aktuelle Seite: ARCHIV   
Jahr:
2019 | 2018 | 2017 | 2016 | 2015 | 2014 | 2013 | 2012 | 2011 | 2010 | 2009 | 2008 | 2007 | 2006 | 2005 | 2004 | 2003 | 2002 | 2001 |

Ausgabe September 2013
Nichts als Erleuchtung. Shai Tubali

Die Gewohnheit unseres Gehirns, alles permanent mit Erinnerungen abzugleichen und dem Leben so mehr aus der Vergangenheit als dem gegenwärtigen Moment heraus zu begegnen, löst sich im Kontakt mit "höheren Feldern" zunehmend auf, so der spirituelle Lehrer

Es ist jetzt 13 Jahre her, ich war damals dreiundzwanzig Jahre alt, da erlebte ich eine mehrere Monate andauernde und meine damalige Welt vollständig erschütternde Ausdehnung des Bewusstseins. Ausgelöst wurde dieses Erlebnis durch eine intensive spirituelle Suche. Bis dahin hatte meine bereits drei Jahre währende spirituelle Reise mir nur kurze Einblicke in ausgedehnte Bewusstseinszustände gewährt, aber diese Einblicke konnten meinen Durst nicht löschen. Diesmal brach etwas anderes in mir hervor, denn die Ausdehnung, die mein ganzes Wesen durchdrang, wurde nicht schwächer, sondern wuchs Tag für Tag stärker an, ohne dass ich dafür eine nennenswerte Anstrengung gemacht hätte. Es schien sogar, als sollte ich nichts weiter tun, als den Prozess zu betrachten und ihm nicht im Wege zu stehen.
Ich lebte damals bei meinen Eltern. Ein ganzes Jahr lang zog ich mich in mein kleines Zimmer zurück, nur manchmal verließ ich das Haus, um spazieren zu gehen und neugierig meine neue, eigentümliche Beziehung zur Welt zu untersuchen. Natürlich nannte ich es damals nicht "die Ausdehnung des Bewusstseins" - ein Begriff, dessen Tiefe und Bedeutung allen, die dieses Buch lesen werden, noch umfassend erklärt werden wird - da ich damals nicht über die entsprechende Terminologie verfügte. Tatsächlich reichten Worte nicht aus, um das ganze Ausmaß meiner Erfahrung zu beschreiben, sie schienen dafür zu klein und zerbrechlich. Meine gewohnten Denkstrukturen zerbrachen und fielen unter der schweren Last dieses neuen Zustands in sich zusammen. Eins war sicher: Die Art, wie ich mich selbst und die Essenz meines Wesens, meine Gefühle und Gedanken, meine Beziehungen und meine Ambitionen für die Zukunft wahrnahm, hatte sich unwiderruflich gewandelt, da 'mein Selbst' und 'mein persönliches Leben' in der Weite dieser Bewusstseinsebene letzten Endes absolut bedeutungslos waren; es gab nur jene unendliche, grenzenlose Präsenz, eine alles umfassende Liebe und den Duft der Ewigkeit, der mir folgte, wohin auch immer ich ging.
Gegen Ende dieses Jahres, ich war vierundzwanzig Jahre alt, nahmen spirituelle Sucher verschiedener Herkunft Kontakt mit mir auf, weil sie hofften, dass mein neuer Zustand sie inspirieren würde. Langsam aber sicher wurde ich in ein völlig neues Leben des Lehrens und Schreibens über das Thema spiritueller Entwicklung hineingetragen. Seitdem beschäftigt mich ständig eine Frage: Was bringt einen Menschen dazu, sich im Kern seines Wesens zu verwandeln? Was sind die idealen Bedingungen, die es einem Menschen ermöglichen, sein ganzes Wesen umfassend zu transformieren?
Eine Tatsache stand die ganze Zeit lang deutlich vor meinem inneren Auge: Viele mentale und emotionale Muster, die einst meine Persönlichkeit geformt und konditioniert hatten, lösten sich durch diesen Prozess der Ausdehnung des Bewusstseins einfach nach und nach wie von selbst auf. Ein Zustand der Freude und Glückseligkeit, die nicht von äußeren Umständen abhingen, überflutete mein Herz, und eine nie gekannte Furchtlosigkeit und ein waches Zuhören strömten in mein Gehirn. Offensichtlich besteht also eine enge Verbindung zwischen der eigenen Stabilisierung in den geweiteten Zuständen des Bewusstseins und einer organischen Befreiung aus der Gefangenschaft psychologischer Strukturen. Aber da ich noch nicht einmal eine vage Ahnung davon hatte, was eigentlich diesen Prozess in mir in Gang gebracht hatte, wusste ich auch nicht, wie ich ihn in anderen anfachen konnte.
Erst vor drei Jahren zeigte sich, dass diese Frustration eine sehr positive und notwendige Erfahrung war, da sie mich dazu brachte, die "White Light"-Methode zu entwickeln. In dem Moment, in dem ich anfing, diese Methode mit den Menschen um mich herum zu erproben, erkannte ich, dass die Brücke endlich gefunden worden war: Jedes Mal, wenn ein Mensch den Prozess der Ausdehnung vollzog, der das Herz dieser Methode ist, konnten er und ich uns endlich in den subtilen Ebenen des Bewusstseins begegnen und einander auf Basis einer gemeinsamen Erkenntnis begegnen. Niemand brauchte mich mehr als Mittler dieser Zustände, da ein von mir vollkommen unabhängiger Weg gefunden war, mit denen jeder selbst auf tiefe Weise wieder und wieder mit ausgedehnten Bewusstseinszuständen in Berührung kommen konnte. Und mehr noch: Die Methode gab den Menschen um mich herum die Fähigkeit, einen Prozess durchzumachen, der meinem eigenen glich, der es ihnen ermöglichte, hartnäckige Muster abzulegen und psychologische Strukturen zu verändern. Wir alle, die wir White Light anwendeten, fanden es sehr nützlich, den Effekt der Ausdehnung des Bewusstseins auf Lebensbereiche anzuwenden, die nicht rein spirituell sind - therapeutisch oder kreativ, zum Beispiel. Wir konnten spirituelle Erleuchtung in unserem alltäglichen Leben nutzen.

Ich hatte nicht vorgehabt, eine Methode zu entwickeln. 'White Light' ist absichtslos entstanden, während ich mit Fragmenten und Prinzipien von Methoden, Meditationstechniken und mentalen Techniken herumgespielt habe, die ich mit den Jahren zu schätzen gelernt hatte. Die Methode fing jedoch schnell an, ein Eigenleben zu entwickeln und ihre einzigartigen Möglichkeiten wurden immer deutlicher. Ihre philosophische Grundlage wurde ebenfalls immer deutlicher und mehr und mehr ausformuliert. Im Laufe dieses Prozesses entstanden Dutzende anderer Techniken, die (fast) alle auf demselben Prinzip basierten, aber jede für sich das Potenzial in sich trugen, eine andere Dimension des Lebens zu verwandeln. So habe ich auf ganz ungeplante Weise erkannt, dass der Prozess der Ausdehnung auf die verschiedensten Bereiche des Lebens angewandt werden kann und entsprechend entwickelten sich aus einer einzelnen Technik, deren Ziel die Umwandlung negativer Emotionen gewesen war, mehr als fünfzig Techniken, darunter eine (sehr effektive!) Technik für das Verstehen von Träumen, eine für das vollständige Erleben des Erleuchtungszustands und eine Reihe von Techniken für kreative Entscheidungsprozesse im alltäglichen Leben.
Heute ist "White Light" eine Welt für sich, eine Einladung zu einer unendlichen Reise durch die Weiten des Bewusstseins, aber zweifellos wurde, was die Möglichkeiten dieser Methode angeht, noch nicht das letzte Wort gesprochen.

(Auszug aus Shai Tubali, Nichts als Erleuchtung)

Der Autor Shai Tubali, geb. 1976 in Israel, war zunächst als Journalist und Redakteur tätig. In den 90ern reiste er nach Indien auf der Suche nach Erleuchtung, beschäftigte sich mit TM und Meditationen von Osho. 1999 erlebte er ein spirituelles Erwachen und zog sich für ein Jahr zu einem Retreat zurück. In den vergangenen Jahren entwickelte er die "White Light-Methode". Er lebt seit Anfang 2012 in Berlin.

Buchtipp:
Shai Tubali: White Light. Reise zur Glückseligkeit,
270 Seiten, 16,95 [D], Mitte Sept. 2013, ISBN 978-389901-707-6, J.Kamphausen Verlag


Weitere Informationen werden im Archiv nicht angezeigt.