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Ausgabe Juli 2013
Die Geister der Schamanen. Der traditionelle Weg. Von Petra Hinze

Schamanische Heilarbeit ist heute weit verbreitet. Schamanismus-Forschern wie Mircea Eliade oder Michael Harner ist es zu verdanken, dass der Schamanismus zugänglich und die alten Heilwege und Rituale bekannt gemacht wurden. Worin der Unterschied zum trad

In vielen schamanischen Traditionen beruhen die besonderen Eigenschaften der „Schamanenwerdung“ auf einer Art geistiger „Berufung“. Meist gab es schon Innerhalb der Familien praktizierende Schamanen/innen, die direkten Kontakt zur Geisterwelt hatten. Tatsächlich ist es so, dass der Anwärter oftmals nicht einmal von seiner Berufung weiß und diese meist eher unerwünscht ist - bedeutet sie doch die ausschließliche Dienerschaft gegenüber der Geistigen Welt.
Bevor ein Anwärter die „Einweihung“ von erfahrenen Lehrer/innen erhält, wird die tatsächliche Gegebenheit einer Berufung geprüft. Die Anzeichen dafür können ganz unterschiedlich sein. Als Zeichen dafür können zum Beispiel körperliche Symptome gelten, Erkrankungen wie beispielsweise epileptische Anfälle oder schwere körperliche Beeinträchtigungen wie Schlaflosigkeit, Träume, außersinnliche Wahrnehmungen, aber auch berufliches oder privates Unglück, letzteres auch innerhalb der Familie. Als Krankheit ist sie als „Schamanenkrankheit“ ein Begriff. Doch nicht immer sind Symptome dieser Art als Zeichen zu deuten. Mit einem bestimmten Verfahren schaut der Schamane, ob sich hinter diesen äußeren Symptomen ein sogenannter Anwärter verbirgt. Er kommuniziert mit seinem Ahnengeist, geht in Trance und hat dabei die Gebetskette zu Hilfe.
Zur Bestätigung der Berufung wird auch zum Ursprung der verwandtschaftlichen Linie (Mutter oder Vater) zurückgegangen, um herauszufinden, welcher „Geist“ nun mit dem Anwärter arbeiten möchte. Der Geist sucht sich den Anwärter, nicht umgekehrt. Erst damit ist die Bestimmung vollzogen. Der Auserwählte hat somit das Schamanen-Gen.
Die Festlegung erfolgt bereits mit der Geburt. Aktiv wird das Gen erst zu einem späteren Zeitpunkt - meist nach der Pubertät, oftmals erst viel später. Solange der Betroffene nicht als Schamane erkannt ist und die Einweihung nicht erhält oder diese ablehnt, können sich die Zeichen nicht zum Besseren wenden. Erfolgt die Einweihung, verschwinden die Symptome in kürzester Zeit – die Geister sind ruhig gestimmt.
In der Einweihung wird die direkte Verbindung zum Ahnengeist hergestellt. Der Anwärter geht mit einem individuellen Mantra gemeinsam mit dem Ahnengeist in Trance. Nun kann der Ahne sprechen und sich äußern, sein Wissen anwenden und übertragen. Die Geister lehren ihre SchamanInnen die traditionellen Riten, Verständnis und Praktiken zur Erfüllung ihrer besonderen Aufgabe.
Die Geister, die er ruft, sind meist eigene Vorfahren. Diese übernehmen, solange die Trance besteht, den Körper. Die Ankunft des Geistes ist an der Wesensveränderung in Form der Stimme, der Körperhaltung und der Charakterzüge zu erkennen - Wesenszüge, die dem Ahnen zu Lebzeiten entsprachen. Die Fähigkeiten des Vorfahren stehen nun zur Verfügung.
Es können je nach Art der Einweihung auch Naturgeister wie die des Wassers dazu geholt werden. Diese sind meist schwer kontrollierbar und wild. Sie zeigen sich in den Gebärden einer rituellen Ekstase. Diese Naturgeister können sehr gute Informationen und Hinweise geben, wie es mit dem Gleichgewicht der Natur bestellt ist, wie es erhalten und wiederhergestellt werden kann. Diese Art der Kontaktaufnahme wurde zu Rate gezogen, um das Leben zwischen Mensch und der Natur in Harmonie zu ermöglichen.
„In die Ecke, Besen! Besen! Seid`s gewesen. Denn als Geister ruft euch nur zu seinem Zwecke erst hervor der alte Meister.“ Aus dem Zauberlehrling J. W. v. Goethe
Nach der ersten Einweihung beginnt die Kennlernphase. Vertrauen wird aufgebaut. Vertrauen zwischen Geist und SchamanIn, Vertrauen des Schamanen in seine Aufgabe. Es folgen weitere Einweihungen, wobei oft neue Ahnengeister hinzukommen. Mit Hilfe dieser Geister kann man nun „schamanisieren“. In der Trance kann Heilung und Linderung erfahren werden. Mit jeder Einweihung wird der Schamane geprüft und die Verbindung zu den Geistern gestärkt und die Fähigkeiten erweitert.
Die Geister werden auch in den Heilsitzungen zur Unterstützung gerufen. Je nach Tradition gibt es unterschiedliche Hilfsmittel. Mit der Gebetskette, einem Gebet und dem Mantra wird der Kontakt zum Geist hergestellt. Dazu muss keine direkte Trance erfolgen. Dieser Geist wird befragt, zu den Ursachen, Veränderungen und Lösungen. Die daraus folgenden Methoden sind ganz unterschiedlicher Art. Sie reichen, um nur einige zu nennen, von der Anwendung diverser Heilkräuter bis zur Nutzung ritueller Weisheiten oder Hinweise zum Verhalten.
Schamanen unterstützen ihre rituellen Handlungen mit unterschiedlichen Utensilien, die sie nur zu diesem Zweck anwenden. Das kann der Schamanenmantel, die Trommel, der Schamanenstab, die Glocke und vieles mehr sein.


Die Autorin Petra Hinze ist eingeweihte Schamanin in der burjat-mongolischen Tradition. Ihr europäisches Heilwissen hat sie bei verschiedenen Lehrer/innen erworben. Das alte Wissen der Frauen liegt ihr besonders am Herzen. Ein Spezialgebiet sind die Frauenrituale. Ihr Angebot umfasst Einzelsitzungen, Seminare & Rituale.
weitere Infos www.petra-hinze.de


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