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Ausgabe Oktober 2013
Der Weg der Dankbarkeit. Von Oliver Driver


Deine Ehe ist gescheitert, du hast den Job verloren und da sollst du dich noch dafür bedanken? Ich habe länger gebraucht, um diese Fähigkeit auch nur ansatzweise in mein Leben zu integrieren. Ich weiß, es ist nicht immer leicht, sein Leben zu leben. Und dennoch Da hilft ein wenig Dank oft verblüffend weiter – auch für die schlechten Erfahrungen.
Vielleicht denkst du manchmal: „Ach, wieder so ein gebrauchter Tag, den mit das Leben da angedreht hat“. Doch dieser Tag ist genau der Tag, den dir das Leben heute und jetzt geschenkt hat. Es ist nicht irgendein Tag. Er ist ein Geschenk, das einzige Geschenk, das du gerade in diesem Moment empfängst. Und die einzig mögliche Reaktion darauf ist Dankbarkeit – nicht mehr und nicht weniger.
Lerne, jeden Tag als einzigartiges Geschenk anzusehen und dich für ihn zu bedanken. Betrachte jeden Tag, als wäre er der erste Tag deines Lebens und zugleich auch der letzte. Dann wirst du jeden Tag würdigen. Vielleicht schließt du nun für zwei bis drei Minuten deine Augen. Und wenn du sie wieder öffnest, schaue auf die Farben, die du siehst, betrachte die Pracht des Lebens. Blicke in die Wolken, die sich bewegen. Versenke dich in das Blau und Weiß des Himmels. Schaue auf den Stoff deiner Kleidung, die Umgebung, in der du dies gerade liest. All dies wird nie wieder so aussehen, wie am heutigen Tage. Er ist einzigartig, so, wie du auch.
Leben heißt Veränderung. Dennoch tun wir Menschen uns schwer damit. Nur allzu gern würden wir eine Menge Missstände in der Welt abstellen, doch was wären die Folgen? Und wie sollen wir dabei überhaupt vorgehen? Du weißt, so spricht das Ego, das deiner wahren Natur nicht folgen möchte, sondern dich lieber weiterhin vom Sofa aus herumkommandiert. Am liebsten würde es sich in der heutigen Zeit ohnehin hinter dem Sofa verstecken, denn wir bewegen uns unaufhaltsam auf ein neues Bewusstsein zu.
Die alte Welt ist bald nicht mehr, sie liegt in den letzten Zügen. Die neue ist noch unscharf und verschwommen. Und die meisten von uns hängen zwischen alt und neu. Das Alte passt nicht mehr, doch wohin es jetzt genau gehen soll, wissen wir nicht. Das einzige, was wir tun können, ist zu vertrauen und unserem Herzen zu folgen. Statt an materiellen Dingen und Gedanken festzuhalten, nehmen wir an, was ist.
Neben Loslassen, Annehmen und Vergeben ist Dankbarkeit ein weiteres Geheimnis für mehr Glück. Der Weg der Dankbarkeit geht über das Annehmen hinaus, weil er die Erkenntnis beinhaltet, dass das, was geschieht, Sinn ergibt und in irgendeiner Art und Weise gut ist. Mit der Haltung »Ich nehme das Leben an, ich bin dankbar dafür« findest du die Erlösung – so schwer dies in manchen Momenten auch fällt. Betrachte alles, was zu dir kommt, als Geschenk des Lebens.
Du musst nicht für alle persönlichen und gesellschaftlichen Katastrophen sowie für Gewalt und Unterdrückung dankbar sein. Wohl aber kannst du dankbar sein für das, was du daraus lernst. Du wächst dadurch und reifst. Dein Herz wächst und wird stärker und stärker. Du identifizierst dich nicht mehr mit deinem Ego. Dann ist es dir möglich, den anderen Menschen wieder als eins mit dir zu erkennen.
Vielleicht hast du Lust einmal auf alles, was gut läuft, zu schauen. Was ist in deinem Leben gerade gut? Was finden deine Freunde an dir gut? Was kannst du besonders gut? Gewöhne dir an, dich für alles Positive und Schöne zu bedanken. Bedenke dabei, dass du gewisse Dinge durch die Fokussierung auf sie verstärken kannst. Energie folgt der Aufmerksamkeit. Wenn du für etwas dankbar bist, weiß dein Unterbewusstsein genau, wo es für mehr sorgen muss, um Glück zu erfahren. Danke zu sagen, ist die wirksamste Möglichkeit, sich selbst zu heilen.
Die Indianer halten endlos lange Dankesreden an die Natur und an die Geister. Sie wissen noch um die Kraft der Dankbarkeit. Sei dankbar für das, was du erreicht hast und nicht traurig über das, was du noch nicht hast.
Kennst du Ho’oponopono, das hawaiianische Vergebungsritual? Es ist zur Zeit in aller Munde, weil es so einfach ist, dass ich mich frage, wie so viele Bücher dazu veröffentlicht werden konnten. Ho’oponopono heißt so viel wie „die universale Ordnung wieder herstellen“. Und dies bedeutet im Wesentlichen, den eigenen Anteil an allem, was geschieht, zu erkennen und sich selbst dafür zu vergeben. Du übernimmst also 100 Prozent der Verantwortung für alles, was dir widerfährt. Auch dankst du für diese Erfahrung und öffnest dich der Liebe.
Es geht dabei nicht um Schuld. Warum solltest du überhaupt überlegen, wer »schuld« an einer Situation ist? Schließlich sind wir doch alle miteinander verbunden und dadurch irgendwie immer auch alle beteiligt. Das, was du erlebst, ist die direkte Resonanz auf dein Verhalten.

Vier einfache Sätze, mit denen du schwierige Situationen auflösen kannst:
- Ich erkenne meinen Anteil daran.
- Ich vergebe mir.
- Ich danke für das, was ich hieraus lerne.
- Ich liebe mich.

Übung
Folgende Übung kannst du auch zu Hause am Küchentisch machen, schöner und kraftvoller aber ist sie in der Natur.
Suche dir einen großen Baum, der dir »sympathisch« ist. Sein Energiefeld wird dir bei der folgenden Reinigung helfen. Räuchere zunächst zur Einleitung des Rituals, und bitte dann um die Hilfe der Kräfte der vier Himmelsrichtungen.
Entscheide dich für ein Anliegen. Welchen Konflikt, welches Problem möchtest du heute heilen? Wo tust du dich noch schwer, zu danken oder zu vergeben?
Gehe nun im Uhrzeigersinn – gern barfuß – um den Baum herum, und sage jeden der Ho’oponopono-Sätze so oft, bis du das Gefühl hast, dass er echt klingt und dass du hinter der Aussage stehen kannst. Setze also einen Fuß vor den anderen und sprich den ersten Satz immer wieder aus, so lange, bis er sich stimmig anfühlt. Dann wiederhole das Ganze mit dem zweiten Satz, bis auch dieser „passt“ und so weiter.
In einigen Fällen wird es dir sicher schwerfallen, aber gib einfach dein Bestes. Du ahnst es sicher bereits, das kann bei mehreren ungeklärten Beziehungen einige Zeit dauern. Vielleicht beginnst du mit der für dich wichtigsten Situation, und klärst die übrigen Beziehungen an anderen Tagen.

Oliver Driver ist Schamane, Coach, Organisationsberater und Autor. Er arbeitet sowohl in der Tradition der Q’ero-Schamanen Perus, den letzten Hütern des alten Wissens der Inka, als auch auf Basis der Huna-Philosophie Hawaiis. Im Mai 2014 findet dazu eine Intensivwoche auf Mallorca statt. Weitere Informationen: www.oliver-driver.de

Buchtipp
Oliver Driver, Über das Gelingen – Kleine Rituale der Selbstheilung. Ein mit träumerischen Fotos liebevoll illustriertes Übungsprogramm für 18 Tage vor, mit dessen Hilfe der Leser die Verbindung zum eigenen Körper und zur eigenen Seele vertiefen kann. 112 Seiten, Schirner Verlag, 6,95 Euro


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