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Ausgabe November 2013
Trauma aus vergangenem Leben. Julia Doran-Kastner

Können Traumata von Angehörigen aus vergangenen Leben auf unser heutiges einwirken? Davon weiß Julia Doran-Kastner auf eindrückliche Weise zu berichten.

Mein Freund und ich sind Zwillingsseelen und haben mehrere Leben zusammen verbracht. Im April 1945 ist er in Bergen-Belsen als 18-jähriger polnischer Gefangener gestorben und ich bin 1945 in Berlin-Zehlendorf als 20-jähriger Deutscher erschossen worden. Wir sind beide 1947 in London wieder inkarniert.
Die Geschichte fing in London an, als ich 18 war und fünf Jahre mit jemandem glücklich zusammen, bis wir uns 1970 auf tragische Art und Weise trennten. Zweiundvierzig Jahre später fand er mich über Facebook wieder; nach anderthalb Jahren waren wir am 14. Februar 2012 wieder zusammen in Berlin. Die ersten Monate waren wir glücklich. Meine wiedergefundene erste Liebe war von Berlin begeistert, von der wunderschönen Architektur, von den breiten Straßen, von den Seen und Wäldern, ganz besonders von den Denkmälern und den "Stolpersteinen". Er und unsere englischen Besucher waren überrascht, dass die Geschehnisse des Zweiten Weltkriegs und insbesondere die des Holocaust nicht verschwiegen werden, sondern durch Denkmäler im Alltag präsent sind.
Die lebensgefährliche Krankheit, die mein Freund hatte, als er nach Berlin kam, war durch Schamanische Heilarbeit harmlos geworden und seine starken körperlichen Schmerzen klangen ab. Er fühlte sich gut, sein einziges Problem blieb die deutsche Sprache und die dadurch entstandene Isolation, weil er meinte, er muss Deutsch sprechen, obwohl viele unserer Freunde Englisch reden.
Wir sind im Sommer 2012 viel verreist. Ich habe mich viel um ihn gekümmert, vernachlässigte meine Schamanische Arbeit und meine für mich lebenswichtigen Meditationen. Aber jetzt wurde ich auf einmal krank, von heute auf morgen, und mit Symptomen, über die meine Freunde beinahe gelacht hätten, weil sie absolut nicht zu mir passten. Der Höhepunkt war am 22. Dezember 2012. Es war eine Katastrophe für mich, ein Weltuntergang. Ich habe die Medikamente und den Krankenhausaufenthalt, der mir dringend empfohlen wurde, abgelehnt. Es war eine harte Prüfung und eine große Lehre. Ich weiß in der Zwischenzeit, was passiert ist: Ich habe seine körperlichen und seelischen Schmerzen auf mich genommen. Es hat lange gedauert, bevor ich verstanden habe, was bestimmte Reaktionen von ihm zu bedeuten hatten. Ganz am Anfang habe ich ihm einfache Worte und kurze Sätze auf Deutsch gesagt; und irgendwann war ich so erschrocken von seinem Gesichtsausdruck, als er Deutsch hörte, dass ich zu ihm sagte "You are looking at me as if I'm going to kill you!!!" Er war wie gelähmt und brachte kein Wort heraus. Er hatte eindeutig eine totale Blockade, was die deutsche Sprache betraf.
Das andere Phänomen zeigte sich beim Anblick der Jüdischen Denkmale, ob in Steglitz bei den "Stolpersteinen" in der Berlepschstraße oder, ganz besonders, beim großen Labyrinth in der Nähe vom Brandenburger Tor: Er fing unmittelbar an zu weinen. Letztlich war es eine gute Freundin, die mir meine Vermutung bestätigte, dass das Ganze irgendwie mit seiner letzten Inkarnation im Zweiten Weltkrieg zu tun haben muss. Er beschäftigte sich auch sehr stark mit dem Krieg. Er und seine Mutter hatten viel Kontakt mit Juden in London und ich auch.
Ich meditierte über seine Verhaltensweisen und bekam eine ganz klare Antwort. Ja, er war in Bergen-Belsen. Jetzt hatte ich die Eingebung, ich müsste selbst nach Bergen-Belsen. Sobald ich ihm davon erzählte, fing er an, sich zurückzuziehen. Auch entwickelte er eine extreme Abneigung gegen den Winter - er mochte den Winter nicht, sagte er, die Kälte und das Eis.
Im April 2013 entschied sich mein Freund, für längere Zeit nach England zu gehen, um seine familiären Angelegenheiten zu regeln. Zu der Zeit schlugen Freunde von mir vor, mich nach Bergen-Belsen zu begleiten, damit ich innerlich mehr fühlen und erfahren konnte, was wirklich passiert ist und um energetisch daran zu arbeiten. Am 1. Mai fuhren wir nach Bergen-Belsen.
Als ich durch das Tor lief, wurde mir klar, dass er da gewesen, aber nicht wieder herausgekommen ist. Am ersten Massengrab kamen mir sofort die Tränen und die Information, dass er kurz vor der Befreiung gestorben und hier begraben ist. Diese Tatsache machte mich total traurig. Warum er? Warum musste er hier so schrecklich sterben, so kurz vor der Befreiung?! Sein Vater in diesem Leben hat als englischer Soldat nur dieses KZ besucht, das hat er seinem Sohn einmal gesagt, aber nicht ein Wort mehr. Als ich ihn dann von Bergen-Belsen anrief, meinte er, er könne fühlen, dass er da war, dass er da gestorben ist unter ganz, ganz schwierigen Umständen und weinte bitterlich. In dem Moment bekam ich Bescheid, dass er mit 18 Jahren gestorben ist. Bergen-Belsen hatte viele sogenannte Austauschgefangene, die man gegen im Ausland inhaftierte Deutsche auslösen wollte. Sie durften ihre Kinder bei sich behalten. Mein Freund gehörte zu einer dieser Familien. Sie waren Juden und kamen aus Polen. Alleine zwischen Januar und März 1945 sind 35.000 Gefangene in Bergen-Belsen gestorben; es gab kaum zu essen und kein sauberes Wasser mehr. Als die englische Armee in das Lager kam, lagen viele Halbtote und Tote auf dem Boden nebeneinander. Die erste Aufgabe war, alle Überlebende mit Essen und Trinkwasser zu versorgen und der Seuchengefahr entgegen zu wirken.
Jetzt muss mein Freund natürlich mit diesen Erkenntnissen zurecht kommen. In ihrem Buch "2012 bis 2032" schreibt Diana Cooper, dass das deutsche Karma vom Zweiten Weltkrieg bis 2012 versiegelt war und ab dem 21. Dezember 2012 allmählich aufgelöst wird. Ich kann das gut glauben, da ich vorher einige wenige Sitzungen hatte, wo ich unmittelbare Eingebungen zu dieser Zeit bekam. Es waren in vierzehn Jahren schamanischer Arbeit vielleicht fünf Fälle, und bei diesen handelte es sich um Familien mit Kleinkindern. Jetzt sind in den letzten sechs Monaten sieben Klienten bei mir gewesen, die dieses Thema haben. Sie haben ihr ganzes Leben lang über schwere, unerklärbare Ängste geklagt, die auch an ihre Kinder weitervererbt wurden.
Das Gelände von Bergen-Belsen ist noch belastet, und dass alle KZ-Gelände mehr positive Energie und Licht benötigen, ist bestimmt nichts Neues. Diese Gedanken trage ich schon seit 1970 mit mir herum, aber ich bekam nie einen Hinweis von der geistigen Welt, wie und wann etwas gemacht werden könnte. Dieses Gelände ist gut gepflegt, es gibt Denkmale und ein Museum; aber es fehlt eindeutig positive Herzensliebe. In einer langen Meditation kam der Vorschlag, dass es ganz besonders gut wäre, dort einen Ententeich anzulegen. Im Schamanismus symbolisieren Enten wärmende Herzensliebe. Das ist für mich genau das, was da fehlt. Liebe, neues Leben, Freude an Tieren und Wasser: Ein lebendiges Denkmal, das Freude macht, damit das Alte losgelassen und Neues entstehen kann.
Ich bin auch sicher, dass es im Moment viele Menschen gibt, die an tiefgreifenden psychischen und körperlichen Schmerzen leiden, die damit zusammen hängen, dass sie Gefangene in den KZs waren. Ich hoffe, dass jetzt mehr Licht auf diese traurige Zeit kommt. Diana Cooper hat übrigens auch geschrieben, dass Deutschland an der Spitze der spirituellen Bewegung in Europa stehe, und dass die Revolution in der damaligen DDR ein fünfdimensionales Ereignis war. Sehr aufbauende Erkenntnisse!


Julia Doran-Kastner ist Engländerin/Irin, Schamanische Hohepriesterin, Akasha-Leserin, Master of NLP, Trauma- und Schmerztherapeutin. Sie arbeitet mit aufgestiegene/kosmische Meistern, Engeln und Krafttieren seit 1999.
Infos: www.juliadoran-kastner.com


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