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Ausgabe Mai 2013
Allergien - eine Phobie des Immunsystems? Von Frank Henning

Ein neuer therapeutischer Ansatz verspricht schnelle Linderung bei Allergien

Eigentlich hat die Natur es gut organisiert: Das Immunsystem unterscheidet zwischen Selbst und Nicht-Selbst, d.h. zwischen Körperzellen einerseits und körperfremdem Gewebe (Viren, Bakterien, Proteine, Staub, Chemikalien) andererseits, und handelt entsprechend: Makrophagen greifen alles an, was ihnen in die Quere kommt, sie umschließen und verdauen es; auch körpereigene Zellen, wenn sie abgestorben, entartet, krank oder infiziert sind. Nur gesunde Körperzellen bleiben ungeschoren. Darüber hinaus wird nach einer gelungenen Abwehr von Viren oder Bakterien auch das spezifische Immunsystem aktiviert, um weitere Angriffe leichter abwehren zu können. Zur Allergie kommt es, wenn dieses Abwehrsystem fehlgeleitet wurde. Der „Fehler“ des Immunsystems: Es reagiert auf den Pollen so, als wäre es ein Virus! Aber warum? Neueste Forschungen deuten darauf hin, dass bei dieser Form der Allergien nicht eine Störung des Immunsystems vorliegt, sondern die Ursache im Autonomen Nervensystem zu suchen ist.
Eine Allergie ist eine übermäßig heftige Reaktion auf ständige Grenzverletzungen, die auf unterschiedlichen Ebenen (biologisch, seelisch, mental) stattfinden können.
Was wird uns nicht alles untergejubelt, auf allen drei Ebenen! Wir müssen lernen, Grenzen zu setzen. Wer sich nicht permanent gesellschaftlichem Anpassungsdruck unterwirft, ist für Allergien schon weniger empfänglich. Eine Allergie ist eine Methode, Grenzen zu setzen. Keine gute Methode, da sie doch den Allergiker selbst deutlich mehr belastet als die Umgebung. Aber sie funktioniert! Der Allergiker wird in Ruhe gelassen, niemand wird jemand zutexten, der gerade einen Niesanfall hat; auf zugequollene Augen reagieren die meisten Menschen mit Verständnis, mit liebevoller Distanz oder Fürsorge.

Möglichkeit der Heilung von Allergien
Wie können wir eingreifen, um die allergische Reaktion zu stoppen? Die Medizin versucht es auf der Ebene der Biomoleküle. Der Vorteil: Die Kassen übernehmen die Kosten und ein Erfolg ist möglich; die Erfolgsquote liegt unter 30 %. Der Nachteil: Die relevanten Anteile im Autonomen Nervensystem gelangen zu der gleichen Erkenntnis wie das Bewusstsein: „Mit mir wird etwas gemacht, ich bin passiv, ich kann nichts tun. Ich bin weder an der Entstehung der Allergie beteiligt noch an der Heilung.“
Wenn wir Allergien auf psychosomatische Weise betrachten, können wie sie auch so behandeln: Mit Psychotherapie. Wenn kein gravierendes Problem im Wege steht, wie z.B. Depression oder Sucht, lässt sich z.B. eine Birkenpollenallergie in 3-5 Sitzungen kurieren, ebenso Katzen- und Pferdehaarallergien. Während dieser Therapie lernt der Klient, sich zu zentrieren, körperlich zu sich zu kommen; und er lernt, sich abzugrenzen gegen eine übergriffige Umgebung. Dann ist die Allergie überflüssig, da ihr sekundärer Krankheitsgewinn auf eine andere Art und Weise sichergestellt wird. Und das Autonome Nervensystem kommt wieder ins Gleichgewicht, so dass für das Immunsystem Pollen wieder Pollen und Tierhaare wieder Tierhaare sind – harmlose Eindringlinge, die regulär entfernt werden können, das Normalste von der Welt.

Die Allergie verstehen und heilen
Damit dieser Prozess vollständig innerhalb einer Sitzung abgeschlossen werden kann, sind bestimmte Bedingungen erforderlich: Ein tiefes Vertrauen, sich führen zu lassen, und eine sorgfältige Vorbereitung. Sind beide Bedingungen erfüllt, kann dieses Verfahren meiner Erfahrung nach in über 90 % der Fälle zum Erfolg führen. Seit 1996 habe ich inzwischen über 100 Klienten in meiner Praxis mit diesem Verfahren behandelt.

Drei Fallbeispiele
Ein 14-jähriger Junge mit einer Gräser-Allergie. Er war sonst gesund, hatte Freunde und war sportlich, spielte gerne Fußball und Tennis. Aber: Von Juni bis September konnte er draußen keinen Sport treiben. Er kam aus einer liebevollen, stabilen Familie und war ausgeglichen. Seine Mutter war HP, er war aufgeschlossen für Psychotherapie und hat gut mitgearbeitet. Nach 3 Sitzungen trat die Allergie nicht mehr auf, zeigte sich aber im nächsten Jahr wieder, wenn auch weniger stark als vor der Therapie. Wir wiederholten die dritte Sitzung. Seitdem ist er vollständig allergiefrei. Es ist jetzt über 10 Jahre her, mit seiner Mutter habe ich noch bisweilen Kontakt.
Eine Sozialpädagogin, 34 Jahre, mit einer schweren Katzenallergie: Sie hatte eine Katze, auf die sie seit einigen Monaten mit asthmatischen Beschwerden reagierte. Der Rat des Hausarztes war simpel: „Katze weggeben!“. Dies kam für sie aus persönlichen Gründen nicht in Frage, da die Katze ihr in ihrer schwierigen Situation (arbeitslos, Trennung vom Lebenspartner) einen wichtigen persönlichen Halt gab. Wir haben 6 Sitzungen gebraucht, um ihre Katzenallergie zu heilen, was ungewöhnlich schnell für Asthma ist. Auch hier hat alles gestimmt: Wir haben die entscheidenden Punkte gut aufdecken und behandeln können. Nach 3 Jahren war sie immer noch vollständig allergiefrei, hatte inzwischen eine Ausbildung zur Gestalttherapeutin begonnen und wirkte auf mich sehr aufgeräumt und gut bei sich.
Ich selbst bin 1994 auf diese Weise von meiner eigenen Katzenhaarallergie geheilt worden und kenne somit die Methode nicht nur aus der Perspektive des Therapeuten, sondern auch aus der des Patienten.

Der Autor Frank Henning ist Hypnotherapeut und NLP-Lehrtrainer. Er unterrichtet seit 2000 an verschiedenen Instituten die Phobie- und die Allergiebehandlung mit NLP und Hypnose. In seine Praxis in Charlottenburg kommen Menschen mit Allergien, Phobien und Panikattacken. 2011 erschien sein erstes Buch: „Krieg im Gehirn – Wie uns der Stress beherrscht“; 2013: Bucherscheinung im Paulo-Freire-Verlag: „Oblomowerei – eine Vorstufe der Sucht?“
weitere Informationen: www.institut-für-gesundheitsförderung.de


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