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Ausgabe Oktober 2013
Beitragsreihe 2013 von Andreas Krüger Homöopathisches Heilmittel: Lac caninum – die Hundemilch

Freiheit ist, wenn alles möglich ist. Andreas Krüger mit dem neunten Teil seiner Beitragsreihe über wichtige homöopathische Arzneimittel – erläutert anhand seiner eigenen biografischen Erfahrungen.

H. Schäfer: Welches Mittel ist heute dran?
A. Krüger: Lac caninum, die Hundemilch. Sie wird primär aus der Milch des Rottweilers hergestellt. Der Rottweiler war ursprünglich ein Hirtenhund, der dazu gezüchtet wurde, um Kuh- und Rinderherden zu behüten und zu treiben. Heute ist er ein wichtiger Polizei- und Schutzhund. Ein Rottweiler ist ein ausgesprochen treuer Hund, der sehr auf seinen Herrn fixiert ist und der es seinem Herrn übel nimmt, wenn der schwächelt. Man weiß, dass Rottweiler ihre Besitzer gebissen haben, wenn die betrunken wurden. Der Rottweiler – und damit auch das Prinzip des Mittels – braucht sehr deutliche Ordnungen und Strukturen, in denen er dann absolut treu und fleißig leben kann. Wann immer diese Strukturen bedroht werden oder in Unordnung kommen, wird er krank.

Warum wollen Sie heute über dieses Mittel sprechen?
Das hat mit dem vergangenen Wochenende zu tun, an dem wir die jährlich stattfindenden Schamanentage hatten und so etwas erlebten wie eine große, liebevoll miteinander umgehende, klar hierarchisierte, aber trotzdem sich wohlwollend aufeinander beziehende Gemeinschaft von über 300 Menschen. Obwohl alle die unterschiedlichsten Richtungen von Schamanismus studierten, machten wir gemeinsame Rituale, sangen gemeinsam und erlebten uns damit in der Kraft von Schwarm, von Gruppe und von Kreis – und damit im Grunde in der Urkraft unserer Spezies. So, wie wir im Augenblick in einer angeblich monogamen Gesellschaft leben, die auf Zweierbeziehungen aufgebaut ist, stimmt das hinten und vorne nicht. Und das Single-Dasein entspricht erst recht nicht unserer Art. Es gibt sogar eine radikal-ökonomie-kritische Sicht, dass unsere Gesellschaft die Single fast erfindet, weil man mit ihnen mehr Geld verdienen kann als mit Familien. Mit Schwärmen verdient man noch weniger Geld. Ein Schwarmmitglied braucht nicht pro Person einen Kühlschrank und auch keinen eigenen Fernseher. Der Kapitalismus profitiert einfach an der Vereinsamung der Menschen, weil einsame Menschen mehr konsumieren.

Und diese „Schwarmlust“ haben Sie an dem Wochenende erlebt?
Ja – es war einfach wahnsinnig schön. Das Verlangen nach Gemeinschaft ist ein Grundbedürfnis unserer Spezies und ich glaube, es wird in unserer Gesellschaft wenig befriedigt und deswegen erkranken viele Menschen daran. Ich kenne kaum eine Ehe, die länger als 30 Jahre währt, die halbwegs glücklich ist, geschweige denn, in der noch intimer Körperkontakt stattfindet. Wenn ich dann in meiner Praxis frage, warum jemand in einer unglücklichen Beziehung bleibt, kommt das vordergründige Argument, den Kindern eine intakte Familie zu erhalten. Hier ist es sicher sinnvoll aufzuklären, dass zwei unglückliche Eltern die garantiert funktionierende Matrix für ihnen ins Unglück folgende Kinder sind. Ich habe Tausende von Menschen aufgestellt und ein Kind folgt fast immer den Eltern mit einem Hurra ins eigene Unglück. Wir wissen heute, dass Kinder nur so glücklich werden können wie die Eltern. Aus diesem Grund rate ich den unglücklichen Eltern, daran zu denken, dass sie mit ihrem Glück, ihrer Lebendigkeit und ihrer gezündeten Sinnlichkeit Matrix für ihre Kinder sind.

Haben Sie ein Beispiel?
Ich hatte als Patientin eine „normale“ Charlottenburger Bildungsbürgerfrau, die in einer „normalen unglücklichen“ Beziehung seit Jahren ohne Sinnlichkeit lebte. Darüber hinaus war sie traurig, dass ihre 23-jährige wunderhübsche Tochter keine Beziehung einging. Eines Tages fuhr diese Frau zur Kur und ich bekam einen Anruf von ihr: „Herr Krüger, was soll ich bloß machen? Ich habe jemanden kennen gelernt – 15 Jahre jünger – Herr Krüger, ich schäme mich so – können Sie mir nicht was raten?“ „Wo ist denn das Problem?“ „Ja, was sagt denn mein Mann dazu?“ „Wollen Sie denn Ihren Mann verlassen?“ „Nein, ich will ihn ja gar nicht verlassen.“ „Na dann müssen Sie ihm ja nichts erzählen. Was sagt denn der junge Mann? Will der Sie heiraten?“ „Nein, der ist ja glücklich verheiratet. Aber trotzdem ist es so prickelnd und schön!“ „Dann denken Sie daran, dass das, was Sie leben, Matrix ist für das Glück Ihrer Tochter.“ Ich habe ihr noch ein Mittel für das schlechte Gewissen gegeben. Vier Wochen später kam sie zu mir und erzählte, dass es mit dem jungen Mann schön und aufregend gewesen war und dass sie sich auch noch hin und wieder schreiben. Und die Geschichte hatte positive Nachwirkungen, denn sie fühlte ein absolutes Selbstbewusstsein als Frau, was sie schon viele Jahre vermisste. Aber das Tollste war: Ihre Tochter hatte sich verliebt: In einen ganz tollen Mann, mit ganz tollem Sex und total glücklich. Ob das was mit ihr zu tun habe?

Wer braucht Lac caninum?
Lac caninum ist das wichtigste Mittel bei Verlangen nach einer Gruppe und Ordnung. Man könnte sagen, dass die Lac caninum Krankheit dann entsteht, wenn ein Mensch aus einem Rudel und damit aus einer Ordnung hinaus geworfen wird. Damit ist es das wichtigste Mittel für adoptierte Kinder, für Heimkinder, für ungestillte Kinder und auch für Kinder von alleinerziehenden Müttern und für Söhne, die mit 15 immer noch im Bett ihrer Mutter schlafen. Und – jetzt kommen wir in einen anderen Bereich – Lac caninum ist ein Mittel für Neo-Nazis, die ja eigentlich verlassene, aus der Ordnung gefallene Kinder sind, die sich dann einer Ersatz-Rotte oder einem Ersatz-Schwarm anschließen, der aber nicht so liebevoll-zärtlich-anarchistisch-chaotisch ist wie wir, sondern der ein klares Führer-Prinzip hat. Und genau dazu neigt der kranke Lac caninum-Mensch. Er neigt dazu, sich oft autoritäre Führer zu suchen. Man könnte sagen, der gesunde Lac caninum-Mensch ist der leicht indigene Spät-Hippie und der kranke Lac caninum-Mensch kann schon der konsequente SA-Mann sein.

Erzählen Sie etwas zu den Symptomen von Lac caninum.
Es ist ein ganz wichtiges Mittel für PMS. Die Brust ist oft doppelt so groß wie normal. Wenn man den festen Druck eines BHs während der Mensis oder während eines Milchstaus als angenehm empfindet, dann gibt man als Heilmittel Lac caninum. Also Halt und Druck bessert. Und jetzt kommt das Schöne: BH sind ja auch die Initialen von Bert Hellinger. Was hat Bert Hellinger gemacht? Selbst ein Kritiker hat einmal gesagt, dass er den deutschen Männern wieder eine Ordnung gegeben hat, so wie die Ordnung der Liebe: Wir verneigen uns wieder vor unseren Eltern, wir geben ihnen die Ehre, aber wir sagen ihnen auch: „Das Eure lass ich bei euch und nehme mir das meine.“.

Was gibt es noch für Lac caninum Leitsymptome?
Lac caninum ist das wichtigste Mittel für die Verachtung des Vaters. Und wer als Mann seinen Vater verachtet, kann sein eigenes Mann-Sein vergessen. Ich kann nicht im klassischen Ursinne und im Sinne der Ordnung Vater werden, wenn ich meinen Vater verachte. Ich persönlich habe ja von meiner Mutter – ohne Vorwurf und heute in Frieden – eine sehr schwierige Programmierung mitbekommen und die hieß: „Du bist ein guter Junge! Du bist immer gut zu Frauen und du wirst nicht so wie dein Vater.“ Damals entwickelte ich eine Alkoholallergie, damit ich nicht so saufen kann wie mein Vater.
Ein anderes Symptom ist, nicht mehr im Stehen pinkeln zu können. Die ewigen Diskussionen in der Wohngemeinschaft über die Pinkelgewohnheiten waren damals an der Tagesordnung – und da ich ein guter Mann war, habe ich nur im Sitzen gepinkelt. Aber Freiheit ist, wenn alles möglich ist. Und wenn man nicht im Stehen pinkeln kann, ist das manchmal sogar hinderlich. Damals sah ich einen wunderbaren Film über eine Rockgruppe – ist schon 35 Jahre her, daher weiß ich nicht mehr, wie er hieß, aber es gab eine berührende Liebesszene: Es war Winter und er sagte zu ihr: „Ich möchte dir noch ein besonderes Geschenk machen.“ Dann stellte er sich in den Schnee, holte ihn raus und pinkelte ihr ein Herz in den Schnee. Und ich musste so heulen, denn ich dachte: Das schaff ich nie im Sitzen.

Gibt es eine persönliche Erfahrung mit Lac caninum?
Als ich Lac caninum bekam, ging ich zeitgleich zu einer Aufstellung mit Bert Hellinger, wo ich zu der Stellvertreterin meiner Mutter sagte: „Ich mute dir ab heute zu, dass ich vom Vater genauso nehme wie von dir.“ Und dann kriegte ich ein Bierglas in die Hand, prostete meinem Papa zu und sagte: „Papa, mit dir trinke ich es gerne.“ Das war der Beginn der Heilung meiner Alkoholallergie. Nach der Aufstellung kam ich nach Hause, sah meinen Vater und es passierte etwas Ungewöhnliches: Wir lagen uns mit einem Mal in den Armen. Das war niemals vorher vorgekommen und hat niemals danach stattgefunden.
Außerdem hatte ich nach dieser Lac caninum Einnahme einen beeindruckenden Traum, in dem ich in ein riesiges Versammlungshaus der Maori kam. Ich komme also da hin und da sitzt ein alter Maori-Schamane und rechts und links stehen richtige Maori-Krieger. Der Schamane berührt mich an meiner Stirn und erklärt mir in dieser Traumvision den Grund des Krieges. Er sagt – und gleichzeitig laufen Bilder bei mir ab – „weil Männer sich nicht mehr lieben dürfen, weil die Mütter es nicht wollten, lieben sie sich jetzt auf den Schlachtfeldern.“ Und dann erkenne ich in den Bildern die ganze Problematik, dass das gegenseitige Sich-Erstechen Ersatzhandlungen für unterdrückte sexuelle Begegnungen sind – genauso wie Panzerrohre und Raketen Phallussymbole darstellen. In dem Moment wird mir klar, dass ein Grund für männliche Gewalt gegen Männer darin liegt, dass ihnen „durch eine mütterliche Instanz“ verweigert wurde, den Vater zu lieben.
Zum Schluss noch ein schönes Abschlusserlebnis: Einige Zeit nach der Mitteleinnahme fuhr ich zu einem Seminar und musste in einer völlig verlassenen Gegend dringend pinkeln. Ich hielt an, stellte mich an einen Baum und konnte auf einmal im Stehen pinkeln. Das war wie ein Ritterschlag. Ich wusste gar nicht, dass man sich so darüber freuen kann, im Stehen zu pinkeln. Aber Freiheit ist ja, wenn alles möglich ist.

Andreas Krüger ist Heilpraktiker, Schulleiter und Dozent an der Samuel-Hahnemann-Schule in Berlin für Prozessorientierte Homöopathie, Leibarbeit, Ikonographie & schamanischer Heilkunst. Er ist Autor zahlreicher Fachbücher, u.a. "Heiler und heiler werden", Gespräche über Heilkunst, veröffentlicht 8/2013 vom Verlag Simon+Leutner, www.simon-leutner.de


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