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Ausgabe September 2013
Mit Heilpflanzen durch das Jahr 2013. Der Weisdorn

Beitragsreihe von Cornelia Titzmann, der Leiterin des IfP (Institut für Phytotherapie) in Berlin

Nun sind wir im Sommer oder schon fast im Herbst angekommen. Dieser wunderschöne große Weißdorn-Strauch oder manchmal bis zu 7 Metern hohe Baum aus der Familie der Rosengewächse begeistert alle. Früher war er eine beliebte Heckenpflanze und wurde um die Felder herum angebaut, deshalb auch Hagedorn genannt. Dort bot er Vögeln und Kleinsäugern einen Unterschlupf, hielt den Wind ab und trug so zum Artenschutz, zur Vertreibung von „Plagegeistern“ und zum Schutz vor Bodenerosion bei. Durch die Einführung der großen Landwirtschaftsmaschinen wurden die Hecken unpraktisch. Doch wir finden den Weißdorn immer noch überall in Deutschland und in vielen anderen Ländern mit gemäßigtem Klima,vor allem an Waldrändern, in Parks und Gärten. Er gab schon im Altertum den Ausspruch „Keine Herztherapie ohne Weißdorn!“. Später avancierte die Pflanze zu einem der am häufigsten verkauften naturheilkundlichen Fertigpräparate, die oft mit der Indikation Altersherz versehen sind. Doch die herrlichen Blüten und Blätter oder auch die roten Früchte dieser Pflanze können noch viel mehr. Als Tee getrunken oder in einem Präparat verarbeitet, hilft sie unterstützend bei nervösem Herzleiden (cor nervosum), lindert Symptome wie Herzrasen, Druck auf der Brust, Atemnot, und kalten Schweiß. Es fördert den Schlaf und vertreibt Trübsal verursacht durch Herzeleid. Inzwischen gibt es auch in der modernen Medizin den Ausdruck „broken heart disease“, wobei Zusammenhänge körperlicher und seelischer Beschwerden nach Traumata wie Partnerverlust und Ähnlichem erforscht werden. Hier könnte man eine Studie mit Weißdorn empfehlen. In der Therapie wird der Weißdorn begleitend bei Fieber getrunken, dafür eignet er sich auch bei Kindern. Er leitet über die Blase und Niere ab, wirkt „aquaretisch“ und mindert so unerwünschte Wassereinlagerungen, die gerade bei Herzschwäche oder Nierenproblemen häufig auftreten. Die schon vorher erwähnte Wirkung im Alter machte den Weißdorn zu einem Bestandteil des sogenannten „Länger-Leben-Elixiers“, einer Pflanzentinktur-Mischung, die gegen Arteriosklerose, Bluthochdruck, drohenden Schlaganfall und Herzinfarkt helfen soll. Interessant ist, dass sich der Weißdorn bisher jedem pharmakologischen Wirksamkeitsnachweis entzieht. Es wurden zwar fast alle Inhaltsstoffe analysiert (Farbstoffe, Gerbstoffe, ätherische Öle, Bitterstoffe und andere Glycoside), seine medizinsche Wirkung konnte aber an keinem Einzelstoff festgemacht werden. Vielleicht ist das sein Geheimnis?

Anwendungstipps:
Tee: Ein Teelöffel Blüten und Blätter oder Früchte pro Tasse 10 Minuten ziehen lassen, über einen längeren Zeitraum (2 Monate) 1-2 Tassen täglich trinken.
Länger-Leben-Tropfen: Weißdornfluidextrakt 20 gr, Knoblauch und Misteltinktur je 10 gr mischen lassen (Apotheke), 2-3x im Jahr als Kur über 2 Monate morgens 20 Tropfen mit Wasser einnehmen.

Die Autorin Cornelia Titzmann ist Dozentin am Institut für Phytotherapie (IFP) und Heilpraktikerin.


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