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Ausgabe September 2013
Kinder der Liebe. Aus dem Buch „Jedes Kind ist hoch begabt“ von Gerald Hüther und Uli Hauser

„Lernen muss so schön sein, dass Kinder weinen, wenn sie Ferien haben.“ Ein Plädoyer für die Anerkennung der Talente unserer Kinder – einige Auszüge aus dem neuen Buch von Gerald Hüther und Uli Hauser „Jedes Kind ist hoch begabt“ mit freundlicher Genehmig

Jedes Kind trägt, wenn es auf die Welt kommt, ein unbewusstes Wissen in sich, dass Verbundenheit und eigenes Wachsen gleichzeitig möglich sind. Und sie gehen davon aus, richtig zu sein, so, wie sie sind: freundliche Wesen, der Liebe Wert. Liebenswert. Dieses Vertrauen und diese Zuversicht sind entstanden, weil jedes Kind im Mutterbauch bereits erlebt hat, dass seine Bedürfnisse befriedigt wurden und es sein Leben dort zu meistern imstande war. Schutz, Nähe, Wärme, Geborgenheit: All das erlebt ein Kind in den neun Monaten der Schwangerschaft. Diese Erfahrung ist fest in seinem Gehirn verankert. Und so soll es bitte auch nach der Geburt weitergehen. Das Kind vertraut darauf, weiterhin gehalten und getragen, beschützt und versorgt zu werden. Jedes Kind hat diese Erwartung, auch wenn es noch gar nicht erahnen kann, welche Bedeutung diese Worte haben.
Vertrauen muss während der Kindheit auf drei Ebenen entwickelt werden. Als Vertrauen in die eigenen Möglichkeiten und die Fähigkeit, Probleme zu bewältigen. Als Vertrauen in die Lösbarkeit schwieriger Situationen gemeinsam mit anderen Menschen. Und als Vertrauen, dass die Welt es gut mit einem meint, weil die Eltern es gut mit einem meinen.
Das Superdoping für Kindergehirne gibt es. Man bekommt es nicht in der Apotheke, keine Frühförderanstalt bietet es an. Es kostet nichts. Im Gegenteil. Wer seine Kinder damit beschenkt, bekommt sogar etwas zurück: Nähe, Vertrauen und ein Strahlen in den Augen des Kindes. Diese unbezahlbaren Zaubermittel sind gemeinsames Singen, gemeinsam erlebte Märchenstunden, gemeinsames Spielen, gemeinsames Tanzen, Musizieren, Malen oder Basteln. Geschichten zu erzählen, ist die höchste Form des Unterrichtens. Denn Lernen gelingt am besten, wenn die emotionalen Zentren im Gehirn aktiviert und all jene Botenstoffe freigesetzt werden, die das Knüpfen neuer Verbindungen zwischen den Nervenzellen fördern. Damit es richtig „im Bauch kitzelt“, ist die Atmosphäre wichtig.

Mitgefühl ist uns in die Wiege gelegt wie die Fähigkeit zum Atmen.

Vor ein paar Jahren führten Forscher ein in dieser Hinsicht bemerkenswert aufschlussreiches Experiment durch. Sie zeigten sechs Monate alten Babys drei kurze Trickfilmsequenzen. Die Kinder sahen zunächst ein kleines gelbes Männchen, das Mühe hatte, einen steilen Berg zu bezwingen. Schnaufend krabbelte es hoch. Anschließend lief die gleiche Sequenz noch einmal; diesmal kam dem gelben Männchen eine grüne Figur zu Hilfe, sie schob von untern. So kam das gelbe Männchen leichter den Berg hinauf. In der dritten Sequenz mühte sich das gelbe Männchen erneut ab, den Berg hochzukrabbeln, da tauchte plötzlich oben eine blaue Figur auf: Sie stieß den kleinen Strampler wieder nach unten. Nach dem Film wurden die grüne und die blaue Figur von den Kindern nebeneinander aufgestellt. Die Forscher waren gespannt, nach welcher Farbe die Kinder greifen würden. Alle Babys wählten die grüne Figur, den „Unterstützer“. Einer, der dem anderen hilft, war ihnen zutiefst sympathisch.
Ein halbes Jahr später wurde das Experiment wiederholt. Nun wählten zehn Prozent der Kinder nicht mehr den „Unterstützer“, sondern den „Unterdrücker“. Es ist nicht näher untersucht worden, was sich bei diesen Kindern in den sechs Monaten verändert hatte.

Buchtipp: Gerald Hüther/Uli Hauser: Jedes Kind ist hoch begabt, Knaus, München, 2012


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