachteste, ob das Geburtstrauma wirklich gelöscht ist, gibt es nur positive Resonanz.

Haben Sie noch einen Rat an unsere Leser?
Ich möchte allen Menschen, die an psychischen Symptomen wie Lebensängsten leiden, raten, ihr System befragen zu lassen, ob hierfür ursächlich ein Geburtstrauma verantwortlich sein könnte. Ich glaube, dass das Geburtstrauma das Primärtrauma unserer Spezies ist. Jeder erlebt die Entnabelung, jeder erlebt die Trennung und das kann im System als Trauma abgespeichert sein und das ganze Leben bestimmen.

Andreas Krüger ist Heilpraktiker, Schulleiter und Dozent an der Samuel-Hahnemann-Schule in Berlin für Prozessorientierte Homöopathie, Leibarbeit, Ikonographie & schamanischer Heilkunst

Buchtipp:
Andreas Krüger/Haidrun Schäfer: Heiler und heiler werden – Gespräche über Heilkunst, 144 Seiten, € 14,80, Verlag Simon+Leutner


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