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Ausgabe Juli 2013
Heilsame Schritte. Von Elisabeth Hör-Bogacz

Abseits ausgetretener Pfade zeigt Elisabeth Hör-Bogacz, wie unsere natürlichste Art der Fortbewegung zu einem ganzheitlichen Erlebnis wird.

Gehen verändert den Blick auf die Welt
Wer geht, sieht mehr, spürt mehr, entdeckt mehr! Weil unsere Sinne beim Gehen besonders wach sind, entstehen Spielräume für neue Eindrücke und überraschende (Selbst-)Erfahrungen. Gehen stärkt unser Selbstbewusstsein, man bekommt mehr Körpergefühl und Gelassenheit. Wir werden wieder kreativer und achtsamer. Was viele nicht wissen: Zu Fuß zu gehen ist eine verblüffend wirksame Methode, den Alltag zu entschleunigen und in den eigenen Rhythmus zu kommen. Die wichtigste Botschaft: Sie müssen sich nicht anstrengen, um Ihr Wohlbefinden zu steigern und mehr Leichtigkeit zu empfinden. Im Gegenteil. Nehmen Sie sich die Freiheit und definieren Sie die Regeln außerhalb Ihres Arbeitsplatzes selbst! Lassen Sie den Leistungsgedanken allein zu Haus, gehen Sie vor die Tür und sehen Sie sich um! Ohne bestimmte Erwartungen und Vorstellungen daran zu knüpfen! Das ist wichtig, weil diese Haltung Ihren Blick öffnet, Ihr Bewusstsein weitet und Ihre Perspektive verändert. Sie benötigen dafür weder eine starre Anleitung noch spezielle Hilfsmittel. »Beim Gehen zählt nur eines: die Intensität des Himmels, das Leuchten der Landschaft«, betont der französische Philosophieprofessor Frédéric Gros in seinem wunderbaren Buch Unterwegs.
Zweifellos: Gehen hat eine tiefere Dimension. Und deshalb ist das vorliegende Buch auch kein Fitnessratgeber, sondern ein Inspirationsbuch, Impulsgeber und Wegbegleiter für alle, die Lust auf Bewegung haben, nach neuen Blickwinkeln suchen und sich kreative Auszeiten wünschen, die ohne großen Aufwand ins Alltagsleben passen. Wenn Sie wollen, kostet Sie das fast nichts! Ihre Beine, bequeme Schuhe, Wasser und dieses Buch genügen, um die Welt, die vor Ihrer Tür liegt, neu zu entdecken. Nehmen Sie sich Zeit fürs Unterwegssein! Glauben Sie mir, es geht!

Mit Lust und Leichtigkeit
Wir alle sehnen uns nach Momenten, die uns aus der gewohnten Routine herausreißen. Worauf Sie sich in diesem Buch freuen dürfen, sind neue Impulse, Denkanstöße und konkrete Anreize für mehr Laisser-faire in Ihrem Alltag. Sie werden sehen, wie genussvoll es sein kann, täglich und möglichst zu verschiedenen Zeiten draußen unterwegs zu sein. Zum Beispiel, weil sich jede Tages- und Jahreszeit anders anfühlt und ihre eigenen Überraschungen bereithält. Vielleicht regt sich gerade heftiger Widerstand in Ihnen, weil die Vorstellung, täglich einen Spaziergang zu unternehmen, in Ihren Augen utopisch und weltfremd ist. Entspannen Sie sich. Oft genügt schon eine halbe Stunde, um den Kopf freizubekommen, sich treiben zu lassen, den Augenblick zu genießen und die kleinen Glücksmomente zu sammeln, die uns unterwegs begegnen und in eine beschwingte Stimmung versetzen! Ein solches Soulcake kann der erste Frühlingshauch sein, der in der Luft liegt, das unbefangene Lächeln eines Kindes, das Ihnen auf Ihrem Weg entgegenhüpft oder der flüchtige Blick eines Fremden, der Sie innerlich berührt. Der Zauber des Augenblicks erschließt sich in der Absichtslosigkeit.
Ich selbst bin am liebsten in der magischen blauen Stunde unterwegs, stromere im Dämmerlicht durch die Straßen meines Viertels und erlebe den Übergang zwischen Tag und Nacht als sehr anregend. Die Abenddämmerung taucht alles in ein diffuses Licht, mildert Kontraste, verwischt Konturen, schafft Raum für Fantasie und neue Ideen! Ich genieße diese stimmungsvolle Atmosphäre mit meinen Sinnen, auch wenn nichts Bestimmtes passiert. Muss ja nicht sein! Ich nehme mir eine Auszeit vom Alltäglichen, bin in Bewegung, lasse mir die frische Luft um die Nase wehen und fühle mich nach einem langen Arbeitstag schnell wieder wach, lebendig und frei!
Darum geht es in diesem Buch. In den ersten fünf Kapiteln erfahren Sie, warum Gehen unser Selbstvertrauen stärkt, ein Lebenselixier für Körper, Geist und Seele ist, gelassen, kreativ und achtsam macht und uns von der einengenden Vorstellung befreit, immer und überall produktiv sein zu müssen. Wissenswertes und Spannendes aus der Forschung, konkrete Anregungen und praxiserprobte Wahrnehmungs- und Achtsamkeitsübungen werden Ihnen tiefere Einblicke in die Dimension des Gehens ermöglichen.
Zur Abrundung und Umsetzung im Alltag warten im Kapitel „Unterwegs mit allen Sinnen“ besondere Auszeiten auf Sie. Kreative Vorschläge für Ausflüge und Streifzüge in der Stadt und auf dem Land werden Sie mit Ihrer sinnlichen, spielerischen und spirituellen Seite in Berührung bringen. Das kann eine Entdeckungstour durch die Straßen eines fremden Stadtteils sein oder eine Gehmeditation in der Stille. Wenn Sie wollen, können Sie das Gehen auch mit künstlerischen Aktivitäten verbinden, zum Beispiel indem Sie in Ihrer Freizeit Land Art betreiben. Manche Touren eignen sich besser für bewusste Alleingänge, andere sind ideal, um zu zweit, mit Freunden oder der ganzen Familie unterwegs zu sein.

Entdeckungstour durch die Stadt
Eintönigkeit im Alltag, wer kennt sie nicht? Jeder Handgriff sitzt, die Brötchen kaufen wir seit Jahren beim selben Bäcker, und die Strecke zur Arbeit kennen wir im Schlaf. Das spart Zeit, erleichtert uns das Leben, ist aber auch zum Gähnen langweilig. Eine sehr spannende Möglichkeit, dem monotonen Einerlei ein Ende zu setzen und eingefahrene Gleise auf kreative Weise zu verlassen, ist eine Freizeittour durch einen fremden Stadtteil. Wer auf dem Land lebt, fährt einfach in einen größeren Ort in seiner Nähe und geht von dort aus zu Fuß. Für alle, die gerade umgezogen und neu in einer Stadt sind, ist die kostenfreie Fuß-Sightseeing-Tour ohnehin ein Muss, oder vielmehr ein Vergnügen.

Fremde Stadtteile erkunden
Jede Stadt hat ihren eigenen Pulsschlag. Zu Fuß nehmen Sie diesen unverwechselbaren Rhythmus viel intensiver wahr und spüren die atmosphärischen Unterschiede der verschiedenen Viertel ganz unmittelbar. Erkunden Sie an einem freien Tag einen Stadtteil, der sonst nie oder nur selten auf Ihrem Weg liegt. Stromern Sie mit offenen Sinnen durch die Straßen und vergessen Sie Ihren Fotoapparat (künstlerisch) oder Ihr Handy (praktisch) nicht.
Fotografieren Sie jedes Detail, das Ihnen ins Auge fällt: verschnörkelte Türen, blühende Balkone, Fassaden, Brunnen, Plätze, Bäume, Klappstühle in Stadtstränden, Litfaßsäulen, Parkbänke, Baustellen, glatte Glasfronten, in denen sich die Sonne spiegelt, oder Wolken, die durch eine Regenpfütze ziehen, und alles, was Sie schön, hässlich, bunt, organisch, sperrig, skurril, futuristisch oder außergewöhnlich finden. Machen Sie Schnappschüsse und keine Philosophie aus Ihrer Fotografie. Es geht einzig und allein darum, den Moment einzufangen und in Fluss zu kommen. Erlauben Sie sich den Luxus und lassen Sie sich treiben! Entdecken Sie kleine Schleichwege, enge Gassen oder großzügige Alleen, stecken Sie Ihre Nase in offene Hauseingänge und machen Sie unbedingt einen Abstecher in die Hinterhöfe. Wie riecht es dort? Jeder Hinterhof verrät eine Geschichte, hat seinen eigenen Charakter und Geruch. Mal riecht es modrig, mal duftet es. Mal ist der Hinterhof begrünt und idyllisch, mal grau und asphaltiert, mal laut, mal leise …

Die Autorin Elisabeth Hör-Bogacz ist seit 25 Jahren in der Medienbranche tätig (u.a. Ex-Redakteurin der Frauenzeitschrift Freundin). Zu ihren inhaltlichen Schwerpunkten gehören Gesundheits-, Psychologie- und Balancing-Themen. Ihre größten Leidenschaften: zu Fuß unterwegs sein, neue Wege entdecken, durch Afrika reisen.

Buchtipp: Elisabeth Hör-Bogacz, Gehen – ein leichtfüßiges Glück, , 176 S., geb., € 13,99, Integral Verlag. Auch als E-Book erhältlich!


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